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  1. #1
    Andy Gast

    Gesundheitsfonds??

    Wofür braucht man in Deutschland noch rund 300 einzelne Gesetzliche Krankenversicherungsgesellschaften, wenn die GKV-Versicherten ihren Beitrag mit einem gesetzlich festgeschriebenen Beitragssatz im Endeffekt an diesen Gesundheitsfond überweisen und dieser einen einheitlichen Satz an alle Kassen überweist. Meinethalben anteilig aus der Summe der Einnahmen geteilt durch die Summe der Versicherten.

    Wäre es da nicht sinnvoller, gleich nur eine GKV-Gesellschaft zu initieren und alle anderen einzustampfen? Die Grundleistung ist bei allen Versicherungen doch sowieso gesetzlich festgeschrieben.

  2. #2
    Astir01 ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Auf Ihre Gesundheit!

    Über das Für und Wider der entsetzlichen Krankenkassen haben wir hier ja schon lange Debatten geführt. Darin sind wir uns schon einig geworden, dass ein wesentlicher Teil des Problems im bürokratischen Wildwuchs liegt. Wenn es diesem Gesundheitsfonds gelänge, dort mit scharfer Axt aufzuforsten, dann würde das zwar kurzfristig erst mal zu einem Heer von entlassenen Sachbearbeitern bei den GKV führen, aber letztendlich Mittel frei setzen, die dann auch tatsächlich in die Behandlung kranker Menschen fließen könnte.

    Auch die Sache mit den Beiträgen würde bedeutend erleichtert. Statt einer Art (verzerrter) Wettbewerb zwischen den GKV über die Beitragshöhe hätten wir dann einen einheitlichen Beitrag, der von der Regierung erhöht würde, wenn die Mittel nicht ausreichen. Wenn der Staat per Order di Mufti nicht nur über den Leistungsumfang der staatlichen KV sondern auch über die Höhe der Beiträge und die Beitragszuweisung entscheidet, dann haben wir auf diesem Gebiet den Sozialismus pur. Wenn Kontrollmechanismen und die Möglichkeit des Ausweichens fehlen, macht sich letztendlich wieder der Schlendrian breit, ohne dass das Versorgungsniveau erhalten bleibt.
    Alle, die in die dann vollständig staatliche KV gezwungen sind, werden eine Versorgungs- und Anspruchsmentalität entwickeln, wie sie schon die Sozialhilfeempfänger haben. Die Steuer- und Sozialabgabenzahler werden dafür aufkommen müssen und jeder holt raus, was er kann.

    Als Ausweg sähe ich deswegen genau das Gegenteil eines staatlichen Gesundheitswesens. Sein Einfluss beschränkte sich dann auf eine Vorgabe der Mindestleistungen (ähnlich, wie es jetzt schon ist) der privaten KV und Zuschüsse aus Steuermitteln zu dem sich daraus ergebenden Mindestbeitrag, so wie der Staat ja jetzt schon die Wohnungsmieten bezuschusst.
    Durch die direkte Koppelung von Risiko und Beitragshöhe, wie sie jetzt schon bei der Kfz- HP und bei Lebensversicherungen üblich ist, würde jeder Bürger selbst die Höhe seines KK- Beitrag individuell beeinflussen können, indem er sich z.B. selbst seiner Risikofaktoren bewußt verhält, gesund lebt, eine Eigenbeteiligung vereinbart, (wie bei der Teil- statt der Vollkasko) oder gewisse (teure oder unwahrscheinliche) Risiken selbst trägt. (warum soll jemand, der mit gesunden Zähnen gesegnet ist nicht auf die Versicherung von Zahnersatz verzichten?)
    Vor allem wäre der KV- Beitrag unabhängig vom Einkommen des Versicherten. Endlich wäre also eine echte Senkung der Lohnkosten zu schaffen, und Deutschland wäre als Wirtschaftsstandort wieder etwas attraktiver.

    Man sieht, dass für eine grundsätzliche und wirksame Sanierung des kranken Gesundheitssystems nicht ein einziges Rad neu erfunden werden muss. Es ist alles ganz einfach. Nur ein kleiner Massenmord, um Lobbyisten, "Sozial"politiker und andere Profiteure des jetzigen Systems zum Schweigen zu bringen, wäre erforderlich.
    Geändert von Astir01 (21-09-2006 um 14:50 Uhr)
    Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
    (Silvia Arroyo Camejo)

  3. #3
    lausitzer ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
    Registriert seit
    18.06.2006
    Beiträge
    3.691
    Zitat Zitat von Andy
    Wofür braucht man in Deutschland noch rund 300 einzelne Gesetzliche Krankenversicherungsgesellschaften, wenn die GKV-Versicherten ihren Beitrag mit einem gesetzlich festgeschriebenen Beitragssatz im Endeffekt an diesen Gesundheitsfond überweisen und dieser einen einheitlichen Satz an alle Kassen überweist. Meinethalben anteilig aus der Summe der Einnahmen geteilt durch die Summe der Versicherten.

