Aus dem selben Grund, aus dem die Amerikaner ganz schnell "Freddie Mac" und AIG vor der Pleite gerettet, Lehman Brothers aber haben fallen lassen: "too big to fail". HRE bzw. die Depfa hängen so tief im Pfandbriefmarkt drin, dass eine Pleite den ganzen Markt in Deutschland zum Austrocknen bringen würde, mit unabsehbaren Folgen (die teurer sein könnten als 50 Mrd. EUR). Manchmal muss man sich zwischen Pest und Cholera entscheiden...
Im Falle der HRE bzw. Depfa fielen leider nicht nur Spekulanten auf die Nase (sonst würde Herr Steinbrück wahrscheinlich genüßlich beim Fallen zusehen), sondern auch andere Leute, die mit Spekulation gar nichts zu tun haben.
So wie in den USA: Kredit für 80 Mrd $ geben, AIG quasi verstaatlichen und später (hoffentlich) mit Plus abstoßen. Genau so muss man es machen, und ich hoffe, dass das auch hier so läuft. Wer sich verzockt, der verliert eben seinen Einsatz.
P.
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06-10-2008 09:28 #1
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Bankenkrise und anderes vom Wochenende
Warum kümmert sich der Staat eigentlich so fürsorglich und mit Milliardenbürgschaften um eine Privatbank, wie die Hypo Real Estate, die sich zu nicht unbeträchtlichen Teilen in ausländischem Besitz befindet und die auch zuvor als Teil der HypoVereinsbank, aus der sie eins ausgegründet wurde, schon kein glückliches Händchen mit ihren Immobiliengeschäften hatte?
Warum also verbrennt Herr Steinbrück hier vorsätzlich Steuergelder, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist?
Hat der Staat mit den Krisen der landes- und bundeseigenen Banken nicht genug zu tun? Kann man nicht einfach mal die Spekulanten auf die Nase fallen lassen?
Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht.
Wenn der Staat sich schon mit Milliardensummen verbürgt, so sollte er wenigstens auch eine künftige Gewinnbeteiligung mit abschließen.
Aber, an anderer Stelle, wo der Sozialismus eingeführt wird, ist der Staat ja auch nur halbherzig dabei. Da werden über 90% der gesetzlich Krankenversicherten im nächsten Jahr höhere Beiträge bezahlen müssen mit dem Einheitsbeitragssatz. Wozu es dann aber noch hunderte Krankenkassen braucht, weiß kein Mensch. Das Leistungsspektrum der Kassen ist ja schließlich auch fast vollständig gesetzlich festgeschrieben und mehr bietet kaum jemand an. Was spricht also dagegen, eine Pflichtmitgliedschaft von allen in der AOK einzuführen und gut ist? Von den anderen Kassen kann man gerne einen Teil der Sachbearbeiter übernehmen, um die Betreuung der Mitglieder sicherzustellen. Man entlastet dann das Gesundheitssystem um reichlich viele gut bezahlte Vorstände und die durch Synergieeffekte einzusparenden Lohn- und Betriebskosten und schwupps könnte der Einheitsbeitragssatz auch deutlich niedriger liegen.
Solange Medizin- und Pharmaziestudenten mit NC-Hürden abgeschreckt werden müssen, trotzdem jahrelange Wartezeiten in Kauf nehmen oder ins Ausland flüchten, statt sich andere Ausbildungen zu suchen, kann ich den Ärztemangel und das ständige Wehklagen derselben über die Ungerechtigkeiten des Systems nicht nachvollziehen. Wäre es tatsächlich so schlimm, wollte sich nämlich keiner mehr so ein Berufsleben antun. Das Gegenteil ist der Fall, die Studiengänge werden überrannt.
Mir will ohnehin nicht in den Kopf, wie man bei einem derzeitigen durchschnittlichen Beitragssatz von 14,9% den Einheitsbeitragssatz auf 15,5% festlegen kann. Mit dieser Verteuerung räumt man doch schon vorher ein, dass das System nicht gut durchdacht ist? Ein neues System macht doch auch überhaupt nur Sinn, wenn es Kosten senken könnte, oder? Interessant ist, dass manche Kassenvertretet trotz dieses grozügigen Zuschlags immer noch jammern, dass der neue Satz zu niedrig sei und dass höhere Kosten (Zusatzbeitrag) allein auf den Versicherten zukommen.
Aber diejenen, die darüber entscheiden - und das ist wohl der größte Fehler daran - sind von ihren Entscheidungen dank Beitragsbemessungsgrenze oder Privatversicherung gar nicht betroffen.
Als "Ausgleich" für den Bürger will man trotz Rezessionsgefahr und o.g. Kapitalvernichtung im Bankensektor den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung senken. Der kann gar nicht so viel sinken, dass damit die Erhöhung meiner Krankenkassenbeträge auch nur ausgeglichen würde. Das würde nämlich eine beinahe komplette Abschaffung dieses Beitrages bedeuten. Soweit geht es aber doch nicht.
Die Beitragssenkung der Arbeitslosenversicherung hat aber ohnehin zur Folge, zum Glück für die Politiker vermutlich erst nach der nächsten Bundestagswahl spürbar, dass die Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung gesenkt werden müssen. D.h. also Höhe und Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I stehen mal wieder zur Debatte.
Und wo bei drohenden Unternehmenssteuererhöhungen und höheren Kosten der noch halbwegs paritätisch bezahlten Sozialversicherungen nun der Kampfgeist gegen ausufernde Lohnnebenkosten bleibt, der früher mal die neoliberale Politik gekennzeichnet hat, weiß auch keiner mehr.
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06-10-2008 11:46 #2
"Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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06-10-2008 17:20 #3
Bisher sind hier meines Wissens noch keine Steuergelder geflossen und werden auch so lange nicht fließen bis die Bank tatsächlich Konkurs anmeldet.
