UNI-Forum

Umfrageergebnis anzeigen: Was haltet ihr von einem Tempolimit 130km/h auf deutschen Autobahnen?

Teilnehmer
18. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • Ich bin dafür.

    7 38,89%
  • Ich bin dagegen.

    11 61,11%
  • Mir ist es egal.

    0 0%
+ Antworten
Seite 1 von 7 1 2 3 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 5 von 31
  1. #1
    Linda Konter ist offline "Student" (20-79 Beiträge)
    Registriert seit
    16.10.2007
    Beiträge
    77

    Beitrag Tempolimit auf deutschen Autobahnen

    Seit Tagen wird nun schon über den Sinn und Unsinn des Parteitagsbeschluss der SPD gestritten. Wie auch in anderen europäischen Ländern soll nun auch Deutschland ein Tempolimit auf Autobahnen einführen. Bei 130 km/h soll Schluss sein.
    Für mich als Wochenendpendler und mit einer Kilometerleistung von mind. 25.000km im Jahr ist das undenkbar! Ich bin sicher kein Raser, der auf der linken Spur sturr 200km/h fährt und jeden auch nur annähernd langsamer fahrenden Wagen pöbelnd wegblinkt: Aber gerade auf langen Strecken (die ich nunmal leider wegen ungünstiger Bahnverbindungen oft fahren muss) würde mich eine Begrenzung auf 130km/h vermutlich in den Wahnsinn treiben.
    Und wenn nicht mal der ADAC in diesem Parteitagsbeschluss eine wirkliche Verbesserung für unser Klima sehen kann, dann halte ich diesen Weg wirklich für fraglich. Sinnvoller wäre es doch vielleicht stattdessen mal einige der Großbaustellen zügig fertigzustellen, um den ständigen (nicht weniger schädlichen) Stop-and-Go-Verkehr zu reduzieren.

    Wie denkt ihr denn über den Beschluss der SPD? Kann eurer Meinung nach ein Tempolimit tatsächlich den Klimawandel aufhalten?

  2. #2
    Avatar von Düsentrieb_610
    Düsentrieb_610 ist offline Moderator
    Registriert seit
    28.12.2003
    Beiträge
    3.957
    Zitat Zitat von Linda Konter Beitrag anzeigen
    Wie denkt ihr denn über den Beschluss der SPD? Kann eurer Meinung nach ein Tempolimit tatsächlich den Klimawandel aufhalten?
    Ich würde es massiv bezweifeln - aber "aufhalten" ist sicherlich ein ziemlich ehrgeiziges Ziel.
    Den einzig positiven Effekt sähe ich darin, dem Wähler zu vermitteln, dass er eine unmittelbare Mitverantwortung für das klimatische Wohl und Wehe trägt und dass es möglicherweise eben nicht ausreicht, mit dem Finger auf "die da oben" (das sind dann meist ebenso mächtige wie sinistre Industrieunternehmen ) zu zeigen, sondern zuerst der Griff an die eigene Nase zu erfolgen hat.
    Gleichwohl ist nicht klar, ob das nun unbedingt via Tempolimit sein muss - es wäre ja schon viel erreicht, wenn jedermann seine Glühlampen an den Orten, an denen es sinnvoll ist durch Energiesparleuchten ersetzt, die Wohnung ordentlich isoliert oder die Standbyfunktion seines Fernsehers umgeht.
    Bringt möglicherweise mehr, ist aber denkbar ungeeignet, wenn man sich als Partei den Kaftan des wackeren Umweltschützers umhängen will, ohne dass dies gleich ein Vermögen kostet.
    Ohnehin erscheint mir das Handeln der Sozialdemokratie in diesem Punkt ein wenig inkonsequent: Zum Thema Emissionsminderung hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft ja bereits mehrfach deutlich Stellung bezogen[1-4] und auch ganz unmittelbare Handlungsempfehlungen ausgesprochen, die von der rot-grünen Bundesregierung jedoch zum großen Teil ignoriert wurden.
    Wesentlich sinnvoller als ein etwaiges Tempolimit wären beispielsweise nicht nur die fortgesetzte Förderung alternativer Kraftstoffe ,sondern auch der Verzicht auf den Kernkraftausstieg. Dieser mag zwar umweltpolitisch höchst sinnvoll sein, taugt aber nicht zur Schärfung des eigenen Profils gegenüber der Union.
    Mit Blick auf die Belange des Umweltschutzes gleichfalls wenig sinnvoll ist die Haltung der SPD zur Teilprivatisierung der Bahn: Der Ansatz "Volksaktie" torpediert den angestrebten Börsengang nachhaltig und verhindert mittelfristig just jenen Wettbewerb auf der Schiene, der nötig ist, um die Attraktivität der Bahn(en) auf ein Maß anzuheben, das sie für den Berufspendler, der derzeit womöglich noch das Auto nutzt, interessant macht.
    Vor diesem Hintergrund erscheinen die Ergebnisse des SPD-Parteitages (auch) umweltpolitisch eher konfus, und ich würde bezweifeln, dass die Forderung nach einem Tempolimit beim Souverän - oder auch nur beim einfachen Parteivolk - auf große Gegenliebe stoßen wird.
    Aber wer weiß: Womöglich soll der Wähler durch eine, quasi homöopathische, Gängelungspolitik schon behutsam auf das Endziel des "demokratischen Sozialismus" vorbereitet werden, der ja laut dem neuen Grundsatzprogramm ebenfalls angestrebt wird.

