Hallo,
kennt jemand diese Angst, daß man nie wieder die Chance bekommt, gute Freunde und einen Partner zu finden?
Ich bin seit über 10 Jahren in einer Beziehung von der ich mittlerweile nur noch denke, daß sie mein Leben kaputt gemacht hat. Nicht nach außen erkennbar, denn beruflich läuft alles sehr gut, meine Arbeit wird von allen Seiten sehr geschätzt und auch mit den (leider sehr wenigen!!) Kollegen komme ich gut aus. Privat sieht es dagegen ganz anders aus. Meine Freundin hat sich (notgedrungen) schon sehr früh zu ihren Eltern distanziert und hatte, als wir uns kennenlernten, starke Schwierigkeiten, überhaupt jemandem zu vertrauen. So nach und nach hat sie zu mir aber Vertrauen gefaßt - aber dummerweise nur zu mir. Das führte dazu, daß sie es mir praktisch unmöglich gemacht hat, während meines Studiums (sie hat das gleiche studiert, so daß wir auch keinen Abstand hatten) Freunde zu finden. Ich habe zwar einige Kontakte während des Studiums geknüpft, sie hat mich aber durch ständiges rumjammern und anmeckern davon abgehalten, diese Kontakte zu vertiefen. Von anderen weiblichen Kontakten brauchte ich ja gar nicht erst zu träumen, in solchen Fällen kamen dann halt eben Andeutungen, daß sie sich ja auch umbringen kann, weil das Leben allein ja keinen Sinn mehr macht.
Auf jedenfall führte das dazu, daß wir beide keinerlei Freunde haben und praktisch nur aufeinander gehockt haben. Daß ich die Beziehung nicht mehr will, habe ich ihr auch schon mehrfach gesagt, aber ich habe das Gefühl, daß sie alles versucht, um mir ein schlechtes Gewissen einzureden, da sie dann ja ganz alleine ist und niemanden kennt - etwas was mir natürlich genauso geht und wovor ich auch eine große Angst habe.
Ich stehe somit vor der Entscheidung, meinen einzigen freundschaftlichen Kontakt, den ich habe, endgültig zu beenden und ganz alleine zu sein, oder mich weiterhin mit der Beziehung zu quälen, nur um überhaupt jemanden zu haben, mit dem man über alle möglichen Dinge reden kann und mir damit praktisch alle Chancen zu nehmen, überhaupt mal Freunde zu finden (wobei ich im Moment noch nicht einmal weiß, wo ich suchen sollte). Wie schaffe ich es bloß, den Mut für so einen Schritt aufzubringen.
Keine Ahnung, ob jemand mir einen Rat geben kann, aber ich mußte es einfach mal irgendwie in Worte fassen...
Thema: Angst vor dem alleine sein
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Ergebnis 1 bis 5 von 11
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21-08-2008 21:03 #1
"Absolvent" (80-149 Beiträge)
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Angst vor dem alleine sein
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22-08-2008 07:52 #2
phal,
ich bin ein wenig sprachlos. ich kann mir ne menge vorstellen, aber ich habe mir noch nie einen mann vorgestellt, der sich 10 jahre lang erpressen lässt und dann immernoch nicht weiß, was für ihn gut wäre.
meine ersten assoziationen waren die von einem unselbständigen, unsicheren, fremdgesteuerten menschen. und wahrscheinlich funktioniert eure beziehung auch deswegen schon so lange: weil du noch unsicherer bist als deine partnerin.
waren da mal gefühle? wie sehen sie heute aus?
und ist es wirklich so, dass freundschaften nur wegen deiner freundin nicht zustande kamen? gibt es das wirklich, dass man sich selbst von freunden abbringen lässt, weil die partnerin sonst den universal-joker zieht? und hast du es erst nach 10 jahren gemerkt?
ich bezweifle, dass dir hier jemand einen rat zu deiner beziehungszukunft geben kann. aber ich kann dir raten:
a) zu schauen, was dein anteil an deiner isolation ist, denn du hast agiert. deine partnerin hat gefordert, aber du warst aktiv. dafür gibt es gründe, die auch bei dir liegen.
b) mit deiner partnerin zu einer paarberatung zu gehen. dort könnt ihr beide viel über euch lernen und vielleicht gemeinsam eine entscheidung fällen. vor allem wird dort so ein zeitzünder wie "ich kann mich auch umbringen" entschärft.
beryll.
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24-08-2008 00:21 #3
Solche Fälle wie deinen gibt es häufig: Mann ist lange Single, denkt schon er finde gar keine Freundin mehr, dann findet er endlich eine (und zwar eine sehr problematische Persönlichkeit), und sie verlangt dann von ihm dass er sämtliche anderen Kontakte abbricht. Das wäre mir selbst mit meiner ersten Freundin auch fast so gegangen. Nur dass ich nach 1 Jahr Schluss gemacht habe, woraufhin sie eine längere Therapie machte.
