Denke ich eher nicht. Denn ein Mobber denkt sich ja nicht: "Ach, das Opfer da vorne mach ich jetzt mal lieber nicht fix und fertig, weil es dann vielleicht auf die Idee kommt, hier an meiner Schule mit scharfen Waffen um sich zu schießen."
Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass Amokläufe an Schulen nicht primär durch Mobbing, sondern durch vielerlei Dinge ausgelöst werden: Versagen in der Schule, nicht vorhandendenes Verständnis von Eltern und Lehrkräften und eben auch Mobbing. Was man auch immer darunter fassen möchte. Das System "Schule" ist in Deutschland so desolat, dass es mich wundert, dass nicht schon viel mehr Schüler zur Waffe gegriffen haben. Nicht umsonst nennt einer der birlliantesten deutschsprachigen Schriftsteller Schulen "Menschenverunstaltungsanstalten".
Was mich aber noch mehr interessieren würde: Warum hat das Phänomen "Amoklauf" erst in letzter Zeit so eine traurige und erschreckende Popularität gewonnen? Frustrationen im Jugendalter gab es doch auch früher schon. Was hat sich in der Jugend gewandelt, dass sie mittlerweile auch solche Wege geht, die sie früher nicht gegangen ist. Und erzählt mir bitte nicht, dass daran die sogenannten Killerspiele schuld sind. Die Diskussion ist erstens ausgelutscht und zweitens völlig deplaziert.
Thema: Mobbing undn Amokläufe
+ Antworten
Ergebnis 1 bis 5 von 17
-
20-11-2007 15:50 #1
Mobbing undn Amokläufe
Glaubt ihr, dass durch die Angst vor Amokläufen Mobbing in Deutschland nachlassen wird?
-
20-11-2007 20:03 #2
"Student" (20-79 Beiträge)
- Registriert seit
- 23.02.2007
- Beiträge
- 60
"Aller Anfang ist Merz" (Kurt Schwitters)
-
20-11-2007 23:53 #3
Mit dem ersten Amoklauf an einer Schule und dessen medialer Aufbereitung ist eben ein neues Paradigma entstanden, dass durchaus "Schule" gemacht hat.
Überspitzt gesagt: Nach Jahren der Demütigung will es der Amokläufer allen noch mal so richtig zeigen, seinen Hass ausleben und sich an denen rächen, gegen die er sich im normalen Leben nicht wehren kann. Es ist die ultimative Flucht aus der Hilflosigkeit.
Vielleicht spielt auch noch mit hinein, dass die Konkurrenz und die Ansprüche zugenommen haben. Man braucht unbedingt einen optimalen, gepimpten Lebenslauf. Kann man den nicht mehr erreichen, ist man ein Verlierer.
-
21-11-2007 03:15 #4
Die Reaktion "Amoklauf" ist ja keine kausal sinnvolle Folge des Mobbings oder eine adäquate Antwort darauf. Stattdessen ist das wohl eher als der traurige Höhepunkt einer Krankheit, die aus Minderwertigkeitsgefühl, generellem Unverständnis und Perspektivlosigkeit resultiert. Das subjektive Empfinden des Täters über Macht ist ja eben nicht wirklich vorhanden, er wird von seinen Opfern ja wohl vielmehr als der Psychopath gesehen und erkannt, als der er sich dann eben in diesem Moment auch letzendlich outet. Ich denke die Antwort auf die Frage nach der Zunahme von solchen Vorfällen liegt dann wohl auch in der Begründung der allgemeinen Zunahmen psychischer Erkrankungen begründet. Was sich aber vielleicht wirklich im Laufe der letzten hundert Jahre gewandelt hat, ist der Verlust an Wertvorstellungen, z.B. dem generellen Wert des Lebens gegenüber. Das kann dann imho vielleicht auch zu einer grösseren Radikalität solcher Ausfälle führen. Prinzipiell gibt und gab es aber auch schon früher solche Eregnisse von isolierten Wahnsinnigen, die ihre Homophobie nicht anders ausleben können - der Una-Bomber ist vielleicht eines der prominetesten Beispiele.
Wobei das Phänomen der letzten Wochen aber ganz eindeutig nur ein gezieltes Ausschlachten durch die Medien darstellt, das überhaupt keine tatsächliche kurzfristige Zunahme widerspiegelt.
-
21-11-2007 07:46 #5
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
- Registriert seit
- 18.06.2006
- Beiträge
- 3.691
Also, aus meiner Kindheit und Schulzeit sind mir weder dieser ganze Streit um Markenklamotten, noch die Erpressung von Taschengeld und schon gar nicht unter Androhung von körperlicher Gewalt und unter Verwendung von Waffen bekannt.
Das scheint wohl eher ein bundesdeutsches oder Nachwendephänomen zu sein, was sich erst in den Folgegenerationen entwickelt hat.
Inwieweit intensiverer TV- und Internetkonsum oder Computerspiele dazu betragen, überlasse ich den Experten zur Beurteilung. Das gab es ja früher auch nicht.
Ist nun aber zunehmende Gewalt tatsächlich eine direkte Folge von Medienkonsum?
Gut, die Bildzeitung berichtet jeden Tag gleich über mehrere Gewalttaten, die Toten an einem Fernsehtag kann man gar nicht mehr zählen.
Hier wird auch viel zu oft einfach Gewalt als Lösungsstrategie für Probleme propagiert anstatt andere Hilfsangebote zu vermitteln.
Die Gesetzgebung und das milde zu Jugendstrafrecht verschärfen die Lage nur noch. Wenn klar wäre, dass man für diese oder jene Tat eine ordentliche Strafe erhalten wird, könnte das ja wieder den gewünschten Abschreckungseffekt bringen. Aber der Staat will einen solchen Effekt bei Jugendlichen auch irgendwie vermeiden und setzt stattdessen auf Erziehung, die bisher von den Eltern und Super-Nanny vernachlässigt wurde.
Überhaupt kann ich die "schwere Kindheit", die immer als Ursache für Straftaten und als mildernder Umstand gewertet wird, schon lange nicht mehr hören. Dieser Milderungsgrund sollte ersatzlos gestrichen werden.


LinkBack URL
About LinkBacks



Zitieren
Lesezeichen