Ich habe mir das Ding eben ganz schnell in zwei Minuten reingezogen und muss jetzt rausgehen, um das wieder auszuspeien. Es darf ja wohl nicht wahr sein! So was wird veröffentlicht!
Ich habe jetzt keine Zeit mehr. Aber Anfang der Woche gucke ich mir diese Unsäglichkeit noch einmal genauer an. Vielleicht klingt es im Einzelnen nicht ganz so schlimm wie auf den ersten Blick. Auf jeden Fall gebe ich noch einen detaillierten Kommentar ab. So viel Zeit nehme ich mir. Das bin ich mir wert!
Akiva
Thema: Kunst und Pseudokunst
Ergebnis 1 bis 5 von 8
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10-12-2003 16:02 #1
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13-12-2003 16:22 #2
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Re: Kunst und Pseudokunst
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14-12-2003 01:26 #3Der Vogone Gast
Ich habe etwas länger als 2 Minuten gebraucht, und obwohl mir die Seite im allgemeinen etwas suspekt erscheint, kann ich speziell diesen einen Artikel von Markus Gossler nur voll und ganz unterschreiben.
Möglich, daß ich in diesem Punkt (wie offenbar auch der Autor jener Zeilen) selbst etwas elitär denke; zumindest dürfte, was meine Kunstauffassung angeht, meine elitäre Seite ein gutes Stück stärker ausgebildet sein als meine egalitäre. Aber auch ich bin - entgegen einem unter Gleichheitsutopisten weitverbreiteten Diktum - der Meinung, daß nicht alle Menschen Künstler sind, daß das Brechen von Tabus und Regeln für sich genommen noch keine Kunst darstellt und daß man - banal genug, aber offenbar nicht Allgemeingut - tatsächlich etwas können muß, um Künstler zu sein.
Wir leben in einer Zeit inflationärer Begriffs-Verwendungen, und das betrifft leider auch die Kunst. Wenn ehemalige Tagesschau-Sprecherinnen und "Big Brother"-Container-Populanten plötzlich zu "Schauspieler(inne)n" mutieren (obwohl sie nachweislich weder dies noch sonst irgendetwas gelernt haben), jeder Fußball-Kreisliga-Trainer und jeder Büroklammern-Zurechtbieger eine Trainings- bzw. Unternehmens-"Philosophie" hat und jede baumelnde Vermutung gleich zur "Theorie" heraufpotemkint wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn auch Leichenteile-Arrangements, Haufen und Seen von Erbrochenem oder anderweitig Ausgeschiedenem oder Genitalien-"Installationen" zu "Kunst" hochbedeutelt werden.
Ich räume ein, daß ich mich in den außerliterarischen Künsten nicht übermäßig gut auskenne, aber wie Gossler schon richtig schreibt, sind ja die meisten Menschen (auch nicht-sachverständige, möchte ich ergänzen) mehr oder weniger imstande, Schönheit (intuitiv) zu erkennen, wenngleich nur wenige sie selber hervorzubringen vermögen. Insofern traue ich mir auch als Dilettant etwa in Sachen Malerei ein wenn vielleicht nicht gerade sehr aussagekräftiges, so doch immerhin begründbares Urteil zu. Und was Dichtung angeht, selbstredend; doch darüber möchte ich mich hier nicht weiter verbreiten. Auch dort bin ich der Ansicht, daß nicht jeder ein Dichter ist, der einen Griffel halten und seinen Namen schreiben kann. Manch einer scheint das aber zu glauben.
Ob wir die Entwicklung und den Zustand, wie von Gossler beschrieben, wirklich den "Linken" verdanken, darüber kann und möchte ich nicht befinden. Es ist ja auch nebensächlich. Wenn seine Behauptung zuträfe, dann ließe sich jedenfalls leicht dagegenhalten, daß wir den Nationalsozialisten schließlich auch so einiges zu "verdanken" haben, dessen Folgen weitaus katastrophaler sind als alles, was die angeblichen linken Manipulateure angerichtet und was verwirrte Aktionskünstler und ach so fortschrittliche, sprachunkundige Sprachzertrümmerer hinterlassen haben. Die Dimensionen sollte man doch nicht ganz aus den Augen verlieren.
Der Vogone
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14-12-2003 11:09 #4Kumo Gast
Die Domain konservativ.de selbst ist vollkommen indiskutabel, da dort u.a. die Rede Martin Hohmanns inhaltlich verteidigt und unterstützt wird und einige "knackige" Carl Schmitt-Zitate die Seite würzen.
Auch in dem Aufsatz über Kunst/Pseudokunst ist Konservativismus Programm, was ja schon durch den Zugang zum Thema in Form eines Rekurses auf die Ethymologie des Begriffes Kunst deutlich wird.
