Hallo, ich habe ein Problem und hoffe, hier ist der richtige Bereich, um es zu beschreiben.
Wie fange ich an...
Ich führe ein ziemlich einsames Leben. Ich habe keine Freunde und auch sonst keine Bekannten, mit denen ich was unternehmen kann, d.h. 90% der Zeit verbringe ich allein oder treffe mich mit meiner Mutter oder ab und zu mit meiner Schwester. Ich habe zwar in der Vergangenheit manche Kontakte gehabt, aber die haben sich nach und nach aus verschiedenen Gründen alle verloren. Wohne auch erst seit 3 Jahren in meinem jetzigen Wohnort und schaffe es nicht, hier richtig Fuß zu fassen. Das an sich ist schon schlimm genug, und zu allem Überfluss wird ständig nach meinen nicht vorhandenen Freunden gefragt, z.B. letztens bei einem Bewerbungsgspräch:"Was würden denn Ihre Freunde über Sie sagen?" oder auch sonst in jeder möglichen Situation wird auf die potenziellen Freunde angespielt und jedes Mal tue ich so, als hätte ich Freunde und ziehe mir irgendwelche Sachen aus dem Ärmel. Denn was denkt man über jemanden, der keine Freunde hat? Der muss irgendwie nicht ganz richtig ticken, irgendwas muss an dem faul sein...
Brenzlig wirds aber für mich, wenn ich tatsächlich mal Leute kennenlerne. Heute Abend z.B. hatte ich über Skype mal wieder Kontakt zu jemandem, mit dem ich mir vor einem Jahr recht nahe stand und wir haben gute 2 Stunden miteinander geplaudert. Dabei sind bei mir auch wieder ein paar von alten Gefühlen hochgekommen.Ich hab angedeutet, dass mein Jahr nicht ganz so berauschend war und ich hoffe, dass die zweite Hälfte besser wird und er hat gemeint, wir könnten ja mal was zusammen machen. Da sind bei mir schon wieder alle Alarmglocken am Läuten: einerseits freu ich mich tierisch und würde ihn unheimlich gern wieder mal sehen, andererseits habe ich Angst, dass dann sehr bald rauskommt, dass ich keine Freunde oder sonstigen sozialen Kontakte habe und das wird für ihn doch sicher n Grund sein, mich als n bisschen verrückt und seltsam abzustempeln. Aber wenn ich mit ihm auch nur irgendeine Art von (freundschaftlicher) Beziehung aufbauen will, ist es doch wichtig, ehrlich zu sein.
Genauso ist es bei anderen möglichen Kontakten..ich hab tierische Angst, überhaupt Kontakte zu knüpfen, weil man doch von einem Menschen immer auch einen sozialen Hintergrund mit verschiedenen Bindungen erwartet und ich stehe halt sehr alleine da. Und das könnte in meinen Augen doch schon einen Grund sein, um sich von mir fernzuhalten,oder?
Ich überlege mir schon seit geraumer Zeit, wie ich aus diesem Loch wieder rauskommen soll. Das wichtigste, was bei mir auf oberster Liste steht, ist erstmal Jobsuche und da kümmere ich mich im Moment intensiv drum und bin auch guter Dinge, dass sich da bald was ergibt.
Aber was ist mit sozialen Kontakten? Wie kommt es dazu?
Und was ist, wenn ich mich verliebe? Kann ich in meiner jetzigen Situation überhaupt eine Beziehung führen oder sollte ich alle möglicherweise aufkeimenden Gefühle unterdrücken bis ich mir ein soziales Umfeld aufgebaut habe?
Hmpf, mich macht das alles ziemlich traurig und ich fühl mich sehr isoliert.
Würd mich freuen, wenn mir jemand ein paar Denkanstöße geben könnte.
Liebe Grüße
Die Kriegerin
Thema: Allein
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Ergebnis 1 bis 5 von 18
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19-08-2008 03:19 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Allein
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19-08-2008 07:50 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Der richtige Bereich schon,
aber der richtige Ort?
Zweifellos gibt es hier eine ganze Menge user, die in einer vergleichbaren Lage sind wie Du, und deren freundschaftliche Kontakte, insbesondere zu Mitgliedern des erotischen Zielgeschlechtes, sich auf Masturbationsphantasien beschränken.
Es handelt sich wahlweise um Nerds, absolute beginners, Maschinenbauer und Physiker.
Mit denen könntest Du Dein Leid teilen, wobei ich die Theorie, dass man Leid durch Teilung halbieren kann, für Dummfuch halte.
Auch guter Rat wird hier immer einen hohen Preis haben, weil Angebot und Nachfrage so weit auseinander klaffen. Nicht wenige, die Dein Problem teilen sind eben gerade deswegen hier, weil sie selbst nach Rat und Hilfe suchen.
Du scheinst Dich allerdings in einer extrem verschärften Form des Teufelskreises zu drehen. Aus Angst vor Fragen über soziale Kontakte wagst Du es nicht, soziale Kontakte zu knüpfen. Aus dem Teufelskreis musst Du raus! Egal wie! Nimm zur Not psychologische Hilfe in Anspruch.
Nun, eine (anständig) bezahlte Arbeit erleichtert vieles. Erstens stellt sie selbst einen sozialen Kontakt dar, (wenn man nicht gerade als Fernfahrer arbeitet) und zweitens füllt sie das Leben aus, so dass man einfach weniger Zeit hat um Trübsal zu blasen, und schließlich lernt man geradezu zwangsläufig selbst bei größter Schüchternheit Leute kennen, mit denen man auch sofort ein gemeinsames Gesprächsthema findet. (Chef is´n Arschloch, Kunden sind alles Wixer, Pförtner is ´ne Rampensau)
Klar kann man auch im internet, sogar hier im UNICUM, soziale Kontakte knüpfen. Zwei meiner besten Kumpelz habe ich hier kennen gelernt, und auch wenn beide hier keine Beiträge mehr schreiben, so telefonieren wir doch regelmäßig miteinander, schreiben und treffen uns sogar gelegentlich.
