dritte Szene, der Weg zum Lokal
(zwei Passanten gehen in schnellerem Tempo an Darbeen vorbei)
Passant 1: Er soll den Befehl zum Angriff geben habe ich gehört.
Passant 2: Mag sein, oder mag es nicht sein. Er wird schon handeln, wie es nur richtig sein kann. Er ist schließlich unser Monarch.
Passant 1:Sicherlich. Dann hätten wir auch eventuell mehr Land zur Verfügung!
(Die Passanten entfernen sich)
Darbeen (zu sich selbst): Monarchie. Das Volk scheint damit zufrieden zu sein. Da muss es aber noch viel lernen.
Passant 3 (der Bibliothekar): Guten Tag, der Herr. Ist es korrekt, dass ich ein neues Gesicht erblickte?
Darbeen: Ich bin soeben angekommen und machte mich gleich auf den Weg zu dem naheliegenden Lokal.
Bibliothekar: Das trifft sich hervorragend! Genau dorthin wandere ich auch. Sind sie geschäftlich oder privat in der Stadt?
(Die Szene bleibt stehen, es folgt ein innerer Monolog)
Darbeen: Scheint wohl ziemlich gastfreundlich zu sein, diese Stadt. Bleibt nur noch die Frage, ob es relativ einfach wird, eine ganze Nation aufzuklären. Zwar habe ich diese gesamte Epoche studiert, mich mit Aufklärung und resultierenden Revolutionen befasst, doch solch eine Zeit mit dem eigenen Leib zu erfahren ist nahezu grandios. Ich weiß, dass dieser Mann, der mich ansprach schon Jahrhunderte tot sein müsste. Ich weiß auch, dass ich eigentlich erst in Jahrhunderten geboren werde und doch können wir miteinander kommunizieren. Es ist nahezu paradox. Gerade der Sachverhalt, dass ich nun sterben kann, bevor ich überhaupt geboren bin, aber dennoch schon über vierzig Jahre alt bin!
Er fragt, ob ich geschäftlich zu Ort bin. Soll er nun mein Auserwählter sein? Soll er die erste Person sein, die ich zum einen über meine Herkunft und Mission und zum anderen über dieses Land und sein Schicksal aufkläre? Woher will ich wissen, wann ich einen Fehler begehe? Einen, der mir gar das Leben kostet, oder meine Mission anderweitig scheitern lässt?
Ich werde mich mit ihm einfach unterhalten. Sobald sich etwas ergibt, so dass ich gerade ihn einführen kann, dann soll es eben so sein.
(Die Handlung fährt fort)
Darbeen: Sagen wir, ich habe hier eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Sie leben hier?
Bibliothekar: Schon seit meiner Geburt! Meine Familie besitzt hier schon seit Generationen eine Waffenschmiede. Mein Bruder hat nun die Führung übernommen. Ich selbst interessiere mich eher für die Literatur und habe mich der Führung einer Bibliothek gewidmet.
Bibliothekar: Das bedeutet, sie kennen sehr viele Einwohner aus dieser Stadt, da sie eine städtische Einrichtung verwalten?
Bibliothekar: So kann man es sagen! Kennen sie die junge Dame, die uns entgegenkommt?
Darbeen: Noch hatte ich nicht das Vergnügen..... Nun hat sie mich auch gesehen. Welch bezaubernde Augen! Sie erwidert meine Blicke!
(Cassara, der Bibliothekar und Darbeen stehen sich gegenüber)
Bibliothekar: Guten Tag, Cassara! Darf ich ihnen diesen Herrn vorstellen? Er ist vorübergehend in unserer Stadt.
Darbeen: Sehr erfreut, werte Dame, mein Name ist Darbeen.
Cassara: Ganz meinerseits! Morgen abend findet das jährliche Weinfest statt und ich suche noch nach einer Begleitung. Kämen sie in Frage?
Darbeen: Sehr gerne, ich fühle mich geehrt mit ihnen dort hingehen zu dürfen.