    Wäre es da nicht sinnvoller, gleich nur eine GKV-Gesellschaft zu initieren und alle anderen einzustampfen? Die Grundleistung ist bei allen Versicherungen doch sowieso gesetzlich festgeschrieben.

    Hallo Andy. Das ist genau das, was ich schon immer gesagt habe. Und mit diesem Gesundheitsfond wird es nur noch unverständlicher, dass es die 300 Kassen geben muss, die nur gesetzliche Vorgaben erfüllen. Die Beitragshöhe unterscheidet sich im Wesentlichen ja auch heute nur in der Effizienz der Verwaltungsstruktur der jeweiligen Kasse. Mögliche Unterschiede durch bestimmte Mitglieder bzw. Berufsgruppen und deren Gesundheitsrisiken sind ja durch den Risikostrukturausgleich und die Öffnung von Kassen die früher nur für bestimmte Berufsgruppen zulässig oder vorgeschrieben waren schon längst erledigt.

    Wenn er nicht als Zusatz, sondern als ERSATZ der Kassen gedacht, dann würde ich den Gesundheitsfond absolut begrüßen. So aber ist dessen Einführung sinnfrei und führt nur, das ist ja schon angekündigt zu Beitragssteigerungen. (Obwohl die Politik vorgibt, das Gegenteil erreichen zu wollen.) DANN kann doch aber auch alles so bleiben, wie es ist, oder?

    Im übrigen erscheint es mir im Moment so, als sei die Untauglichkeit des Fonds gar nicht mehr mal umstritten. Die Einführung soll aber nur noch erfolgen, um irgendwie Beständigkeit in der Politik zu bestätigen. Man will nicht aus Fehleinschätzungen lernen und diese revidieren.

    Aber ich sehe auch gerade, Astir hat sich zu Wort gemeldet und seine Meinung kundgetan.

    Dem möchte ich dahingehend widersprechen, dass eine einzige Kasse mit Einheitsbeitrag den Arbeitgeber nicht mehr oder weniger kosten muss, als die Organisation mittels privater Krankenkassen.

    Nehmen wir an, der Arbeitgeber spart die bisherigen Abgaben an die GKV ein, weil seine Mitarbeiter alle PKV-Beiträge allein aus ihren Gehältern zahlen. Ja, dann werden die doch irgendwann mal zum Chef gehen und ihn um eine Lohnerhöhung bitten, oder? Meinst Du Astir wirklich, der Wegfall des Arbeitgeberanteils führt unmittelbar zu Kostensenkung im Unternehmen oder Gewinnsteigerung?

    Nein, wenn der Arbeitnehmer merkt, dass er plötzlich das Doppelte für seine Krankenversicherung zahlen muss und sich das derart bemerkbar macht, dass er sich anderswo im Leben einschränken muss, dann wird er mehr Geld vom Boss verlangen, um überleben zu können.

    Weiterhin meine ich, das Privat-Versicherte unter bestimmten Umständen auch Zuschüsse vom Chef bekommen, mit denen sie ihre Beiträge anteilig bezahlen können. Da gibt der Chef nämlich einen Teil des Geldes weiter, was er zahlen müsste, wenn der Beschäftigte gesetzlich versichert wäre.

    Das man nun, wenn alle privat versichert wären also großartig sparen könnte, glaube ich nicht.

    In der einen Krankenversicherung für alle steckt jedoch erhebliches Einsparpotential. Sicher muss die auch bundesweit vertreten und lokal erreichbar sein, aber es kann ja jeder mal schauen, was übrig bleibt, wenn er aus den Filialen der verschiedenen GKV in seiner Stadt nur eine übrig lässt.

    Weiterhin verfügt der Bund mit der Bundesknappschaft und die Länder mit den AOKs bereits über entsprechende Infrastrukturen, die man nutzen könnte.

    Einziges und größtes Problem bleiben jedoch die mit einem Systemwechsel bedrohten tausenden Arbeitsplätze in den GKV. Das Problem hat allerdings auch der Bund, der seit Jahren versucht, für einen Haufen ehemaliger Post-, Telekom- und demnächst Bahnbeamter Beschäftigung zu finden. Dafür braucht er einfach die neue Behörde.
    Geändert von lausitzer (21-09-2006 um 12:32 Uhr)

  4. #4
    lausitzer ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von Astir01
    Es ist alles ganz einfach. Nur ein kleiner Massenmord, um Lobbyisten, "Sozial"politiker und andere Profiteure des jetzigen Systems zum Schweigen zu bringen, wäre erforderlich.
    Nur so am Rande, von den ganz roten Sozialpolitikern wird seit Jahren ein total verändertes Sozialversicherungssystem mit völlig anderer Finanzierung (Stichwort Wertschöpfungsabgabe) vorgeschlagen, das insbesondere den Zusammenhang zwischen abhängiger Beschäftigung und Krankenversicherung entkoppeln soll.

