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  1. #1
    derJochen ist offline "Student" (20-79 Beiträge)
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    11.12.2004
    Beiträge
    34

    Ich bin wohl ein konservativer Proll

    Ich hab mal ne Stunde hier gelesen und bin entsetzt: Hier werden Partner als "Add-on" bezeichnet und Beziehungen werden wie Computerprobleme behandelt: "Habe ich die Berechtigung das&das zu tun oder habe ich die Option auf etwas anderes?". Ich hoffe wirklich sehr, dass dieses Forum nur von den intelligentesten 5% der Bevölkerung besucht wird. Dann habe ich wenigstens bei den Prolls noch Hoffnung, dass diese Land eine Zukunft hat. Dort gibt es noch Frauen, die schwanger werden, bevor sie 30 sind. Echt Mädels: 30 ist viel zu spät. Ja, sicher: "Das ist heute kein Problem mehr. Schwangerschaften unter 40 sind heute ohne Risiko. Medizin macht´s möglich." Sicher, sicher, sicher. Aber die Medizin macht vieles möglich, was nicht gut ist. AIDS zum Beispiel: Natürlich kann man heute viel länger mit dieser Krankheit überleben. Aber sollte man deswegen ohne Verstand (= Kondom) in der Gegend rumvögeln? Eben.

    Auch hab ich jetzt öfter gelesen: "Wir sind jetzt 6 Jahre zusammen und jetzt denken wir über Heirat und Kinder nach." Nach 6 Jahren? Also: Es ist nicht leicht, wirklich lange (>10 Jahre) zusammen zu bleiben. Natürlich sollte man sich halbwegs sicher sein mit der Wahl seines Partners. Aber ihr könnt doch nicht euer ganzes Leben auf Probe leben. Man muss doch irgend wann mal anfangen, richtig zu leben. Mit Entscheidungen, die das ganz Leben verändern. Verantwortung nicht nur dafür zu übernehmen, dass man selber über die Runden kommt. Ihr müsst doch auch mal Verantwortung für mehr übernehmen als für max. ein Leben.
    Ich bin jetzt 30 und meine Verlobte ist 25. Wir wollen im Sommer heiraten und wenn man es bestimmen könnte, dann würden wir gerne im nächsten Jahr das erste Kind bekommen.

    Mich würde es interessieren, ob ich der einzige mit solchen Ansichten bin. Und wenn jemand eine andere Sicht auf die Dinge hat (wahrscheinlich sehr viele...), dann würde mich das auch interessieren. Bitte versucht mich zu überzeugen. Einfach nur sagen, dass es falsch ist, was ich schreibe ist Nichts.

    Schlusswort:

    Wartet euch nicht zu Tode sondern schafft Leben.
    Vollquote = Idiot !

  2. #2
    juppiduh ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
    Registriert seit
    26.10.2003
    Beiträge
    1.511
    Zitat Zitat von derJochen Beitrag anzeigen
    Ich hoffe wirklich sehr, dass dieses Forum nur von den intelligentesten 5% der Bevölkerung besucht wird. Dann habe ich wenigstens bei den Prolls noch Hoffnung, dass diese Land eine Zukunft hat. Dort gibt es noch Frauen, die schwanger werden, bevor sie 30 sind. Echt Mädels: 30 ist viel zu spät.

    Mich würde es interessieren, ob ich der einzige mit solchen Ansichten bin. Und wenn jemand eine andere Sicht auf die Dinge hat (wahrscheinlich sehr viele...), dann würde mich das auch interessieren. Bitte versucht mich zu überzeugen. Einfach nur sagen, dass es falsch ist, was ich schreibe ist Nichts.

    Schlusswort:

    Wartet euch nicht zu Tode sondern schafft Leben.
    Hast du studiert? Hast du dann vielleicht noch promoviert? Weisst du, wie lange sowas dauert und wie wenig Geld man in der Zeit kriegt? Weisst du, wieviel Zeit man dennoch mit der Arbeit verbringen muss, um das noch in halbwegs passabler Zeit zu einem guten Abschluss zu bringen? Und jetzt überleg dir mal, wie attraktiv es ist, in so einer Phase, wo man noch nicht mal genau weiß wie es danach weitergeht, Kinder in die Welt zu setzen; insbesondere, wenn der Partner in einer ähnlichen Situation steckt oder man möglicherweise auch noch nicht dem/derjenigen begegnet ist, mit dem man gerne die nächsten 50 Jahr verbringen möchte. Ich jedenfalls möchte nicht irgendwann mal vor einer zerbrochenen Ehe stehen und mich um das Sorgerecht für die Kinder streiten müssen.