Bibliothekar: Wir waren gerade auf dem Weg in unser Lokal. Wir wollen sie auch nicht weiter aufhalten.
Cassara: Ich wünsche ihnen beiden noch einen schönen Tag, bis morgen!
Darbeen: Bis morgen, Cassara!
Bibliothekar: Habe ich soeben bemerkt, dass sich zwei Menschen gefunden haben?
Darbeen: Mag schon sein. Nur wie gesagt, sobald ich hier fertig bin, muss ich die Stadt wieder verlassen.
Bibliothekar: Wenn es denn so kommen sollte, können sie Cassara doch sicherlich mitnehmen, sofern es ihr Vater gestattet.
Darbeen: Diese Reise wäre definitiv unzumutbar. Es wäre viel zu weit für solch ein junges, unerfahrenes Herz.
Bibliothekar: Wenn sie es sagen....
Darbeen: Kennen sie ihren Vater?
Bibliothekar: Aber natürlich! Wären sie nicht fremd, würde ich vermuten, sie scherzen!
Darbeen: Weshalb?
Bibliothekar: Ihr Vater ist amtierender Staatsführer und somit der größte Konkurrent unseres aktuellen Herrschers.
Darbeen: Demnach war sie auch so gut gekleidet.
Also wird ihr Vater morgen auch anwesend sein?
Bibliothekar: Sicherlich. Er wird stellvertretend die Ansprache halten. Also, meines Erachtens dürften sie dann wohl morgen mit Cassara ungestört bleiben. Denn sobald eine Stunde nach offiziellem Beginn des Festes unser Herrscher eintrifft, sind alle diplomatisch gleichgestellten, die nicht zu seiner Führung, also seiner Familie gehören, gezwungen, den Ort zu verlassen.
Darbeen: Gleich solch scharfe Regeln?
Bibliothekar: Das hat auch seine Gründe. Seine Gegner, also die Familie Cassaras, kamen im Norden des Landes an die Macht. Da dieses damals eigenständige Land erobert wurde, als die Familie noch im Urlaub war, behielt sie ihre mächtige Position, da es eben keine direkte Niederlage war. Somit zog sie in diese Stadt, unserer Hauptstadt und versucht nun schon seit zwei Jahren, hier eine Machtposition einzunehmen.
Darbeen: Und aus taktischen Gründen, darf der Vater Cassaras nun solch Aufgaben wie Ansprachen halten.
Bibliothekar: Genau! Somit sieht er Akzeptanz und behält die Hoffnung auf eine friedliche Eroberung der höchsten Position.
Darbeen: Um ihm aber nicht zu viel des Guten herüber zu bringen, oder um ihn vom Volk fernzuhalten,
Bibliothekar: führte unser Herrscher solche Sanktionen gegen ihn ein.
Darbeen: Er bringt die Familie auch nicht um, da er somit sein Ansehen gegenüber des Volkes verlieren würde.
Bibliothekar: Stimmt genau! So denken zumindest die meisten Menschen, die überhaupt darüber sprechen.
Darbeen: Sie scheinen einer derjenigen zu sein, die viel und korrekt denken!
Bibliothekar: Danke!
Kommen wir aber nun zu ihnen: Sie verschweigen regelrecht die konkreten Gründe, was sie hierher führt.
Darbeen: Genau dafür habe ich auch meine Gründe. Nicht gleich jeder würde es verstehen, wenn ich meine Herkunft und meine Aufgabe einfach so auf den Tisch legen würde.
Bibliothekar: Okay, dann erzählen sie mir später davon, wenn wir ungestört sind. Nun haben sie mich neugierig gemacht.
Darbeen: Ich werde es mir überlegen. Wechseln wir das Thema!
Bibliothekar: Meinetwegen.
Haben sie eigentlich eine Familie?
Darbeen: Nur noch die zwei Kinder. Sie sind mir aber um so wichtiger geworden.
Bibliothekar: Unehelich?
Darbeen: Nein. Das heiß ja, das erste. Aber bei uns nimmt man das nicht so ernst wie hier anscheinend.
Bibliothekar: Also war das nicht der Grund.
