Ein Grund dürfte der unübersehbare Widerspruch zu (Jugend-)Arbeitslosigkeitsstatistik und dem Gejammere von Firmen sein, Ihnen würden qualifizierte Fachkräfte fehlen (die sie in den vergangenen Jahren vergessen haben auszubilden). Und deswegen könne man dieses oder jenes Geschäftsfeld in Deutschland nicht mehr halten.
Ein weiterer Grund könnte die Perspektivlosigkeit der minderbezahlten Praktikanten mit Hochschulabschluss sein. (Wobei ich glaube, dass da viele an ihrer Ausbeutung selbst Schuld tragen.)
Jedenfalls sind aber auch die derzeitigen Aussichten für Berufsanfänger hier nicht soooo berauschend, dass man vielleicht bis zum 30. Lebensjahr auch die Familienplanung dabei berücksichtigen könnte.
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01-02-2007 17:12 #1
Moderator
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Der Kampf um die klugen Köpfe
Viel ist darüber diskutiert worden, dass die besten jungen Wissenschaftler das Land verlassen – mit dem Wunsch, dort zu arbeiten, wo ihnen die besten Möglichkeiten dazu geboten werden. Brain Drain wird diese Migration im Zeitalter der globalisierten Welt neudeutsch genannt. Inzwischen gibt es viel Kritik aus Politik und Wirtschaft an dieser Abwanderung des akademischen Nachwuchses. „Brain Drain“ trockne die Zukunftschancen ganzer Regionen aus, so das Hauptargument.
Wie steht ihr dazu? Auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, Deutschland nach dem Studium den Rücken zu kehren? Und wenn ja, warum?
Den aktuellen Artikel zum Nachlesen gibt´s übrigens hier.Geändert von Redaktion (07-02-2007 um 15:21 Uhr)
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03-02-2007 07:18 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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05-02-2007 05:00 #3
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was heisst mit dem gedanken spielen?
ich hab D vor 3 jahren den ruecken gekehrt, zuerst fuer 1 1/2 jahre zur diplomarbeit etc nach afrika und seit dem in neuseeland fuer PhD. Habe nicht vor je nach D wiederzukommen. Gruende dafuer gibt es sehr viele, mal abgesehn, dass ich D nicht sonderlich mag und mich eingeaengt fuehle:
- alles ist extrem teuer
- studenten werden nicht sonderlich gut angesehn (nicht, dass das ein hauptgrund waere aber es nervt doch)
- buerokratie, buerokratie
- wirre lebenseinstellung vieler deutschen aka schaffen schaffen haeusle bauen, aber trotzdem das meckern nicht lassen
- das studium war gut (thx no fees) aber die betreueung am ende beschissen
- oberflaechlichkeit
- ausbildung zum fachidioten, statt das eine erweiterung des horizonts angestrebt wird
- elitenbildung (was fuer ein unfug)
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05-02-2007 07:02 #4
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Einmal das Gehirn trocken legen, bitte!
Das, was heute Neudeutsch "Gehirnabfluss" genannt wird, hat es auch zu früheren Zeiten gegeben. Zwei der größten Auswanderungswellen auch und vor allem gebildeter Leute fanden in den Jahren nach 1848 (bürgerliche Revolution mit anschließender politischer Verfolgung) und nach 1933 statt. In beiden Fällen war die staatliche Authorität der Grund dafür.
Heute ist es nicht anders. Es sind die Techniker, die Kaufleute, die Mediziner und die Handwerker, die sich gegen das Leben in Deutschland und für das Auswandern entscheiden. Und heute wie damals sind es die herrschenden politischen Verhältnisse, die bei vielen, beim einen früher beim anderen später, dazu führen dass er sagt: "Ich hab die Schnauze voll
; ich geh´"!
Statt also Kritik an den Leuten zu äußern, die mit den Füßen abstimmen wie seinerzeit die Ossis, sollten die Kritiker sich mal an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob nicht gerade sie es sind, die mit ihrer Politik, mit ihren Entscheidungen genau für das Verhalten ursächlich die Verantwortung tragen, was sie heute an anderen Leuten kritisieren.Inzwischen gibt es viel Kritik aus Politik und Wirtschaft an dieser Abwanderung des akademischen Nachwuchses. „Brain Drain“ trockne die Zukunftschancen ganzer Regionen aus, so das Hauptargument.