    "Prolls" haben es insofern einfacher, dass ihre Ausbildung meist Anfang 20 abgeschlossen ist, sie ab dann einen festen Job mit festem Einkommen haben, die weitere Karriere meist recht gut planbar ist und sie normalerweise eher nicht davon ausgehen müssen, berufsbedingt nochmal umzuziehen oder für längere Zeit ins Ausland zu müssen. Klar, dann ist es einfach, früher Kinder in die Welt zu setzen.
    Natürlich, das Land braucht Kinder. Aber das Land braucht auch hoch qualifizierte Leute, beispielsweise in Wissenschaft und Forschung. Jetzt pauschal von allen zu fordern, sie sollten gefälligst früher mit dem Kinderkriegen anfangen, ist da ein wenig kurz gedacht.

  3. #3
    Avatar von Seemops
    Seemops ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    23.01.2006
    Beiträge
    1.194
    Zitat Zitat von derJochen Beitrag anzeigen
    Dort gibt es noch Frauen, die schwanger werden, bevor sie 30 sind. Echt Mädels: 30 ist viel zu spät. Ja, sicher: "Das ist heute kein Problem mehr. Schwangerschaften unter 40 sind heute ohne Risiko. Medizin macht´s möglich." Sicher, sicher, sicher. Aber die Medizin macht vieles möglich, was nicht gut ist. AIDS zum Beispiel: Natürlich kann man heute viel länger mit dieser Krankheit überleben. Aber sollte man deswegen ohne Verstand (= Kondom) in der Gegend rumvögeln? Eben.
    Du hast das wesentliche Problem nicht erkannt, warum manche Frauen bis 30 oder länger warten. Siehe juppiduhs Antwort. Die wenigsten würden so lange warten wollen, auch, weil es ein Risiko darstellt. Aber so lange in dieser Gesellschaft das Kinderkriegen so problematisch mit Beruf (also Einkommenssicherung, nicht nur Karriere) verbunden ist, wird das so bleiben.

    Zitat Zitat von derJochen Beitrag anzeigen
    Auch hab ich jetzt öfter gelesen: "Wir sind jetzt 6 Jahre zusammen und jetzt denken wir über Heirat und Kinder nach." Nach 6 Jahren? Also: Es ist nicht leicht, wirklich lange (>10 Jahre) zusammen zu bleiben. Natürlich sollte man sich halbwegs sicher sein mit der Wahl seines Partners. Aber ihr könnt doch nicht euer ganzes Leben auf Probe leben.
    Warum lebe ich mit meinem Partner, mit dem ich übrigens tatsächlich schon sechs Jahre lang zusammen bin, nur auf Probe? Ist das erst ne richtige Beziehung, wenn ich heirate? Dann kann ich dir deine Frage zumindest zum Teil beantworten: Ja, du bist konservativ. Ich brauche keine Trauschein, um glücklich zu sein.

    Zitat Zitat von derJochen Beitrag anzeigen
    Man muss doch irgend wann mal anfangen, richtig zu leben.
    Und das tue ich erst, wenn ich heirate? Nee, sorry, das ist nicht so ganz meine Weltsicht.

    Zitat Zitat von derJochen Beitrag anzeigen
    Mit Entscheidungen, die das ganz Leben verändern. Verantwortung nicht nur dafür zu übernehmen, dass man selber über die Runden kommt. Ihr müsst doch auch mal Verantwortung für mehr übernehmen als für max. ein Leben.
    Ich muss gar nichts. Und ich übernehme ständig Verantwortung für Leben, wenn ich mich im Alltag bewege, sei es in der Beziehung oder im Beruf oder im Straßenverkehr. Dazu muss ich kein Kind bekommen. Und ich persönlich lasse mir nur ungern sagen, dass ich irgendwas muss.

    Zitat Zitat von derJochen Beitrag anzeigen
    Ich bin jetzt 30 und meine Verlobte ist 25. Wir wollen im Sommer heiraten und wenn man es bestimmen könnte, dann würden wir gerne im nächsten Jahr das erste Kind bekommen.
    Das ist doch schön für dich. Macht es dich glücklicher, wenn alle andere auch so leben, wie du?