Darbeen: Nein.
Bibliothekar: Wie ist sie dann umgekommen?
Darbeen: Sie war bei der Arbeit. Ein unzufriedener Kunde kam direkt auf sie zu. Er verlangte besseres Essen und das sofort. Nur war sofort natürlich keines zur Hand - auch wenn es ein Schnellrestaurant war. Er fluchte einige Sätze mit ausländischer Sprache. Dann zog er eine Kalaschnikov unter seinen Mantel hervor und schoss um sich. Meine Frau starb mit dreizehn Kugeln im Körper. Mit ihr achtzehn weitere Menschen. Ich befand mich direkt vor dem Eingang. Ich wollte sie in meiner Mittagspause besuchen. Ihr Mörder erwischte mich noch im Bein, bevor ich ihm einen Kopfschuss gab. Es ist fast wie gestern. Das war der grausamste Tag meines Lebens.
Bibliothekar: Öffnen sie die Augen! Sie sind hier! Durchleben sie es doch nicht ein weiteres Mal! Tun sie sich das doch nicht an! Quälen sie sich nicht so!
Darbeen (öffnet die Augen): Ist schon in Ordnung. Mir geht es gut. Wer den Schmerz nicht kennt, kennt weder menschliche Rührung noch die Süße des Mitleids. Sein Herz wird durch nichts bewegt; er wäre ungesellig und ein Ungeheuer unter seinesgleichen.3
Bibliothekar: Sehr schön gesprochen.
Darbeen: Es tut mir leid, ich vergaß.
Bibliothekar: Sie vergaßen, dass sie zu mir sprachen und haben Worte kundgetan, die ich nie zuvor gehört habe. Aber ich kann gut zuhören. Ich für meinen Teil habe auch schon Schmerz erfahren und habe auch mit ihnen Mitleid. Erzählen sie ruhig von Anfang an. Angefangen damit, woher sie kommen. Das würde mich sehr interessieren. Natürlich bleibt alles unter uns, von mir aus gesehen zumindest.
Darbeen: Sie sind ein guter Mensch! Ich will ihnen alles mitteilen. Lassen sie uns an einen günstigen Ort begeben.
Bibliothekar: Meine Bibliothek ist gleich eine Seitenstraße weiter.
vierte Szene, Bibliothek
Bibliothekar: Hier sind wir nun. Dies ist mein bescheidener Arbeitsplatz. Immerhin besser als ein armer Bauer.
Darbeen: Aber auch ein Bauer ist ein Mensch. Und auch ein armer Bauer kann ein guter Mensch sein. Armut und sowohl Intelligenz als auch Menschlichkeit müssen stark getrennt werden.
In der natürlichen Ordnung sind alle Menschen gleich; ihre gemeinsame Berufung ist: Mensch zu sein.4
Bibliothekar: Nun kann ich ihnen nicht widersprechen, das kann ich nur einsehen.
Darbeen: Sehen sie? Was habe ich nun mit ihnen getan? Sie scheinen doch nun ihr Denken geändert zu haben, zumindest in bezug auf unsere Bauern. Habe ich Recht?
Bibliothekar: Das haben sie hier abermals!
Darbeen: Genau das ist auch meine Aufgabe!
Bibliothekar: Sie meinen nicht, dass wir nun Bauern anders behandeln, sondern dass wir grundlegend anders denken sollen.
Darbeen: Exakt das meine ich! Und zwar das gesamte Volk!
Bibliothekar: Wie wollen sie das anstellen? Doch wohl nicht alleine, oder? Wurden sie vorausschickt? Oder erst einmal, wer hat ein solches Anliegen?
Darbeen: Ihre eigenen Leute werden dieses haben! Nur wurde ich im Namen einer Weltmacht geschickt. Wollen sie meine Kinder jetzt einmal sehen?
Bibliothekar: Ich weiß zwar nicht, wie sie darauf kommen, oder wo sie ein Gemälde haben, aber zeigen sie sie ruhig.