    [1] http://www.dpg-physik.de/static/info...tudie_2005.pdf
    [2] http://www.dpg-physik.de/info/stellu...rgie_1998.html
    [3] http://www.dpg-physik.de/info/stellu...rgie_1997.html
    [4] http://www.dpg-physik.de/info/stellu...rgie_1995.html
    Geändert von Düsentrieb_610 (30-10-2007 um 16:27 Uhr)
    "Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
    (Jean-Jacques Rousseau)

    "Science flies you to the moon.
    Religion flies you into buildings."

    (Victor Stenger)

    Am Ende wird alles gut.
    Und falls nicht, ist es nicht das Ende.

  3. #3
    lausitzer ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
    Registriert seit
    18.06.2006
    Beiträge
    3.691
    Es ist aber immer wieder erstaunlich, dass die Standby-Funktion immer noch erwähnt wird. Egal, wie lange wir zurückschauen. Wenn es um Energiesparen und Umweltschutz geht, liest man ständig, wieviel sich durch Umgehung der Standby-Funktion sparen ließe.

    Wenn das denn seit Jahren umgesetzt worden wäre, wäre dieser Typ künftig völlig überflüssig und trotzdem taucht er immer wieder auf und man rechnet hoch, wieviele Windmühlen oder Atomkraftwerke allein für den Standby-Strom arbeiten müssen.

    Aber hier und da ist die zusätzliche abschaltbare Steckdose genauso nützlich, wie die Fernbedienung zum Gerät, die man auf das Gerät legt.

    Zum Tempolimit muss man sagen: So schlimm wäre das im Prinzip gar nicht, wenn denn sichergestellt wäre, dass man in einer Stunde eben auch 130 km weit kommt. Durch eine entsprechende Verkehrsdichte, Fahrverhalten und den Streckenauf- und -ausbau ist das aber hier kaum möglich. Selbst wer heute mit Spitzengeschwindigkeiten von 160 km/h unterwegs ist, wird am Ende feststellen, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich niedriger liegt.

    Schaut man mal nach Skandinavien, mit einem intelligenten, gut ausgebauten Schnellstraßensystem und einer deutlich geringeren Verkehrsdichte, so stellt man da fest, dass man trotz Beschränkung der Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h und strengsten Geldbußen bei Überschreitungen doch schneller ans Ziel kommt als hierzulande.
    Geändert von lausitzer (30-10-2007 um 17:10 Uhr)

  4. #4
    Avatar von XrayEyes
    XrayEyes ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    01.03.2004
    Beiträge
    1.055
    Hoffentlich wird es nie ein Tempolimit geben...

    Denn das fehlende Tempolimit auf den Autobahnen und das Reinheitsgebot sind doch die einzigen zwei Dinge, wegen denen wir auf der ganzen Welt beneidet werden.

    Science flies you to the moon.
    Religion flies you into buildings.


