Ich finde es auch seltsam mit welchen Methoden hier gearbeitet wird. Da erklärt ein Staatschef jemand anderen zu seinem Feind und weil er den nicht mag, der vielleicht auch mal irgendwelche Gesetze nicht ganz korrekt eingehalten hat und vielleicht das eine oder andere Verbrechen begangen hat, schickt man einfach seine Soldaten los und läßt Bomben auf menschliche Ansiedlungen fallen, die nicht nur den als Feind benannten, ohne rechtstaatliches Urteil vernichten, sondern auch andere Menschen gefährdet, verletzt und getötet haben? Vom verursachten Sachschaden wollen wir hier gar nicht reden. Der wäre ersetzbar, die Menschenleben nicht. Und die westliche Welt feiert Totschlag oder Mord hier in dem Fall als Sieg?
Es würde mich nicht wundern, wenn es bald auf der anderen Seite vom großen Teich wieder kracht.
Hmm. Und heute beginnt die Fußball-WM. Das Ereignis, wo alle so große Sicherheitsbedenken haben, weil in München, Berlin, Leipzig und Gelsenkirchen tausende Menschen sich als Zielscheiben zusammenfinden...
Ich will nicht.
Thema: Jubel über Tod
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08-06-2006 15:58 #1
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Jubel über Tod
Die Nachricht ist nichts neues: Topterrorist Sarkawi ist tot. Nun, es wird kaum jemand sagen können, einer, der Geiseln getötet hat und Anschläge organisierte, bei denen Unschuldige ums Leben gekommen sind, nicht den Tod verdient hätte. Selbst wenn ich der Todesstrafe skeptisch gegenüberstehe, dann hätte sie im Fall von Terroristen die Menschenleben auf dem Gewissen haben, ihre Berechtigung. Aber damit hört mein Lobpreis über seinen Tod auf. Es ist zwar sehr glaubhaft, dass es schwierig gewesen wäre, ihn lebend zu fassen und vor ein ordentliches Gericht zu stellen, und dass es der einfachste Weg war, ihn mit einem Luftschlag zu eliminieren (hat jemand von den Kollateralschäden bei dieser Operation was gehört?). Aber dann hätte man seinen Tod feststellen sollen, ihn als Tatsache hinnehmen und fertig. Aber was geschieht? Bush jubelt, Blair jubelt, die Journalisten, denen die Nachricht überbracht wird, applaudieren. Das ist jetzt aber höchst problematisch. Denn man kann doch nicht einen Menschen gezielt töten, zugleich Richter und Henker spielen, und sich dann als der grosse Sieger aufführen. Natürlich, man kann das. Aber dann muss man dem Rechtsstaat abschwören, wie das die Terroristen eben auch tun. Denn wenn die Politik und Presse darüber jubeln kann, dass ein Topterrorist getötet worden ist, wie sollen wir dann den islamischen Fundamentalisten erklären, dass es schlecht ist, wenn sie etwa einen Anschlag auf die führenden westlichen Politiker, oder auf US-amerikanische Generäle ausführen, die in ihren Augen auch nicht besser als Terroristen sind, da bei ihren Angriffen ebenfalls Unschuldige ums Leben gekommen sind? Und das mit dem 25 Mio Dollar Kopfgeld ist auch eines zivilisierten Staates nicht würdig.
Ob sein Tod einen Rückgang der Anschläge zur Folge haben kann, weiss ich nicht, auch nicht, ob die Anschläge nicht sogar zunehmen werden. Aber meine Frage richtet sich vielmehr aufs Prinzip, wie sich die "zivilisierte" Welt heute verhält.
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09-06-2006 13:28 #2
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09-06-2006 14:51 #3
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Normalerweise
bin ich kein fan von rauchenden Colts.
In diesem Fall jedoch, im Falle des größten Arschloches unter der Sonne, bedauere ich es lediglich, dass dieser Schurke, Ahmad Nazzāl al-Chalaila, der sich selbst az- Zarqawi nannte, nicht mindestens ebenso lange Todesqualen leiden musste wie all die Geiseln zusammengenommen, die er persönlich ermordet hat.
In fact hätte ich es sogar begrüßt, wenn man ihn buchstäblich an den Eiern angebunden und durch die Straßen geschleift hätte.