Erstmal voran geschickt sind die Spekulanten in den letzten Jahren seit Anfang der Krise um ein par Billionen € ärmer geworden.
Ich sehe nicht dass diese immensen Verluste bisher irgendwo anders als Privat aufgefangen wurden.
Das Problem ist, dass das Finanzsystem zum Einen so verzahnt ist, dass eine große Bankenpleite einen Dominoeffekt hervor rufen kann.
Zum anderen sind Banken ein sehr wichtiges und notwendiges Bauteil der Wirtschaft. Die Auswirkungen , die das plötzliche Verschwinden von z.B. der Automobilindustrie in Deutschland haben würde, sind noch gering im Vergleich zu einer großen Pleitewelle im Bankensystem.
Anschließend würde es in Deutschland nur noch Beamte und Arbeitslose geben.
Tatsächlich ist das Ziel der Reform, dass innerhalb der nächsten Jahre nur noch 10% der Krankenkassen überleben werden.
Wie du darauf kommst, dass bei 2 effezienten Krankenkassen die Summe der Verwaltungskosten zweier Krankenkassen größer ist, als die Verwaltungskosten einer Fusion aus beiden Kassen ist nicht ganz zwingend hergeleitet.
Größere Kassen können hauptsächlich sich über mehr Marktmacht durchsetzen.
(größere Werbeetats, höherer Druck auf Ärzte, höherer Markt-Druck auf Pharmazie-Industrie und nicht zuletzt höherer politischer Druck zum Durchsetzen von höheren Beiträgen)
Warum du die beiden Themen zusammen geschmissen hast, bleibt mir ein Rätsel.
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07-10-2008 07:58 #4
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Ich habe die beiden Themen zusammen geschmissen, weil eben beide am Wochenende und darüber hinaus die Nachrichten bestimmt haben und in beiden Fällen wird hier das Geld des kleinen Mannes mit beiden Händen großzügig verbrannt.
Warum funktioniert das Gesundheitssystem denn auch heute, wo ich und mein Arbeitgeber nur 13,8% (+0,9% Zuschlag) für die Krankenversicherung bezahlen? Was funktioniert im nächsten Jahr besser, wenn wir dafür 15,5% (+0,9% Zuschlag) bezahlen? Wir werden weiterhin auch noch mal jeweils 10 Euro für jeden Arzt- und Zahnarztbesuch (im Quartal) dazulegen und die Medikamente großteils selbst zahlen. Es ist ja nicht so, dass die Erhöhung der Beträge und die Neuordnung des Systems diese Auswüchse und Reparaturversuche von früher zurücknehmen würde. Von Rabattsystem der Kassen, was mir 60 Euro Betragsersparnis verspricht, damit ich im Falle einer Erkrankung im Folgejahr ein Vielfaches selbst mehr zahlen muss, halte ich auch nicht viel. Anders wäre es, wenn ich rückwirkend Geld erstattet bekommen könnte, weil ich im vergangenen Jahr nicht mehr als die Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt oder die notwendigen Schutzimpfungen beim Allgemeinmediziner in Anspruch genommen habe.
Andererseits war aus Kreisen der Krankenversicherungen ja auch zu hören, dass ihnen der erhöhte Betragssatz von 15,5% gar nicht reichen wird und nicht wenige eben das zusätzliche Prozent vom Arbeitnehmer einkassieren wollen. (Wobei, laut Stern-Berichterstattung von dieser Woche ein nicht unerheblicher Teil der neuen Beiträge dann in Bürokratieaufbau und Papierverschwendung investiert wird. Während heute wenige freiwillig und studentisch Versicherte ein eigenes Konto bei den Krankenkassen haben, auf denen ihre Einzahlungen registriert werden, während der Rest aus Arbeitgeber-Sammelkonten besteht, muss künftig für jeden Versichterten so ein Konto geführt werden, um für den Fall der Zusatzbeitragserhebung gerüstet zu sein.)
Dass natürlich steigende Arbeitskosten auch die Inflation anheizen, wäre auch so ein Punkt. Was soll der Handwerksbetrieb, dessen Mitarbeiter bisher alle in einer günstigen Kasse versichert waren denn tun, wenn die Krankenkassenbeiträge nun dramatisch ansteigen. Das kann er doch nur auf höhere Endpreise für seine Leistungen umlegen.
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07-10-2008 15:34 #5
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Würdest du das bitte ein wenig ausführen. WER da Schaden nähme im Bankrottfall interessiert mich sehr.
Es sind da ja wohl zum einen die Schuldner der Bank, die dann gezwungen wären im Zuge der Abwicklung ihre Sicherheiten auf den Markt zu werfen. Der zwar gierig lauert, aber nicht viel geben wird.
Zum anderen die Gläubiger/Kreditgeber der Bank,die ergo nicht zu 100% befriedigt werden würden.
Es geht also im wesentlichen um Haus/Grundbesitzer, Immobilienträger etc auf der einen Seite
und Kapitalanleger (Pfandbriefe,Hypothelenanleihen) auf der anderen.
Mithin die gleiche Klientel von Leuten. Jedenfalls nicht der niedere Arbeitsmann, richtig ?
...
Naja, erstmal werden ja im Falle HRE nur Bürgschaften gegeben. Das kostet den Bund nix wenns gut geht. Dafür kann man später zwar ein kleines oder größeres Dankeschön erwarten, aber nichtgleich die ganze BankSo wie in den USA: Kredit für 80 Mrd $ geben, AIG quasi verstaatlichen und später (hoffentlich) mit Plus abstoßen. Genau so muss man es machen, und ich hoffe, dass das auch hier so läuft. Wer sich verzockt, der verliert eben seinen Einsatz.
P.
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