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  1. #1
    Zwiebel ist offline "Doktor" (300-499 Beiträge)
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    Riester Gutachten über Zuwanderung?

    Hey zusammen,

    mein Wecker hat heute um halb 12 (keine Kommentare dazu erwünscht ^^) geklingelt und ich habe noch den Schluss der Leute Sendung im SWR1 mitbekommen. Folgende Zusammenfassung kann Fehler enthalten, war noch etwas verschlafen: Der Gast, ein gewisser Prof Birg, Bevölkerungswissenschaftler, Prof an der Uni Bielefeld, http://www.herwig-birg.de/, hat ein Gutachten der Riestergruppe zitiert, nachdem durch Zuwanderung die deutschen Sozialsysteme mehr belastet als entlastet werden.
    Begründung unter anderem: Die Zuwanderungskinder schaffen die Schule sowíeso meistens nicht und wandern direkt/indirekt in die Sozialhilfe. Jeder Zuwanderer belastet die Systeme demnach mit 2000Euro jährlich und senkt durch seine Arbeitslosigkeit das durchschnittliche Einkommen (oder wie heißt das durchschnittlich verfügbare Einkommen nochmal, das die Wirtschaft so gerne nennt?).
    D.h. wirtschaftlich sind Zuwander abzulehnen. Bei der Frage nach dem kulturellen Beitrag durch Zuwanderung solle man doch überlegen, ob Kulturen, bei denen Ehrenmorde selbstverständlich seien, wirklich eine Bereicherung seien.

    Abgesehen davon, dass ich das alles als sehr platt empfand (siehe Vereinfachung der kulturellen Aspekte auf Ehrenmorde), frage ich mich: Hat jemand schon was von dieser Riester-Unterschung gehört?
    In seinem Beitrag bei der bpb (Bundeszentrale für politische Bildung) sieht das etwas differenzierter aus. http://www.bpb.de/publikationen/KN8W...lung.html#art3
    Aber so wie das im Radio klang /rüberkam, war das ideales Futter für jeden Rechtsradikalen.

    Mein Problem ist eben, dass meine Mutter im Bereich "Ausländer" arbeitet und ich daher sehr wohl mitbekommen habe, wie erfolgreiche Integration aussehen kann. Und dann kotzt mich so ein platter Spruch einfach an. Mich hätte diese Untersuchung interessiert und welche Folgen demnach vorgeschlagen werden, vor allem da die Wirtschaft gezielte Zuwanderung ja immer fordert. Eigentlich wollte ich ja in den Chat, aber da war gerade niemand. Also musste ich das hier loswerden.

    Grüße


    Rahmendaten:
    Sender SWR1
    Dienstag, 30.5.2006, 10.00 bis 12.00 Uhr
    Gast: Prof. Herwig Birg, Bevölkerungswissenschaftler

  2. #2
    Avatar von Lordi
    Lordi ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
    Registriert seit
    01.07.2002
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    Ein bißchen flach klingt das in der Tat. Man muss bei irgendwelchen Studien ja auch immer beachten, wer die Studie erstellt hat. Je nach Präferenz derjenigen, kann man da manche Sachen in seinem Sinne auslegen. Allerdings will ich der betreffenden Gruppe da erstmal nichts vorwerfen.

    Ich hatte ja mal irgendwo gelesen, dass unterm Strich Deutschland von Ausländern profitiert - das, was sie an Steuern usw. hier lassen, übersteigt das, was für sie ausgegeben wird. (Leider hab ich den Link nicht mehr.) Es gibt also auch Stimmen, die das anders sehen. Was nun stimmt, keine Ahnung ...

    Richtig ist aber wohl, dass die Sozialsysteme durch Ausländer verhältnismäßig stark belastet werden - die Arbeitslosenquote unter Ausländern und Immigranten ist schlicht und einfach größer, und viele dürfen aufgrund ihres Aufenthaltsstatus auch gar nicht arbeiten. Ob es insgesamt, also über die Sozialsysteme hinausgehend, ein Verlustgeschäft ist, ist bei weitem nicht so klar.

    Bei der Frage nach dem kulturellen Beitrag durch Zuwanderung solle man doch überlegen, ob Kulturen, bei denen Ehrenmorde selbstverständlich seien, wirklich eine Bereicherung seien.
    Bei allen Problemen, die Zuwanderung mit sich bringt: Ehrenmorde als selbstverständlich unter den Kulturen von Zuwanderern zu deklarieren ist schon nicht mehr nur dreist und populistisch, sondern schlicht auch rassistisch.

    Ansonsten: Auch wenn Einwanderung sich nicht "lohnt", was will man machen? Die Grenzen abriegeln? Nur reiche Ausländer reinlassen? Die gescheiterten Existenzen mit Migrationshintergrund sofort alle rauswerfen? Und was mit denen, die mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft haben (und fast die größten Probleme aufwerfen)?

    Egal, zu welchem Schluss man kommt: Vieles ist derzeit gar nicht groß änderbar. Und da die Politik dazu neigt, um langfristige Projekte einen großen Bogen zu machen, bleibt vieles davon bloß populistische Ereiferung.
    "Nicht wer am ältesten wird, hat am längsten gelebt, sondern wer am stärksten erlebt hat. Mancher wird mit hundert Jahren begraben, der bei seiner Geburt gestorben war."