Ich glaube sogar, dass durch das Fehlen des obersten Hetzers im Irak nicht nur die Welt ein besserer Ort ist, sondern das insbesondere der Irak dadurch ein besserer Ort ist. Solch ein Riesenarschloch findet sich selbst dort so schnell nicht nochmal.
Die Kerle, die mit ihm dort in dem bombadierten Haus ins Gras gebissen haben, waren vermutlich vom gleichen Schlage wie er, az- Zarqawi selbst. Da gilt für mich der Grundsatz: mitgefangen - mitgehangen.
Wer sich einem solchen Scheusal anschließt, muss eben damit rechnen, dass die irakischen oder amerikanischen Sicherheitskräfte sie nicht höflich zur Kapitulation auffordern, sondern die Schlangengrube ausräuchern statt den Kopf hineinzustecken und zu fragen, ob jemand zuhause ist.
Trotzdem juble ich nicht. Ich empfinde lediglich grimmige Genugtuung darüber, dass es wieder einen Namen weniger auf der Liste der größten Arschlöcher gibt.
Sollten sich für die Fussball- WM bereits Anschläge oder sonstiger Unmuß in Planung oder gar Vorbereitung befinden, dann wird der Tod az- Zarqawis daran wohl nichts ändern. Die Bombenleger werden wegen ihm wohl kaum noch ein paar Nägel zusätzlich ins Dynamit stecken.
Auch werden sich die Schurken auf der ganzen Welt nicht vom Tode des einen oder anderen ihrer Kumpane abschrecken lassen. Somit bleibt letztendlich alles beim Alten.Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)
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09-06-2006 15:09 #4
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Es ist klar, eine gewisse Genugtuung darf dabei natürlich herrschen. Aber die Methode gefällt mir nicht. Ob es Leute des gleichen Schlages waren, die dabei umgekommen sind, weiss ich nicht. Jedenfalls war dabei auch eine Frau und angeblich zwei Kinder. Und die Kinder werden sich ihren Aufenthaltsort sicher nicht freiwillig untersucht haben. Man könnte es verstehen, wenn jetzt die Amis und die irakische Regierung an die Öffentlichkeit treten würde, erklären würde, es sei die einzige Möglichkeit gewesen, einen gefährlichen Terroristen auszuschalten und leider war der Tod der Kinder unvermeidbar - so scheinheilig das wäre, man könnte dies noch akzeptieren. Aber sicher nicht, dass nun von Kofi Annan bis zu Merkel alle in Freudenschreie ausbrechen.
Zum ganzen Konflikt will ich mich ja hier nicht äussern - aber man muss festhalten, dass erst durch das amerikanisch Engagement im Irak das Land zur Spielwiese von Terroristen aus der ganzen Welt geworden. Dann noch der grässliche Beigeschmack, dass die Leiche präsentiert wird. Ja, Kofi Annan meinte ja, die Tötung innerhalb der Genfer Konvention legitim gewesen, da es sich um einen Kriegsteilnehmer handelt. Aber feindliche Kriegsteilnehmer dürfen nicht der Öffentlichkeit gezeit werden, auch wenn sie tot sind. Gerade diese Präsentation ist eine Provokation für seine Anhänger. Sie haben ihren Märtyrer.
Dass neben ihm 6 - Mitläufer? Kinder? Unschuldige? - ums Leben gekommen sind, mag im Vergleich zu den Massakern, welche die Amerikaner im Irak sonst angestellt haben, noch das kleinere "Problem" sein. Aber wird da nicht ein gefährlicher Präzedenzfall geschaffen? Mir persönlich missfällt die ganze Situation. Und Deutschland hat sich mit den Aussprüchen der Kanzlerin und des Verteidigungsministers nun auch zur Zielscheibe von Terroristen gemacht.
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09-06-2006 15:15 #5
Tja, wenn man die Werte des Abendlandes erhalten möchte, kann man sich Gedanken darüber machen, was es zu bedeuten hat, wenn sich eine CDU-Politikerin + Bundeskanzlerin erfreut über den Tod eines Terroristen äußert.
Wahrscheinlich gab es keine andere Möglichkeit die Gefahr zu bannen, aber die Freude über einen Mord (an einem Mörder) zu bekunden, das hätte man sich sparen können.
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