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  1. #1
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Paris je t'aime (Diverse Regisseure, LIE / CH / D / F 2006)


    Paris je t‘aime (Diverse Regisseure, LIE / CH / D / F 2006)

    Eine urbane Liebeserklärung

    Paris je t‘aime ist ein Episodenfilm. 18 Regisseure haben sich daran gesetzt, mit einer Vielzahl von verschiedenen Schauspielern 18 Filme, die das imdb treffenderweise als „Segmente“ bezeichnet, zu drehen, die eines gemeinsam haben: Sie finden in Paris, der Hauptstadt von Frankreich und - wie viele glauben - der Hauptstadt der Liebe statt. Gleichwohl sind nicht alle Teile klassische Liebesgeschichten, aber alle Filme huldigen der Stadt als Schauplatz ihren Tribut, einer Stadt, die als weltoffen und tolerant gezeigt wird. Vor allem wird gezeigt, daß sie voller lebendiger Menschen mit Gefühlen, Ängsten und Bedürfnissen ist. Die Gewalt des banlieus, Fremdenfeindlichkeit, Tod und Enttäuschung kommen zwar auch vor, erhalten aber einen versöhnlichen Anstrich. Handwerklich unterscheiden sich die Segmente nicht wesentlich, offenbar wurden sie alle von derselben Crew gemacht, Ausleuchtung und Schnitt sind in etwa gleich. Dadurch wirkt das Gesamtwerk wie aus einem Guss und es zeigt sich besonders, wer ein Händchen für Regie und Drehbuch (hier eher ein Drehbüchlein) hat. Alfonso Cuaron (Children of Men) hat offenbar ein Vorliebe für lange Szenen mit einer bewegten Kamera, sein Segment (Parc Monceau) wurde in einer einzigen Einstellung gemacht. Vincenzo Natali und Wes Craven schufen natürlich Geistergeschichten und bei den Coen-Brüdern dürfen skurrile Typen auftreten.
    Auffällig ist die große Anzahl britischer und amerikanischer Schauspieler. Das mag von den Produzenten so gewollt sein, damit sich tüchtig mit ihren bekannten Namen werben läßt, aber unbedingt notwendig ist das nicht. Nichtsdestotrotz ist es amüsant anzusehen, wie Ben Gazzara und Gina Rowlands abgeklärt über ihre geschiedene Ehe lästern (Quartier Latin), wie Emily Mortimer am Grab von Oscar Wilde Liebeskummer bekommt (Pére-Lachaise) und wie ein herrlich polternder Nick Nolte die Straße entlangläuft (Parc Monceau).
    Dabei erliegen die wenigsten Regisseure der Versuchung, aus ihrem Teil ein hektischen Videoclip mit augesetzter Pointe zu machen. Das ist auch gut so, denn mit den oft nur angedeuteten Gefühlslagen bekommt der Film insgesamt mehr Tiefe als manch ein allein agierendes Werk, das dies in 100 Minuten nicht schafft und damit in der Belanglosigkeit versinkt. Paris je t‘aime ist zwar kein cineastisches Meisterwerk, aber durchaus nicht belanglos: Die große Dichte ist, was es zu einem sehenswerten Film für einen netten Kino- oder DVD-Abend macht.

    Fazit: Schöner Bilderbogen.

    Gesehen am Mittwoch, den 31. Januar 2007 um 16:45 Uhr im Original mit deutschen Untertiteln in der Schauburg in Karlsruhe.



    Wen‘s interessiert: Mir hat am besten gefallen, wie Juliette Binoche im Segment Place de Victoires es schafft, innerhalb der kurzen Zeit, die ihr zur Verfügung steht, die trauernde Mutter sehr glaubwürdig darzustellen, außerdem gleich das erste Filmchen (Montmatre) mit der Parkplatzsuche, aber ganz große Klasse fand ich die Episode mit der amerikanischen Briefträgerin, und das nicht nur wegen des drolligen Akzents.
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    Avatar von Mister_Crac
    Mister_Crac ist offline Moderator
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    Sehenswert. So viele Episodenfilme gibt es nun auch wieder nicht, und das hier ist ein gut gemachter.

    Was mich aber wundert ist, dass es so lange gedauert hat, bis dieser Film ins Kino kam. Ich kann mich gut erinnern, dass die Episode von Tom Tykwer (mit der süßen Natalie Portman) vor bestimmt bald vier Jahren (!) im Open-Air-Kino im Vorprogramm zu "Amélie" lief. Allerdings ohne das versöhnliche Ende, da ja zum Schluss von "Paris je t'aime" noch mal ein paar Sekunden zu einigen Episoden gezeigt werden.

    Und ja, die Geschichte mit den asiatischen Friseusen hab ich irgendwie nicht verstanden
    Geändert von Mister_Crac (27-02-2007 um 12:10 Uhr)

  3. #3
    Avatar von Worldwide
    Worldwide ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von Mister_Crac Beitrag anzeigen
    Und ja, die Geschichte mit den asiatischen Friseusen hab ich irgendwie nicht verstanden
    Moi non plus
    Aber egal.

    Ich fand die zweite Szena toll, wo diese 3 Jungs Mädels anmachen wollten und einer davon den Mut gefunden hat, diese herablassende und absolut nicht erfolgreiche Methode zu überwinden.
    Liebe ist eine Lebenseinstellung: Wer Liebe sät, wird Liebe ernten.

    Wir alle sind erst einmal Triebtäter, sind aber im Allgemeinen so frei, es nicht zu bleiben.
    Die Möglichkeit zur Entscheidung ist der entscheidende Qualitätssprung.

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