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  1. #1
    Hetero-Mann Gast

    Bisexualität und platonische Freundschaften

    Hallo Ihr,

    ich hab grad ein etwas kniffliges Problem, vielleicht kann mir hier ja jemand "vom Fach" weiterhelfen.

    Ich hab mich im Verlauf des vergangenen Monats in eine bisexuelle Kommilitonin verliebt, die bereits in einer langjährigen festen Partnerschaft mit einer Freundin ist, wobei ich von beidem zunächst nichts wusste.
    Wir verstehen uns sehr gut, haben auch schon manches zusammen unternommen, und dabei hat es dann bei mir eben gefunkt. Sie allerdings fand mich einfach sympathisch, dachte sich wohl nichts weiter dabei, und erkannte meine weitergehenden Gefühle nicht sofort.

    Nachdem sie nun mit "einer Freundin" (=ihrer Freundin) im Urlaub war, und danach einige Wochen zu Hause, habe ich nun vor ein paar Tagen in einem Chat mit ihr alles herausgefunden (über ihr doch recht eindeutiges Online-Profil). Wir haben die Sache dann stundenlang durchdiskutiert, und wollen nun versuchen, das ganze nach Möglichkeit rein freundschaftlich weiterlaufen zu lassen, da sie "einfach sehr gerne mit mir zusammen ist", und ich sie auch zu sehr mag, um sie jetzt einfach fallenzulassen.

    Neben den offensichtlichen Problemen, aus der Verliebtheit in eine platonische Freundschaft überzuwechseln (ich habe sie gebeten, mir jetzt erstmal etwas Zeit und Abstand zu gönnen, bis sie wieder aus den Ferien zurück ist), beschäftigen mich noch einige Dinge, die mit ihrer Ausrichtung zu tun haben:

    -Wie sieht jemand der bisexuell ist, und in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt, ganz konkret das andere Geschlecht? Ist es eher asexuell, so wie man als Hetero das gleiche Geschlecht sehen würde, oder geht es doch eher in Richtung platonische Freundschaft zwischen (hetero-) Mann und Frau, wo man doch eher aufpassen muss, ob sich nicht noch tiefere Gefühle entwickeln?

    -Was bedeutet es, wenn man in dieser Situation gesagt bekommt, dass man sympathisch und interessant ist, dass der andere gerne mit einem zusammen ist? Muss man hier eventuell irgendwelche tieferen Gefühle vermuten, die vielleicht damit zu tun haben, dass das andere Geschlecht für jemanden der Bisexuell ist wieder irgendwie "anders" interessant ist? Wie kann man das einschätzen?

    -Wie wahrscheinlich/häufig ist es, dass bisexuelle Menschen quasi "umkippen"? Müsste ich mir Sorgen machen, dass eine eventuelle platonische Freundschaft (wenn sie überhaupt funktioniert, s.o.) plötzlich von ihrer Seite aus "vertieft" wird?

    Die Fragen beschäftigen mich, weil ich mir im Moment sehr unsicher darüber bin, welchen Charakter eine Freundschaft hier überhaupt haben würde. Wie gesagt, ich hab momentan keine Ahnung, ob es überhaupt funktionieren kann, weil sich meine Gefühle für sie nur sehr langsam ändern werden, wenn überhaupt, aber ich wüsste trotzdem gerne, ob sich daraus noch weitere spezielle Probleme ergeben könnten.

    Vielen Dank schon im voraus für alle Tipps!

  2. #2
    Avatar von Silentio
    Silentio ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
    Registriert seit
    10.12.2003
    Beiträge
    107
    Bi-Sexualität bedeutet in meinen Augen: ich unterscheide nicht zwischen den Geschlechtern. Ich unterscheide aber sehr wohl zwischen Menschen.

    Alles genauso wie unter Heteros. Nur eben mit beiden Geschlechtern. Es gibt Liebe, Freundschaft und viel dazwischen. Was genau das ist, kommt auf den Menschen an.

    Soweit ich das einschätze(n kann), will sie einfach nur ne gute Freundschaft mit dir. Mag dich halt als guten Kumpel. Mehr will sie nicht. Den Rest kennst du ja (?).