  5. #5
    Randolph Carter ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    22.01.2007
    Beiträge
    846
    Zitat Zitat von XrayEyes Beitrag anzeigen
    Hoffentlich wird es nie ein Tempolimit geben... Denn das fehlende Tempolimit auf den Autobahnen und das Reinheitsgebot sind doch die einzigen zwei Dinge, wegen denen wir auf der ganzen Welt beneidet werden.
    Genau so ist es, und diesen Punkt sollte man keineswegs unterschätzen, es ist vielmehr exakt der Grund, warum ich ein Tempolimit für schädlich halte, obwohl ich die Grünen wähle und kein Auto fahre.

    Wirtschaftlicher Erfolg bedarf eines guten Marketings. Das gilt für Unternehmen ebenso wie für Staaten.

    Könnte man sich vorstellen, dass in Frankreich der Weinkonsum und in Deutschland das Biertrinken verboten wird, weil Alkohol nachweislich die Gesundheit beeinträchtigt? Das würde nicht nur dem Binnenmarkt, sondern auch dem Export schaden, denn wenn schon im Herkunftsland das Produkt geächtet würde, das bisher fast ein Symbol dieses Landes war, warum sollte man es dann im Ausland konsumieren wollen?

    Das Wort "Autobahn" hat jenseits unserer Landesgrenzen eine geradezu mythische Aura grenzenloser Freiheit - vor allem in den USA. Man suche einmal bei YouTube nach diesem Stichwort. Dort findet man Dutzende Filme von Autobahnrasereien, die von Homepagebesuchern aus aller Welt begeistert kommentiert werden. Wer von einer Ägyptenreise träumt, will die Pyramiden besichtigen, wer einen Deutschlandurlaub ersehnt, will im Mietwagen über die Autobahn heizen. (OK, und Neuschwanstein besichtigen.) Weitere YouTube-Suchergebnisse beziehen sich auf das Kraftwerk-Lied "Autobahn", das nicht zufällig eines der wenigen deutschsprachigen ist, die es bis hoch in die US-Charts schafften - ein anderes ist "99 Luftballons".

    Ein Tempolimit täte nur wenig für die Umwelt und nicht allzu viel für die Sicherheit (eine niedrigere Promillegrenze könnte hier mehr erreichen). Es wäre verkehrspolitisch eine rein kosmetische Maßnahme ohne großen Nutzen, die aber einen immensen Imageschaden zur Folge hätte und sich mittelfristig sehr negativ auf den Export deutscher Autos auswirkte.

    Deutsche Autos verdanken ihren guten Ruf nicht nur den technischen Meriten, sondern auch dem Nimbus der Autobahn. Es sind eben jene Wagen, die aus dem Land der unbegrenzten Geschwindigkeit kommen, die also in ihrer Heimat bis an die Leistungsgrenze ausgefahren werden und deshalb einfach gut sein müssen.

    Das hat wenig mit Ratio und viel mit Emotionen zu tun - aber gerade deshalb ist es ein so gutes Marketinginstrument für unsere Automobilexportwirtschaft, und wir sollten nicht leichtfertig darauf verzichten.

    Raserei kann Leben kosten - aber Arbeitslosigkeit ebenfalls, wenn auch indirekter. Ein Tempolimit würde im Endeffekt mehr Schaden anrichten als verhindern.
    .
    A Statement of Randolph Carter

+ Antworten
Seite 1 von 7 1 2 3 ... LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Kapitalismus ist Fortschritt
    Von Sarante im Forum Gesellschaft und Politik
    Antworten: 43
    Letzter Beitrag: 23-03-2012, 18:04
  2. Am Ende siegt das Alter doch!
    Von Nightfireboy im Forum Lyrik + Prosa
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 20-03-2007, 23:04
  3. Der Bürger hat das Recht auf die Wahrheit vor der Wahl !
    Von markoni im Forum Gesellschaft und Politik
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 17-09-2005, 00:42
  4. Da ist was dran, oder?
    Von Astir01 im Forum Kuscheln
    Antworten: 82
    Letzter Beitrag: 31-05-2005, 01:41
  5. Äcki bekommt was zu Weihnachten und freut sich
    Von s|s im Forum Lyrik + Prosa
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 17-12-2004, 17:04

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein