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  1. #1
    Wahlthüringer ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    Logische Entwicklung

    http://www.journalmed.de/newsview.php?id=7341

    Hab leider keinen besseren (neutralen) Artikel gefunden....

    Im Prinzip ist dies beängstigend. Handelt es sich um eine zwangsläufige Folge einer liberalen Abtreibungsgesetzgebung, bei der Holland eine Vorreiterrolle gespielt hat? Wird es in nächster Zeit auch auf uns zukommen?

  2. #2
    Avatar von Seemops
    Seemops ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    Ja, du betitelst das ganz richtig. Es ist eine logische Entwicklung, das darüber nachgedacht wird, auch neugeborene Kindern die Sterbehilfe zuzugestehen. Gerade in Holland, wenn man liest, wie das dort geregelt ist.
    Ob der letzte Satz zutrifft, möchte ich bezweifeln, jedoch denke ich schon, dass viele Ärzte das so sehen, generell, was die Sterbehilfe betrifft. Denn wer sonst, als eben die Ärzte, können am besten beurteilen, wie "sinnvoll" eine Sterbehilfe sein könnte, da sie dies sicherlich mindestens einmal in ihrem beruflichen Leben miterleben: Dass ein Mensch sich quält und vielleicht sowieso kurz vor dem Tode steht, sich nach eben jenem sehnt und wahrscheinlich nur einem Ereignis vorausgegriffen wird.

    Also, dass über die Sterbehilfe bei Neugeborenen nachgedacht wird, finde ich logisch und auch richtig. Ich finde, das hat wenig mit Abtreibung in dem Sinne zu tun. Es liegt näher bei der Sterbehilfe. Weil Neugeborenen der schmerzvolle Weg zum Tod abgenommen werden soll (und vielleicht auch den Eltern).

    Hier stellen sich natürlich Fragen nach Zeitpunkt und auch nach dem "Willen" des Neugeborenen, das nicht befragt werden kann. Das sind ähnliche Probleme, die sich bei "normaler" Sterbehilfe stellen, da manchmal davon auszugehen ist, dass derjenige welcher aus dem Schmerz heraus (oder in einem bewusstseinsbeinträchtigten Zustand) eine möglicherweise falsche Entscheidung trifft, was hinterher aber niemand mehr beurteilen kann. Zu bedenken ist auch, dass natürlich in dieser Situation und nur in dieser Situation des Schmerzes und der Kampflosigkeit ("Ich habe aufgegeben - ich kann nicht mehr!") solche Entscheidungen getroffen werden.

    Nun ja, mal von der "normalen" Sterbehilfe abgesehen, bieten sich eben oben genannte Probleme. Wann soll das Neugeborenen getötet werden, wann hat man alles versucht? Geht es nur um extreme körperliche Missbildungen oder Krankheiten, bei denen ein früher Tod (also innerhalb der nächsten Wochen oder Monate) zu erwarten ist, oder auch um nicht so schwerwiegenden Behinderungen, die aber wahrscheinlich auch bald zum Tode führen (nach einigen Jahren). (Andere Fälle, wie Behinderungen, mit denen man trotzdem leben kann, die "nur" das Leben beeinträchtigen, schließe ich aus, ich denke, es ist nachvollziehbar, auch ohne erklärenden Worte!) Bei letzterem Fall stellt sich immer die Frage, wie lang dieser Zeitraum ist und ob dieser Zeitraum trotzdem erfüllend sein kann oder nur schmerzhaft. Und ob sich in dieserm Zeitraum nicht doch Besserungen einstellen können und wie wahrscheinlich eben jene sind. Oder Entwicklungen im medizinischen Bereich.
    Inwieweit haben hier Eltern ein Entscheidungsrecht, die wahrscheinlich immer emotional beeinträchtigt sind? Sprich entweder voll Schmerz und Gram ihrem Kind (und vielleicht sich auch) diese Zeit nicht geben wollen oder eben gerade die Zeit haben wollen, um Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, eine Zeit, die womöglich nur eine Quälerei für beide Parteien darstellt (wie häufig auch bei Wachkomapatienten der Fall, bei denen das Aufwachen medizinisch höchst unwahrscheinlich ist und womöglich nur mit schweren Behinderungen verbunden ist, aber die Angehörigen aufgrund von Regungen und der Tatsache, dass der Patient eben im Wachkoma liegt, noch Hoffnungen haben, die aber unrealistisch sind).
    Das sind, wie immer bei derlei Themen wie auch Schwangerschaftsabbrüche, schwierige Fragen, die IMMER im Einzelfall gestellt werden müssen.
    Eine Generallösung gibt es einfach nicht und wer das denkt, berücksichtigt einfach nicht genügend Umstände, sondern fügt so oder so irgendjemanden Schmerz zu, der nicht sein müsste. Extremmeinungen sind unangebracht, Einfühlungsvermögen ist hier gefragt. (Ich greife hier denjenigen vor, die meist die Position vertreten, dass menschliches Leben auf keinen Fall in irgendeiner Weise beendet werden darf, solange derjenige welcher noch einen Atemzug tut, besonders in Bezug auf Föten oder Neugeborene, die ihren Wille nicht artikulieren können. Und auch denjenigen, die uneingeschränkt Abbrüche und Sterbehilfe bejahren, ohne die Einschränkungen zu bedenken. Beide ist fatal.)