(Darbeen zieht ein Foto aus seiner Tasche)
Bibliothekar: Das ist nicht von einem Maler! Kein Maler kann so präzise auf so kleinen Raum gleich zwei Menschen porträtieren! Was ist das? Wer macht so etwas?
Darbeen: Nehmen sie einen hohlen Metallwürfel. Bohren sie auf jeder Seite ein Loch hinein, so dass sie durchsehen können. Ein innerer Mechanismus, wie eine Sonnenuhr oder ein Abwassersystem, sorgt in dem Fall dafür, dass das, was sie sehen, auf dieses kleine Papier gedruckt wird.
Bibliothekar: Woher stammen sie?
Darbeen: Einige Jahrhunderte nach dieser Zeit hier.
Bibliothekar: Was muss dort geschehen sein, dass man dafür sorgt, dass sie hierher zurückkommen? Diese Technik die ihnen das ermöglicht hat, möchte ich gar nicht erklärt bekommen. Nur, womit kehren sie wieder Heim?
Darbeen: In meiner Jackentasche befindet sich ein gesicherter Schalter. Dieser aktiviert die entfernte Apparatur die für meine Heimkehr sorgen wird.
Bibliothekar: Das klingt schon so unglaublich, dass man es wiederum nur glauben kann! Doch was geschah?
Darbeen: Eine Grausamkeit! Es wurde ein Krieg entfacht! Genau hier in diesem Land! Es war die Folge eines zur Macht kommenden Schreckensherrschers. Er gehört zu der Familie Cassaras, wie ich leider vermute. Ein Nachfahre ihres Vaters.
Es war der dritte Krieg gegen die baldige Weltmacht. Doch dieser Sieg sollte nicht so einfach zu bekommen sein, wie die beiden vorausgegangenen. Der Tyrann diesen Landes setzte die gefährlichsten und schädlichsten Waffen ein: Sprengstoff gemischt mit Viren, Atom und Chemikalien. Von diesem Land und seinem Volk, also ihren Nachfahren, wird rein gar nichts mehr übrig bleiben. Millionen Menschen werden sterben und das Land wird verdorren. Selbst natürliche Ressourcen werden nicht mehr nutzbar sein. Er setzte diese Waffen im eigenen Land ein, um den Feind hinaus zutreiben. Nun wurde ich hierher geschickt, das Volk zu warnen, es aufzuklären über die Machthaber und zu verhindern, dass diese Familie an die Spitze des Landes gelangt.
Bibliothekar: Wie sei dies zu verhindern? Diese Menschen haben die absolute Macht. Nur tot können sie keinen Schaden anrichten.
Darbeen: Genau dafür wird das Volk sorgen müssen.
Bibliothekar: Sie ermorden?
Darbeen: Uns wird nichts anderes übrig bleiben. Dies wird das Volk bald auch realisieren und dann dementsprechend handeln. Der Tod der Herrscher sei die Konsequenz des neuen Denkens.
Bibliothekar: Das sehe ich ein. Im Prinzip fange ich auch schon an, meine Denkweise zu ändern. Nur wird dies nicht mit dem gesamten Volk so einfach und auf Anhieb funktionieren.
Darbeen: Dessen bin ich mir bewusst. Deshalb brauche ich auch ihre Hilfe. Sie haben hier eine Bibliothek und versorgen somit die gebildeten Menschen mit Lektüre und Lehrmaterial.
Bibliothekar: Sie meinen also, wir sollen über diese Menschen den Anschluss an das gesamte Volk finden, indem wir unseren Bestand auf das Ziel abgleichen? Wir müssen demnach diesen Menschen Lektüre anbieten, die sie anregt, in anderer Weise zu denken?
Darbeen: So meine ich das!
Bibliothekar:: Wie aber sollen die Menschen denken, dass sie auf die Idee kommen, die Herrscher zu ermorden? Ich sehe keine Gründe, außer die von ihnen genannten, die wir dem Volk so nicht präsentieren können.