  5. #5
    Andy Gast
    Zitat Zitat von lausitzer
    Nehmen wir an, der Arbeitgeber spart die bisherigen Abgaben an die GKV ein, weil seine Mitarbeiter alle PKV-Beiträge allein aus ihren Gehältern zahlen. Ja, dann werden die doch irgendwann mal zum Chef gehen und ihn um eine Lohnerhöhung bitten, oder? Meinst Du Astir wirklich, der Wegfall des Arbeitgeberanteils führt unmittelbar zu Kostensenkung im Unternehmen oder Gewinnsteigerung?
    Das ist genau das, was ich seit Jahren schon nicht wirklich verstanden habe. Es wird immer davon gesprochen, dass es bei der Krankenversicherung, der Rentenversicherung, und wie die Versicherungen auf meinem Lohnzettel heißen, einen Arbeitnehmer- und einen Arbeitgeberanteil gibt.

    Für mich ist das in letzter Konsequenz eine Verschleierung der tatsächlichen Verhältnisse. Ein Arbeitgeber wird einen Mitarbeiter immer mit seinen "Bruttogehalt über alles", also inklusive der Arbeitgeberanteile zu den Kassen der sozialen Sicherungssysteme in seinen Bilanzen führen.

    Der Arbeitnehmer hingegen hat auf seinem Gehaltszettel einen als Steuerbrutto und einen als Sozialversicherungsbrutto ausgewiesenen Betrag. Also denjenigen Teil seines Bruttogehaltes, der als Bemessungsgrundlage für die Steuern bzw. die Sozialversicherungsabgaben herangezogen werden. Sind bei mir zumindest formal und real zwei verschiedene Beträge. Am Ende kommt dann ein Nettobetrag heraus, der mir jedesmal das Heulen lehren könnte. Aber sei es drum.

    Wenn also die Trennung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteilen aufgehoben würde, hätte der Arbeitnehmer von heute auf morgen gleich einige hundert Euro mehr auf seinem Gehaltszettel als Brutto. Dem Arbeitgeber kann es ja letztlich egal sein, wer das Geld bekommt, das er für den Mitarbeiter ausgeben muss. Ob nun irgendeine gesetzliche Versicherung mit dem Geld verschwenderisch umgeht oder ob der Mitarbeiter das Geld verprasst, kann ihm ja im ersten Moment egal sein. Aber der Mitarbeiter hätte die volle Kostenkontrolle, zugleich aber auch die Verpflichtung, sich auf dem freien Markt nach Angeboten umzuschauen, die ihn gegen die Risiken absichern, die ihn irgendwann treffen würden, die er aber aus eigenen Mitteln wohl kaum nie tragen könnte.

    Ein Krankenhausaufenthalt kann schnell einige zehntausend Euro kosten und auch ein einfacher Arztbesuch kann schon in Bereiche von einigen hundert Euro gehen, wenn man sich erst einmal bewusst macht, welcher Apparat bei einem Arztbesuch in Bewegung gesetzt wird (Sprechstundenhilfen, Räume, Geräte, Verbrauchsmaterialien, Arzt,...). Wie hier andere schon geschrieben haben, wird sich jeder selbst nach seinem Gusto versichern müssen und dabei auch sich selbst darüber im Klaren sein müssen, welche Risiken er bereit ist, selber auch finanziell tragen zu können oder zu wollen.

    Auch wird sich jeder darüber Gedanken machen müssen, wie er nach seinem aktiven Erwerbsleben seinen Lebensabend gestalten möchte. Und da muss ich ganz ehrlich sagen, dass wahrscheinlich 90% der Arbeitnehmer mit ihren Beiträgen zur Rentenversicherung wesentlich besser abgeschnitten hätten, wenn sie entsprechende Beiträge in einen Aktien- oder wenigstens Rentenfonds eingezahlt hätten.

    Auch das Risiko der Arbeitslosigkeit ist so eine Sache. Natürlich wird jeder Zeiten erleben, in denen er von Erwerbslosigkeit betroffen sein wird. Wenn ich aber die schon heutige gängige Praxis sehe, dass man erst einmal mindestens zwölf Monate beschäftigt sein muss, ehe man ALG I bekommt statt nur die staatliche Mindestalimentierung durch ALG II, so bin ich doch ehrlich geneigt zu sagen: Scheiß auf ALG I. Jeder, der arbeitslos wird, stellt einen Antrag auf ALG II (diese wundervolle Minimalalimente von noch nicht einmal 400 Euro plus Miete) und wer mehr braucht, muss auf private Rücklagen zurückgreifen.

    Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass es das Ende der Solidargemeinschaft im bisher bekannten Umfang bedeutet. Aber seien wir doch mal ehrlich: WIe solidarisch kann eine Gemeinschaft sein, in der sich die über der Beitragsbemessungsgrenze liegenden aus dem System der GKV freikaufen können und sich privat versichern dürfen? Nein, dann doch besser meinethalben aus Steuermitteln bezuschusste private Vorsorge. Wie Astir es beschreibt, funktioniert das ja bei der Miete auch. Und um den Bogen zu schließen: Der Steuergesetzgebung sollte natürlich klar sein, dass von dem "künftigen Absolut-Brutto" jeder Arbeitnehmer Mindestbeiträge in Krankenversicherung und Rentenversicherung zu entrichten hätte, die natürlich das Steuerbrutto zu senken hätten.

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