weder noch ich war 3 monate in haft
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08-02-2007 00:06 #1
Wart ihr beim Bund oder Zivi?
An die übrigen Herren... Wart ihr beim Bund oder habt ihr Zivi gemacht? Wie war diese Zeit für euch? Würdet ihr euch wieder so entscheiden?
Ich fang mal an.... Ich war 12 Monate Zivi in der Betreuung/Therapie im Altenheim und würde mich wieder so entscheiden (auch wenn es Durststrecken gab und der dreiwöchige Zivilehrgang eine der bescheuertsten und sinnlosesten Sachen war, die ich je gemacht habe. Ansonsten war die Arbeit aber ok.)
Ciao,
Neroli
Life’s about film stars and less about mothers
It’s all about fast cars cussing each other
But it doesn’t matter cause I’m packing plastic
and that’s what makes my life so fucking fantastic
Lily Allen - The Fear
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08-02-2007 03:31 #2
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08-02-2007 07:12 #3
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Mit 3 Monaten Knast kann man sich 12 Monate Bund ersparen??
Hättich dat man damals schon gewusst.
Schmerz beiseite.
Ich war von IV ´89 bis III ´90, also 12 Monate, als Funker (Truppenfernmeldesoldat) bei der Flak in Hardheim. (Carl- Schurz- Kaserne; 1. Batterie, Flugabwehrregiment 12)
Die Jungs, die ein Quartal vor mir eingezogen wurden, mussten noch 15 Monate abreißen, und ich selbst bin eigentlich eingezogen worden mir der Aussicht, gleich 18 Monate da bleiben zu "dürfen". Ja, das waren noch Zeiten, als die Bundeswehr 12 Divisionen umfasste, eine Sollstärke von knapp einer halben Million Mann hatte, und als die schlagkräftigste Armee Europas galt. (incl. der 650.000 Mann starken Westgruppe der Roten Armee)
Wir wurden also in der Grundausbildung 3 Monate lang bei Dauerfrost (bis -15°C) von den Kalten Kriegern gedrillt und gefickt, bis uns der Pulverschleim zu den Ohren heraus kam, und wir (buchstäblich) nur noch am Weiß der Augen von der Landschaft unterscheidbar waren. Und das alles mit dem freundlichen Hinweis auf die Roten Massen jenseits des Eisernen Vorhangs, die jeden Moment mordend, sengend und plündernd über das friedliche Westeuropa herfallen können.
Also lernten wir das Kriegshandwerk, rannten mit Gasmaske (ABC- Schutzmaske) und Locher (G3) durch den Wald wie die Affen im Lied mit der Kokosnuss, robbten über gefrorenen Boden, (Matsch war eher selten im Spätjahr 1989) hasteten über die Rödelbahn, (Hindernisbahn) übten Selbst- und Kameradenhilfe, irrten bei Nacht und Nebel durch die Botanik, exerzierten, und schützten uns vor Angriffen mit Massenvernichtungswaffen im Café Eichmann. (ABC- Übraum)
Am Ende der grünen Grundausbildung (ATN- Wachsoldat) wog ich noch 78 kg. (bei 1,87 Körpergröße; heute sind es 110 kg)
Was der das III Quartal ´89 zuviel hatte, (Frost) fehlte dem I ´90 und umgekehrt. (Regen)
Zum Glück findet ein gewisser Teil der Fernmeldegrundausbildung in Unterrichtsräumen statt. Es war jenes Frühjahr 1990, in dem gleich 2 Stürme (die Tiefdruckgebiete hießen Viviane und Wiebke) über Süddeutschland hinweg fegten, und ganze Landstriche, die zuvor bewaldet waren, in Katastrophengebiete verwandelte.
Von Ende März bis Anfang Juni rückten also täglich hunderte von Soldaten mit Äxten, Kettensägen und schwerem Gerät in die Wälder (bzw. das, was davon übrig war) ein, und räumten auf, so gut es ging.
