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  1. #1
    Avatar von Schwarzwälder
    Schwarzwälder ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    16.01.2006
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    898

    Geschichte mit Parallelen zu unserem Sozialsystem

    (gefunden im magager-magazin, Autor der Geschichte ist unbekannt)

    Es waren einmal zehn Männer (oder Frauen), die gingen jeden Tag miteinander zum Essen. Die Rechnung betrug für alle zusammen jeden Tag 100 Euro. Die Gäste zahlten diese Rechnung ähnlich wie wir unsere Steuern: Die ärmsten vier zahlten nichts, der fünfte zahlte einen Euro, der Sechste 3 Euro, der Siebte 7, der Achte 12, der Neunte 18, und der Zehnte, der Reiche, zahlte 59 Euro. Das ging so lange gut, bis der Wirt seine Rechnung auf 80 Euro reduzierte. Wie bisher sollten die ersten vier ihren "free lunch" bekommen. Wie jedoch sollten die 20 Euro Ersparnis auf die restlichen sechs aufgeteilt werden? Bei Gleichverteilung pro Kopf würde jeder 3,33 Euro weniger zahlen. Doch dann bekämen der fünfte und der sechste Gast noch Geld dafür, dass sie zum Essen gehen. Das konnte nicht sein.

    Also schlug der Wirt vor, dass jeder prozentual so viel weniger zahlen sollte, wie er insgesamt beisteuerte. Demnach würde der fünfte Gast, ähnlich wie die ersten vier, ab sofort ein kostenloses Mittagessen erhalten. Der Sechste zahlte 2 statt 3 Euro, der Achte 9 statt 12, der Neunte 14 statt 18. Und der Zehnte, der Reiche, 49 statt 59 Euro. Jeder der sechs kam günstiger weg als vorher, und die ersten vier aßen nach wie vor kostenlos.

    Doch dann gab es Protest. "Ich habe nur einen von den 20 Euro bekommen", monierte der sechste Gast und zeigte auf den Reichen: "Er aber kriegt 10 Euro!" "Stimmt", rief der Fünfte, der nichts mehr zahlen sollte. "Ich hab' nur einen Euro gespart, und er spart zehnmal so viel wie ich." "Moment mal", riefen da die ersten vier aus einem Munde. "Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!" Und die neun gingen gemeinsam auf den Zehnten los und verprügelten ihn. Am nächsten Tag tauchte der zehnte Gast nicht mehr auf.

  2. #2
    krischan Gast
    Zitat Zitat von Schwarzwälder
    Doch dann gab es Protest. "Ich habe nur einen von den 20 Euro bekommen", monierte der sechste Gast und zeigte auf den Reichen: "Er aber kriegt 10 Euro!" "Stimmt", rief der Fünfte, der nichts mehr zahlen sollte. "Ich hab' nur einen Euro gespart, und er spart zehnmal so viel wie ich." "Moment mal", riefen da die ersten vier aus einem Munde. "Wir haben überhaupt nichts bekommen. Das System beutet die Ärmsten aus!" Und die neun gingen gemeinsam auf den Zehnten los und verprügelten ihn. Am nächsten Tag tauchte der zehnte Gast nicht mehr auf.
    Und die Moral von der Geschicht? Auf einmal fehlen 49 Euro an den 80, weil der letzte auf einmal woanders essen geht. Obwohl ja auch keine 80 € mehr bezahlt werden müssen, weil der Reiche ja nicht mehr mitisst. Bei einer Gesamtrechnung von 80 € und 12 Personen macht das, gleichen Verbrauch vorausgesetzt, 6,66 e pro Person, Rechnungsbetrag also 73,3 €. Von diesen werden wie bisher 31 € von den "Armen" gezahlt, bleiben 42,33€ übrig, die die Armen jetzt auch noch zahlen müssen. Gleichverteilung angenommen, macht das pro "Armen" einen zusätzlichen Betrag von 3,84 €. Tja, klassische Milchmädchenrechnung, wenn man neidisch auf den Nachbarn schielt...

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass jeder für das Essen zahlen sollte, das er auch verschlingt und nicht das Essen seines weniger leistungsfähigeren Mitessers auch noch zahlt. Zumindestens nicht gezwungenermaßen.

