Such Dir andere Bekanntschaften und/oder ignoriere solche Leute. Du solltest nicht einen gewissen Neidfaktor außer acht lassen. Im übrigen gibt es genug Leute die keinerlei intellektuelle Ansprüche haben (Motto: "für mich hat die Hauptschule auch gereicht, warum sollen meine Kinder zum Gymnasium und 3 Jahre länger auf meiner Tasche liegen?"), aber deren Meinung kann man als (angehender) Akademiker mit der gleichen Überheblichkeit wie sie sie an den Tag legen links liegen lassen.Zitat von corrosion757
Eins muß man sich klarmachen: Studium=viel Geld ist eine Gleichung die nicht automatisch aufgeht. Ein fleißiger und geschickter gelernter Kaufmann, der z.B. im Außendienst erfolgreich unterwegs ist, steckt einen Großteil der Uniabsolventen finanziell in die Tasche, wohingegen viele Geisteswissenschaftler mit Aushilfsjobs über die Runden kommen müssen. Menschen rein nach der formalen Qualifikation charakterisieren oder bewerten zu wollen geht meist schief...Zitat von corrosion757
Du pflegst die falschen Kontakte.Zitat von corrosion757
Such Dir Leute, die sich höhere Ziele stecken. Mit denen kannst Du Dich auf gleicher Ebene austauschen. Damit meine ich nicht, dass Du Dich von allen Nicht-Akademikern fernhalten solltest - ich habe im Laufe der Zeit sehr ambitionierte Menschen aus Ausbildungsberufen kennengelernt, die wollten beruflich auch auf anderem Weg was aus sich machen. Wenn man (z.B. als Praktikant) in Betrieben unterwegs ist erlebt man natürlich immer mal gewisse unterschwellige Vorbehalte gegenüber den "verkopften Theoretikern von der Uni". Da liegt es dann an einem selbst, diesen Leuten zu zeigen und zu beweisen, dass man sich auch in ihre Denkwelt und Sichtweise hineinversetzen kann, und wenn man sich dann nicht zu fein ist, ins staubige Lager zu steigen oder auch mal "niedere" Arbeiten zu übernehmen, schlägt das schnell in Akzeptanz und/oder Respekt um. Es liegt eben mitunter auch an einem selbst und seinem Auftreten als Student und/oder Akademiker, wie die nicht-akademische Umwelt auf einen reagiert...Zitat von corrosion757
P.
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06-12-2006 21:54 #1corrosion757 Gast
Akzeptanz von Studenten und Absolventen
Liebe Mitstudenten,
ich habe mich mal hier in diesem Forum angemeldet, weil mir eine Frage unter den Nägeln brennt, die ich euch gerne stellen würde:
Habt ihr auch das Gefühl, dass man als Student in der Gesellschaft nicht sehr hoch angesehen ist, und wenn ja, wie geht ihr damit um?
Was ich meine ist folgendes: Die Politik und die Öffentlichkeit in den Medien propagiert, dass Deutschland mehr Hochqualifizierte Leute braucht, dass Bildung und Wissen unsere wichtigste Ressource sei, und dass das Bildungssystem, wie auch immer es denn aussehen sollte, eine wichtige Investition in die Zukunft unseres Landes ist. Soweit die offizielle Meinung…
Wenn man dann aber brav sein Abi macht und an einer Hochschule eben diese Qualifikation erwerben will, schlägt einem jedoch viel Gegenwind entgegen:
Die ältere Generation kommt immer mit Sprüchen wie: „Wir haben diesen Staat nach dem Krieg aufgebaut, wir haben die Einheit bezahlt („seit der Wende ist es schlechter geworden...“
), wir haben Europa bezahlt, wir haben den Euro bezahlt und die Ärzte und Anwälte (und alle anderen Studierten) stopfen sich auf Kosten des anständigen deutschen Arbeiters die Taschen voll. Die geben unser Geld mit vollen Händen aus, und wir müssen sehen, wo wir bleiben. Internet, Computer und so was braucht kein Mensch, wir können eh alles, diese Schlauberger von der Uni habe ja eh keine Ahnung…“. Von den Frauen muss man sich anhören, dass alle Akademiker ja impotente und langweilige Kopfmenschen seien und es nicht bringen, da ist wohl eher der tolle Junge von der Baustelle gefragt…
Und die mittlere Generation sieht in Studenten nur einen Kostenfaktor, der ihr sauer verdientes Geld in endlosen Semestern weg-schmarotzt…Dazu kommen dann noch die üblichen Klischee-Vorstellungen und Vorwürfe wie: „Nur 3 Stunden Arbeit am Tag gewöhnt, steht erst mittags auf und kifft den ganzen Tag, kann nichts und will nichts, faul und unfähig…“
Wenn man sich umschaut, dann leben die vermeintlich schlechter Qualifizierten Menschen mit ihrem Ausbildungsberufen viel besser als man selber, fahren tolle Autos, haben ne hübsche Freundin daneben sitzen, sind in die Gesellschaft integriert und akzeptiert…Wer sich Mühe gibt und aus seinem Leben etwas machen will, eine Karriere anstrebt, der ist Außenseiter und unbeliebt…
Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht und wie geht ihr damit um, ich meine ständig solche Sachen hören, dass nimmt einem doch echt die Lust am studieren. Dann hätte man sich auch den ganzen Stress ersparen können, nach der 10. Klasse Maler und Anstreicher lernen und ein schönes Leben haben können… Was meint ihr dazu???