    So oder so läuft dies wahrscheinlich auf ein Gesetz hinaus, das so weit formuliert sein wird, dass sehr viele Fälle darunter fallen und die Entscheidung letztlich im Einzelfall getroffen wird, was gut ist, wie ich finde. Jedoch birgt dies immer ein Problem: Der Mensch ist fehlbar und trifft falsche Entscheidungen. Außerdem werden auch Menschen Gelegenheit bekommen, ein Recht einzufordern, die z.B. sich den Problemen nicht stellen wollen, auch wenn es möglich wäre. Das gibt es auch bei Schwangerschaftsabbrüchen. Das Gesetz dazu ist vernünftig geregelt und rein theoretisch sind auch nur Extremfälle gemeint. Jedoch ist das Gesetz so weit formuliert, damit eben im Einzelfall entschieden werden kann, dass es auch auf Leute angewendet werden kann, die eigentlich nicht darunter fallen. Die eigentlich nicht so extrem angesiedelt sind. Das ist dann das Problem, wie das Gesetz angewendet wird. Dies ist das großes Risiko, dass es also Menschen gibt, die das Leben von Neugeborenen beenden, weil sie sich überfordert fühlen. Vielleicht auch, weil sie kein behindertes, "missgebildetes" Kind möchten (Das ist ein starkes Extrem, das aber berücksichtigt werden sollte.) Gegen eben jene kann man sich schlecht wehren. Das ist das Problem, wenn man so etwas erlauben möchte, aber den Rahmen weit stecken muss.
    Solche Menschen gibt es aber leider und darüber sollte man nicht mit fehlender Sterbehilfe hinweg täuschen.
    Die meisten Menschen werden ihren Teil aber zu tragen haben, das ist eben immer das Resultat bei solchen Entscheidungen, emotionaler Schmerz ist immer da, ob man sich dafür oder dagegen entscheidet. Hier ist also nur die Frage, ob man dem Neugeborenen etwas "entgegen kommt", ihm Schmerz und Qual nimmt, oder ihm eine realistische (!) Chance gibt. Die Eltern werden wohl (sofern "gute" Menschen) immer Schmerz haben. So oder so.

    Ich denke bei solchen Fragen sollte man sich eins fragen: Ist ein schmerzhaftes, kurzes Leben lebenswert? Was heißt Lebensqualität? Oder sollte man jede Chance nutzen?
    "Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."

  3. #3
    Wahlthüringer ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    Ich glaube, diese Vorgänge sind mehr mit der Abtreibung als mit der Sterbehilfe verbunden.
    Denn Sterbehilfe meint, dass einem Menschen geholfen wird, zu sterben. Nämlich dass der Mensch sich jetzt oder vorher aktiv dazu geäussert hat, dass er sterben will, und deshalb diese Hilfe bekommt.

    Das Kind kann sich nicht dazu äussern, die Entscheidung nehmen Ärzte oder die Eltern ihm ab. Genauso wie bei der Abtreibung .Ich meine damit nicht Abtreibung wie sie in den meisten Fällen in den ersten 3 Monaten durchgeführt wird, sondern regelrechte Spätabtreibungen - wobei die holländische Gesetzgebung auch hier einen Unterschied macht: bis in die 22. Woche ist eine Abtreibung ohne Angabe von Gründen erlaubt.

