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  1. #1
    Flo! ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
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    Doktorand im Ausland - Finanzierung?

    Hallo zusammen,

    da ich neu hier bin, hoffe ich, das Thema wurde nicht bereits in aller Breite durchgekaut und ich bin nur zu blöd es zu finden :

    Ich möchte gerne mein Doktorandenstudium im Ausland machen und momentan bin ich auf der Suche nach einer guten Finanzierungsmöglichkeit. Es wäre klasse, wenn jemand entsprechende Banken oder Stiftungen kennt, die zu diesem Zweck einen Studienkredit, oder besser noch Stipendien vergeben.

    Danke schon mal!

    Flo!

  2. #2
    Avatar von KleinesGespenst
    KleinesGespenst ist offline Moderator
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    Hi Flo,

    es gibt tatsächlich schon einen (zugegebenermaßen eher verirrten) Thread in die Richtung, nämlich hier. Bei den Links dort sind viele Stiftungen aufgezählt. Aber Du solltest Dich ganz genau schlau machen, wie hoch der monatliche Satz im Vergleich zu den dortigen Lebenserhaltungskosten ist. Ein Stipendium ist grundsätzlich eine der schlechtesten Möglichkeiten, eine Doktorarbeit zu finanzieren ... *hust*

    Ich würde viel eher versuchen, eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu finden (da gibt es einige Ausschreibungen auf den jeweiligen Uni-Homepages).

    Viel Erfolg
    "Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du, Gott, hast uns herausgeführt ins Weite." (Psalm 66,12)

    Copyright Hier provisorisch die Quellenangabe: alles, was einen Bezug zu Otfried Preußlers kleinem Gespenst hat, ist aus: Preußler, Otfried: "Das kleine Gespenst", Thienemann-Verlag, 1984. Ab sofort distanziere ich mich jedenfalls vollständig von Otfried Preußlers kleinem Gespenst und bin ein beliebiges kleines Gespenst.

  3. #3
    Flo! ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
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    Hi,

    vielen Dank für den Link!

    Das Problem wird sein, dass in Großbritannien Stellen als wissenschaftliche Mitarbeiter nicht so großzügig gesäht sind, wie in Deutschland. Und wenn man an die Topunis geht, dann verlangen die von einem sogar ein volles Committment zum Studieren, ohne "Nebenjob".

    Warum findest Du ein Stipendium so schlecht?

    Flo

  4. #4
    Avatar von KleinesGespenst
    KleinesGespenst ist offline Moderator
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    Oh-oh ... Großbritannien ist sowieso ein schwieriges Pflaster für ausländische Promovierende. Für Briten gibt's zu den meisten Stellen Stipendien, wenn ich das richtig verstanden habe, aber an die kommen Nicht-Briten nicht ran. Da müßtest Du wirklich deutsche Stiftungen bemühen ...

    Warum ich ein Stipendium schlecht finde:

    1. Es gibt wenig Geld. Klar, mehr als man zum Studium hatte, aber nicht viel mehr und man hat auch mehr Ausgaben. Dafür, daß Du ein Diplom in der Tasche hast und so ein toller Student warst, daß Du ein Stipendium kriegst, mußt Du echt nicht für einen solchen Betrag arbeiten. Bzw. sollte das wirklich letzter Notnagel sein. Schon eine halbe BAT-Stelle würde für mich mit meinem Landesstipendium unter dem Strich 300 Euro mehr/Monat ins Portemonnaie bringen. Und das Geld, was Du kriegst, brauchst Du auch. Reserven aufbauen ist mit einem Stipendium kaum möglich.