Ja!Wie steht ihr dazu? Auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, Deutschland nach dem Studium den Rücken zu kehren? Und wenn ja, warum?
Wenn alles glatt geht werde ich so um das Jahr 2011 herum genug Geld auf dem Konto haben, dass ich anderswo auf der Welt für den Rest meines Lebens in bescheidenen Verhältnissen leben kann, ohne dass die Notwendigkeit besteht, für meinen Lebensunterhalt einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen.
Die Gründe sind naheliegend.
Wenn man meine netto- Kaufkraft (also mein Nettolohn - indirekte Steuern) durch die brutto- Arbeitskosten, die meinem Arbeitgeber dadurch entstehen dass er mich beschäftigt, (also Lohnsumme + "Arbeitgeberanteil" zu den Sozialversicherungsbeiträgen)dividiert, kommt ein Wert zwischen 0,35 und 0,4 heraus. (das hängt davon ab, ob ich mich von Superbenzin, Brandwein, Kaffee oder Bier ernähre)
D.h., dass die Abgaben an den Staat fast 2/3 meiner Arbeitskraft auffressen. Spare ich dann von jenem versteuerten Geld ein paar Kröten, und lege sie auf die hohe Kante, dann fressen die Quellen- und Kapitalertragssteuern von den kargen Zinsen so viel, dass nicht einmal ein Ausgleich für die Inflation besteht. (seit Einführung der Quellensteuer wurde der Freibetrag 3 Mal halbiert)
Gebe ich das ersparte dann zu einem späteren Zeitpunkt aus, dann haben sich die indirekten Steuern sicher in der Zwischenzeit erhöht, was einen zusätzlichen Kaufkraftverlust entspricht.
Dennoch soll meine Generation nicht nur für die Sünden der Vergangenheit Steuern bezahlen und für die Sünden von heute. Nein, von mir und meinen Schicksalsgenossen, die wir Neudeutsch "belegtes- Brot- Generation" genannt werden, wird überdies auch noch erwartet, dass wir 2- 3 Kinder groß ziehen, und dass wir Männer dafür (politically correct) zuhause bleiben, damit unsere Frauen Karriere machen können.
Außerdem sollen wir unter den genannten Bedingungen noch für unsere Rente vorsorgen, weil schon jetzt klar ist, dass die heute 40- Jährigen aus der staatlichen Rentenkasse nicht mehr zu erwarten haben als heute die Hartz- IV- Empfänger. (wobei das mit dem Fördern dann vermutlich nachläßt)
Zurzeit erlebe ich, wie mein Gehalt auf einem ohnehin, wie ich finde, bescheidenen Niveau für die nächsten 5 Jahre eingefroren werden soll. Gleichzeitig verschleudern die Obermuftis in Vorstand und Aufsichtsrat die Millionen zu Hunderten, (420 Mio. € Bestechungsgelder und 418. Mio € Strafzahlungen an Brüssel wegen Preisabsprachen) und erhöhen sich dafür ihre Bezüge um gleich 30 %.
(nur im Jahr 2006 haben die Verbrecher auf die Erhöhung verzichtet, um das Geld den entlassenen Mitarbeitern zukommen zu lassen; in diesem Jahr bedienen sie sich wieder)
Die Frage muss also nicht lauten: "Wenn ja, warum?"
Sie müsste eigentlich lauten: "Warum bist Du noch nicht weg?"Geändert von Astir01 (05-02-2007 um 07:05 Uhr)
Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)
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05-02-2007 11:00 #5
Das von Astir war die Lage der Leute, die in die Industrie gegangen sind. Aber denjenigen Studierten, die an der Uni bleiben wollen, bieten sich kaum bessere Perspektiven (oder auch noch schlechtere ...) Wenn der Staat so mit uns Wissenschaftlern umgeht, wie er es derzeit tut, und ich einen Staat finde, in dem es besser aussieht, bin ich nach Fertigstellung meiner Doktorarbeit auch weg

Zur Finanzierung einer Doktorarbeit an der Uni gibt es mehrere Möglichkeiten.
