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  1. #1
    Avatar von Neroli
    Neroli ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    02.05.2004
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    Putzen soll die Frau

    Franz Walter schreibt bei Spiegel Online über junge Erwachsene:

    "Im übrigen aber, ganz für sich, hofft man, dass es auch in der eigenen künftigen Partnerschaft so weitergehen mag, wie viele es aus dem Elternhaus kennen: Für Wäsche, Raumpflege, tägliche Mahlzeiten sind primär die Frauen zuständig.

    Doch wissen die jungen Männer der Mitte, dass man dergleichen unterschwellige Erwartungen zwar den nachfragenden Sozialforschern in diskreten qualitativen Interviews augenzwinkernd preisgeben darf, aber dies besser nicht lauthals in der Öffentlichkeit herausposaunt. Insofern richten sich die jungen Mitte-Männer darauf ein, den Dispens von lästigen Haushaltsangelegenheiten dereinst ihren Partnerinnen tagtäglich zäh abringen zu müssen. Eine gleichgewichtige Aufgabenverteilung jedenfalls möchten sie partout nicht akzeptieren.

    Die Aussicht, damit durchzukommen, sind erkennbar günstiger als bei ihren gleichaltrigen Geschlechtsgenossen mit Abitur. Die jungen Frauen in den deutschen Mitte-Milieus sind (so dokumentieren es zumindest die Ergebnisse der hier zu Grunde gelegten Untersuchung) eher geneigt, den Rechtfertigungen ihrer potentiellen männlichen Partner für die höchst zurückhaltende Bereitschaft zu Erziehungs- und Haushaltsaufgaben mit Verständnis zu begegnen.

    Denn das Männer-Bild der jungen Mitte-Frauen trägt noch allerlei traditionelle Züge: Der Mann firmiert darin nach wie vor als Hauptversorger, dem in der Tat die Bürde zufällt, durch beruflichen Erfolg für ein stabiles Auskommen seiner im lokalen Mikrokosmos nur so angemessen reputierlichen Familie zu sorgen. Und da es in der Berufswelt heute denkbar rau und rüde zugeht, da dort mit bösartigen Rivalen und üblen Intrigen jederzeit zu rechnen ist, kann der Ehemann und Vater der Kinder der Mitte-Frauen nicht in gutmenschelnder Partnerschaftskorrektheit unbekümmert zu Hause hocken, Säuglingen fröhlich die Pampers anlegen oder beflissen den Flur schrubben."

    http://www.spiegel.de/politik/deutsc...6316-2,00.html

    Und wie seht ihr das?

    Ciao,
    Neroli

    Life’s about film stars and less about mothers
    It’s all about fast cars cussing each other
    But it doesn’t matter cause I’m packing plastic
    and that’s what makes my life so fucking fantastic


    Lily Allen - The Fear

  2. #2
    Avatar von Valas
    Valas ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    Wenn ich das richtig im Kopf habe sind die Zahlen ja von Sinus, wenn nicht, dann sagen die Zahlen von Sinus schon seit Jahren das gleiche. Überrascht mich daher nicht sonderlich, wenn ich ehrlich bin.
    Das in den unteren Bildungs- und damit auch Einkommensschichten ein sehr klassisches Rollen- und Gesellschaftsverständnis zu dominieren scheint zeigt sich bei fast allen Untersuchungen, ob qualitativ oder quantitativ. Aber auch das aufgeschlüsselte Wahlverhalten zeigt ihr deutlich die Präferenz zu konservativem (sowohl von links wie von rechts)

    Grundsätzlich sehe ich das so lange nicht kritisch, wie wir das Problem mit den Kindern in den Griff bekommen. Wenn man sich die Studie vom Hans im Kuschelforum mal ansieht (so schlecht ist die gar nicht, nur dass was er draus macht) zeigt diese nämlich eine deutliche Verschiebung des alters der Mutter bei der Geburt in dieser Schicht. Wir züchten uns damit eine gar nicht so kleine Gruppe heran die auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen mehr hat und von Partnern versorgt werden will, die nicht mal in der Lage sind sich selbst zu versorgen. Damit bleibt nur der Staat als Versorger, womit aber niemandem geholfen ist.

    Ich konnte sie früher zwar nie leiden, aber so langsam sollte man wirklich über eine 100% Abdeckung von Ganztagsschulen nachdenken.
    Anglizismen sind Bullshit


    Wenn man weiß wer der Böse ist hat der Tag Struktur(Volker Pispers)


  3. #3
    Avatar von chowdy
    chowdy ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von Neroli Beitrag anzeigen

    Und wie seht ihr das?
    Der artikel ist blöd, denn "die mitte" gibt es garnicht mehr. überhaupt gibt es viele soziale klassen, die es noch vor 50 jahren gab,nicht mehr.

    aber ist schon klar, von einem prof für politikwissenschaften kann ja nichts anderes kommen...egal!

    grüße
    chowdy, dem es egal wo oben, unten, links oder rechts ist
    http://captainstory.blogg.de > Neu: captain domination

    My philosophy is to experience paradise during this lifetime and not "maybe" after. I am taking full advantage of my timeslot in this world and I encourage you to do the same. Crucial parts of my philosophy are extreme experiences and emotions.

    Thank god, I'm not ugly!

  4. #4
    Avatar von Valas
    Valas ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    18.01.2004
    Beiträge
    2.710
    Äh, chowdy, du weißt schon, dass dort immer mit zweidimensionalen Vektoren zur Bestimmung der Gruppenzugehörigkeit gearbeitet wird?

    Die Gruppe auf die das zielt dürfte sich eine untermenge der A23 sein.

    Und zwar meist mit diesen hier:
    Angehängte Grafiken
    Geändert von Valas (03-06-2007 um 17:40 Uhr)
    Anglizismen sind Bullshit


    Wenn man weiß wer der Böse ist hat der Tag Struktur(Volker Pispers)


  5. #5
    Avatar von Rudi Ratlos
    Rudi Ratlos ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    5.921
    In diesem Zeit-Artikel heisst es:
    Zitat Zitat von Die Zeit
    Nach Zeitbudget-Untersuchungen des Statistischen Bundesamts setzen Väter, verglichen mit kinderlosen Männern in einer Paarbeziehung, ganze sechs zusätzliche Minuten am Tag für Hausarbeit ein. 80 Prozent der gesamten Haushalts- und Fürsorgearbeit in Familien leisten nach wie vor die Frauen.

    In diesem Punkt ist die Emanzipationsbewegung kläglich gescheitert, sie hat das Geschlechterverhältnis im praktischen Alltag kein bisschen revolutioniert. Im Gegenteil: Während junge Männer bis 25 Anfang der neunziger Jahre »nur« zu 25 Prozent von Frauen bekocht wurden, sind es heute 70 Prozent, die bei Mama, Oma oder Freundin essen. »Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre« hat der Soziologe Ulrich Beck die moderne männliche Haltung genannt.

    Genau in diesen jungen Männern finden wir eine mögliche Adressatengruppe für die Forderungen aus dem weiblichen »Gebärstreik«, der die vergangenen 30 Jahre geprägt hat: Es wäre ja absurd, von den Frauen zu verlangen, dass sie ihre private Entscheidung für oder gegen ein Kind in einem gesellschaftlichen, einem demografischen Kontext sehen sollen und dabei den Männern jede aktive Mitarbeit an der Veränderung dieses Kontextes zu ersparen. Deren Haushalts- und Erziehungsbeitrag, deren Bereitschaft, sich auf ein Kind einzulassen, sind natürlich ebenso Privatsache wie eine Schwangerschaft. Aber beides hat gesellschaftliche Folgen – und auch für Männer ist der Fortbestand der Rentenkassen von Bedeutung.
    Wobei das Problem natürlich etwas komplexer ist, als es nur den unwilligen, faulen jungen Männern in die Schuhe zu schieben. Denn natürlich ist ein solcher gesellschaftlicher Rollenwechsel nicht nur eine rein persönliche Entscheidung, sondern auch etwas, das von der ganzen Gesellschaft mitgetragen werden muss. Und, ist das in Deutschland bereits der Fall? Nein, ich denke nicht. Wenn ein männlicher Arbeitnehmer sich für Kindererziehung freistellen lässt, wird er wohl in vielen Fällen schräg angeschaut und ihm irgendetwas im Spektrum zwischen Drückebergerei und "unmännlichem Verhalten" unterstellt. Und das nicht nur von Kollegen oder Arbeitgebern. Im Bericht "Auf der Suche nach den neuen Vätern" vom Staatsinstitut für Familienforschung berichten viele Familien mit gleichberechtigter Rollenverteilung von einer negativen, ablehnenden Haltung der Eltern und Schwiegereltern:
    "Aber ein Kind braucht doch seine Mutter...!"

    Und eine 33-jährige Frau sagt: "Also meinem Mann traut es halt niemand zu, das ist halt das. Also selbst, dass er das macht, das wird gerade noch gesehen, aber es kann sich niemand vorstellen, dass er es ordentlich macht."

    Interessanterweise dann auch der Kommentar von "sonst eher emanzipierten Frauen" einer arbeitenden Mutter gegenüber: "Was, Du gehst dann gleich wieder arbeiten? [...] Das war dann auf einmal doch ein Riesenproblem, einen Säugling bei einem ach so schlimmen Mann zu lassen." (Frau, 36 Jahre)

    Zusammenfassend kommt das Staatsinstitut in seinem Familienreport 2006 auf ein Potential von 20 Prozent unter den jungen Männern, die gerne mehr Zeit für Haushalt und Familie aufwenden würden, dies aber aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes und gesellschaftlicher Anfeindung nicht wagen. (Persönlicher Kommentar: Zu eben jenen 20 Prozent würde ich mich ebenfalls rechnen.)

    ---

    Ich denke, man erkennt aus den o.g. Zitaten, dass ein Wandel im gesamtgesellschaftlichen Denken von Nöten ist. Und da, das sehe ich mit Blick auf europäische Nachbarländer, mit denen ich einige Erfahrung habe, ist Deutschland immer noch ein erzkonservatives, zurückgebliebenes Land.

    Dass es anders geht, haben andere längst vorgemacht, beispielsweise in Schweden. Es beginnt mit besseren Betreuungs- und Erziehungsangeboten für Kinder, mehr Teilzeitarbeit-Möglichkeiten für arbeitende Mütter, aber eben vor allem mit einer allgemeinen Anerkennung durch die Gesellschaft. Würde sich die BLÖD-Zeitung in Deutschland nicht die Finger danach schlecken, wenn ein Minister sich freinehmen würde, um mit den Kindern schwimmen zu gehen, so wie ein schwedischer Minister in diesem Bericht? Wäre er nicht sofort als "fauler Sack" verschrieen? - Und umgekehrt: Meine eigene (ansonsten durchaus fortschrittlich denkende) Mutter meinte einmal zu mir: "Ich habe mich früher kaum getraut, zu sagen, dass ich auch arbeite und euch Kinder bei den Grosseltern gelassen habe. Viele hielten mich für eine schlechte Mutter."

    Die neuen, weniger festgeschriebenen Rollenbilder für Männer und Frauen sind längst auf dem Weg. Was noch Nachhilfeunterricht benötigt, sind flexiblere Arbeitsbilder, zukunftsstrebenderes Denken in den Köpfen und Toleranz für unterschiedliche Lebensmuster.
    Geändert von Rudi Ratlos (03-06-2007 um 18:25 Uhr)
    Wessen wir am meisten im Leben bedürfen ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.
    (Ralph Waldo Emerson, 1803-1882)

    Gehe nicht vor mir - vielleicht folge ich Dir nicht.
    Geh nicht hinter mir - vielleicht kann ich Dich nicht führen.
    Geh einfach neben mir - und sei mein Freund.
    (Albert Camus, 1913-1960)

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