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    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    300 (Zack Snyder / Frank Miller, USA 2007)


    300 (Zack Snyder / Frank Miller, USA 2007)

    Dulce et decorum est pro patria mori

    Eine Weile, nach dem 300 in den Städten plakatiert war, etablierte sich auf den Stammtischen und Kneipentreffs ein Witz über den Film, bevor dieser überhaupt gestartet war: Man fragte sich gegenseitig, ob man in den neuen Film namens „Zoo“ gehen wolle. Grund war die schlampige Typographie des Filmplakates, die eben diese Lesart zuließ, manche lasen auch „309“. Anfangs war auch der Rezensent darüber irritiert, was den ein halbnackter griechischer Krieger mit dem beliebten Tieraustellungsgarten zu tun habe. Der Film hatte trotzdem keinen schlechten Start. Auf der Berlinale als Geheimtipp gehandelt, entwickelte sich 300 zum (vorläufigen) Überraschungserfolg des Jahres 2007.
    Claudius Seidl beschließt seine vorzügliche Rezension (F.A.S. vom 1.April 2007, Seite 28) des Werkes mit den Worten „Was aber das Abendland angeht und die Frage, ob seine schärfsten Gegner aus dem Morgenland oder doch aus Hollywood kommen: Da werden wir Kinogänger wohl wachsam sein, die Lage weiter beobachten - und auf keinen Fall jenen kritikern glauben, die, wenn etwas nur schnell, laut und neu ist, vorsorglich die Alarmglocken läuten. Wann immer in der europäischen Geschichte das Abendland gerettet wurde, waren das Szenen, vor denen es jeden Abendlandsverräter graust.“
    Daß in 300 die Perser die üblen Schurken sind und die Griechen Demokratie und Vernunft mit ziemlich genau den Methoden verteidigen, die sie dem Gegner vorwerfen, darf man nicht so eng sehen. Der Film ist und bleibt eine Comicverfilmung und kein Dokumentarfilm mit viel Reinactment, der sich um historische Wahrheit und politische Korrektheit bemüht; somit kann man an 300 durchaus sein Freude haben, allzu verkopft sollte mn ihn jedoch nicht sehen.
    Ein angenehmer Nebeneffekt hat der Film: Die Macher haben sich recht anständig an das gehalten, was der Historiker Herodot (484-424 v.Chr.) über die Kriege gegen die Perser geschrieben hat; somit kommen auch Leute, die 300 sahen, in den Genuss von ein bisschen humanistischer Bildung, Zuschauer, die entweder überhaupt kein Abitur haben oder selbiges z.B. in Nordrhein-Westfalen ablegen mussten...
    Etwas ärgerlich ist das ständige Gebrabbel von den „heißen Quellen“, an denen die titelgebenden 300 Spartaner (oder von mir aus auch „Spartiaten“) ihre Heimat verteidigen (zumindest in der deutschen Synchronisation); wenigstens einmal hätte man die Thermophylen bei ihrem „richtigen“ Namen nennen können, so, wie dieser Paß in den Geschichtsbüchern steht. Damit wäre sicherlich kaum einer überfordert gewesen. Schließlich spricht ja auch keiner von der „Schlacht beim kleinen Großhorn“ 1876 in Montana oder die Belagerung vom „Kantinenberg“ 1943/44 in Italien.
    Nun gut, Snyder und Miller haben den Stoff ambitioniert und heroisch umgesetzt: Viel Slow Motion, Gegenlicht und kernige Sprüche kennzeichnen 300. Herausgekommen ist ein Kriegerepos, dem etwas weniger Pathos sicher gut getan hätte.
    Wanderer, kommst du aus dem Kino, in dem du 300 gesehen hast, so berichte den Daheimgebliebenen, daß der Film visuell sehr opulent und anschaubar ist, aber die Dialoge etwas zu wünschen übrig lassen, wenn gleich sie schon mal ungleich besser sind als die oft dämlichen Unterhaltungen in Frank Millers Vorgängerfilm Sin City.

    Fazit: Männerfilm! Huah!!!

    Gesehen am Dienstag, den 24. April 2007 um 19:30 Uhr im Filmpalast am ZKM in Karlsruhe.
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    Avatar von Seemops
    Seemops ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    Ja, auch ich habe diesen Film sehen dürfen. Nämlich mit zwei Männern in Begleitung, die schlichtweg begeistert waren. Was ein Wunder. Denn tatsächlich ist dies ein us-amerikanischer Männerfilm. Das betone ich deswegen, weil sowohl us-amerikanisches Pathos als auch eine "männerhafte" Story vorkommen. Und natürlich echte Männer!
    Meine Erwartungen waren nicht gerade berauschend. Ich dachte, der Film trieft nur so vor Pathos und langwierigen Sterbeszene. Allerdings war Pathos nicht so viel vorhanden, wie erwartet, und die Sterbeszenen waren auch nicht so schlimm.
    Also: mir hat der Film daher ganz gut gefallen, weil es ja noch schlimmer hätte kommen können. Optisch ist der Film natürlich ein Augenschmaus und man tut gut daran, den Film auch im Kino zu gucken, denn sonst braucht man ihn (eigentlich) gar nicht mehr sehen.
    Der Versuch, der Story mehr "Tiefe" zu geben, indem man noch einen Nebenplot in Sparta einbaut, war kläglich, da überflüssig. Braucht kein Mensch. Ich war da pinkeln.

    Dies ist ein Film, von dem man sich berauschen lässt, am besten in erster Linie von der Optik. Mehr sollte man mit diesem Film nicht anfangen, auch keine Diskussionen über faschistische Tendenzen. Und darüber wundern, dass Pathos vorhanden ist, sollte man sich eben auch nicht. Dann jedenfalls hätte man sich besser informiert, in was für einen Film man geht. Nämlich in eine Comicverfilmung, eine us-amerikanische. Mich wundert da nichts mehr. Wie gesagt: Schlimmer geht immer!
    "Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."

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