Darbeen: Gleichberechtigung. Gleichberechtigung zwischen arm und reich, zwischen Mann und Frau. Mitspracherecht in diplomatischen Entscheidungen innerhalb und außerhalb des Landes! Tolerierten sie immer jede Entscheidung, die ihr Herrscher traf?
Bibliothekar: Nein, natürlich nicht.
Darbeen: Wäre es dann nicht an der Zeit, etwas zu ändern? Das Volk hat definitiv zu wenig Macht. Der Herrscher soll doch der Repräsentant des Volkes sein. Wer aber entscheidet im Namen des Volkes, welchen Herrscher das Land bekommen soll? Gerade das sei doch die Aufgabe des Volkes!
Bibliothekar: Sie wollen das gesamte Land ändern! Unser ganzes System umwerfen!
Darbeen: Natürlich. Sehen sie eine andere Möglichkeit?
Bibliothekar: Nein. Die Idee an sich wirkt intelligent. Nur haben wir derzeitig fast keine Mittel, dies umzusetzen. Des weiteren kenne ich keinen Schriftsteller, der sich über so etwas Gedanken machte und dies auch noch niederschrieb.
Darbeen: Diese Schriftsteller werden in kurzer Zeit noch geboren, oder sind zu jung auf diese Ideen zu kommen. Doch habe ich Bücher bei mir, die genau das widerspiegeln, worüber wir uns Gedanken machen. Es wird nicht so direkt geschrieben, wie wir darüber reden, doch wird es deutlich genug.
Wir haben auch den Vorteil, dass wir uns bereits im klaren über die Auswirkungen solcher Lektüre sind, da sie in kommender Zeit in anderen Ländern in der selben Form eingesetzt wird.
Bibliothekar: Meinetwegen stellen wir diese Lektüre direkt am Eingang als Neuzuwachs aus und warten die Reaktionen ab.
Darbeen: Somit haben wir schon einen Teil des Volkes dieser Stadt abgedeckt.
Bibliothekar: Aber was ist mit allen anderen Städten und Provinzen?
Darbeen: Sobald die Herrschaft in dieser Hauptstadt ihrer Provinz gestürzt wurde, spricht sich dies in allen anderen Städten und Provinzen herum, so dass wir von den selben Reaktionen ausgehen können.
Bibliothekar: Beschränken wir uns also auf diese Hauptstadt. Die letzte Volkszählung ergab etwa 30.000 Menschen, einbezogen jung und alt.
Darbeen: Viele Völker werden dies schaffen. Darum werden auch wir das schaffen. Auch wird es in vielen Ländern in den Mord der Herrschaft enden. Dies sei zwar als Katastrophe zu deuten, doch gerade dies müssen wir uns zu Nutzen machen. Ist es nicht besser eine oder zwei Familien ermorden zu lassen, als gleich über 200 Millionen Menschen verteilt über ein ganzes Jahrhundert? Ich bin mir selbst im klaren darüber, dass die Vorfahren der baldigen Tyrannenfamilie nicht für die Taten verantwortlich gemacht werden können, die noch nicht einmal geschehen sind, und auch nie geschehen werden, wenn man sie zur Verantwortung zieht, da es ja die Vorfahren sind. Aber in den Augen des Volkes wird es schon ausreichen, dass sie sich eventuell auflehnen, gegen die neuen Regeln und Gesetze, die das Volk verlangen wird. Selbst wenn keine Auflehnung stattfindet, werden höchstwahrscheinlich Gründe für die Hinrichtung gefunden. Sei es nur die Vorenthaltung solcher neuen Rechte!
Bibliothekar: Da könnten sie Recht haben. Möge Gott mit uns sein!
Darbeen: Heißt es nicht, du sollst nicht töten?
Bibliothekar: Das heißt es schon. Doch lässt es sich verhindern?
Darbeen: Unter den Verlust von über 200 Millionen lässt sich dies in der Tat verhindern.
Bibliothekar: Doch mordet das Volk, nicht wir!
Darbeen: Wir aber stiften es an.
Bibliothekar: Gäbe es nicht solche Schreckensherrscher, wäre ein Morden nicht notwendig.