    Das Problem sind aber die Abtreibungen nach der 22. Woche, die prozentual zwar einen sehr kleinen Teil ausmachen, aber dennoch gibt es jährlich mehrere Dutzend Frauen in Deutschland, die aufgrund der Erwartung der Behinderung eines Kindes, eine Schwangerschaft nach der 24. Woche beenden lassen. Und ein Fötus nach der 24. Woche und ein Neugeborenes Kind sollte an sich keinen Unterschied darstellen, da beide mit fremder Hilfe lebensfähig wären. Also ist unsere Gesetzgebung scheinheilig, die sich auf komische Fristen beruft (war schon in nem andern Fall die Diskussion, will das nicht wieder lostreteten, aber in D ist es doch so: Embryo vor der Nidation kein Anspruch auf ein Lebensrecht, nächste Stufe 12. Woche - wissenschaftlich völlig unbegründet - nächste Stufe dann Geburt - aus haltlos; so versteht man hier unter Spätabtreibung sowohl einen Abbruch in der 15. als auch einen solchen in der 26. woche).

    Insofern ist es gerecht, wenn man sagt, man kann das Lebensrecht - bei schwerer Behinderung - auch nach der Geburt ablehnen. Das erspart erstens die künstliche Einleitung einer Geburt (Spätabtreibung) und zweitens wird dann nicht "auf Vorrat" abgetrieben (aufgrund der Haftungsregelung rät ein Arzt bei Verdacht auf Behinderung eher zur Abtreibung). Denn wenn man hier die Regelung ansieht, dann ist es pervers, wenn ein Arzt eine Spätabtreibung einleitet, der Fötus lebend auf die Welt kommt, er dann theoretisch verpflicht ist, lebenserhaltende Massnahmen einzuleiten.

    Ich komme zu folgenden Schlüssen: entweder man muss, wenn man Spätabtreibungen bei Behinderungen befürwortet, auch die "Sterbehilfe" bei Neugeborenen zulasen. Oder aber man hinterfragt, ob Spätabtreibungen doch nicht noch restriktiver einzuschränken sind. Denn die Entwicklung war ja so, dass man ursprünglich nur wenn das Kind praktisch nicht lebensfähig wäre (oder aber bei schwerer Gefährdung der Mutter) einen Spätabbruch einleiten durfte. Es folgten dann weitere Indikationen wie Trisomie 21, offener Rücken, unterentwickelter Schädel, etc. Die Frage ist, ob es bei der Sterbehilfe für die Neugeborenen auch nicht so sein wird, dass man immer mehr Indikationen aufstellen wird, die eine "Entsorgung" rechtfertigen.

  4. #4
    Avatar von StudJurLMU
    StudJurLMU ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Ich bin der allerletzte, der ständig mit schwachsinnigen Nationalsozialismusargumenten kommt (alleine, wenn ich wieder daran denke, möchte ich etwa Frau Roth und alle ihre Gesinnungsgenossen in Schacht Konrad "verklappen" ). Daher vorweg: Euthanasie ist (genausowenig wie Autobahnen oder das Müttergenesungswerk) nicht deshalb schlecht, nur weil AUCH die Nationalsozialisten damit zu tun hatten.

    Ich sehe eklatant die Gefahr, daß man über lurz oder lang wieder dazukommen wird zu entscheiden, welches Leben wert und welches unwert ist. Und das halte ich per se für eine abzulehnende Entwicklung. (Hingegen hätte ich z.B., auch wenn das BVerfG da an den Plafond spränge, überhaupt nichts gegen staatliches Kunstrichtertum, aber das ist abschweifend.) Ich bin überzeugt, daß wenn postnatale "Abtreibungen" gestattet werden, dies dazu führen wird, daß früher oder später "bloße" Behinderung, sagen wir Trisomie 21, zumindest faktisch ein Tötungsgrund sein wird.
    Man bräuchte überhaupt keine Abtreibungs- oder Euthanasieregelung, um einerseits in Extremfällen, z.B. wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist, eine Schwangerschaftsbeendigung vorzunehmen oder andererseits jemandem Schmerzen oder komatöse Zustände etc. zu ersparen.