Zu früheren Zeiten haben wir sogar regelmäßig sg. Kuscheltreffen organisiert, so dass ich in all den Jahren zusammengerechnet etwa 4 Dutzend Leute persönlich kennen gelernt habe. (es sollen sogar mehrere Partnerschaften auf diese Weise entstanden sein, und eine Heirat ist amtlich verbürgt)
Erst Brunnen, dann Kind und dann Deckel.
Zitat von Kriegerin
Gefühle unterdrücken führt nur zu weiteren Teufelskreisen, zu Depressionen und in der Folge zu weiteren Versagensängsten. Wenn Du für irgendjemanden Gefühle entwickelst, sags ihm und lebe sie aus.
Sind wir nicht alle ein Bisschen Bluna?mich als n bisschen verrückt und seltsam abzustempeln.
Pal-o-matic glaubt manchmal, er sei Kermit der Frosch, Pax und der Lausitzer glauben an den kommerziellen Erfolg der Kernfusion
La Tramontana glaubt an den Papst
Holgi träumt davon, dass Frauen Sex mit ihm haben wollen
und ich glaube, dass ich alles kann, wenn ich 16 Bit getrunken habe.
Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)
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19-08-2008 09:20 #3
Du vergisst ein Kind, das justamente seinen vierten Geburtstag gefeiert hat.

Wie meinen?Pal-o-matic glaubt manchmal, er sei Kermit der Frosch
@Thema: Was spricht dagegen, einem Verein oder dergleichen beizutreten? Gerade bei einem Sportverein würd ich mal vermuten, dass man nicht umhin kommt, sich mit den Mitsportlern auseinanderzusetzen. Auch kann Sport ein ganz prima Weg sein, Frust abzulassen.
Oder wie sieht's mit dem Besuch eines Tanzkurses aus? Denn das allerschönste, was Füße tun können, ist tanzen. (Abgesehen vielleicht mal von meinen.)Laughing out loud is one of the great pleasures of being alive.
(John Kovalic - Dork Tower)
Your Life, Your Call!
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19-08-2008 11:52 #4
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Denkanstoß:
Ist das Alleinsein wirklich soooo schlimm? Es liegt auch ein Chance darin! Endlich kann man mal konzentriert ein paar Stunden z.B. Kant lesen, ohne daß einer anruft, und einem dazu überreden will, dämliche Klatsch&Tratsch-Gespräche in einer müffeligen Mensa zu führen. Oder allein ins Kino: Keiner der einen dazu bringt, den Blockbuster zu sehen, von dem man angeblich gehört habe, "der soll gut sein" und der sich naturgemäß als reine Volksverdummung herausstellt, nein, man kann frei und ungezwungen Film und Uhrzeit auswählen... Mir würde auch noch mehr Vorteile des Alleinseins einfallen, zusammenfassend will ich sagen: Alleinsein kann sehr schön sein! 90%, finde ich, ist eine prima Quote!
Okay, falls man ein extrovertierter Menschenmassenmensch ist: Ja, Sportverein sage ich dann auch immer, aber die Sportmuffel haben immer gaaaanz tolle Ausflüchte, warum es gerade für sie keinen geeigneten Sport geben soll (man kann/darf sich übrigens auch im Sportverein aufhalten, ohne Sport zu treiben!).Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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19-08-2008 11:55 #5
Nunja, im Grunde liegt Dein primäres Problem doch woanders, denn wenn ich den Text richtig lese, mangelt es zunächst mal an einem adäquaten Arbeitsplatz. Aber aus dem Text geht ebenfalls hervor, dass sich diesbezüglich demnächst etwas tun könnte. Ich denke, das hat mit der Lösung des von Dir adressierten Problems insofern etwas zu tun, als dass Dein Erwerbszustand den Aufbau eines sozialen Netzes aus zwei Gründen hemmt.
Erstens lernt man nun mal furchbar viele Leute bei der Arbeit kennen: Das können wahlweise Kollegen sein oder Kunden. Oder Menschen, die bei anderen Firmen arbeiten, welche mit Deiner Firma kooperieren.
Zweitens ist naturgemäß dann nicht so wirklich viel Geld im Haus, so dass die zweite Kontaktschiene - die Freizeit - ebenfalls ausfällt.
In der Summe bedeutet "zwischen zwei Jobs" also vermutlich vor allem eins: Isolation.
Folglich tust Du ganz recht daran, die Beendigung dieses Zustandes ganz oben auf die Agenda zu setzen. Und wenn die people beim Bewerbungsgespräch fragen, was denn Deine Freunde über Dich sagen würden, dann würde ich mich an Deiner Stelle nicht am Wort "Freunde" aufhängen, sondern es intern mit "Suche und Ersetze" zugunsten des Begriffs "Verwandte" streichen: Hinsichtlich der Fragestellung ergibt das keinen Unterschied.
Und wenn eines dieser Gespräche dann zur Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages geführt hat, würde ich an Deiner Stelle mal ein halbes Jahr verstreichen lassen und danach in diesem Thread hier berichten, ob das Problem immer noch manifest ist.
Ich neige dazu, Gegenteiliges zu vermuten.Geändert von Düsentrieb_610 (19-08-2008 um 12:35 Uhr)
"Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
(Jean-Jacques Rousseau)
"Science flies you to the moon.
Religion flies you into buildings."
(Victor Stenger)
Am Ende wird alles gut.
Und falls nicht, ist es nicht das Ende.


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