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  1. #1
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    4.692

    "Ich krieg' eine....!"

    Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich hier ansprechen will, vielleicht doch nur überwiegend in Süddeutschland vorkommt. Da aber sowieso aller immer schamloser, schäbiger und rücksichtloser werden, macht das auch keinen Unterschied, früher oder später wird man wohl in ganz Deutschland dies so hören. Ein Ausdruck dieser genannten Schamlosig- und Unverschämtheit ist ein spezifischer, an (Bedien-)Theken, überwiegend Gastronomie, vorgetragene Wunsch, ...nein, kein Wunsch, ...ein vorgetragener Befehl, der nicht nur bräsig, sondern auch unhöflich und herrisch ist; der Einfachheit halber wähle ich ein Beispiel aus einer beliebigen Imbißlokalität in Deutschland:

    "Ich krieg' eine Bockwurst!"

    Also ersteinmal ist man auch der hinterletzten Pommesbude oder einen mit schreienden Kinder vollgestopften McDonalds Gast, und als solcher sollte man sich benehmen, oder wenigstens ein Minimum an Anstand bewahren und seine Essensanforderung derart arschig zu stellen ist einfach unhöflich & unfreundlich. Der BurgerKing-Angestellte oder der Wurschtbrater ist auch nur ein Mensch. Wenn dem "Ich krieg' eine Bockwurst!" doch wenigstens noch ein "..., bitte" angehängt würde, aber nein, das hört man so gut wie nie!
    Was bitte denken sich Leute dabei, die so ihre Bestellung formulieren? Ich Chef, du nix? Jetzt aber zackig her mit meiner Wurst, sonst gibt's Schläge? Dalli, Dalli, ich muß noch zur Pediküre und will dann meine Frau schlagen? Das ist nämlich genau das, was mit "Ich krieg' eine Bockwurst!" deutlich mitschwingt!!!

    Dies ist ein gesellschaftliches Problem. Ich will nicht, daß dieser Thread in irgendein Schnurzelhuber-Unterforum verschoben wird. Bitte. Danke.

    Fazit: Ich bin angewidert. Mit Leuten, die so bestellen, möchte ich nichts zu tun haben.
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    Avatar von Finia
    Finia ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
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    114
    Du bewertest diesen Ausdruck einfach nur über. Ich habe keine Ahnung, woher du kommst.... ob du aus dem Arsch kriechenden Norden bist oder sonst woher bist.

    Letztendlich denkt sich niemand etwas böses dabei, wenn er "isch krieg ä bockwoscht" sagt. Und niemand, der denjenigen bedient und denselben Dialekt spricht, nimmt diesen Ausdruck böse.
    Ja, es gibt sogar Leute die sagen "was kriegschd denn Horschd".

    Ich glaube manchmal echt, du hast zuviel Zeit Thommy...ich kenne keinen Menschen, der sich über soviel Kinderkacke aufregt.....

  3. #3
    lausitzer ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    3.691
    Da fühle ich mich doch spontan an Bastian Sick: Das Imperfekt der Höflichkeit - kolumnen.de erinnert.

    Wobei ich sagen muss, dass ich beim Griechen gar nichts sagen muss und ohne Worte sofort Bier und Ouzo an den Tisch gebracht bekomme, wenn ich eintrete, bevor ich einen Gruß äußern kann und mich bedanken kann, was ich natürlich tue, wenn das kühle Blonde von der wundervollen Maria dann an den Tisch gebracht wird. Im weiteren Verlauf des Abends reicht es, je nach Lautstärke und Besuchszustand des Lokals auch, das leere Glas in Richtung Theke zu erheben, um ein volles ebensolches gebracht zu bekommen.

    Der Kroate ist da vorsichtiger und erkundigt sich wenigstens vorher, ob es ein 0,3-l- oder 0,5-l-Glas sein soll.

    In anderer Lokalität stuppste mich da vor einiger Zeit mal eine Bekannte an, und meinte, ich soll meinen Getränkewunsch nicht so verbal ausgefeilt formulieren. Das würde da eh keiner verstehen. Da hätte dann "Ich bekomme/kriege/will ein Bier" gereicht.

    Kein Angst, Thomas, die Leute verstehen sich schon so und wissen es bestimmt einzuschätzen, was höflich und respektvoll ist, und was nicht. Wenn man da als Fremder oder Zugereister zuhört, mag der Umgang Einheimischer miteinander manchmal rauher erscheinen, aber das ist nicht so...