    Zitat Zitat von derJochen Beitrag anzeigen
    Mich würde es interessieren, ob ich der einzige mit solchen Ansichten bin. Und wenn jemand eine andere Sicht auf die Dinge hat (wahrscheinlich sehr viele...), dann würde mich das auch interessieren. Bitte versucht mich zu überzeugen. Einfach nur sagen, dass es falsch ist, was ich schreibe ist Nichts.
    Tja, es gibt in dieser Debatte aber kein richtig oder falsch. Du hast deine Idee vom glücklichen Leben und ich habe meine und juppiduh hat ihre. Ich möchte dich auch nicht davon überzeugen, dass du anders leben sollst. Tu, was du für richtig hälst. Aber lass das doch bitte den anderen auch.

    Zitat Zitat von juppiduh Beitrag anzeigen
    Hast du studiert? Hast du dann vielleicht noch promoviert? Weisst du, wie lange sowas dauert und wie wenig Geld man in der Zeit kriegt? Weisst du, wieviel Zeit man dennoch mit der Arbeit verbringen muss, um das noch in halbwegs passabler Zeit zu einem guten Abschluss zu bringen? Und jetzt überleg dir mal, wie attraktiv es ist, in so einer Phase, wo man noch nicht mal genau weiß wie es danach weitergeht, Kinder in die Welt zu setzen; insbesondere, wenn der Partner in einer ähnlichen Situation steckt oder man möglicherweise auch noch nicht dem/derjenigen begegnet ist, mit dem man gerne die nächsten 50 Jahr verbringen möchte. Ich jedenfalls möchte nicht irgendwann mal vor einer zerbrochenen Ehe stehen und mich um das Sorgerecht für die Kinder streiten müssen.

    "Prolls" haben es insofern einfacher, dass ihre Ausbildung meist Anfang 20 abgeschlossen ist, sie ab dann einen festen Job mit festem Einkommen haben, die weitere Karriere meist recht gut planbar ist und sie normalerweise eher nicht davon ausgehen müssen, berufsbedingt nochmal umzuziehen oder für längere Zeit ins Ausland zu müssen. Klar, dann ist es einfach, früher Kinder in die Welt zu setzen.
    Natürlich, das Land braucht Kinder. Aber das Land braucht auch hoch qualifizierte Leute, beispielsweise in Wissenschaft und Forschung. Jetzt pauschal von allen zu fordern, sie sollten gefälligst früher mit dem Kinderkriegen anfangen, ist da ein wenig kurz gedacht.
    Volle Zustimmung. Es wird nämlich immer wieder übersehen, wie es überhaupt zu diesem Zustand, soweit er einer ist, kommt. Mal davon ganz abgesehen, dass in dieser Debatte ums Kinderkriegen immer übersehen wird, dass es nun mal Menschen braucht, die sich für ihren Beruf aufopfern. Sonst wären wir nicht da, wo wir sind. Ok, es gibt Leute, die würden darauf verzichten, aber die können ja dann auch fordern, dass alle nur Kinder kriegen. Nur - wer auf die Bequemlichkeiten der modernen Welt und die Vorzüge von Kultur usw. nicht verzichten will, der sollte sich schon mal für die Ansicht öffnen, dass nicht jeder ein RundumdieUhrBetreuer ist. Und auch gar nicht sein will.
    "Wir hatten zwei Beutel Gras, 75 Kügelchen Meskalin, fünf Löschblattbögen extrastarkes Acid, nen Salzstreuer halbvoll mit Kokain und n ganzes Spektrum vielfarbiger Uppers, Downers, Heuler, Lacher, einen Liter Tequila, ne Flasche Rum, ne Kiste Bier, nen halben Liter Äther und zwei Dutzend Poppers. Nicht, dass wir das alles für unsere Tour brauchten, aber wenn man sich erst mal vorgenommen hat, ne ernsthafte Drogensammlung anzulegen, dann neigt man dazu, extrem zu werden..."

  4. #4
    Avatar von Platy84
    Platy84 ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    2.023
    @Jochen:

    Also ich kann gut verstehen, was du meinst. Ich stimme zwar meinen Vorrednerinnen zu, dass es viele Umstände gibt, die bestimmte Lebenplanungen nicht zulassen und auch, dass man nicht heiraten muss, um glücklich zu sein.

