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  1. #1
    Avatar von Neroli
    Neroli ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    02.05.2004
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    Flirtparadies Frittenbude (Wo lerne ich bloß jemand kennen?)

    Ein Supermarkt. Ein Mann. Zwei Frauen. Eine Margarinepackung. "Der ist bestimmt verheiratet!" - Was für eine Enttäuschung, aber ein Hoch auf den Discounter als Flirtbereich. Werbung ist so. Das normale Leben ist deutlich banaler. Leider.

    Immer wieder gibt es hier Anfragen der Sorte "Wo lerne ich jemand kennen?", ich erinnere mich auch noch gut an den Versuch eines Dauersingles, an der Kühltruhe bei den Pizzas eine Frau ansprechen zu wollen (was ein ziemlich übler Fehlschlag wurde).

    Wenn man sehr jung ist oder kaum Erfahrung hat, stellt man sich tatsächlich vor, dass man auf der Straße, an der Bushaltestelle oder beim Tanken den Mann oder die Frau fürs Leben findet. Die Erfahrung sagt aber, dass das bis auf wenige Einzelfälle NIE funktioniert. Es läuft meistens viel trivialer. Der überwiegende Anteil der Menschen lernt zukünftige Partner dort kennen, wo er andere Menschen trifft und mit diesen ins Gespräch kommen kann. Dazu zählen Schule, Ausbildung/Studium, Arbeitsplatz, private Partys und gemeinsame Hobbys. Alles Gruppen, die erst relativ zufällig aus neuen Menschen zusammengesetzt sind, die dann die Chance haben, sich kennenzulernen.

    Falls ihr euch mal etwas umhört, dürftet ihr feststellen, dass fast alle(!) Beziehungen auf diese Weise zustande kommen. Wie oft hört man wirklich "Er hat mich in der Disco angequatscht, und dann waren wir zusammen."? So gut wie nie, zumindest in eher akademisch angehauchten Kreisen. Ich habe das, obwohl ich viele Paare kenne, überhaupt noch nie gehört. Stattdessen sind die satirischen Artikel über fehlgeschlagenes Kennenlernen in obskuren Situationen Legion. Und im Dutzend bekommt man die Geschichten mit "Wir waren im selben Seminar an der Uni", "Wir haben uns beim Sport kennengelernt", etc.pp.

    Eine Folge, die sich daraus ergibt, ist, dass ein großes soziales Umfeld und eine im Umgang mit anderen geübte Art einen extremen VORTEIL bei der Partnerwahl verschafft. Ein Teufelskreis dagegen ist die schüchterne Art, die man beispielsweise bei vielen männlichen Naturwissenschaftlern findet. Als Einzelgänger lernt man massiv weniger Leute kennen, kommt weniger mit ihnen ins Gespräch und ist insgesamt viel ungeübter im ungezwungenen Umgang mit dem anderen Geschlecht. Das ist oft schon an der Kleidung auszumachen. Viele aus dieser Gruppe erfüllen das klassische "Karohemd und Samenstau"-Klischee und senden so schon nach aussen ab: Ich hab keine Ahnung davon, mich für andere attraktiv zu machen. Oft wird dann aus der Not eine Tugend gemacht und gesagt: Ich will ja auch gar keine Frauen, die mich nicht so mögen, wie ich schon bin - die sind ja nur oberflächlich.

    Es bringt also nichts, seine einsamen Marotten zu kultivieren. Wer ständig nur in der Physik-Fakultät herumläuft, kann zwar das seltene Glück haben, von einer Physikerin erhört zu werden, im Allgemeinen wird das Suchen dort aber eher frustrierend enden. Grundregel sollte deshalb sein: Wer eine potentiellen Partner kennenlernen will, muss an einen Ort gehen, wo er a) Mitglieder des anderen Geschlechts treffen und sich b) mit ihnen ungezwungen unterhalten kann. Und dazu natürlich auch noch vorausgesetzt, dass er überhaupt in der Lage ist, sich locker mit ihnen zu unterhalten. Wer das nicht beherrscht, kann sich einen noch so guten Platz aussuchen, es wird schief gehen.

    Mein Fazit: Viele Dauersingles scheitern m.E. an zwei sehr grundlegenden Dingen: Sie halten sich nicht an den richtigen Orten auf (s.o.), und WENN sie das doch tun, sind sie nicht in der Lage, die Situation wirklich zu ihren Gunsten zu nutzen. Beides muss gegeben sein. Es hilft nichts, als hübsche Frau in einem Pulk Freundinnen herumzustehen und sich zu wundern, dass kein Märchenprinz sie da raus-eisen wird. Es ist ziemlich sinnlos, als "netter" Mann ständig nur "nett" zu sein, ohne auf die Frauen einzugehen. Aber das wäre schon wieder ein anderes Thema.