A: Wissenschaftlicher Mitarbeiter sein. Der übliche Fall wird eine BATIIa-Stelle sein, normalerweise eine halbe, mit viel Glück eine ganze. Halbe Stellen kriegen arg wenig Gehalt, und man wird kaum in der Lage sein, ernsthaft Geld anzusparen. Was mich aber viel mehr ankotzt, sind die ganzen Befristungen. Soweit ich das mitkriege, sind 2-Jahres-Verträge der Normalfall. Besonders dolle ist das nicht gerade. Aber trotzdem scheint mir das noch die beste Möglichkeit zu sein, seine Dr.-Arbeit zu finanzieren, und ich lecke mir derzeit alle 10 Finger nach einer konkreten solchen auf 2 Jahre befristeten wahrscheinlich halben, mit ganz viel Glück Dreiviertelstelle, die aber eingefroren und aufgrund von Nicht-Zuständigkeiten noch nicht wieder aufgetaut wurde. Nachteil: Sooo viele von den BAT-Stellen gibt's nicht ^^
B: Drittmittelfinanzierte Stelle: Die Doktoranden, die ich kenne, verwenden dermaßen viel Zeit für die Beantragung von Drittmittelprojekten, daß sie kaum zu ihrer eigentlichen Doktorarbeit kommen. Eine gute Freundin von mir schlägt sich mit 3-Monats-Verträgen herum! Ich weiß aber gerade nicht, was das für eine Stelle ist, Drittmittel muß sie nicht selbst beantragen. Aber ihr Vertrag wird jeweils für 2 oder 3 Monate verlängert. Wie soll sie da auch nur das geringste Fünkchen Kontinuität in ihre Arbeit kriegen?
C: Stipendien. Sorry für die harten Worte, mir ist klar, daß sich jetzt einige Steuerzahler auf den Schlips getreten fühlen: Promotionsstipendien, zumindest die vom Land, sind der letzte Scheiß
Die Grundidee ist ja nett: Besonders Begabten soll die Möglichkeit gegeben werden, sich halbwegs sorgenfrei vollzeitlich ihrer Doktorarbeit zu widmen. ABER DANN SOLLEN DIE LÄNDER GEFÄLLIGST AUCH NUR SO VIELE STIPENDIEN VERTEILEN, WIE SIE DURCHHALTEN KÖNNEN!!! Gerade Stipendien sind so genau kalkulierbar, daß ich null Verständnis für irgendwelchen Spielchen habe. Es ist ja okay, daß die Stipendiaten regelmäßig Rechenschaft dafür ablegen müssen, daß das Geld ordentlich in sie investiert ist. Aber wenn die Berichte durch sind, mag ich nicht immer den Hinweis mitkriegen, daß das Stipendium in Abhängigkeit von der Haushaltslage gewährt wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe, entweder kann mir das Stipendium zum halben Jahr oder jederzeit gekündigt werden. Einmal habe ich meinen halbjährlichen Bericht zu spät abgegeben. Gut, ich war selber schuld, aber daß dann gleich das Geld zurückgehalten wurde, fand ich ziemlich kindisch. Und natürlich war ich dann mit allem möglichen Scheiß wegen verspäteter Zahlungen anstatt meiner Doktorarbeit beschäftigt. Gut, daß ich einen sehr kulanten Vermieter habe/hatte
Dazu kommt, daß Stipendien natürlich auch nur befristet sind, und der Abgabetermin für den Verlängerungsantrag im Sommer so spät ist, daß ich schätzungsweise 1 Monat auf dem Trockenen sitzen werde, bevor ich überhaupt erfahren habe, was los ist, geschweige denn bis das nächste Geld kommt.