  3. #3
    Unick Gast
    Zitat Zitat von Lordi
    Ehrenmorde als selbstverständlich unter den Kulturen von Zuwanderern zu deklarieren ist schon nicht mehr nur dreist und populistisch, sondern schlicht auch rassistisch.
    Wieso rassistisch? Finde ich nicht. Ich sehe da keinen Zusammenhang.

    Ich dachte, Rassismus zeichnet sich gerade dadurch aus, das man allein aufgrund irgendwelcher Rassenzugehörigkeit (oh sorry natürlich meine ich Ethnienzugehörigkeit) über irgendwen etwas bestimmtes denkt oder jemandem etwas tut.
    Wenn man nun irgendetwas aufgrund irgendeiner Religion oder Kultur denkt, oder tut, ist das in meinen Augen nicht rassistisch motiviert.

    Ich denke, es ist nicht der Sache dienlich, irgendwelche Begriffe zu verwässern. Ist jetzt alles ungerechte, das Ausländern wiederfährt, Rassismus?

    Sind Vorurteile gegenüber Lehrern, Linkshändern oder Formeleinsfans rassistisch?

  4. #4
    Avatar von Lordi
    Lordi ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
    Registriert seit
    01.07.2002
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    1.654
    Zitat Zitat von Unick
    Wieso rassistisch? Finde ich nicht. Ich sehe da keinen Zusammenhang.

    Ich dachte, Rassismus zeichnet sich gerade dadurch aus, das man allein aufgrund irgendwelcher Rassenzugehörigkeit (oh sorry natürlich meine ich Ethnienzugehörigkeit) über irgendwen etwas bestimmtes denkt oder jemandem etwas tut.
    Wenn man nun irgendetwas aufgrund irgendeiner Religion oder Kultur denkt, oder tut, ist das in meinen Augen nicht rassistisch motiviert.

    Ich denke, es ist nicht der Sache dienlich, irgendwelche Begriffe zu verwässern. Ist jetzt alles ungerechte, das Ausländern wiederfährt, Rassismus?

    Sind Vorurteile gegenüber Lehrern, Linkshändern oder Formeleinsfans rassistisch?
    Im Prinzip hast Du recht: Ich habe auch länger überlegt, welches Wort ich gebrauchen soll. "Ausländerfeindlich" ist offensichtlich und trifft es auch nicht ganz. Ich habe daher "rassistisch" im weiteren, oft genutzten Sinn gebraucht, was aber in der Tat nicht ganz sauber ist. (Wiewohl eine Kultur näher an Ethnie dran ist als die Eigenschaft, Linkshänder zu sein.)

    Bloße Vorurteile sind das aber wohl eher nicht. (Wenn ja, dann ist entweder der Professor Birg oder die "Riestergruppe" - mir ist gerade nicht ganz klar, wer die Behauptung losgelassen hat - reichlich ungebildet.) Gibt es dafür ein Wort?
    "Nicht wer am ältesten wird, hat am längsten gelebt, sondern wer am stärksten erlebt hat. Mancher wird mit hundert Jahren begraben, der bei seiner Geburt gestorben war."

  5. #5
    Astir01 ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    5.278
    Wie immer neigen Zusammenfassungen dazu, auch argumentativ zu verkürzen und Dinge durcheinander zu werfen.
    Es sind nicht die Aussagen der Studie zur Migration, die Wasser sind auf den Mühlen der Neonazis und den ewig Gestrigen unter den Berufskonservativen. Dafür brauchen diese Gestalten doch keine Studien.
    Diese Aussagen bestätigen doch nur mit konkreten Zahlen den Eindruck, den jeder auch in der Vergangenheit schon gewinnen konnte.

    Die Studien zu diesem Thema haben da ihren Wert, wo sie ein Problem (überproportional hoher Anteil der Ausländer unter Tatverdächtigen) direkt mit einer Ursache verknüpfen und aufzeigen, wo die Kette von Zusammenhängen am wirksamsten unterbrochen werden könnte.
    Eltern bildungsferne Ausländer -> Kinder sprechen in Familie kein Deutsch -> Schwierigkeiten in der Schule -> Eltern versuchen nicht gegen zu steuern -> Schulversager ohne Abschluss -> Keine Chance auf umkämpftem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt -> Nix zu tun -> Karrierebeginn als Kleinkrimineller.

    Diese Kette zeigt auf, dass es viel zu spät ist, sich von Staats wegen erst mit den arbeits- und perspektivlosen Schulversagern zu beschäftigen sowie Zuwanderungsbeschränkung und - regulierung zu fordern.
    Die Probleme sind schon da und müssen zum frühest- möglichen Zeitpunkt, in den Familien und Kindergärten, angepackt werden.
    Kleine Kinder brauchen keine Leitkulturdebatte, keine deutsche Nationalhymne auf Türkisch und keine staatlich (BND-) geprüften Vorbeter.
    Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
    (Silvia Arroyo Camejo)

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