    Aber ich glaube, was du kritisierst, ist die typische "Generation Vorbehalt". Ich habe darüber mal einen wunderbaren Artikel gelesen, der das Problem sehr schön aufzeigt.
    Achtung, jetzt wird verallgemeinert, es gibt natürlich eine Menge Ausnahmen:
    Momentan haben wir in Deutschland eine Generation junger Leute, die sich nicht entscheiden können oder wollen. Sie wollen sich nicht auf einen Partner festlegen, weil sie Angst haben, sie könnten einen besseren verpassen, sie können sich nicht entscheiden, was sie beruflich machen wollen und beginnen immer wieder etwas neues, ohne glücklich zu werden. Sie reisen in der Welt herum auf der Suche nach einem Land, in dem sie leben und bleiben wollen.
    Das Problem ist, dass sie mit sich selbst noch nicht im Reinen sind, noch nicht wissen, was sie wollen. Und wenn man das nicht weiß, ist man ruhelos. Man versucht, sein Glück an anderen Dingen als sich selbst festzumachen, hofft, dass einem eine bestimmte Veränderung mehr Glück beschert, dass der richtige Partner einen von allen Sorgen befreit, dass der zehnte Umzug endlich die richtige Ruhe bringt.
    Aber die Zufriedenheit mit dem Leben muss aus einem selbst kommen. Dinge auszuprobieren ist wichtig, der Mensch braucht das, um Entscheidungen zu fällen. Aber man darf keine Angst vor eben diesen Entscheidungen haben.

    Mich kotzt es mittlerweile echt an, dass diese Verhaltensweise bei den meisten Leuten im Alltag angekommen ist. Wenn ich jemanden zum Geburtstag einlade, muss ich zehnmal nachhaken und eine Zusage bekomme ich gar nicht erst. Immer heißt es "Ich muss mal sehen, ob ich da Zeit habe." Das heißt im Grunde genommen nichts anderes als "Ich halte mir offen, ob ich komme, falls sich nicht noch etwas besseres bietet." Und diese Verhaltensweise ist unter aller Sau.
    Ich finde es wichtig, dass man auch mal zu etwas steht, eine Entscheidung trifft und diese auch einhält. Früher war das normal. Und manchmal sehne ich mich nach den Zeiten zurück, in denen wir noch kein Telefon hatten (ich bin aus dem Osten, nur zur Info). Da ist man hingegangen und der andere war da oder nicht. Und wenn man eine Verabredung getroffen hat, dann musste man die einhalten, denn es gab keine Möglichkeit, diese abzusagen.
    Manchmal wünsche ich mir, dass meine Bekannten diese Möglichkeit auch nicht haben. Dass sie pünktlich und entscheidungsfreudig sein MÜSSEN.
    Absolut geschockt bin ich von Leuten, die noch nichtmal vorher absagen, sondern einfach nicht auftauchen. Für mich ist das Respektlosigkeit. Leider verstehen das die wenigsten. Meine ganz alten Freunde aus Schulzeiten, die sind zuverlässig, halten Verabredungen ein. Aber die meisten anderen Bekannten tun das nicht und das macht mich traurig.
    Warum fehlen diese Werte? Warum bin ich eine der wenigen, denen diese Werte wichtig sind?

    Bitte Leute, entscheidet euch endlich dazu, euch zu entscheiden!

  5. #5
    Avatar von Düsentrieb_610
    Düsentrieb_610 ist offline Moderator
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    3.957
    Zitat Zitat von DJN
    Aber die Medizin macht vieles möglich, was nicht gut ist. AIDS zum Beispiel: Natürlich kann man heute viel länger mit dieser Krankheit überleben. Aber sollte man deswegen ohne Verstand (= Kondom) in der Gegend rumvögeln? Eben.
    Was folgt Deiner Ansicht nach daraus?
    Dass man die Forschung an entsprechenden Medis einstellen sollte, damit HIV seine abschreckende Wirkung nicht verliert?
    Erklär das mal dem Vergewaltigungsopfer, dessen Peiniger keinen Gummi benutzt hat. Auch die HIV-Opfer, die halt ne zugekaufte Drittwelt-Blutkonserve bekommen haben, welche falschnegativ getestet wurde, werden von solchen Ansichten gewiss sehr angetan sein.
    Deine Lesart könnte überhaupt zu enormen Einsparmaßnahmen im Gesundheitswesen führen: Wozu noch Forschung über Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreiben, wenn ein Teil der Betroffenen eh nur zu faul ist, sich gesund zu ernähren und Sport zu treiben? Auch die meisten Krebstherapien kann man sich künftig verkneifen, denn irgendein riskantes Verhalten (Rauchen, Ernährung, whatever) wird ein Teil der Patienten schon an den Tag gelegt haben. Geschieht ihnen nur recht, wenn sie jetzt die Quittung für ihr unvernünftiges Verhalten kassieren, gell?
    Auch die rekonstruktive Chirurgie wird ja teilweise von Menschen in Anspruch genommen, die sich partout nicht anschnallen wollten. Sollte man Deiner Ansicht nach auch hier die Luken dichtmachen, um die Öffentlichkeit zu gesundheitsbewusstem Benehmen anzuhalten?

