Das Problem der Fachschafts-Ersti-Arbeit dürfte sein, dass niemand die von Dir wahrgenommenen Fortschritte sieht. (Außer vielleicht denen, die mit Dir gemeinsam auch schon so lange ständig an den Programmen arbeiten.) Die Ersties sind jedes Jahr neu, bekommen ein bestimmtes Einführungsprogramm vorgesetzt und machen dabei mit und wenn da was nicht gefällt, gibt es Kritik. Das Gelungene wird dagegen als selbstverständlich hingenommen. Den Vergleich zum Vorjahr hat keiner außer Dir, um zu beurteilen, ob etwas besser gelaufen ist oder nicht und sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Theoretisch müsste man die Kritiker einbinden in die Programmgestaltung für das nächste Jahr, aber man macht es dann doch selbst, weil die a) nicht wollen und man es denen b) vielleicht auch nicht zutraut und lieber auf bewährte Konzepte zurückgreift, die man behutsam verändert und verbessert. Gegen diese schleichende Veränderung des Konzeptes hat man es aber jedes Jahr wieder mit einem ganz anderen Abiturientenjahrgang zu tun.
Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Problem dürfte bei der Erstsemesterbetreuung die zunehmende altersmäßige und im Studienfortschritt messbare Entfernung zu den Frischlingen sein. Ist es vielleicht besser, wenn man mit der Zeit sein Hauptaufgabenfeld in der studentischen Selbstverwaltung verlagert? Statt den Neuen in höchsten Tönen von den Vorzügen der besten Uni der Welt und dem tollsten Studiengang vorzuschwärmen, übt man sich vielleicht später bei der Lösung der Problemchen im Studienalltag bietet älteren Kommilitonen Hilfe und Beratung bei der Studienorganisation an, verhandelt mit den Dozenten und Prüfern über Verbesserungen im Studienablauf etc. und überläßt die Einführungsveranstaltungen schließlich denen, die noch näher dran sind und erst im vergangenen Jahr das ganze selbst erlebt haben, nun selbst ihre Verbesserungsvorschläge einbringen können und falls das Kartenhaus doch zusammenfällt doch mal den Rat der alten Hasen annehmen können.
Im Gegensatz zum Sprachaustausch fängt man beim Erstieeinstieg jedes Jahr wieder auf gleichem Niveau an, den Frischlingen den Unikosmos zu erklären, während Du sicher aufgrund Deiner wachsenden Kenntnisse Dich mit den finnischen Kommilitonen immer besser verstehen wirst. Angefangen hat es mit einfachen Sätzen und Fragen, während Du vielleicht jetzt schon längere Erzählungen und komplexe Sachverhalte erklären kannst und Deine Kommilitonen freuen sich natürlich auch, wie Deine Sprachkenntnisse fortschreiten und sicher stehst Du mit einigen auch nach dessen Austauschjahr weiter in Kontakt.
Beste Grüße und viel Erfolg wünscht
Klausi.
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14-10-2006 09:33 #1Kah Gast
Ehrenamt an Unis - vergebene Liebesmüh?
Jetzt nach der Erstiwoche merke ich wieder, dass der Einsatz in meinem Ehrenamt als Fachschaftsratler in keiner Weise aufgewogen wird. Einerseits habe ich mir das selbst zuzuschreiben: Durch mehr Arbeit bekommt man nicht mehr Anerkennung von den Studenten, für die man arbeitet. Fortschritte (neue Veranstaltungen, bessere Netzwerke etc.) werden nicht wahrgenommen, wenn man Rückmeldungen erhält, so oft in Form von reiner Kritik. Fachschaftsratsarbeit in meinem Institut bringt nichts als Menschenkenntnisse, die man lieber nie gehabt hätte und viele Prüfungen. Vielleicht ist das auch eine gute Schule, wenn man davon ausgeht, dass es im Arbeitsleben auch so ist, aber dann werde ich keine 40 Jahre arbeiten können vor dem totalen Burnout.