    Krischan

  3. #3
    Wahlthüringer ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    10.09.2005
    Beiträge
    815
    Zitat Zitat von krischan
    Und die Moral von der Geschicht? Auf einmal fehlen 49 Euro an den 80, weil der letzte auf einmal woanders essen geht. Obwohl ja auch keine 80 € mehr bezahlt werden müssen, weil der Reiche ja nicht mehr mitisst. Bei einer Gesamtrechnung von 80 € und 12 Personen macht das, gleichen Verbrauch vorausgesetzt, 6,66 e pro Person, Rechnungsbetrag also 73,3 €. Von diesen werden wie bisher 31 € von den "Armen" gezahlt, bleiben 42,33€ übrig, die die Armen jetzt auch noch zahlen müssen. Gleichverteilung angenommen, macht das pro "Armen" einen zusätzlichen Betrag von 3,84 €. Tja, klassische Milchmädchenrechnung, wenn man neidisch auf den Nachbarn schielt...

    Im Übrigen bin ich der Meinung, dass jeder für das Essen zahlen sollte, das er auch verschlingt und nicht das Essen seines weniger leistungsfähigeren Mitessers auch noch zahlt. Zumindestens nicht gezwungenermaßen.

    Krischan
    Ach, dann wird es ja ganz kompliziert, wenn es deiner Meinung nach geht. Es soll also nur der zahlen, der konsumiert. Geht das am Beispiel des Essens noch, so ist das in einem Staatswesen unmöglich. Nehmen wir an, jeder bezahlt die Leistung, die er bezieht. Damit wird ein gutverdienender einverstanden sein. Nur, was geschieht, wenn dieser Gutverdienender sein Gehalt vom Staat bekommt, direkt oder mehr oder weniger direkt? Wie etwa ein Manger einer staatlichen Firma, ein Hochschulprofessor. Wenn die Menschen, die diese indirekt bezahlen nun dies nicht mehr tun, dann wird dieser auch keinen Lohn mehr haben, also gar nichts mehr bezahlen können, sogar wenn es ums nackte Überleben geht. Also sozusagen ein Urzustand: wir leben draussen im Wald, und jeder geht Beeren pflücken oder Wildschweine jagen, wer nicht kann, verhungert. Denn sonst würde ja jemand was zu essen bekommen, wofür er nicht bezahlen kann, und das funktioniert eben nicht.

    Kompliziert ist das nun vor allem beim Staat. Nehmen wir mal einen imaginären Menschen X (könnte auch mich nennen, mag das aber nicht, bleiben wir imaginär). Damit es ganz einfach ist, ist dieser X ein Ausländer, der im Ausland studiert hat. Den deutschen Steuerzahler keinen Cent gekostet hat (damit die Rechnung einfach ist). Dieser Mensch bekommt nach seinem Studienabschluss eine Stelle in Deutschland. Sein Gehalt bezieht er vom Staat (Bund und Bundesland), das eigentlich 2000 Euro beträgt. Also kostet er den deutschen Steuerzahler 2000 Euro pro Monat. Von diesen 2000 werden 1000 sofort für Steuern abgezogen, also haben wir Kosten von 1000 Euro. An staatliche Unternehmen, bzw. Unternhmen, die vom Staat finanziert werden (wie etwa öffentlicher Verkehr: jeder nicht eingenommene Cent muss in der Regel vom Staat übernommen werden), führt er monatlich 100 Euro ab. Er geht ins Kino, konsumiert Essen, raucht, trinkt Alkohol für 500 Euro im Monat. Davon gehen nochmals allermindestens 100 Euro direkt an Mehrwert- und Tabaksteuern an den Staat. Nun aber: von den restlichen 400 Euro, mit denen er eigentlich die Privatwirtschaft ankurbelt und die nicht unter Mehrwertsteuer fallen, geht mehr als die Hälfte nochmals an den Staat, denn der Supermarkt muss für die Anlieferung und Kühlung Energieabgaben leisten, die Produzenten und Konsumenten zahlen auch an die 50% Steuern.
    Nun ja, mit der Miete weiss ichs nicht so genau, ob der Wohnungseigentümer davon noch Steuern zahlen muss. Je nachdem wie man es rechnet, liefert X von den 2000 verdienten Euro mindestens 1500, wenn nicht sogar mehr, an den Staat ab. Es bleiben ihm 200-500 Euro, die nicht der Staat, sondern am Ende Private in der Hand haben. Nur, würden die Privaten, die das in der Hand haben, dieses Geld nicht haben, würden sie arbeitslos, also würden sie nicht mehr Steuern zahlen, sondern Geld in Anspruch nehmen.

    Frage: kennt sich da jemand noch aus, wie das ganze mit dem geldfluss funktioniert?