    Gibt es Erlaubnisregelungen, so hat man bewußt schon darauf verzichtet, nur in Extremfällen eingreifen zu wollen, sondern per definitionem eine abstrakt-generelle Regelung für eine Vielzahl von Anwendungsfällen geschaffen. Die (deutsche) Abtreibungsregelung zeigt klar, daß (zugespitzt gesagt) die Unlust, ein Kind austragen zu wollen, bereits den Weg zur Abtreibung eröffnet, wenn man das nicht allzu dumm anstellt. Noch eklatanter sieht man m.E. am Beispiel der Euthanasie in den Niederlanden, daß solche Gesetze dazu führen, Taten, die in der gesamten zivilisierten Welt als strafbar angesehen werden, zu legalisieren. Es ist ja auch irgendwie praktisch, wenn man sich der senilen Urgroßmutter auf diese Weise entledigen kann (und solche Fälle treten bereits auf), auch wenn diese darin tatsächlich niemals eingewilligt hat.

    Man könnte Eugenik auf dem Gesetzeswege einführen - was ich aufgrund christlicher Werte, um einen kleinen Verweis auf einen anderen Faden zu geben , ablehne. Aber man sollte sich bewußt sein, daß die zur Diskussion stehende Regelung ein weiterer, sehr großer Schritt (zusammen mit liberaler Abtreibungs- und Euthanasiegesetzgebung) dahin ist.
    Es kann sogar objektive Gründe dafür geben. Aber nicht alles, was sich rechnet, muß deshalb auch richtig sein.
    Geändert von StudJurLMU (27-09-2006 um 20:28 Uhr)
    § 11.

  5. #5
    Avatar von chowdy
    chowdy ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von StudJurLMU
    Ich bin der allerletzte, der ständig mit schwachsinnigen Nationalsozialismusargumenten kommt (alleine, wenn ich wieder daran denke, möchte ich etwa Frau Roth und alle ihre Gesinnungsgenossen in Schacht Konrad "verklappen" ). Daher vorweg: Euthanasie ist (genausowenig wie Autobahnen oder das Müttergenesungswerk) nicht deshalb schlecht, nur weil AUCH die Nationalsozialisten damit zu tun hatten.

    Ich sehe eklatant die Gefahr, daß man über lurz oder lang wieder dazukommen wird zu entscheiden, welches Leben wert und welches unwert ist.#.
    ich persönlich finde diese entwicklung äußerst begrüßenswert, und man sollte sie auch auf andere bereiche und bevölkerungsgruppen ausdehnen:
    denkenswert wären alle mitglieder der gesellschaft, welche keinen oder unzureichenden roi (return on investment) einbringen. desweiteren halte ich es auch für ein probates mittel um massenarbeitslosigkeit und überbevölkerung einzudämmen...

    sprich: jeder, der mehr als 2 jahre stütze bezieht wird eutanisiert, rentner sowieso, und auch langzeitstudenten über dem 10.semester

    desweiteren bringt die pränatale gendiagnose weitere vorteile. wir können schon vor der geburt feststellen, wer ein terroristengen in sich trägt, ein schmarotzergen oder ein verbrechergen.
    damit könnten wir alle gefahren für die gesellschaft eleminieren bevor sie überhaupt zur welt gekommen sind....

    wir könnten die gelegenheit ergreifen einen neuen perfekten herrenmenschen zu schaffen, wie ihn die welt noch nie gesehen hat.
    desweiteren: wenn schon darwinismus an unseren schulen gelehrt wird sollten wir diesen auch im alltag einsetzen nach dem motto: der stärkere überlebt.
    so könnten wir minderbemittelte kulturen und religionen eutanasieren, den weltfrieden festigen und so lebensraum und rohstoffe für unseren neuen herrenmenschen gewinnen.

    beste grüße
    captain ironic
    http://captainstory.blogg.de > Neu: captain domination

    My philosophy is to experience paradise during this lifetime and not "maybe" after. I am taking full advantage of my timeslot in this world and I encourage you to do the same. Crucial parts of my philosophy are extreme experiences and emotions.

    Thank god, I'm not ugly!

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