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Thema: Böse Medien?

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  1. #1
    rangolf ist offline "Doktorand" (150-299 Beiträge)
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    31.05.2003
    Beiträge
    216

    Böse Medien?

    Bundestagspräsident Thierse hat mal wieder die Medien kritisiert, die mit ihrer Berichterstattung zu oberflächlich sein und nur Sensationen hinterherjagen würden.

    Anstatt zu sagen: "Böse, böse Medien!" hätte er nicht sagen müssen: "Böse, böse Menschen!" ? Diese haben doch schließlich die Zeitungen gekauft und die Zeitungen bringen diese Artikel doch, weil die Menschen sie kaufen.

    Wenn Herr Thierse aber "Böse, böse Menschen!" gesagt hätte, dann hätte er damit die Wähler, seine "Kunden" beleidigt.

    Gerade Politiker sind doch auch dafür bekannt, dass sie manche Entscheidungen treffen oder gerade nicht treffen, weil sie Wählerstimmen gewinnen bzw. nicht verlieren wollen.


    Damit bleibt alles am Volk, an den Wählern, an den Konsumenten hängen:

    Wir sind schuld, dass die Zeitungen nur Müll schreiben, weil wir sie kaufen. Wir sind schuld, dass der Fernsehen nur Scheiße sendet, weil wir es uns angucken. Wir sind schuld, dass schlechte Politik gemacht wird, weil wir keine besseren Politiker gewählt haben.


    Irgendwie traurig oder? Wenn ich nicht total trübsinnig werden soll, müsst ihr mir den Fehler in meiner Logik zeigen.

  2. #2
    Avatar von Faust
    Faust ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
    Registriert seit
    03.11.2002
    Beiträge
    3.254

    Re: Böse Medien?

    Original geschrieben von rangolf
    Anstatt zu sagen: "Böse, böse Medien!" hätte er nicht sagen müssen: "Böse, böse Menschen!" ? Diese haben doch schließlich die Zeitungen gekauft und die Zeitungen bringen diese Artikel doch, weil die Menschen sie kaufen.
    Das halte ich für zu kurz gegriffen. Es ist doch so, daß die Alternative zum Zeitung kaufen oder fern sehen nur das Verweilen in absoluter Unkenntnis ist. Wer diese Alternative ausschließt (und das tun die meisten zu Recht), der muß sich doch zwangsläufig mit dem ein oder anderen Medium als Informationsquelle zufrieden geben.
    Die Zeitungen bringen also die Artikel nicht, weil Menschen sie kaufen (Wie sollten sie das auch vorher wissen? Die Berichte stehen doch, bevor der Kunde eine Kaufentscheidung aus einem durchaus großen Angebot trifft.), sondern weil sie ihren Informationsauftrag erfüllen. Manche Zeitungen tun das neutralen als andere, manche reißerischer als andere.

    Worin ich Dir Recht gebe: Poltiker sind die letzten, die sich über Medien beschweren sollten, ganz besonders dann, wenn ihr Kandidat nur deshalb gewählt wurde, weil er in den Medien besser "rüberkam".
    Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden.

    Psalm 48,11

  3. #3
    Avatar von paradoxon
    paradoxon ist offline "Habilitand" (500-749 Beiträge)
    Registriert seit
    09.06.2003
    Beiträge
    585

    Re: Re: Böse Medien?

    Original geschrieben von Faust
    Das halte ich für zu kurz gegriffen. Es ist doch so, daß die Alternative zum Zeitung kaufen oder fern sehen nur das Verweilen in absoluter Unkenntnis ist. Wer diese Alternative ausschließt (und das tun die meisten zu Recht), der muß sich doch zwangsläufig mit dem ein oder anderen Medium als Informationsquelle zufrieden geben.