Darbeen: Sollen wir dafür büßen, dass wir Menschen hinrichten, nur den Schreckensherrschern wegen?
Bibliothekar: Was wäre besser? Dass diese für den Mord an Millionen büßen, oder wir schlimmstenfalls an den Mord für eine oder zwei Familien?
Darbeen: Kämen dann nicht diese Tyrannen milder vorweg? Dann müssen wir für sie leiden!
Bibliothekar: Die Tyrannen werde es nicht geben, und wir leiden, weil wir uns dafür entschieden haben, im Gegenzug Millionen zu retten.
Darbeen: Sie lernen schnell. Also gut, schreiten wir voran!
Bibliothekar: Wie viele Exemplare ihrer Bücher tragen sie bei sich?
Darbeen: Acht sind es an der Zahl. Ich weiß, dass es nicht gerade viel ist, aber jede geringste Hilfe bringt uns dem Ziel ein Stückchen näher.
Bibliothekar: Wir können auch kurzfristig eine Vorlesung planen. Somit hätten wir dann schon mehrere Menschen mit diesem Thema in Kontakt gebracht.
Darbeen: Eine hervorragende Idee! Werden sie vorlesen?
Bibliothekar: Ich habe Zeit. Wir haben heute Montag. Ich werde sie für Mittwoch ansetzen.
Darbeen: Von wie vielen Menschen gehen sie aus?
Bibliothekar: Im Schnitt sind es pro Vorlesung 100 Menschen. Sobald die Resonanz steigt, da sich gute Vorlesungen schnell herumsprechen, können wir auch gerne weitere veranstalten!
Darbeen: Das hört sich doch nach einem guten Start an!
Es ist schon spät. Ich lasse ihnen die Bücher hier und begebe mich nun zu meiner Schlafstätte.
Bibliothekar: Wo werden sie nächtigen?
Darbeen: Bei einem Geistlichen.
Bibliothekar: In Gottes Schoß also! Ich wünsche ihnen eine angenehme Nacht!
Darbeen: Danke, ihnen auch. Bis morgen, zu dem Fest!
Bibliothekar: Bis morgen!
(Darbeen verlässt die Bibliothek)
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Ergebnis 1 bis 5 von 24
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22-08-2004 16:40 #1
"Student" (20-79 Beiträge)
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Das euch versprochene Drama - komplett!
Da es sich hierbei um ein ganzes Buch handelt, können dennoch hier und da ein Paar Fehler auftreten, da diese einem bei solch einer Menge schnell aus den Augen geraten können. Ihr könnt aber auch gerne verbesern, wenn euch einer begegnen sollte...
________________________________________
Dennis Nowack
Ein Drama, ursprünglich entstanden für den Fachunterricht Deutsch der Sekundarstufe 2
geschrieben vom Sonntag den 21.12.2003 bis Sonntag den 04.03.2004
Getrennte Welten
Der Versuch einer wiederholten Aufklärung
Was wäre die Menschheit ohne das Eintreten des Zeitalters der Aufklärung?
Sie wäre vielleicht naturwissenschaftlich in den relevanten Bereichen genauso weit wie wir, doch wäre sie weder frei, noch selbständig und hätte weder Unwissenheit, noch Unvernunft behoben.
Wie solch eine Gesellschaft aussehen würde, möchte sich jeder selbst ausmalen, sofern es ihm gelingen mag!