    Disclaimer: Ich weiss, dass ich hier keine direkten Lösungsvorschläge anbiete. Es wäre auch absurd, das in Allgemeinheit zu tun. Es gibt kein Buch "Leben for runaways", in dem auf 200 Seiten steht, wie man alle seine Probleme lösen kann. Man lernt vor allem durch Vorbilder, die muss man sich suchen. Wie machen es andere, die offensichtlich Erfolg beim Kennenlernen haben? Ihr könnt es wirklich glauben: Alle kochen nur mit Wasser. Aber ihr Leben unterscheidet sich vermutlich in dafür wichtigen Kleinigkeiten von eurem. Sucht danach - wenn es gute Freunde sind, fragt ruhig direkt nach. Viele Leute sind in eher zufälligen Beziehungen, die zwar nach aussen hin wie die absolut perfekte Kombination aussehen, aber auch eher nebenbei entstanden sind. Und fast jeder kann aus seinem Leben schiefgegangene und komische Flirtsituationen erzählen. Ich denke, sich mit anderen darüber auszutauschen, ist ein erster Schritt. Da lernt man schnell, dass andere mit genau den gleichen Problemen kämpfen.

    Ciao,
    Neroli

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    Lily Allen - The Fear

  2. #2
    Pippi_Langstrumpf ist offline "Doktor" (300-499 Beiträge)
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    Schöner Beitrag, Neroli.
    Die Erde ist eine Scheibe...

  3. #3
    Avatar von Pi34
    Pi34 ist offline "Doktorand" (150-299 Beiträge)
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    Dem kann ich mich nur anschliessen - sowohl dem Kompliment, als auch Nerolis Beitrag -: bisher habe ich das weibliche Geschlecht immer über Daueraktivitäten (früher Jugendgruppe, Chor und ums Studium herum) kennengelernt.

    Als sehr gute Gelegenheit zum Ansprechen ist mir die folgende Situation aufgefallen: wenn ich ein Mädel schon einmal, z. B. beim Studium, gesehen habe - natürlich ohne schon mit ihr gesprochen zu haben - und sie dann zu anderer Gelegenheit wiedersah, z. B. im Chor, und sie dann ansprach, habe ich bisher immer nette Antworten bekommen, und die Grundlage für weiteres Kennenlernen gelegt.

    Abschliessend muss ich noch erwähnen, dass ich ein Ehepaar (ca. 25 Jahre verheiratet) kenne, as sich in der Disko kennengelernt hat. Er Arzt, sie Kosmetikerin - es gibt sowas also.
    Geändert von Pi34 (11-06-2005 um 12:35 Uhr) Grund: Grausamer Grammatikfehler

  4. #4
    Klausi ist offline Registrierter Benutzer
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    Zitat Zitat von Pi34
    Abschliessend muss ich noch erwähnen, dass ich ein Ehepaar (ca. 25 Jahre verheiratet) kenne, as sich in der Disko kennengelernt hat. Er Arzt, sie Kosmetikerin - es gibt sowas also.
    Hmm. Kenne ich auch ein Paar, die bald ins 30. Ehejahr gehen und sich damals auf einer (allerdings akademischen) Disko kennengelernt haben, wo seine Kumpel ihn aber erst überreden und dort hinschleppen mußten.

  5. #5
    Avatar von Neroli
    Neroli ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von Pi34
    Als sehr gute Gelegenheit zum Ansprechen ist mir die folgende Situation aufgefallen: wenn ich ein Mädel schon einmal, z. B. beim Studium, gesehen habe - natürlich ohne schon mit ihr gesprochen zu haben - und sie dann zu anderer Gelegenheit wiedersah, z. B. im Chor, und sie dann ansprach, habe ich bisher immer nette Antworten bekommen, und die Grundlage für weiteres Kennenlernen gelegt.
    Na kein Wunder. Meine Erfahrung ist: Frauen TRÄUMEN zwar immer davon, einen Traumprinzen plötzlich und unerwartet kennenzulernen, aber wenn sie dann in dieser Situation SIND, gibt es regelmäßig aus Unsicherheit eine Abfuhr für den Herrn. Da fehlt einfach das Vertrauensverhältnis, das Männern zumindest beim ersten Kennenlernen meistens schnuppe ist. Genau über die Methode, die du beschreibst, sorgt man für eine Basis, auf die man dann aufbauen kann. Wenn man aber im Alltag kaum Frauen kennenlernt, fehlt diese Basis. Vielen Leuten (egal ob Mann oder Frau) fällt es schwer, zu verstehen, dass gewisse andere Leute einfach überhaupt niemand kennen ausserhalb des notwendigsten Umgangs. Die landen fast automatisch im Status des ABs / Dauersingles.

    Ciao,
    Neroli

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