    Ne Freundschaft kann sich durchaus irgendwann mal zu mehr entwickeln. Muss sie aber nicht.

    Und wie du schon sagst, sie ist in ner festen Beziehung!

    Kann sein, dass sie, wenn sie bisexuell ist, vielleicht sogar gerne Mann und Frau hätte. Muss aber nicht. Gibt nämlich die gleichen oder zumindest ähnliche Probleme wegen Gefühlen als wenn du als hetero ne Dreierbeziehung oder zwei Beziehungen nebenander haben willst. Ist nicht jedermann/fraus Sache.

    Bist du sicher, dass sie bisexuell ist und nicht lesbisch? Weil deine Frage von wegen, ob sie das andere Geschlecht dann 'asexuell' betrachtet...?!? Das wäre so, wenn sie lesbisch wäre, also *nur* auf Frauen stehen würde. Deine Frage klingt also eher so, als wüsstest du nicht, ob sie nun bi oder lesbisch ist, also ob sie überhaupt was mit Männern anfangen kann.

    Ob das umkippen kann... hm... ich denke immer, man kann nur konstatieren, was man schon erfahren hat oder wie man sich momentan fühlt, was man momentan will. Man ist auf ein Geschlecht beschränkt, solange man niemanden trifft, wo sich dann halt doch was ergibt. Ausschließen kann man das nie. Man kann höchstens ne gewisse Wahrscheinlichkeit...wie auch immer.
    Bi heißt jedenfalls, man kann sich in Mann wie auch Frau verlieben. (Wobei es da noch die feine Unterscheidung zwischen 'bi' und 'bi-sexuell' gibt... es gibt auch Menschen, die sich nur rein sexuell für das eigene Geschlecht interessieren, sich aber ne Beziehung dann doch nur mit dem anderen vorstellen können... Liegt hier aber offensichtlich nicht vor.)
    Und lesbisch wäre, wenn sie sich nur mit dem eigenen Geschlecht was vorstellen kann.
    -----------------------------------------
    Erwarte nicht zuviel, aber gib auch die Hoffnung niemals auf.

  3. #3
    Hetero-Mann Gast

    Glühbirne

    Zitat Zitat von Silentio
    Bi-Sexualität bedeutet in meinen Augen: ich unterscheide nicht zwischen den Geschlechtern. Ich unterscheide aber sehr wohl zwischen Menschen.
    Das sagt sie mir auch immer. Ist aber gar nicht nicht so einfach, das als Hetero nachzuvollziehen.

    Zitat Zitat von Silentio
    Bist du sicher, dass sie bisexuell ist und nicht lesbisch? Weil deine Frage von wegen, ob sie das andere Geschlecht dann 'asexuell' betrachtet...?!? Das wäre so, wenn sie lesbisch wäre, also *nur* auf Frauen stehen würde. Deine Frage klingt also eher so, als wüsstest du nicht, ob sie nun bi oder lesbisch ist, also ob sie überhaupt was mit Männern anfangen kann.
    Sie sagt von sich selbst, dass sie bisexuell ist. Ich hab sie gestern am Telefon (so viel zum Thema "Abstand gewinnen"...) mal genau darauf angesprochen, und sie sieht irgendwie nicht so Recht, wo da für mich eigentlich das Problem liegt. Sie hatte vor ihrer jetztigen Partnerin einen Freund, mit dem sie schlussgemacht hat, als sie ihre Freundin kennenlernte. Sie meinte gestern, dass sich seitdem nichts daran geändert hätte, wie sie Mann und Frau sieht ("Verliebe mich in den Menschen"). Und wenn ich das jetzt richtig verstehe, bedeutet es wohl, dass sie bisexuell ist.

    Ich hatte mir Bisexualität halt einfach anders vorgestellt, als etwas phasenweises, wo man in einer lesbischen oder hetero-Phase nicht wirklich am anderen bzw. gleichen Geschlecht interessiert ist. Aber offenbar ist es eben doch ganz anders.