Inhalt
Vorwort........................................... ................................7
Erste Szene, Gericht........................................... ............8
zweite Szene, Bauernacker....................................... ...14
dritte Szene, der Weg zum Lokal................................16
vierte Szene, Bibliothek........................................ .......24
fünfte Szene, Haus des Priesters.................................32
sechste Szene, später Morgen, der Weg.....................38
zur Bibliothek
siebte Szene, Bibliothek, Hinterzimmer.....................44
achte Szene, Ankunft auf dem Festplatz....................50
neunte Szene, Abend, Haus des Priesters..................70
zehnte Szene, nächster Morgen, ................................78
Besuch bei den Ordnungshütern
elfte Szene, Bibliothek........................................ .........80
zwölfte Szene, abends, vor der Bibliothek.................86
dreizehnte Szene, vor dem Palast...............................90
vierzehnte Szene, Palast............................................ ...94
fünfzehnte Szene, Arbeitszimmer...............................98
sechzehnte Szene, Palast, Garten..............................102
siebzehnte Szene, Bibliothek.....................................106
achtzehnte Szene, nächster Morgen,
Sadors Arbeitsraum....................................... ............112
neunzehnte Szene, Mittag, Bibliothek......................118
zwanzigste Szene, Palast, Rahgons
Arbeitsraum....................................... ........................122
einundzwanzigste Szene, Frühabend,
Bibliothek........................................ .........................126
zweiundzwanzigste Szene, Abend,
Haus Sadors............................................ .................134
dreiundzwanzigste Szene, Palast,
Spätabend......................................... ........................140
vierundzwanzigste Szene, nächster Morgen,
Bibliothek........................................ .........................144
fünfundzwanzigste Szene, Haus des Priesters,
Vormittag......................................... ........................150
sechsundzwanzigste Szene, Bibliothek,
Mittag............................................ ...........................158
siebenundzwanzigste Szene, Bibliothek,
einige Stunden später............................................ ..162
achtundzwanzigste Szene, Marktplatz...................166
Neunundzwanzigste Szene, Gericht.......................180
Nachwort.......................................... ........................186
Quellenverzeichnis................................ ..................1
Vorwort
Dieses Buch entstand aus den Ansätzen einer Facharbeit des Bereichs Deutsch. Meinerseits geplant war eine kreative Arbeit im Rahmen von etwa zehn gedruckten Din-A4 Seiten. Nachdem allerdings die Idee geboren war, ich könnte ein eigenes Drama mit den klassischen Elementen Aristoteles‘ schreiben, war der Anfang für ein eigenes Buch getan!
Um dennoch moderne Elemente in einem klassischen Drama zu verewigen, überlegte ich mir, die Rahmenhandlung und Teile des Themas sollten auf Personen, Länder und Verhältnisse heutiger Zeit zurückgeführt werden können, so dass ein dennoch realistischer Rahmen für ein fiktives Drama existiert.
Da das Thema bereits feststand und wir als Schüler kaum Zeit hatten, hatte man uns nur grob über den Aufbau und den Inhalt einer guten Facharbeit informiert, was der zuständigen Lehrerin aber selbstverständlich nicht übel zu nehmen sei, da sie, neben der auch für sie knappen Zeit, etwa zwanzig Facharbeiten zu betreuen und zu korrigieren hatte, wobei das Betreuen bei solch einer hohen Anzahl verständlicherweise auf der Strecke blieb. Somit waren wir über die Winterferien mit unserer Aufgabe auf uns allein gestellt, wobei ich es versuchte und zum Glück auch schaffte, ein komplettes Buch in nur fünfzehn Tagen zu schreiben. Hierbei bin ich auch meiner Familie für ihr großes Verständnis zum Dank verpflichtet.
Redner (vor der Bühne, zum Publikum): Alles ist gut, wie es aus den Händen des Schöpfers kommt; alles entartet unter den Händen des Menschen. Der Mensch zwingt ein Land, die Erzeugnisse eines anderen hervorzubringen, einen Baum, die Früchte eines anderen zu tragen.1
Somit kam es auch zu diesem Drama. Ein Drama über
Aufklärung, Revolution, Macht und Fall, Liebe,
Enttäuschung und Trauer.
Gehen wir nun direkt in die erste Szene.