Den Teil des Sommers, den wir nicht mit Wache schieben verbrachten, gingen wir auf die Schießbahnen. Den jährlich zugeteilten Munitionsvorrat für 150 Mann in einem Monat mit 15 Mann zu verschießen, verschleißt zwar die Waffen, macht aber aus den 15 Mann geübte Maschinengewehr- und Pistolenschützen. (15 Treffer im großen Kreis, 13 Treffer im kleinen Kreis, 7 Feuerstöße, 5 Ziele bekämpft war, als mein kleiner Bruder 1997 vereidigt wurde und ich unseren alten Spieß wieder traf, immer noch Batterierekord)
Irgendwann im Sommer wurde dann der Kabinettsbeschluss amtlich, dass der Wehrdienst von 15 auf 12 Monate verkürzt wird, und ich hatte plötzlich eine negative Lage. (Tage Dienst bis Dienstzeitende)
Um zum WS 1990/91 mit dem Studium anfangen zu können, hatte ich Turbo- Vist (weil´s kürzer ist) beantragt, den ganzen Erholungsurlaub aufgespart und Wache geschoben ohne Ende. (wegen des Dienstzeitausgleiches) Nun musste ich mir 12 Tage ausbezahlen lassen und 2 x Wache schieben ohne DZA. (ich war schon eingeteilt)
Während ich in Hardheim rödelte, taten es mir viele meiner Klassenkameraden in den Nachbarstandorten (Külsheim, Walldürn, Tauberbischofsheim) gleich. Einer davon kam bei der NATO- Rallye (Fahrt von der Kaserne nach Hause am Freitagnachmittag und Fahrt zur Kaserne in der Sonntagnacht) ums Leben, als er in einer unübersichtlichen Kurve mit dem Auflieger eines Tiefladers kollidierte. Zum Glück war er, anders als sonst, allein im Auto, sonst hätte unsere Jahrgangsstufe einen noch größeren Aderlass erfahren müssen.
Damals war es noch eher üblich, zum Bund zu gehen als zu verweigern. Für mich war es zudem noch die einzige Möglichkeit, schon zum WS 90/91 mit dem Studium beginnen zu können.
Auch als Drückeberger mochte ich nicht gelten, also ging ich hin und machte das beste draus.
Ich erhielt eine förmliche Anerkennung (und einen Tag Sonderurlaub) wegen vorbildlicher Leistungen in der Grundausbildung. (nicht, weil ich ein Held sein wollte, sondern weil ich von jenen 14 Mann die besten Leistungen in allen Bereichen gezeigt hatte, die auch tatsächlich alle Ausbildungsinhalte mitgemacht, sich also nie krank gemeldet hatten) Zur Schützenschnur in Gold hat mir nur ein einziger Ring mit der Pistole gefehlt. In der zweiten Hälfte der Dienstzeit war ich, obwohl nur Gefreiter, Fernmeldetruppführer. Meine Vorgesetzten (außer der Spieß
hassten meine große Klappe, meine aufmüpfige Art und Tatsache, dass ich mich nicht von ihrem Gebrüll einschüchtern ließ. Ich erhielt zwei Disziplinarbußen. (insgesamt 150 DM wegen falscher Trageweise der Waffe auf Wache und wegen Beleidigung eines Vorgesetzten "Ja, Astir, ich weiß dass StUffz. XXX ein Idiot ist, aber mussten Sie ihm das mitten ins Gesicht sagen?" "Hab ich doch gar nicht, Chef, ich hab nur gesagt << Das sieht mir doch stark nach einem kleingeistigen Unteroffizier, verzeihen Sie, Stabsunteroffizir aus. >> und da ist er ausgetickt.")
Aber das hinderte sie nicht daran, mir das Kommando über ein 100.000 DM teures Gerät und 3 Mann anzuvertrauen, weil sie wußten, dass sie sich auf mich verlassen können. ´
Was ich heute anders machen würde? Vielleicht einmal öfter die Klappe halten.Geändert von Astir01 (08-02-2007 um 07:17 Uhr)
Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)
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08-02-2007 12:50 #4
ich war zivi. war ne lustige zeit. ja, die 3 wochen zivilehrgang waren schrott, aber die bordelle in kiel waren cool.
ich würds immer wieder machen.
grüße
chowdyhttp://captainstory.blogg.de > Neu: captain domination
My philosophy is to experience paradise during this lifetime and not "maybe" after. I am taking full advantage of my timeslot in this world and I encourage you to do the same. Crucial parts of my philosophy are extreme experiences and emotions.
Thank god, I'm not ugly!
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08-02-2007 13:09 #5
Ich habe trotz einer vielversprechenden Zukunft als Elitesoldat (T1 gemustert) verweigert

Zivildienst habe ich dann beim Rettungsdienst gemacht.
Das ganze läuft etwa so ab:
Zuerst gibt es einen 160-Stunden Crashkurst in Notfall-Medizin, dann kommen noch 80 Stunden Praktikum auf einer Intensiv-Station dazu.
Dann fährt man eine Zeit als dritter Mann auf einem Retungswagen mit (zwei Wochen lang, wenn ich mich recht erinnere), anschliessend ist man offiziell "Rettungshelfer" und fährt mit einem Rettungsassistenten (so lautet die offizielle Berufsbezeichnung) auf einem Rettungswagen.
(Alter Zivi-Witz: Hi, ich bin der Rettungshelfer, und das ist mein Assistent...)
Ich würde es übrigens wieder machen.
Wer einmal mit Blaulicht durch den Berufsverkehr geheizt ist (bei uns durften auch die Zivis bei Notfallfahrten ans Steuer), der braucht keine Extremsportarten mehr...
Science flies you to the moon.
Religion flies you into buildings.
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