    Zitat Zitat von Silentio
    Soweit ich das einschätze(n kann), will sie einfach nur ne gute Freundschaft mit dir. Mag dich halt als guten Kumpel. Mehr will sie nicht. Den Rest kennst du ja (?).
    Ich wollte nur wissen, was für sie "guter Kumpel" bedeutet. Sowas wie bei mir "guter Kumpel", wenn ich mit anderen Männern zusammen bin, oder sowas wie eine platonische Freundschaft zwischen mir und einer Frau. Offenbar ist es eher sowas wie letzteres.

    Jedenfalls vielen Dank für die Antworten, hast mir sehr geholfen!

  4. #4
    Avatar von Silentio
    Silentio ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
    Registriert seit
    10.12.2003
    Beiträge
    107

    Grins

    Ne, also das hattest du dir falsch vorgestellt mit dem 'phasenweise'.
    [Übrigens interessant, mal diesen Gedankengang zu erfahren.
    Mir kam bis jetzt nur unter, dass Männer meinten, dass ich bi sei, bedeute, ich würde überhaupt keine Unterschiede machen und quasi grad so alles nehmen, was sich anbietet... son Quatsch.... *kopfschüttel*]

    Viele Heteros können wohl auch (un(ter)bewusst?) die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern nicht abstellen und gehen davon aus, dass eine Bi-Person auch gleichzeitig einen Mann *und* eine Frau als Partner haben müsste.
    Das kann vorkommen. Das muss aber nicht.
    Es fehlt einem nicht unbedingt was, wenn man nur eine/n Partner/in hat.

    Ist man bi, ist man immer an beiden Geschlechtern interessiert, nicht mal phasenweise so, mal so. (Wobei es sicher auch wieder solche Menschen gibt... aber wie man die nun nennen sollte etc. blabla geht hier zu weit.)
    Das heißt aber auch nicht, dass man dann immer gleich zwei Partner hat. Klar gibt es monogam und polygam orientierte Menschen. Das kommt aber nicht auf die sexuelle Ausrichtung an.

    Wenn du bi bist und monogam, ist es egal, ob du mit Mann oder Frau zusammen bist - du bist treu. Das hat nichts mit phasenweise zu tun. Natürlich interessiert man sich trotzdem auch für andere Menschen, wenn man mit jemandem zusammen ist, egal ob nun männlich oder weiblich. Aber weil man eben mit jemandem zusammen ist, fängt man nicht einfach was mit nem anderen Menschen an, sondern bleibt treu. Genauso wie bei Heteros.

    Du musst dir alles genauso vorstellen wie unter Heteros.
    Nur, dass gleichgeschlechtliche Menschen eben nicht schon von vornherein aufgrund ihres Geschlechts durch das Partnerschaftsraster rasseln, sondern genauso in Frage kommen. Man betrachtet den Menschen, alleine die vorherige Auswahl //Mann/Frau = als Partner in Frage kommend oder nicht// fällt eben weg.

    Ich würde sagen, sowas wie 'guter Kumpel wie unter gleichgeschlechtlichen Heteros' kann es rein vom Prinzip her bei Bi-Leuten nicht geben. Es sind ja beide Geschlechter an sich interessant. Es kommt halt auf die Person an, ob man sich was vorstellen kann oder nicht.

    Und um mal eines klarzustellen: was viele heute unter 'platonischer Liebe' verstehen, ist nicht das, was Platon damit meinte...
    Platon meinte damit Liebe sowohl in körperlicher wie auch seelisch/geistiger Hinsicht (Seelenverwandtschaft), vollkommene Harmonie in jeglicher Hinsicht.
    Viele denken dabei heute nur noch an die sogenannte Seelenverwandtschaft in rein geistiger Hinsicht, ohne das körperliche.
    Das ist aber eben nicht, was Platon meinte... Von dem her find ich's immer ein wenig seltsam, wenn jemand den Begriff verwendet... frag mich dann immer, ob nun die falsch verstandene moderne oder die ursprüngliche platonische Auslegung gemeint ist... *g*
    Geändert von Silentio (16-08-2004 um 05:25 Uhr)
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