Auch wenn hier und da eine m.E. ziemlich eklige Gesinnung durchscheint, finde ich den Text inhaltlich jedoch interessant und prinzipiell vertretbar.
Ich glaube jedoch auch weniger, dass wir die beschriebene Entwicklung "den Linken" zu verdanken haben. Ich glaube, es ist eine ganz natürliche Entwicklung innerhalb von Sprachen und Gesellschaften, dass Begriffe, die ursprünglich etwas Positives, Geschätztes, Angesehenes bezeichnen, ausgedehnt werden auf Dinge, die etwas vom Glanz des Begriffes abbekommen sollen. Das Demokratisierung und damit einhergehende Rechte wie das auf freie Meinungsäußerung einen solchen Prozess beschleunigen, liegt auf der Hand.
Das Kunst etwas mit können zu tun hat, glaube ich gerne, aber das es ausschließlich die (Re-)Produktion des "Schönen" zur Aufgabe haben sollte, finde ich arg einschränkend und schlicht falsch. Es gibt soviele Emotionen, die durch Kunst reflektiert werden können.
Geändert von Kuschelmonster (14-12-2003 um 11:12 Uhr)
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15-12-2003 12:24 #5
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Nach mehrmaligem Lesen ...
Was ist Kunst?
steht über dem ersten Kapitel. Die Beantwortung der Frage bleibt der Autor uns bis zum Schluss schuldig. Ist ja auch nicht wichtig, denn er benutzt den Titel lediglich als Aufhänger für seine Ausfälle gegen die sogenannten Linken.
Soweit ich mich erinnern kann, gab es hier im Forum schon einmal eine kleine Diskussion zu der Fragestellung. Die damals geäußerten Meinungen des überwiegend jungen Publikums hier haben mich mehr überzeugt, als das Machwerk des Herrn Gossler, und zwar unabhängig von der hie und da durchscheinenden eigenen politischen Heimat.
Ein äußerst geschickter Text, den Gossler uns hier vorliegt, denn er baut auf (scheinbar) neutrale, sachliche Aussagen Schlussfolgerungen, die bei flüchtigem Lesen völlig logisch klingen. Das macht diesen Text (und viele andere) gefährlich. Ich befasse mich an dieser Stelle nur deshalb damit, weil ich weiß, dass hier sehr viele junge Leute sind, die nicht gelernt haben, einen Text kritisch auf Inhalt und Aussage hin zu überprüfen. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen mit meiner Text-Auseinandersetzung einen kleinen Hinweis geben.
Gossler fängt ganz harmlos an. "Für Kunst gibt es keine allgemein verbindliche Definition.." Da nickt der unvoreingenommene Leser, denn das kann er unterschreiben.
Es folgt eine lange Auseinandersetzung zum etymologischen Ursprung des Wortes Kunst. Das klingt schön wissenschaftlich. 'Kunst kommt von Können', das liest sich leicht und kann genauso wie der eben zitierte Satz 'abgenickt’ werden.
Was jedoch im Folgenden als scheinbar logisch und schlüssig daher kommt, ist in großen Teilen schlicht und ergreifend Ideologie.
Nicht erst seit heute beschäftigt sich die Germanistik mit indogermanischen Sprachwurzeln (Übrigens nach meiner Meinung ein hochinteressantes und spannendes Gebiet der Sprachforschung!) . Wenn nun also 'Kunst’ nach Ansicht der Wissenschaft von der Wurzel her von 'kennen’ oder ‚wissen’ her rührt, was der Autor nicht bestreitet, wieso wischt er diese Tatsache einfach vom Tisch und erklärt sie zum "ideologisch motivierten Versuch, die Etymologie des Wortes Kunst zu manipulieren..." ?
Nicht erst an dieser Stelle begannen bei mir während des Lesens sämtliche Alarmglocken zu läuten.
Bereits am Anfang steht:
"Als das Wort Kunst etwa zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert seine heutige Bedeutung erlangte, wurde es einerseits als menschliches Gestalten der Natur gegenübergestellt und andererseits als kreatives Handeln der technischen Funktionsgebundenheit handwerklicher Produktion."
Das klingt, so wie es dort steht, wiederum völlig neutral und sachlich richtig. Nur verschweigt der Verfasser, dass das Wort Kunst in diesem Kontext von den Zeitgenossen als abwertend und negativ bewertet wurde! Da er im Verlaufe seines Traktats immer wieder mit dieser Eingangsfloskel arbeitet, halte ich es für notwendig, darauf mit Nachdruck hinzuweisen.
