Junggesellen/innen-Abschied - Die neue Plage
Im Vorfeld des in unserer Gesellschaft für den absoluten Höhepunkt der Kuschelaffinität gehaltenen Hochzeit(-sfeier), dessen instutionalisierten Abhalten das Non-Plus-Ultra (um das dämliche, und auch schlechter passende "ultimativ" zu vermeiden) unserer partnerschaftlichen Konventionen darstellt, werden gerne zahlreiche Rituale zelebriert, dessen Zweck, wenn wir ehrlich sind, mehr oder weniger darauf hinauslaufen, einen oder beide Eheschwörer lächerlich zu machen. Warum das so ist, warum Initiationen in der menschlichen Gesellschaft mit Demütigungen verbunden werden müssen, darf hier durchaus auch erörtert werden, ich will aber eigentlich auf etwas banaleres hinaus.
Wer in den letzten Wochen an einem lauen Wochenend-Sommerabend gerne nach Geschäftsschluß durch die Fußgängerzonen flanierte, dem wird es nicht entgangen sein können: Die Anzahl der sog. Junggesellen/innen-Abschiede ist drastisch gestiegen. Dabei ist jeweils ein uniform gekleidetes, alkoholisiertes Grüppchen unterwegs, das jeweils den gleichgeschlechtlichen Ehewilligen dabei hat und sich davon überzeigt, daß dessen Demütigung auch mit angemessener Stärke verläuft. Das Ganze hat etwas - von außen betrachtet - interessantes, weil es ein äußerst groteskes menschliches Schaulaufen ist. Selbst ein Gedemütigter will man nicht sein, aber der Wunsch um Aufnahme in die bürgerlich-anständige Gesellschaft ist sehr groß, dafür nimmt man auch eine vollständige oder teilweise Geistesvernichtung in Kauf (sofern Geist vorhanden war). Ein Demütiger zu sein, macht einen kaum weniger schäbigen Eindruck.
Um die Demütigung möglichst zu verstärken, wird das Ritual des Junggesellen/innen-Abschied in der Öffentlichkeit ausgetragen. Es war an Groteskheit noch zu er-tragen, als man noch bestenfalls einmal im Monat auf so eine Lächerlichkeitsmachenzeremonie stieß. Doch wenn man in den letzten Wochen abends in der Fußgängerzone einer mir gut bekannten Stadt unterwegs war (die ich hier nicht nennen möchte, weil ich sie ansonsten recht okay finde), dann lief einem alle 100m so eine Combo über den Weg! Schreiend, auffällig belästigen sie Passanten mit Anfragen, die den Unbeteiligten Teil der Demütigung werden lassen sollen, kurzum: Eine echte, neue Plage. Es ist widerlich.
Thema: Die neue Plage
Umfrageergebnis anzeigen: Junggesellen/innen-Abschiede sind einfach nur....
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11-08-2008 12:14 #1
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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- 4.692
Die neue Plage
Geändert von Thomas Bernhard (11-08-2008 um 12:35 Uhr)
Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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11-08-2008 16:53 #2
Da muss ich mich dir anschließen: Ich HASSE Junggesellenabschiede...und noch mehr JunggesellINNENabschiede...Grusel pur! Die werden ja auch gern "Hennen-Parties" genannt...zu Recht!
Ich selbst habe ja auch vor kurzem geheiratet (was sehr cool und das Gegenteil einer klassischen Hochzeit war), aber solcherlei Mist war uns eindeutig zuwider. Zum Glück habe ich keine Mädelsclique, die so einen Scheiß hätte organisieren können. Gut, ich hätte mich dann sowieso geweigert mitzumachen. Hinzu kommt, dass sowas vermutlich nur im stark alkoholisierten Zustand erträglich ist. Und ich trinke nie Alkohol...wäre für mich also eine noch viel größere Folter gewesen. *würg*
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11-08-2008 18:14 #3
Versteht ihr denn gar keinen Spaß?
Ich find das extrem lustig (nicht als Zuschauer, sondern als Mitschuldiger), und das als Nicht-Alkoholisierte.
Auf der Suche nach schönen Fotomotiven war sogar unsere Polizei zu allerhand Schandtaten bereit.
@Platy
Hey, Glückwunsch!
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11-08-2008 20:48 #4
@Chattie: Danke!

Ich verstehe auf jeden Fall Spaß, aber das ist leider nicht meine Art von Humor. Irgendwie ist mir das zu hohl. Ich hab noch nie einen Junggesellenabschied gesehen, den ich lustig fand. Bei denen, die ich bis jetzt so in der Stadt gesehen habe, schäme ich mich immer fremd. Und selbst dabei war ich bei noch keinem, weil ich wie gesagt gar keine Mädelsclique hab und auch keine andere Frau in meinem Bekanntenkreis vorhat zu heiraten...da muss ich wohl noch ein paar Jahre warten
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12-08-2008 10:45 #5
Man muss ja nicht immer alles mitmachen. Und gerade bei Hochzeiten und ähnlichem neigen ja manche dazu, jeden Ritualquatsch unhinterfragt mitzumachen. Man kann doch auch mal was anderes machen und das muss ja nicht unbedingt in Demütigung ausarten. Man kann auch anders Spaß haben.
Mein Humor ist das übrigens auch nicht."Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."
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