Dieses Verhalten der BILD, durch verkuerzte Zitate und "freie" Auslegung von Statistiken in der einen oder anderen Weise "Stimmung zu machen", ist leider nichts neues.![]()
Darueber kann man sich schon in Boells "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" aufregen. Wird der Name der Zeitung in dem Roman auch nicht eplizit erwaehnt, so steht doch auf der ersten Seite (vollstaendiges Zitat):
Personen und Handlung dieser Erzaehlung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Aehnlichkeiten mit den Praktiken der "Bild"-Zeitung ergeben haben, so sind diese Aehnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufaellig, sondern unvermeidlich.
Thema: BILD Dir Stoibers Meinung
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13-09-2002 20:40 #1Gast
BILD Dir Stoibers Meinung
Neben dem bayerischen Rundfunk wird nun auch Bild zum Verlautbarungsblatt der Bayerischen Staatskanzlei:
""Am 27. August titelt die "Bild"-Zeitung auf Seite 1 mit Bezug auf das Fernseh-Duell vom Sonntag zuvor: "Stoiber Sieger ". Tatsächlich ergaben die meisten repräsentativen Umfragen, dass eine knappe Mehrheit der Zuschauer Gerhard Schröder für überzeugender hielt. Nur im "großen" (nicht repräsentativen) "Bild-TED" gab es eine "überwältigende Mehrheit " für den Kandidaten Edmund Stoiber.
Auf Seite 2 schreibt die "Bild"-Zeitung am gleichen Tag: "Ähnlich sah es die Forschungsgruppe Wahlen (ZDF): Hier bescheinigten 41 Prozent der Befragten Stoiber eine höhere Kompetenz als Schröder (13 Prozent)." Tatsächlich ermittelte die Forschungsgruppe Wahlen, dass die meisten Befragten Schröder glaubwürdiger und sympathischer fanden als Stoiber. Darüber berichtet "Bild" nicht. Auch ausdrücklich nach höherer Kompetenz fragte die Forschungsgruppe nicht. Ähnliche Ergebnisse wie "Bild " sie nennt ergaben sich lediglich auf eine Frage, die die Zeitung nicht zitiert: "Wer kann am besten neue Arbeitsplätze schaffen? "
Ebenfalls auf Seite 2 der Ausgabe vom 27. August schreibt die "Bild"-Zeitung: "Die Nachrichtenagentur AP urteilte unterdessen, dass Schröder 'seiner Entthronung als volksnaher Medienpolitiker scheinbar widerstandslos' zugesehen habe." Tatsächlich geht der AP-Text weiter: "Dafür gab er sich als Staatsmann, der in vollem Bewusstsein des Ernstes der Lage mit ernstem Gesicht das Steuer fest in der Hand hält. Möglicherweise ist dies der Grund, warum er in den ersten Umfragen als überzeugender bewertet wurde. " Dieser Teil fehlt in "Bild".
Am 28. August titelt die "Bild "-Zeitung auf Seite 1: "Kanzler-Berater: Tempolimit auf allen Autobahnen!" Tatsächlich sagte Volker Hauff der "Berliner Zeitung ": "Die einzelnen Verkehrsträger müssen besser verknüpft werden. Der Aufbau von Mobilitätsberatung in den Ballungsräumen ist vernünftig und richtig. Auch ein Tempolimit würde den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren. Allerdings sollten wir die Auswirkungen einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf das Klima nicht überschätzen." Eine ausdrückliche Forderung nach einem Tempolimit auf allen Autobahnen findet sich nicht in seinen Antworten."
Am 29. August titelt die "Bild"-Zeitung auf Seite 1: "Gleicher Trend bei allen Umfragen - Rot-Grün ohne Mehrheit ". Tatsächlich war der Trend bei allen Umfragen, dass Rot-Grün an Zustimmung gewinnt und Schwarz-Gelb neuerdings in der Sonntagsfrage bei einzelnen Instituten ohne Mehrheit ist.