"Kunst ist ... jedes kreative menschliche Gestalten, das von überragenden Fähigkeiten der Gestaltung abhängt. Kunst bedarf also eines Künstlers, ohne dessen überdurchschnittliche Begabung ein Kunstwerk nicht zustanden kommen kann."
Wer würde das nicht unterschreiben können? Hier müsste nur die Diskussion richtig weitergehen, um zu einer ernst gemeinten Beantwortung der Frage "Was ist Kunst?" zu gelangen. Zum Beispiel: Was sind denn nun überragende Fähigkeiten; was ist eine überdurchschnittliche Begabung; wie zeigt sich das für den Laien? Wer definiert und wie die Begriffe Begabung / überdurchschnittlich / überragende Fähigkeiten...
So wenig wie es für die Kunst eine allgemein verbindliche Definition gibt, so wenig gibt es sie für die genannten Begriffe. Gossler tut jedoch so, als würde es sie geben. Er verrät dem Leser aber nicht, warum er dieser Meinung ist.
Auch das zweite Kapitel (Die historischen Wurzeln der Moderne) verfolgt die anfänglich eingeschlagene Strategie. Allerdings erschließt sich mir nicht Gosslers Schlussfolgerung, dass die moderne Kunst nur durch die technische Erfindung der Photographie möglich gewesen sei.
Auch in diesem Kapitel bleibt er wieder scheinbar sachlich, indem er einige allgemein bekannte Worte über den Impressionismus verliert. Wiederum sehr versteckt folgt dann der Hinweis darauf, dass seit damals –man verzeihe mir die saloppe Formulierung- alles nicht mehr so ist wie es einmal war. Eine Erklärung, warum die Kunst mit Beginn des Impressionismus seit damals eine Wendung zur Ideologie gemacht habe, bleibt uns Gossler schuldig.
Erneut stellt er diese Aussage als scheinbar unumstößliches Faktum in den Raum.
Ab dem nun folgenden Kapitel (Der künstlerische Verfall der Moderne) wird dieses Traktat vollends unerträglich. (Ich befasse mich an dieser Stelle nur deshalb damit, weil ich weiß, dass hier sehr viele junge Leute sind, die nicht gelernt haben, einen Text kritisch auf Inhalt und Aussage hin zu überprüfen. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen mit meiner Text-Auseinandersetzung einen kleinen Hinweis geben.)
Gossler führt nun den Begriff des ‚Schönen’ ein und behauptet, dass "nun" (wann?) ein Kunstwerk "nicht mehr schön..., sondern neuartig, bahnbrechend, noch nie dagewesen..." sein müsse.
Ich dürfte den Text richtig verstanden habe, wenn ich daraus lese, dass nach Gossler ein Kunstwerk "schön" sein muss, um ein Kunstwerk zu sein. Er verweigert uns allerdings eine genauere Angabe darüber, was er unter "schön" versteht, oder was der Leser darunter zu verstehen habe. Leider finde ich auch im gesamten Text nicht ein einziges Beispiel dafür, was nach Herrn Gosslers Kunstbegriff "schön" ist, so dass der Leser sich im Vergleich damit ein eigenes Urteil bilden kann. Dieses ist vom Verfasser wohl auch gar nicht gewünscht. Es geht ihm ja nicht um die Kunst, sondern um Indoktrination. Er lässt keine andere Meinung zu. Er stellt sich nicht einer Diskussion, sondern verkündet, er habe Recht. Das reicht ihm. Seinen Lesern auch?
Eine Aussage wie, dass "...was die meisten Menschen schön finden, fest steht..." bleibt im Raume stehen. Selbst wenn ich sage, ok - das stimmt, wäre ja wohl zu überlegen, ob "die meisten Menschen" immer und in jedem Falle Recht haben. Ich scheue Vergleiche zum Dritten Reich normalerweise, weil damit dauernd Schindluder getrieben wird. Aber die Sammlung Entarteter Kunst muss ich in diesem Zusammenhang erwähnen. Die "meisten Menschen" fanden die dort erfassten Werke überhaupt nicht schön. Und dennoch gelten viele der damals Verhöhnten und Verpönten als große Künstler, auch wenn ihre Kunst immer noch nicht "schön" ist.
Ich hätte noch unendlich viel zu sagen. Wer will, kann mir ja ins Postfach schreiben. Abschließen möchte ich mit einem abgewandelten Gossler-Zitat ( "Schaffe Banales und erkläre es zur Kunst"), mit dem er die moderne Kunst zu verunglimpfen sucht. "Schreibe Flaches und erkläre es zum politischen Programm."
Ausnahmsweise und aus gegebenem Anlass, unterschreibe ich diese Ausführungen mal mit meinem vollen Namen: Dr. phil. Jutta PabstGeändert von Akiva (15-12-2003 um 12:35 Uhr)
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