  4. #4
    krischan Gast
    Zitat Zitat von Wahlthüringer
    Ach, dann wird es ja ganz kompliziert, wenn es deiner Meinung nach geht. Es soll also nur der zahlen, der konsumiert.
    Nanana, ich habe mit einer leichten Übertreibung gesprochen. Und Du hast mich auch nicht verstanden: Es soll nicht der zahlen, der irgendetwas konsumiert, sondern jeder soll seinen Konsum selbst bezahlen. Klingt trivial, ist aber nicht so. Meinen Konsum an "Arzt" zahle ich nämlich selbst, gleichzeitig zahle ich aber auch den "Arzt"-Konsum von anderen mit, obwohl ich statistisch unterdurchschnittlich krank bin (davon geh ich jetzt mal aus). Nun ist ja Solidargemeinschaft schön und gut, sobald aber jegliche Eigenverantwortung fehlt (wie in unserem Krankenversicherungsystem z.B.) entsteht ganz klassisches Trittbrettfahrertum. Bei mir sieht das so aus, dass meine Krankenkasse rund 50% ihrer Einnahmen an andere Krankenkassen überweist (und ich bin nicht privat versichert, nur bei einer BKK, die sehr effizient ist).

    Im Übrigen wird das anfängliche Rechenbeispiel deutlich interessanter, wenn man die Ersparnisse mal nicht in absoluten Zahlen, sondern in Prozenten erfasst. Prozentual haben dann nämlich die "Armen" mehr von der Ersparnis als die Reichen. Es wird ja auch oft vergessen, dass die im Aussterben befindliche Mittelschicht prozentual deutlich mehr zur Staatskasse beiträgt über direkte (und auch indirekte) Steuern also der sogenannte "kleine" Mann. Wo nichts ist, kann man ja auch nichts holen.

    Krischan

  5. #5
    Avatar von Lordi
    Lordi ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
    Registriert seit
    01.07.2002
    Beiträge
    1.654
    Ich frage mich auch, womit wir damit hinwollen. Sicherlich ist es nicht ganz falsch, dass letzten Endes immer wer meckert, das ist eine arg triviale Aussage. Die Manager-Magazin-Geschichte ist aber schon insofern Quatsch, weil sie von der völlig irrigen Annahme ausgeht, dass eine Rechnung kleiner wird. Übrigens kommt man dann, wenn also die Rechnung größer wird und jeder entsprechend daran beteiligt wird - was die Situation unseres Sozialsystems weitaus besser abbildet -, zum genau umgekehrten Ergebnis: Die Reicheren meckern, weil sie absolut gesehen mehr abdrücken müssen (ungeachtet der Tatsache, dass sie am Ende noch immer weit mehr haben) - und machen die Fliege.

    Tja, was lernen wir daraus: Vergessen wir es gleich wieder, beides ist polemisch und geht an der Wirklichkeit vorbei, weil nur bestimmte Punkte und vor allem Sichtweisen in Augenschein genommen werden.

    Frage: kennt sich da jemand noch aus, wie das ganze mit dem geldfluss funktioniert?
    Jein. Bei Deiner Abhandlung verkennst Du, dass der Staat ja auch bloß Mittler ist. Das Geld, was an den Staat geht, ist ja nicht weg, sondern wird generell auch wieder der Wirtschaft zugeführt, in dem irgendwer für irgendwas bezahlt wird. Problematisch ist hier bloß, dass es oft an Wettbewerb bzw. Effizienz mangelt. Eine hohe Staatsquote muss aber nicht per se schlecht sein, kommt eben drauf an, was man daraus macht.

    Was das "Jeder soll seinen Konsum selbst bezahlen" angeht: Eigentlich finde ich es richtig. Hat auch was mit dem Leistungsprinzip zu tun. Aaaaber: Das gilt in weiten Teilen überhaupt nicht. Zum einen wird man ja nicht nach Leistung bezahlt (die wird nämlich kaum gemessen; ist auch die Frage, inwieweit das ginge), sondern nach einem komplexen Zurechnungs- und Zumessungsprinzip, das oft genug auch Angebot und Nachfrage völlig unterläuft. Und: Besitz und Vermögen - die oft und zu großen Teilen nicht selbst erwirtschaftet wurden - spielen eine signifikante Rolle. Will man eine auch nur einigermaßen gerechte Gesellschaft, in der es keine zu große Benachteiligung gibt und jeder am gesamtgesellschaftlichen Reichtum partizipiert, muss man an diesen Stellschrauben drehen, d. h. eine mehr oder minder große Umverteilung vornehmen.

    Die Frage ist nur: Wie weit dreht man in welche Richtung? Und darüber kann man sich herrlich streiten.
    "Nicht wer am ältesten wird, hat am längsten gelebt, sondern wer am stärksten erlebt hat. Mancher wird mit hundert Jahren begraben, der bei seiner Geburt gestorben war."

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