Am 30. August titelt die "Bild"-Zeitung auf Seite 1: "Job-Alarm im August! 240.000 Arbeitslose mehr?" Tatsächlich gingen die Experten aber zu diesem Zeitpunkt bereits davon aus, dass die Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat leicht zurückgegangen ist. Der Anstieg um über 240.000 bezieht sich auf den Vergleich zum August 2001. Im Jahresvergleich hat sich die Erhöhung der Arbeitslosenzahlen damit weder dramatisch beschleunigt noch hat sie sich verlangsamt.
n-tv.de ergänzt:
Die "Bild am Sonntag" titelt am 1. September auf Seite 2: "Arbeitslosen-Schock! Jede 2. Firma im Dax plant Job-Abbau". Tatsächlich belegen die von "Bild" vorgelegten Daten allenfalls für acht der 30 Dax-Unternehmen einen signifikanten Stellenabbau. Im Fall von Siemens werden bereits seit April 2001 laufende Stellen-Kürzungen in die Rechnung einbezogen, vier Firmen setzt "Bild" mit dem Vermerk "Stellenabbau nicht ausgeschlossen " mit auf die Liste.
Am 2. September schreibt die "Bild"-Zeitung zu Wahlkampfauftritten von Schröder und Stoiber auf Seite 1: "12.000 Unions-Anhänger feierten in Düsseldorf Kanzlerkandidat Edmund Stoiber mit stehenden Ovationen. Stoiber erklärte, bei der Wahl gehe es um eine 'Richtungsentscheidung zwischen weiter abwärts oder endlich wieder aufwärts'. Am Vortag hatte der Kanzler vor 6.000 Anhängern in Hamburg vor einem Erstarken des Rechtspopulismus gewarnt." Tatsächlich beschäftigte sich die Rede Schröders in Hamburg mit allen Themen des Wahlkampfs. Die Bemerkung zum Rechtspopulismus stand eher am Rande und im Kontext des Auftritts von Hamburgs Innensenator Schill im Bundestag am Donnerstag zuvor.
Am 5. September titelt die "Bild"-Zeitung auf Seite 2: "Neue Wahl-Umfragen immer verwirrender". Tatsächlich hat sich an der Tatsache, dass die Umfrage-Ergebnisse der verschiedenen Meinungsforschungs-Institute zum Teil um mehrere Prozentpunkte differieren, seit Wochen nichts geändert. Einzige Änderung im Vergleich zu den Vorwochen ist der bei allen Instituten zu konstatierende Trend einer wachsenden Zustimmung für Rot-Grün.
Auf derselben Seite betitelt die "Bild"-Zeitung das Portrait von Edmund Stoiber: "Seit Wochen auf dem ersten Platz, derzeit mit leichten Verlusten: Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (60, CSU)." Tatsächlich hat Unions-Kanzlerkandidat Stoiber bei den persönlichen Umfragewerten bisher noch bei keiner repräsentativen Umfrage an der Spitze gelegen. Im Gegenteil gibt es seit Beginn der Umfragen zur Bundestagswahl eine Schere zwischen der Zustimmung für die Union und der mehrheitlichen Ablehnung Stoibers.
Am 6.September titelt die "Bild"-Zeitung auf Seite 1: "Wieder über 4 Mio Arbeitslose". Tatsächlich war die Zahl der Arbeitslosen im August verglichen mit dem Vormonat um 28.000 leicht zurückgegangen. Zwar wurde dadurch die 4-Millionen-Grenze auch nicht unterschritten; ein neuer Trend nach oben jedoch war dies nicht. Auf die Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit in Bayern im August gegen den Bundestrend besonders stark gestiegen ist, verweist die "Bild"-Zeitung dagegen nicht. Tatsächlich trug der Freistaat - freilich mit immer noch niedriger Arbeitslosenquote - mit mehr als einem Viertel zur bundesweiten Zunahme der Erwerbslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat bei. Den Hinweis hierauf überlässt "Bild " auf Seite zwei einem auf Andeutungen reduzierten Zitat Franz Münteferings am Ende des Artikels.