    2. Du fällst durch alle Maschen durch. Niemand ist wirklich für Dich zuständig, und Du bist immer Bittsteller. Du mußt Dir Unterschriften (z.B. für Dienstreisen, um versichert zu sein) erbetteln, wenn Du beispielsweise auf eine Konferenz willst, mußt Du Dir die Mittel dafür komplett selber eintreiben; ich habe schon einmal mehr als eine ganze Woche damit verschwendet, 350 Euro zusammenzukriegen, die bei einem normalen Unihaushalt Peanuts sind. Wenn Du Versuche mit Probanden machst, mußt Du läppische Probandengelder großartig beantragen. Für Stipendiaten gibt es auch nichts, was mit einem Betriebsrat vergleichbar wäre. Du hast keine Pflichten, aber auch keinerlei Rechte. Du erfährst noch nicht einmal, wer Deine Mitstipendiaten sind, so daß Du Dich bei üblen Ungerechtigkeiten noch nicht mal mit ihnen zum geordneten Protest zusammenschließen kannst. Wenn die Leute Dich wie den letzten Dreck behandeln (egal, ob die Stipendienfritzen oder die, bei denen Du arbeitest), kannst Du nichts tun. Ich habe von einigen Stipendiaten gehört, die Lehre und diverse Drecksarbeit für ihren Prof machen mußten, obwohl er eigentlich gar keinen Zugriff auf sie hat.

    3. Weiterhin Geld: Krankenkasse: Du mußt Dich selber freiwillig versichern. Das geht in voller Höhe von Deinem Stipendium herunter. Das britische System kenne ich nicht, aber möglicherweise mußt Du sogar eine Auslandskrankenversicherung bemühen, wenn Du über eine deutsche Stiftung promovierst --> schlau machen!!!

    4. Du zahlst keine Steuern und nichts in die Rentenversicherung ein. In die Arbeitslosenversicherung auch nicht. Wenn Du nicht sofort nach Deinem Stipendium eine Stelle findest, kriegst Du in Deutschland Hartz IV und kein Arbeitslosengeld 1.

    5. Du vertrödelst enorm viel Zeit mit dem Schreiben von halbjährlichen Berichten. Das ist jetzt nicht nur schlecht, weil Du damit auch gezwungen bist, alle halbe Jahr ein Resümee zu ziehen, aber es bedeutet auch eine Menge Arbeit.

    6. Stipendien werden als 2+1 vergeben. Das heißt, Du kriegst sie zunächst für 2 Jahre bewilligt und dann, je nach Lage der Mittel, 1 Jahr verlängert. Oder auch weniger, wenn die Mittel wegbrechen. Private Stiftungen kalkulieren vielleicht besser als Bundesländer, aber mit ein wenig Pech stehst Du nach 2 Jahren auf der Straße. Und in der Zeit kriegst Du Deine Doktorarbeit nicht fertig. Bzw. kannst Du sowieso zu jedem halben Jahr von jetzt auf gleich abgesägt werden, wenn den Leuten Dein Bericht nicht gefällt, und kannst nichts dagegen tun. Dann hast Du eine halbfertige Doktorarbeit und mußt sehen, daß Du Dich entweder irgendwie mehr schlecht als recht mit irgendwelchen 3-Monats-Drittmittelverträgen durchschlägst oder Du mußt Dir dann eine reguläre Stelle suchen und hoffen, daß Du Deine bisherige Arbeit da irgendwie reinbringen kannst. Weitere Stipendien kannst Du in dem Moment nicht mehr anzapfen, weil da nur Leute genommen werden, die gerade anfangen.


    So, das war's erst mal, was mir einfällt. Ansonsten ergänze ich hier noch. Mein Rat an Dich ist, Dich um etwas anderes zu bemühen. Arbeite lieber nebenbei als Kellner oder sowas. Ein Politikdoktorand aus meinem Bekanntenkreis z.B. arbeitet nebenbei an der örtlichen Volkshochschule und unterrichtet dort deutsch für Ausländer. In meinen Augen deutlich besser als ein Stipendium, auch wenn er jeden Cent dreimal umdrehen muß.
    Geändert von KleinesGespenst (21-02-2007 um 13:36 Uhr)
    "Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du, Gott, hast uns herausgeführt ins Weite." (Psalm 66,12)

    Copyright Hier provisorisch die Quellenangabe: alles, was einen Bezug zu Otfried Preußlers kleinem Gespenst hat, ist aus: Preußler, Otfried: "Das kleine Gespenst", Thienemann-Verlag, 1984. Ab sofort distanziere ich mich jedenfalls vollständig von Otfried Preußlers kleinem Gespenst und bin ein beliebiges kleines Gespenst.

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