Wenn es wirklich irgendwas was bringt und nicht einfach nur die Arbeitnehmer bei längeren offiziellen Zeiten weniger Überstunden anhäufen, bringt es mehr Arbeitnehmer, die vor Überlastung zusammenklappen und mehr Arbeitslose.
Positives sehe ich echt nicht![]()
Thema: Länger arbeiten???
Umfrageergebnis anzeigen: Längere Arbeitszeiten: Bringt es was für Deutschland?
- Teilnehmer
- 14. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
-
Ja
5 35,71% -
Nein
3 21,43% -
Weiß nicht
1 7,14% -
Ein Rudel Gurken, durch den Wald hüpfend
5 35,71%
+ Antworten
Ergebnis 1 bis 5 von 68
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26-05-2006 09:51 #1
Länger arbeiten???
Was meint ihr, bringt eine längere Wochen-/Lebensarbeitszeit wirklich etwas für unsere Wirtschaft? Oder schafft sie noch mehr Arbeitslose?
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26-05-2006 10:15 #2"Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du, Gott, hast uns herausgeführt ins Weite." (Psalm 66,12)
Copyright
Hier provisorisch die Quellenangabe: alles, was einen Bezug zu Otfried Preußlers kleinem Gespenst hat, ist aus: Preußler, Otfried: "Das kleine Gespenst", Thienemann-Verlag, 1984. Ab sofort distanziere ich mich jedenfalls vollständig von Otfried Preußlers kleinem Gespenst und bin ein beliebiges kleines Gespenst.
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26-05-2006 10:17 #3
Zunächst mal zur Lebensarbeitszeit:
Ja, natürlich bringt da ne Verlängerung der maximalen Zeiten was. Bekanntermaßen steigt das Lebensalter infolge besserer Medizin, der "Sättigungswert" liegt bei geschätzt 120 Jahren und damit noch in weiter Ferne.
Die Frage ist nun, welche Lebensspanne verlängert wird: Die, in der Produktivtätigsein möglich ist oder die, in der die Leute vor sich hin vegetieren und auf den Typen mit der Sense warten. Ganz offenbar ist es doch die erste Phase, die sich verlängert: Die Leute bleiben länger aktiv, also können sie in dieser Zeit auch arbeiten, Wertschöpfung betreiben und für die Zeit vorsorgen, in der sie dann wirklich nicht mehr ackern können. Je größer das Verhältnis von Arbeits- zu Nichtarbeitszeit, umso besser ist es bestellt um die Vorsorgesituation der Arbeitnehmer.
Und zur Wochenarbeitszeit:
Da wir ja nun schon mal in nem Absolventenforum sind, kann man ja mal kurz die Feststellung wagen, dass in Lehre und Forschung praktisch niemand nach Stechuhr arbeitet und pünktlich nach Dienstschluss den Bleistift/Lötkolben/Bunsenbrenner aus der Hand fallen lässt (und die, die's doch tun, sind eh fehl am Platze und halten sich nicht lang): Im Regelfalle sind das Überzeugungstäter, die eben dann Schluss machen, wenn es sinnvoll ist - das kann früher, aber auch später sein, als es die Gewerkschaft gerne hätte.
Ich denke, in der freien Wirtschaft sollte man das ähnlich handhaben: Überstundenregelungen auf Monatsbasis gibts ja schon längst - warum den Betrachtungszeitraum nicht ausdehnen? Wenn die Firma ein paar Jahre auf nem Konjunkturhoch surft und Aufträge hat bis unters Dach, warum sollten die Mitarbeiter dann nicht statt 40 eben 45 Stunden die Woche schaffen? Wenn der Stundenlohn der gleiche bleibt, ist dagegen doch nix zu sagen - so kann jedemann Puffer anlegen für die Zeiten, in denen eben Flaute ist und die Aufträge eben in 35 oder gar 30 Stunden abgespult werden können.