    So, jetzt freue ich mich auch auf meine Heimat und mache Feierabend.
    Geändert von lausitzer (27-03-2009 um 20:32 Uhr)

  4. #4
    Avatar von Düsentrieb_610
    Düsentrieb_610 ist offline Moderator
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    Zitat Zitat von Thomas Bernhard Beitrag anzeigen
    Ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich hier ansprechen will, vielleicht doch nur überwiegend in Süddeutschland vorkommt.
    Sei beruhigt: In Preußen gibts das auch.
    Fazit: Ich bin angewidert. Mit Leuten, die so bestellen, möchte ich nichts zu tun haben.
    Vernünftige Einstellung - allein: Auf Dauer, und das mutmaßt Du ja selbst ganz richtig, wird der Effekt in Zukunft eher noch schlimmer werden. Nachdem ich selber ein paar Jahre als Dienstleister gejobbt habe (ein fabelhaftes Kontrastprogramm zum Studium!), kann ich bestätigen, dass der Effekt damals (lies: vor etwa zehn Jahren und davor) noch deutlich weniger ausgeprägt war. OK, vom "normalen" Konzertpublikum erwartet man ein gewisses Maß an Umgangsformen, aber auch dort mischten sich bisweilen immer ein paar Neureiche unters Publikum, welche die Tickets augenscheinlich nur deshalb haben wollten, weil im Restaurant gerade kein Tisch frei war*.
    Die Kunden, die einfach mal Geld und Status haben (und offenbar auch immer hatten - Abonnenten und dergleichen), hatten es jedenfalls nach meinen Beobachtungen nie nötig, den Statusunterschied zwischen sich selbst und dem Typen am Schalter/am Eingang/an der Garderobe/am CD-Stand/an der Schleuse zum Saal herauszukehren.
    Die Herrschaften ohne Kinderstube indes haben keinerlei Gespür, wie man sich richtig verhält, wenn man sich plötzlich in einer Situation befindet, in der man sozial höher gestellt ist als das Gegenüber, und leider wird "Benimm" ja auch in der Schule nur zaghaft gefordert (Kopfnoten sind hier ein guter Weg!).
    Dass es für den Einzelnen störend ist, wenn solch ein Proll lautstark verkündet, "was er bekommt", ist nachvollziehbar, aber meiner Ansicht nach noch nicht einmal das Schlimmste, denn es gestattet einen unverfänglichen Blick darauf, wie diese Menschen reagieren, wenn sie - und sei es nur für den flüchtigen Moment der Bestellung - so etwas wie Überlegennheit haben: Respektlos.
    Mit Verantwortung oder - der Himmel stehe uns bei! - Macht können solche Figuren mit Sicherheit nicht umgehen, und es ist meiner Ansicht nach kein schlechter Ansatz, sie um jeden Preis von beidem fernzuhalten: Dies sind die Menschen, die zu begeisterten Parteigängern selbst der übelsten Ideologien mutieren, sofern man ihnen nur Macht über Andere (und möglichst noch eine schicke Uniform) gibt.
    Ich denke, man kann sehr schnell sehr viel über einen Menschen lernen, wenn man beobachtet, wie er sich Schwächeren gegenüber benimmt: Alten gegenüber zum Beispiel oder Behinderten. Desgleichen gilt für Tiere, Kinder oder auch Menschen, die einfach mal vorübergehend schwach sind und Hilfe brauchen. Natürlich - auch Angehörige dieser Gruppen können nerven und sollten auch entsprechend behandelt werden. Der Hund vom Chef ist mit Sicherheit schwächer als ich, und trotzdem nervt es, dass er versucht hat, mich zu beißen (es ist ein Chihuahua - dermaßen überzüchtet, dass weder ich noch meine Jeans irgendwas abgekriegt haben ). Ich trage seitdem einen Ultraschallemitter bei mir. Weil das Vieh sich daneben benommen hat und ich mich schützen will, nicht deshalb, weil das Tier schwächer ist als ich und ich auf die Idee käme, meine Macht unprovoziert auszuüben.
    Die Prolls, von denen TBH spricht, sind da anders: Sie empfinden den kategorischen Imperativ als unmodern (sofern sie - was meist nicht der Fall ist - überhaupt davon gehört haben) und berauschen sich an der Machtausübung an sich. Je weniger Gelegenheit sich dazu bietet, umso kräftiger wird auf die Pauke gehauen, wenn's dann doch mal klappt - selbst, wenn es nur die Order für die nächste Runde Bier ist.
    Sie sind nichts Anderes als - charakterlich - kleine Menschen, die unbedingt groß sein wollen.


    * in solchen Momenten muss man immer an die armen Würstchen denken, die sich die Stehplatzkarte vom Munde absparen und -rein technisch jedenfalls - nach Hause geschickt werden mussten, weil mittlerweile alles ratzekahl ausverkauft war.
    Geändert von Düsentrieb_610 (27-03-2009 um 14:53 Uhr)
    "Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
    (Jean-Jacques Rousseau)

    "Science flies you to the moon.
    Religion flies you into buildings."

    (Victor Stenger)

    Am Ende wird alles gut.
    Und falls nicht, ist es nicht das Ende.

  5. #5
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von Finia Beitrag anzeigen
    Ich glaube manchmal echt, du hast zuviel Zeit Thommy...ich kenne keinen Menschen, der sich über soviel Kinderkacke aufregt.....
    Ja, Du mich auch, Schmetterlingsbacke...

    @Lausitzer: Vielen Dank für den Hinweis auf Imperfekt-Höflichkeit und Imbiss-Deutsch, habe die Kolumne mit großer Begeisterung gelesen!
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

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