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  1. #1
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    La Vie En Rose (Olivier Dahan, F/GB/CZE 2007)


    La Vie En Rose (orig. La Môme, was die meisten Wörterbücher etwas piefig mit „Der Fratz“ übersetzen, Olivier Dahan, F / GB / CZE 2007): So sieht die Hauptdarstellerin Marion Cottilard aus, wenn sie nicht die Piaf spielt.

    Elle ne regrette rien

    Gerade, als das Biopic wieder aus der Mode gekommen zu sein scheint, eröffnete die Berlinale 2007 mit einem weiteren Film aus diesem Genre: La Môme beleuchtet nicht weniger als das Leben der französischen Ikone des Chansons: Edith Giovanna Gassion, später Edith Piaf, der Spatz. Eine Metapher für die französische Lebenskultur. Künstlerisch progressiven Franzosen mag diese Gleichsetzung auf die Nerven gehen, aber für das Ausland sind ihre Lieder in den üblichen klischeehaften Bars und Cafés, von der Quetschkommode begleitet, ein scheinbar ewiges Synonym. Daß der Film mehr will, als inländische Nostalgiebedürfnisse zu befriedigen, zeigt die beiden Tatsachen, daß es sich um eine internationale Produktion handelt und daß er auf der Berlinale seine Weltpremiere hatte.
    La Vie En Rose, wie er in Deutschland etwas unpassend heißt (das Leben der Edith Piaf war mitnichten „rosig“) hat handwerklich nichts überraschendes zu bieten: Der Film beginnt mit dem Tod der Sängerin und rollt abschnittsweise in Rückblenden ihr Leben auf, bis am Ende die beiden Handlungsstränge zusammenfinden. Wie zu erwarten war, endet La Môme mit dem für das Finale geradezu prädestinierten Lied Non, je ne regrette rien. Und wie das bei einem Biopic so ist, treten ein Haufen halbherzig oder gar nicht eingeführte Charaktere auf und einige Sachen werden nicht auserzählt. Regisseur Dahan, bisher eigentlich eher Thriller-Spezialist, griff offensichtlich nicht allzu oft in Buch und Umsetzung ein, seine Mitwirkung ist kaum zu sehen und daher schlingert der Film manchmal arg zwischen den vielen Darstellern hin und her. La Môme schöpft seine Sehenswürdigkeit hauptsächlich aus den neu eingespielten Chansons - die natürlich reichlich präsentiert werden - und aus der Hauptdarstellerin Marion Cottilard. Mit dem Kopf tief zwischen den Schultern und burschikosen Verhalten spielt diese spielt mit fast zu viel overacting ihre Protagonistin. Daß sie trotzdem glaubwürdig bleibt, hat sie auch den beiden Mädchen zu verdanken, die die jüngere Piaf verkörperten, vor allem Pauline Burlet als Zehnjährige gewinnt dem Charakter eine melancholische Note ab, die bei der Cottilard verloren geht.
    Leider wird der Film hierzulande kaum in der Originalfassung gezeigt. Ein kleiner Trost: Jasmin Tabatabai hat der Piaf eine hervorragend gut passende (Sprech-)Stimme verliehen.

    Fazit: Ordentliches Biopic mit viel schöner Musik.

    Gesehen am Donnerstag, den 1. Februar 2007 um 20 Uhr - leider nur in der deutsch synchronisierten Fassung - im Filmpalast am ZKM in Karlsruhe.
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    miss smilla ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    Ich habe den Film gestern gesehen und war fasziniert und beeindruckt. Allerdings mehr von diesem krisengeschüttelten Leben von Edith Piaf und von der schönen Musik. Ansonsten kann ich mich TBs Urteil anschließen - zu vieles kam zu kurz, wurde nur angerissen, der Film glich eher einer Aneinanderreihung von hochdramatischen Episoden, als dass man ein Gefühl für einen bestimmten Lebensabschnitt nach der Kindheit hätte gewinnen können. Vielleicht wäre ein chronologisches Vorgehen doch nachvollziehbarer gewesen, ich hatte jedenfalls trotz der eingeblendeten Jahreszahlen im Nachhinein Mühe, eine Chronologie herzustellen. Mir wurde auch nicht ganz klar, wer genau Louis (hieß er so? Der Mann, der einmal reinkommt, als sie mit dem jungen Amerikaner im Bett liegt und die beiden sich irgendwelches Zeug gespritzt haben?) war und welche Rolle er in ihrem Leben gespielt hat. Überhaupt fand ich nicht nur die meisten Nebenrollen, sondern auch Edith selbst (zumindest die Erwachsene) wenig einfühlbar (was natürlich im Falle der Piaf auch an deren kompliziertem Charakter liegen kann). Sehr gut gefallen haben auch mir die beiden jungen Ediths, das kann aber auch daran liegen, dass die Kindheit genauer und irgendwie "ganzheitlicher" (ich finde kein besseres Wort) dargestellt wurde als die anderen Abschnitte.
    Obwohl ich also durchaus einiges an dem Film auszusetzen hatte, hat er mich immerhin so sehr beeindruckt, dass ich am Schluss ein paar Tränen nicht zurückhalten konnte, was mir im Kino eigentlich eher selten passiert.
    Don't cry - work.
    Rainald Goetz


    Gedanken sind frei. Worte nicht ganz so.

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