    Zitat Zitat von DJN
    Ich bin jetzt 30 und meine Verlobte ist 25. Wir wollen im Sommer heiraten und wenn man es bestimmen könnte, dann würden wir gerne im nächsten Jahr das erste Kind bekommen. [...] Natürlich sollte man sich halbwegs sicher sein mit der Wahl seines Partners. Aber ihr könnt doch nicht euer ganzes Leben auf Probe leben. Man muss doch irgend wann mal anfangen, richtig zu leben. Mit Entscheidungen, die das ganz Leben verändern. Verantwortung nicht nur dafür zu übernehmen, dass man selber über die Runden kommt. Ihr müsst doch auch mal Verantwortung für mehr übernehmen als für max. ein Leben.
    Wer sagt Dir, dass wir nicht genau das tun?
    Lass uns das mal an einem konkreten Beispiel festmachen:
    DIe Erfindung, die ich im Rahmen meiner Dissertation gemacht habe, hilft, Komplikationen während Operationen am offenen Thorax zu verhindern - speziell solche, bei denen ne Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz kommt und noch spezieller solche am Neonatalen. Durch den Einsatz meiner Maschine wird man - so erklärte es mir der Kardiologe, mit dessen Arbeitsgruppe wir zusammenarbeiteten - weltweit schätzungsweise mehrere tausend Komplikationen pro Jahr rechtzeitig genug erkennen können, so dass der kleine Patient eben nicht ex geht.
    Wer weiß: Wenn Du und Deine Frau nächstes Jahr tatsächlich Nachwuchs haben und dieser (was wir ihm nicht wünschen wollen!) möglicherweise eine fehlerhafte Herzklappe hat oder dergleichen, dann wäre es doch beruhigend, wenn im OP eine Herz-Lungen-Maschine stünde, die gut auf Euren Sprössling aufpassen kann. Und wenn sie das kann, dann unter Anderem deshalb, weil der Düsentrieb irgendwann sagte:
    Zitat Zitat von mir (am Anfang des Jahrhunderts)
    Wie bitte - das ist tödlich?
    Na, das wollen wir doch mal sehen...
    Jeder, der Forschung betreibt, übernimmt Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, die ihn finanziert.
    Ich übernehme - zusammen mit denen, die die klinischen Studien betreut haben - die Verantwortung dafür, dass meine Maschine wirklich funktioniert.
    Dafür, dass sie den Patienten wirklich so gut überwachen kann, dass ihr auch kleinste Änderungen im Blutstatus sofort auffallen.
    Dafür, dass die Menge der Um-ein-Haar-Eltern, die mit gesenktem Haupt und mit geröteten Augen, aber ohne Kinderwagen das Krankenhaus verlassen, nicht größer ist, als es beim gegenwärtigen Stand unserer Unwissenheit unvermeidbar ist.
    Vielleicht muss ja nicht jeder eine Familie haben.
    Vielleicht reicht es ja auch, wenn manche sich stattdessen darum kümmern, dass jene Familien, die bereits existieren, nicht vor der Zeit zerrissen werden.


    P.S. Ja, dieser Beitrag ist selbstherrlich: Ich wollte, dass er zu Jochens Eingangsstatement passt.
    Geändert von Düsentrieb_610 (06-02-2009 um 17:12 Uhr)
    "Es ist mehr wert, jederzeit die Achtung der Menschen zu haben, als gelegentlich ihre Bewunderung."
    (Jean-Jacques Rousseau)

    "Science flies you to the moon.
    Religion flies you into buildings."

    (Victor Stenger)

    Am Ende wird alles gut.
    Und falls nicht, ist es nicht das Ende.

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