    Die Zeitungen bringen also die Artikel nicht, weil Menschen sie kaufen (Wie sollten sie das auch vorher wissen? Die Berichte stehen doch, bevor der Kunde eine Kaufentscheidung aus einem durchaus großen Angebot trifft.), sondern weil sie ihren Informationsauftrag erfüllen. Manche Zeitungen tun das neutralen als andere, manche reißerischer als andere.
    Aber: Wer politisch und gesellschaftlich am nähesten am Leser ist, der macht das meiste Geld.
    Daraus kann man folgern, dass die Inhalte der Zeitung charakteristisch für den Großteil ihrer Leser ist. Und wenn die Zeitung sich vor Pseudo-Skandalen (Bohlens neues Buch, Effes neueste Freundin) nur so überschlägt, so kann man davon ausgehen, dass der Bürger nicht informiert, sondern unterhalten werden möchte.
    Aber auch seriöse Zeitungen schreiben nur das, was ihr Leser hören möchte - der Leser möchte halt nicht ganz einseitige Berichte lesen.
    Eigentlich müsste jede Zeitung genau das Gegenteil schreiben, was ihre Leserschaft will. Denn nur dann wird die Leserschaft auch echt informiert.


    Worin ich Dir Recht gebe: Poltiker sind die letzten, die sich über Medien beschweren sollten, ganz besonders dann, wenn ihr Kandidat nur deshalb gewählt wurde, weil er in den Medien besser "rüberkam".
    In der Tat - Politiker instrumentalisieren die Medien pausenlos und sind dann schockiert, wenn das Spiel mal nach hinten losgeht.
    In theory there is no difference between theory and practice; in practice there is.

    Der Unterschied zwischen einem Propheten und einem Philosophen ist, dass der Philosoph Fragen stellt, die niemand beantworten will und der Prophet Antworten hat nach denen niemand gefragt hat.

  4. #4
    Muldana Gast
    Eigentlich Off Topic, aber liegt mir am Herzen:

    Die Top Ten der Nachrichten des Jahres 2002, denen von den Medien keinerlei oder nur sehr geringe Beachtung geschenkt wurde:

    http://www.donews.de/bereiche/Campus...ne_themen.html

    Dafür hätte man ruhig mal den Platz, den Bohlen und Co. eingenommen haben, verwenden dürfen.

  5. #5
    Gast

    lies

    Original geschrieben von Muldana
    Eigentlich Off Topic, aber liegt mir am Herzen:

    Die Top Ten der Nachrichten des Jahres 2002, denen von den Medien keinerlei oder nur sehr geringe Beachtung geschenkt wurde:

    http://www.donews.de/bereiche/Campus...ne_themen.html

    Dafür hätte man ruhig mal den Platz, den Bohlen und Co. eingenommen haben, verwenden dürfen.
    Top Ten der
    tabuisierten Themen


    Wer aufmerksam Online-Angebote und Zeitungen studiert und darüber hinaus noch Nachrichten-
    sendungen im Fernsehen oder im Radio verfolgt, der hat in aller Regel das Gefühl, umfassend informiert zu werden. Er glaubt genau zu wissen, was in der Welt um ihn herum geschieht. Dies ist allerdings ein großer Irrtum, sagen die Mitarbeiter der Projekte "Initiative Nachrichtenaufklärung" und "Netzwerk Recherche".

    Es gebe eine "ganze Fülle" bedeutender Themen, über die Medien gar nicht oder nur unzureichend berichten - und die demzufolge auch nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden können. Jetzt hat die "Initiative Nachrichten-
    aufklärung", die im Fachbereich Journalistik der Dortmunder Universität angesiedelt ist, ihre Rangliste der zehn bedeutensten vernachlässigten Themen des vergangenen Jahres vorgestellt.




    Unter den "Top-Ten" sind gleich vier Themen gelistet, bei denen es um bewaffnete Konflikte oder die Rolle der Vereinten Nationen (UNO) geht. Auf dem Spitzenplatz befinden sich die "vergessenen Kriege": 15 Kriege zählt das Friedensforschungsinstitut SIPRI derzeit weltweit, die meisten finden in Afrika statt und dauern schon länger als acht Jahre. Bewaffnete Auseinandersetzungen, die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, blieben jedoch in den meisten Medien unberücksichtigt.