Du kannst ganz sicher sein: Du wirst Freunde finden und auch wieder eine Frau, wenn du dich nicht mehr von ihr terrorisieren lässt.
Mein Rat: Fang einfach an, dir aktiv Freunde zu suchen. Geh in einen Sportverein oder eine Hobbygruppe, wo du Leute triffst. Wenn sie Ärger macht, ignorier sie. Wenn dir der Ärger zu viel wird, mach mit ihr Schluss.
Du bist der Mann. Du bestimmst, was in deinem Leben läuft. Du brauchst dir von keiner Frau Vorschriften machen zu lassen, schon gar nicht mit Selbstmorddrohungen.
Wenn sie konkret mit Selbstmord droht, musst du einen Krankenwagen rufen, der sie in ein pyschiartisches Krankenhaus bringt. Eine Selbstmorddrohung reicht für eine Einweisung aus. Dort gibt es Fachleute, die mit solchen Fällen umgehen können.
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24-08-2008 21:52 #4
"Absolvent" (80-149 Beiträge)
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- 100
Ich glaube, das kam ein bißchen falsch rüber. Es ist nicht so, daß ich 10 Jahre unglücklich war. Es gab immer wieder Phasen in denen wir beide sehr glücklich und zufrieden waren, auch ohne andere Freunde. Wir hatten dann halt nur berufliche Kontakte, aber da wir beide sehr viel gearbeitet haben, ist es uns gar nicht so sehr aufgefallen, daß wir eigentlich alleine sind. Nur gibt es leider auch immer wieder sehr, sehr schwierige Phasen in denen man sehr stark am Sinn zweifelt und das letzte Jahr war so eines.
Ich kann und will hier nicht alle Einzelheiten erläutern, nur soviel, daß man in solchen schwierigen Zeiten immer wieder feststellt, wer zu einem hält und wer nicht. Und die meisten nehmen halt schnell reißaus, weil sie sich nicht mit den Problemen anderer belasten wollen, und behaupten es sei Schwäche, wenn man es nicht genauso macht. In meinen Augen ist es eher asozial und von asozialen Menschen hat unsere Gesellschaft schon genug.
Die Frage ist halt, ob man einen Menschen, den man immer noch sehr mag, alleine lassen würde, wenn sich schon die ganze restliche Welt von ihm abgewandt hat. In meinen Augen halt nicht, auch wenn es oft sehr weh tut und man selbst damit schwer zu kämpfen hat.
Irgendwie ging das zwar ein bißchen am eigentlichen Thema vorbei, aber berylls Antwort hat mich doch ein wenig aufgeregt. Sicher, ich bin in manchen Sachen sehr unsicher, aber für diese Unsicherheit gibt es Gründe, die oft einfach auch mit sozialer Verantwortung zu tun haben - etwas was offensichtlich für viele Menschen in diesem Lande ein Fremdbegriff ist.
Tja, das war auch der Vorschlag von gewissen anderen Subjekten (sorry, meine Verachtung für diese Leute ist mittlerweile ziemlich groß). Das ist halt der einfache Weg: Aus den Augen, aus dem Sinn. Sicher, ohne Arzt geht es nicht. Aber der Weg über eine Klinik ist in meinen Augen nur der allerletzte Weg. Ich habe schon mitbekommen, was dort abgeht und in einer Klinik werden solche Probleme nur selten gelöst, eher werden die betreffenden ruhiggestellt und verlieren ihrer Position in der Gesellschaft völlig. Gute Freunde, Familie und ein guter Arzt sind der andere Weg. Dieser Weg ist zwar sehr hart und steinig und kostet eine imense Kraft, aber das Ergebnis ist um vieles besser. Aber genau für diesen zweiten Weg sind die meisten Menschen anscheinend zu schwach...Wenn sie konkret mit Selbstmord droht, musst du einen Krankenwagen rufen, der sie in ein pyschiartisches Krankenhaus bringt. Eine Selbstmorddrohung reicht für eine Einweisung aus. Dort gibt es Fachleute, die mit solchen Fällen umgehen können.
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25-08-2008 00:33 #5
Du musst sie ja nicht gleich allein lassen. Du kannst dir ja einfach Freunde suchen und trotzdem mit ihr zusammen bleiben. Dann musst du halt aushalten, wenn sie wegen deiner neuen Freunde Ärger macht. Letztlich wird sie aber ja auch davon profitieren, wenn du ein runderes Leben führst.
Der Rat mit dem Krankenwagen bezog sich auf die Situation, dass sie dich mit Selbstmorddrohungen unter Druck setzen will, ohne das wirklich etwas dahinter steht. Sowas gibts bei Frauen ja nicht selten. Wenn sie dann aber einmal tatsächlich abgeholt wird, wird sie sich schon überlegen, ob sie in Zukunft weiterhin mit solchen geschmacklosen Drohungen andere erpressen will. Wenn sie hingegen tatsächlich suizidgefährdet ist, dann solltest du ohnehin so schnell wie möglich einen Arzt hinzuziehen. Das kannst du nicht alleine lösen.
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