Aber der größte Nachteil von einem Promotionsstipendium ist, daß man durch sämtliche Maschen hindurchfällt. Man muß sich z.B. freiwillig krankenversichern, wobei das Stipendium als Gehalt angerechnet wird. Danach bleibt dann kaum mehr als Hartz IV übrig, während man aber nicht nebenher arbeiten darf (na gut, 16 Stunden im Monat. Reichtümer kann man da aber nicht anhäufen), und für Diplom in der Tasche ist das elendig wenig Geld. Man muß um jede Unterschrift betteln bzw. ist auf den guten Willen von Leuten angewiesen, die theoretisch Vorgesetzte sein könnten. Man zahlt keine Steuern und ist von daher nicht beruftstätig im Sinne der Rentenversicherung (ich bin 30, wenn ich offiziell anfange zu arbeiten!), man kann kein Geld sparen, und wenn man heiratet oder mit dem Partner zusammenzieht, wird das Geld gestrichen etc. Das Stipendium ist also wirklich nur ein Almosen, und man wird auch behandelt wie ein Almosenempfänger, obwohl man sich eigentlich eingebildet hatte, daß man sich für etwas Besseres qualifiziert hatte.
Der einzige Vorteil eines Stipendiums ist, daß man sich Vollzeit mit seiner Dr.-Arbeit beschäftigen kann. Das passiert aber auch nur denjenigen, die Glück haben und in einer ordentlichen Arbeitsgruppe landen (wie ich z.B.). Ich habe schon von vielen Fällen gehört, wo Stipendiaten von Arbeitsgruppen ausgebeutet wurden und Lehre machen mußten, obwohl die Arbeitsgruppe keinerlei Zugriffsrecht auf sie hat
Mal sehen, was sonst noch passiert. Es war ein Fehler, sich auf das Stipendium einzulassen.. Damals kam's mir toll vor, aber mittlerweile bin ich da ganz schön desillusioniert. Aber wenn ich jetzt ganz woanders hingehe, verliere ich noch mehr Zeit. Ich hoffe auf diese reguläre Stelle, und ansonsten beiße ich die Zähne zusammen und schlage mich durch 
Und nach der Doktorarbeit wird's noch viel schlimmer. Wer nicht habilitiert, ist nach sechs Jahren weg vom Fenster, weil es keine Dauerstellen mehr für promovierte Leute gibt und sie nach Erreichen des Doktortitels nicht länger als besagte 6 Jahre in befristeten Arbeitsverhältnissen stecken dürfen (oder waren's 12 Jahre nach Erreichen des Diploms? Das habe ich auch irgendwo gehört. Muß mich noch mal schlau machen, aber es hat eh' keine Konsequenzen. Danach bin ich nämlich so oder so zu alt für einen Einstieg in die Industrie, und andere Möglichkeiten gibt's dann nicht mehr). Das führt dann dazu, daß eine Arbeitsgruppe dauerhaft nur aus einem Professor besteht. Doktoren und Doktoranden wechseln maximal alle zwei Jahre, und dazu gibt's noch HiWis und DIplomanden. Aber ohne den akademischen Mittelbau werden die Arbeitsgruppen ganz schön den Bach heruntergehen. Und die einzelnen Menschen bleiben auf der Strecke. Nein, ich bin nicht der Typ Mensch für einen Professor. Ich würde liebend gerne an der Uni bleiben, forschen, lehren und Studenten betreuen. Aber nach meiner Doktorarbeit möchte ich auch gerne eine Dauerstelle haben. Das Beides verträgt sich in Deutschland nicht ... wenn es ein Land auf der Erde gibt, wo das geht, und ich dort eine Stelle kriege, sieht Deutschland nur noch meine Staubwolke. Und wenn das nicht geht, werde ich wohl in die Industrie müssen. Ich glaube aber nicht, daß ich dafür der Typ Mensch bin, aber vielleicht schlummern ja noch ungeahnte Talente in mir. Jedenfalls bin ich dann in der von Astir geschilderten Situation
Geändert von KleinesGespenst (05-02-2007 um 11:23 Uhr)
"Wir sind durch Feuer und Wasser gegangen, aber du, Gott, hast uns herausgeführt ins Weite." (Psalm 66,12)
Copyright
Hier provisorisch die Quellenangabe: alles, was einen Bezug zu Otfried Preußlers kleinem Gespenst hat, ist aus: Preußler, Otfried: "Das kleine Gespenst", Thienemann-Verlag, 1984. Ab sofort distanziere ich mich jedenfalls vollständig von Otfried Preußlers kleinem Gespenst und bin ein beliebiges kleines Gespenst.
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Von joelappes im Forum Lyrik + ProsaAntworten: 2Letzter Beitrag: 17-05-2002, 14:07


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