    Auf Platz sechs taucht das Thema "Irak" auf: Es gebe Hinweise darauf, dass die US-Armee den Golfkrieg 1991 nutzte, um mehrere Tonnen Militärschrott kostengünstig los zu werden. Die fachgerechte Entsorgung veralteter Kampfmittel hätte die USA fünf Mal mehr gekostet als das unbrauchbare Material über dem Irak abzuwerfen. Nach Ansicht der "Initiative Nachrichtenaufklärung" sollten Medien diesen Aspekt vor dem Hintergrund eines drohenden erneuten Golfkriegs nicht vernachlässigen.

    Rang acht beleuchtet die Rolle der USA in der UNO. Die Vereinigten Staaten hielten Mitgliedsbeiträge oft jahrelang zurück und beglichen offenen Rechnungen nur, wenn im Gegenzug politische Zugeständnisse zu erwarten seien. Trotz der umfangreichen Berichterstattung über den Irak-Konflikt spiele dieses Thema keine Rolle.

    Punkt sieben darauf hin, dass in der UN-Menschenrechtskommission zahlreiche Staaten mit abstimmen dürfen, die selber permanent gegen Menschenrechte verstoßen. Ihr Einfluss sei jedoch so groß, dass sie dafür nicht angeprangert werden können. Die Staaten der Europäischen Union sollten daher mehr gegen die Manipulationsgefahr in der Kommission unternehmen, hat die Organisation "Human Rights Watch" - von den Medien weitgehend unbeachtet - gefordert.

    Lebenslang hinter Gittern vergessen

    Die weiteren Themen: In zahlreichen deutschen Altenheimen bekämen die Bewohner allein deshalb Psychopharmaka verabreicht, um sie ruhig zu stellen (Rang zwei). Zu lebenslanger Haft verurteilte Straftäter säßen oft erheblich länger als fünfzehn Jahre im Gefängnis, obwohl die meisten von ihnen keine Triebtäter seien. Über die Frage, wie viele dieser "lebenslänglich Vergessenen" in der Haft sterben, werde in der Öffentlichkeit kaum diskutiert (Rang drei).

    Rang vier nennt die "unmenschliche Abschiebung" abgelehnter Asylbewerber. Viele Abschiebehäftlinge würden unmenschlich behandelt. Rang fünf: Nach der Expo 2000 stünden zahlreiche mittelständischen Unternehmen vor der Pleite, weil die Expo-Beteiligungsgesellschaft vereinbarte Zahlungen verweigere. Im Gegensatz zum PR-Rummel vor und während der Weltausstellung habe dieses Thema heute keine Konjunktur mehr. Platz neun nimmt das Thema "Risiken von Kindern suchtkranker Eltern" ein und Platz zehn die "Verschuldung ostdeutscher Kommunen".

    Die "Initiative Nachrichtenaufklärung" hat sich zum Ziel gesetzt, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für "vergessene Themen" zu schaffen. Das Projekt besteht seit 1997, seither steige die Zahl der eingereichten Themen stetig. "70 waren es in den vergangenen zwölf Monaten", berichtet der Dortmunder Journalistik-Professor und Leiter des Projekts, Horst Pöttker: "Grundsätzlich hat jeder Mensch die Möglichkeit, uns Themenvorschläge zu unterbreiten."

    Anschließend treffen Studenten seines Fachbereichs eine Vorauswahl: Sie prüfen, ob die Informationen wahr sind, ob das Thema bedeutend ist und ob es tatsächlich in den Medien vernachlässigt wurde. Als letzten Schritt erstellt eine dreizehnköpfige Jury, die sich aus Wissenschaftlern, Studenten und namhaften Journalisten zusammensetzt, die Rangliste.

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