Sicher: Wenn alles boomt, kann man natürlich die Stundenzahl deckeln und dafür neue Leute einstellen (wenn das Arbeitsaufkommen durch die Decke geht, wird sich das auch gar nicht anders machen lassen). Allerdings müssen die erstmal neu angelernt werden und sind zu Beginn ne Weile unproduktiv, und zweitens sind das eben diejenigen, die in der Flautephase auch wieder als erste gehen.
Ich persönlich finde es besser, wenn die Personalfluktuationen im Unternehmen niedrig bleiben und Mehrarbeit von den Kollegen geleistet wird, die schon da sind, anstatt dem Konjunkturzyklus mit Hire&Fire hinterher zu laufen und so unnötige Nervosität in die Firma zu bringen.
P.S. In der Summe geht es ja bei genauerer Betrachtung eh nicht um eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit: Im Durchschnitt bleibt sie gleich, nur der Betrachtungszeitraum, über den gemittelt wird, ändert sich.
Das bringt das Stichwort "Flexibilisierung" ins Spiel: Ich denke, wenn man eine solche auf allen Zeitskalen ins Auge fasst, solte man das auch in einer konsequenten Art und Weise tun. Mir jedenfalls ist nicht klar, weshalb der Ober, der mir mein Essen bringt, der Orchestermusiker, der für mich spielt und die Schließerin, die mir im Foyer das Programmheft verkauft, all dies auch am Sonntag tun können, während die Einzelhändlerin in der Drogerie, der Beamte im Rathaus und der Fachverkäufer im Baumarkt unter solchen Belastungen offenbar zusammenbrechen würden, so dass man sie qua Gesetz vor den unzumutbaren Unbillen der Sonntagsarbeit schützen muss.
Keine der genannten Personen verrichtet eine Tätigkeit, die lebensrettend ist - wieso kann/darf/muss die eine sonntags arbeiten, aber die andere nicht?Geändert von Düsentrieb_610 (26-05-2006 um 11:01 Uhr)
"Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
(Jean-Jacques Rousseau)
"Science flies you to the moon.
Religion flies you into buildings."
(Victor Stenger)
Am Ende wird alles gut.
Und falls nicht, ist es nicht das Ende.
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26-05-2006 10:53 #4
Zu Deinen Argumenten:
- eine flexible Arbeitszeitregelung wäre wahrscheinlich wirklich ein Vorteil. Wenn z.b. der Arbeitgeber bei festem Stundenlohn flexibel bestimmen kann, ob er seine Leute 30 oder 45 Stunden arbeiten lässt. Das ist aber ein Unterschied zu einer starren Erhöhung - und wird nicht immer nur ein allgemeine Erhöhung diskutiert (bitte korrigier mich, wenn ich mich irre)?
- Die Lebensarbeitszeit zu verlängern, wenn alle Menschen älter werden, macht Sinn. Was aber, wenn nicht genug Arbeit für alle vorhanden ist? Lässt man dann die jungen, leistungsfähigeren, arbeitslos, während die Älteren bis 70 arbeiten dürfen?
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26-05-2006 11:54 #5Kann hier sinnvoll sein und wiederum dort nicht , denn das ist eine betriebswirtschaftliche Sache.
Zitat von Schwarzwälder
Die Frage wieviel und auf welche Weise gearbeitet oder vergütet wird, sollte jedes Unternehmen selbst entscheiden können .
Wobei ich als Unternehmen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ansehe.
Schlicht und ergreifend : es ist immer genug Arbeit da.
Zitat von Schwarzwälder
Arbeitslosigkeit entsteht nur wenn das Wirtschaftssystem aus dem Gleichgewicht gekommen ist , z.B. durch künstliches Verteuern von Arbeit oder selbst schlechte Stimmung, und wenn dem Wirtschaftssystem die Fähigkeit/Geschwindigkeit zur Anpassung genommen wird , z.B entsprechende bürokratische Hürden.
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