Ebenfalls am 6. September titelt die "Bild"-Zeitung auf Seite 2: "Wirbel um Verteidigungsminister Struck - Soldaten sollen SPD wählen ". Tatsächlich hatte der Bundesverteidigungsminister zwar eine umstrittene Unterstützungs-Aktion unter dem Titel "Soldaten für Schröder" initiiert; ein Aufruf zur Wahl der SPD richtete Struck jedoch nicht an die Truppe.
Am 10.September meldet die ?Bild-Zeitung? auf Seite 2 unter der Überschrift ?165.000 riefen beim großen Bild-TED an?: ?Ganz Deutschland diskutiert: Schröder oder Stoiber ? wer war besser beim TV-Duell? und kommt zu dem Ergebnis: ?79,8 Prozent der Anrufer fanden Stoiber besser. Nur 20,2 Prozent überzeugte dagegen Kanzler Schröder?. Tatsächlich zeichneten die Meinungsforschungsinstitute ein anderes Bild: Die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte eine Zustimmung für Schröder von 49 Prozent, nur 26 Prozent sahen in Stoiber den Duell-Sieger. Bei Infratest Dimap fanden 50 Prozent Schröder, 29 Stoiber besser."
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13-09-2002 21:22 #2
Re: BILD Dir Stoibers Meinung
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13-09-2002 22:52 #3
Moderator
- Registriert seit
- 09.05.2002
- Beiträge
- 158
"Focus" noch einseitiger als BILD. Naja, man kann alles lesen, sollte aber nicht alles glauben.
Achtung, hier spricht der Obererleuchter
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14-09-2002 00:40 #4KIGG Gast
es ist doch aber erschrekend mit welcher gier viele tausend menschen jeden morgen die gefilterten informationen aus ihrer "bild" 'saugen'!
aber so gesehen ist die "bild"-redaktion genial! sie gibt der menge das was sie will und kriegt dafür was jeder will - geld und macht! manipulation der simpelsten und der am weitesten verbreiteten art!
"bild dir unsere meinung!"
ideologien trennen menschen!
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14-09-2002 12:39 #5
Na super!
Das nenn' ich mal gelungenen Enthüllungsjournalismus! Respekt! Verzeih, Namenloser, wenn ich nicht aufstehe und Deinen mutig-forschen Wahrheitsdrang beklatsche!Original geschrieben von Gast
Neben dem bayerischen Rundfunk wird nun auch Bild zum Verlautbarungsblatt der Bayerischen Staatskanzlei: [...]
Was soll das eigentlich?
Ich bin froh, wenn ich BILD im täglichen Leben nicht begegnen muss, und jetzt bekomme ich von Dir dieses Käseblatt in epischer Breite durchzitiert? Wer naiv genug ist, die Meldungen dieses Tageswitzes für "bare Münze" zu nehmen, der ist (selbst) von Deinen "Klarstellungen" nicht umstimmbar; alle anderen Leser (5%?) wissen ohnehin um den Informationsgehalt dieses Belustigungspamphlets und brauchen Deine heilige Empörung nicht . . .
Ohnehin: Wenn Du Dich investigativ profilieren willst, deck doch mal auf, an wie vielen Blättern dieser schönen Republik die SPD [nicht eben unbeachtliche] Anteile hat (ein Risesbatzen, nämlich!) & stell das mal der CDU gegenüber (= 0% !!!). Das empfinde ich als skandalös!
Parteilichkeit wird erst dort peinlich und vielleicht sogar gefährlich, wo man sie nicht gleich als solche ausmachen kann.
Bin froh, mich gegen den Beruf "Jounalist" entschieden zu haben. Will schließlich sauber bleiben. Und in den Himmel kommen. Wenn es ihn gibt, heißt das.
A.
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