Anders ist es bei der langfristigen und persönlichen (Sprach)Arbeit mit ausländischen (finnischen) Studenten. Dadurch entstehen mitunter tatsächlich Freundschaften und man kann selber sehen, wie Fortschritte auch Freude bringen.
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14-10-2006 12:00 #2
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Geändert von lausitzer (14-10-2006 um 12:21 Uhr)
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14-10-2006 13:21 #3
Ist Ehrenamt das nicht fast immer, wenn man es aus Ueberzeugung und um der Sache willen macht?
Meiner traurigen Erfahrung nach leider schon. Wer solche Funktionen (und dann meist eh bloß halbherzig) nur zur Kontaktpflege und Lebenslaufaufhübschung ausübt, kommt meist zufriedener dabei weg. Wer es aus Ueberzeugung betreibt, dem muß die Sache selbst Befriedigung geben, sonst wird er desillusioniert und am Ende gar renegat.§ 11.
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14-10-2006 15:09 #4Kah Gast
@klausi: Die Erstis waren nur ein Beispiel, ältere KomillitonInnen haben keineswegs mehr Verständnis für ihre Helfer in der Not (die wir allzu oft sind).
Vielleicht stört mich auch, dass dieses Ehrenamt als so selbstverständlich hingenommen wird, als würde es ewig nachwachsende Menschen geben, die ihr Zeit opfern, um einem zu helfen, ohne dass man sich selbst mal müßigt, in die Studienordnung zu sehen. Natürlich helfen wir gerne, aber 200 Leuten einen Stundenplan bauen oder beim Durchboxen von Anträgen zu helfen etc. und vielleicht zehnmal ein "Vielen Dank für Deine Hilfe und Mühe" zu hören, macht kaputt. Dabei wäre das doch eigentlich so banal und nur höflich.
@ StudJurLMU...hmm...ich mache eigentlich kein Ehrenamt nur um des Ehrenamtes willen, sondern weil ich Menschen helfen will und einen Rest Menschlichkeit in unserer Gesellschaft bewahren will. Und weil es irgendwer ja machen muss, sonst bricht alles zusammen und ...dabei wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn mal die Nicht-Ehrenamtler im Regen stünden und niemand mehr auf ihre Fragen hört. Aber allzu oft trifft es eben auch die, die gar nicht wissen, dass sie dieses Ehrenamt selbst füllen könnten (Erstis oder ausländische Studenten, z. Bsp.).
So...hoffentlich kontrovers genug
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14-10-2006 15:24 #5Ich meine nicht Ehrenamt um eines Ehrenamtes willen, sondern mit Sache meine ich natürlich schon die jeweilige inhaltliche Aufgabe, in Deinem Falle die fachschaftliche Unterstützung der Studenten.
Zitat von Kah
Fachschaften selber haben m.E. noch ein anderes Problem: Der gemeine Student
, gerade in jungen Semestern, weiß nicht einmal genau, was es alles an, sagen wir mal, studentischer Betätigung an der Hochschule gibt. Da kann dann eine Vorstellung des sog. "AStA" auf der Erstsemestereinführung schon dazu führen, daß der Student abschaltet und (gerade, falls es personelle Verknüpfungen gibt) in seinem Hinterkopf nur hängenbleibt, daß diejenigen, die sich an der Universität organisieren und engagieren alles Spinner oder jedenfalls Leute, mit denen man nichts zu tun haben will, seien.
Ich glaube - und an Hochschulen oder Fakultäten, wo so etwas wie sog. "AStA" keine Rolle spielt, ist das meiner Erfahrung nach auch der Fall - daß die Reputation der Fachschaftsarbeit eine bessere wäre, wenn dies die einzige bzw. wesentliche Erscheinungsform studentischer "Beteiligung" am Hochschulwesen wäre.§ 11.
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