bye
Corrosion
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06-12-2006 22:24 #2
"Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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Geändert von Paracelsus (06-12-2006 um 23:29 Uhr)
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06-12-2006 22:57 #3
"Absolvent" (80-149 Beiträge)
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Dann hätte man sich auch den ganzen Stress ersparen können, nach der 10. Klasse Maler und Anstreicher lernen und ein schönes Leben haben können… Was meint ihr dazu???
Es ist bestimmt noch nicht zu spät für Dich in eine handwerkliche Ausbildung zu wechseln.
Mein Grundpraktikum hat mir auch großen Spaß gemacht, als einer von zwei Nichtrauchern unter 30 Auszubildenen und mir jeden Tag Kommentare über mein Studium von Leuten anzuhören, die sich in der Pause um die Bild Zeitung streiten...
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06-12-2006 23:15 #4Gegenfrage: Hast Du Dein Studium begonnen, weil Du irgendwann mal mehr Anerkennung haben wolltest? Weil Du von Handwerkern von unten herab ehrfürchtig betrachtet werden und Dich als Mitglied der "upper class" fühlen wolltest? Ist es das? Tja, dann hättest Du vielleicht wirklich Anstreicher werden sollen, denn weisst Du was? Die Ausgangsvoraussetzung für ein Studium ist, dass man das Thema sehr gerne mag, dass es einen so interessiert, dass man sich um seiner selbst Willen darin vertiefen will und das ganz unabhängig davon, was andere davon halten mögen. Bei Deinen Jammertiraden über die Gesellschaft, die Dich nicht hoch genug achtet, merke ich aber nichts davon, dass Dir Dein Studium als solches wichtig ist - also tu der Gesellschaft einen Gefallen und hör auf - oder gewöhn Dir eine andere Haltung zu Deinem Studium an!
Zitat von corrosion757
Im Übrigen schliesse ich mich Paracelsus an, es kommt auf Dein persönliches Auftreten an, wie man Dir in der Gesellschaft begegnen wird. Wenn Du Dich als Student als "etwas Besseres" fühlst und das Menschen ohne akademische Ausbildung spüren lässt, dann hast Du in meinen Augen nichts anderes verdient als Geringschätzung. Harte Worte zugegebenermassen, aber so sehe ich das. Studieren zu können ist ein Privileg, denn ja, ein Student kostet die Gesellschaft Geld, viel Geld. Ein solches Privileg missbraucht man nicht, sondern man nimmt es dankend an und gibt sein Bestes, um dem Vertrauen, das in einen gesetzt wurde, gerecht zu werden. Und dazu gehört eben auch, nicht überheblich zu werden, Nichtstudierte nicht als weniger wertvoll zu betrachten.Geändert von Rudi Ratlos (06-12-2006 um 23:18 Uhr)
Wessen wir am meisten im Leben bedürfen ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.
(Ralph Waldo Emerson, 1803-1882)
Gehe nicht vor mir - vielleicht folge ich Dir nicht.
Geh nicht hinter mir - vielleicht kann ich Dich nicht führen.
Geh einfach neben mir - und sei mein Freund.
(Albert Camus, 1913-1960)
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07-12-2006 00:19 #5Dass ich als Anstreicher niemals glücklich geworden wäre. Ich brauche viel viel mehr geistiges Futter. Mir ist ja nicht mal ein einziges Studium genug. Die riesige Neugier hab ich, seit ich denken kann.
Zitat von corrosion757
Was ich bei dir nicht kapiere, ist, warum du so statusversessen bist. In welchem Umfeld bewegst du dich? Wenn du nur schnell in die Wirtschaft einsteigen, dir ein dickes Auto leasen und Blondi aus der Disco schwängern willst, machs halt. Begeisterung für ein Thema sieht aber anders aus.
Studium heißt: Hindernisse überwinden. Selbstorganisation lernen. Nicht immer den einfachsten Weg gehen. Durchhalten, wenn andere aufgeben. Nicht auf das Gerede der Leute hören. Und: Lernen, lernen, lernen.
Studium ist eine riesige Chance für dein Leben, wenn du sie nutzt. Für manche ist Studium auch der frische Wind, der das staubige familiäre Althergebrachte aus dem Kopf weht und den Weg in ein neues Leben und in ein ganz neues Umfeld ermöglicht.
Ciao,
NeroliGeändert von Neroli (07-12-2006 um 00:31 Uhr)
Life’s about film stars and less about mothers
It’s all about fast cars cussing each other
But it doesn’t matter cause I’m packing plastic
and that’s what makes my life so fucking fantastic
Lily Allen - The Fear
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