Erste Szene, Gericht
(der Vorhang öffnet sich, ein Gerichtssaal macht sich
erkennbar)
Richter: Gehe ich richtig in der Annahme, dass sie hier versuchen, uns zum Narren zu halten? Glauben sie, wir sind Kinder? Sollen wir etwa bei Märchen an ihre Existenz glauben? Sie sind keine autoritäre Person, sie sind kein Herrscher! Sie können nicht einfach herkommen, das gesamte Land auf den Kopf stellen und sich dann mit Geschichten nichts zu Schulden kommen lassen! Dies hier ist ein ehrenvoller Gerichtshof, erdacht vom Staat, erbaut durch unser Geld und dienend der Gerechtigkeit. Doch ihrer Forderung nachzukommen, wäre für unseren Staat niemals gerecht. Ich kenne ihr Herkunftsland nicht, doch nach ihren Reden, die sie hier schwingen zu urteilen, muss es sich um ein armes, zurückgebliebenes Land handeln. Ein Land ohne Reichtum, ein Land ohne System. Ich kann sie nicht ungeschoren davon kommen lassen. Nein, ich möchte es nicht! Was sie angerichtet haben, nennt man bei uns Volkshetzerei! Sie sind ein Verräter gegenüber unserem System, gegenüber unserem Staat! Vor ihnen sah ich kein
Chaos, keine Unordnung und nicht der kleinste Anteil des
Volkes richtete sich wie ein Pöbel gegen den Machthaber,
gegen unseren Staat! Wollen sie nun weiterhin versuchen,
mit geminderter Strafe vorwegzukommen, denken sie sich
gefälligst glaubwürdigere Geschichten aus! Legen sie los, ich bin gespannt, was sie noch zu bieten haben!
Darbeen: Ich habe meinen Äußerungen nichts hinzuzufügen. Doch! Etwas von dem, was ich hier lernte, möchte ich noch hinzufügen! Alle hier Anwesenden! Alle, ausgenommen ein Großteil des in diesem Saal anwesenden Volkes, sollen sich nun angesprochen fühlen! Niemand von euch hat auch nur das Geringste verstanden, geschweige denn davon gelernt! Denkt doch nur einmal nach! Benutzt doch endlich euren Verstand², statt euren Nachfahren das Leben zur Hölle zu machen! Seht meine Kleidung! Hier, dieses Bild, ein Foto meiner Kinder! Sie haben schon ihre Mutter verloren! Sollen sie nun auch noch ihren Vater verlieren? Leugnet nicht die Zeit, aus welcher ich zu euch kam! Leugnet nicht eure Nachfahren! Richtet nicht über mich! Stellt ihr euch in den Mittelpunkt! Ich wurde geschickt, das Schicksal eurer Nachfahren zu besiegeln, es zum Besseren zu kehren! Und dafür sollte ich euch zur Hilfe nehmen! Aber erst das Denken der Mehrheit muss sich ändern, um Ergebnisse zu erzielen! Nutzt eure Chance! Wir haben die Chance, ein Land zu retten, ihr habt die Chance eure Verwandten zu retten und sogar aus eurer Generation eine Bessere zu machen! Nutzt dies, solange ihr noch könnt!
Ich sah es mit eigenen Augen! Ein großer Krieg wird ausbrechen! Ein Krieg zwischen diesem Land und der zukünftigen westlichen Weltmacht. Der dritte Krieg seiner Art. Doch grausamer als jeder andere den die Menschheit jemals gesehen hat oder bis dahin sehen wird! Ich selbst habe all die Kriegsschiffe, die gesamte Flotte in diesen Golf
einfahren sehen. Ich selbst habe den ersten Schlag mitbekommen. Ich selbst habe Kinder weinen, Menschen
schreien und zahlreiche Explosionen gehört. Nach diesem
Krieg war das Land kein Land mehr, kein Baum lebensfähig, keine natürliche Ressource nutzbar oder gar abbaubar. Das gesamte Land war vergiftet und verpestet. Niemand der sich dort noch aufhielt hätte ohne totalen Schutz überleben können. Land und Öl sind unbrauchbar geworden. Hauptsächlich zerstört durch die eigenen Waffen, die man gegen den Feind einsetzte, der schon lange im Land eingedrungen war. Sie wollten mit diesem Krieg den letzten überlebten Sohn dieser Tyrannenfamilie stürzen und töten, wie sie seinen Vater schon im zweiten Krieg gestürzt haben. Sie hätten es vorher merken müssen, dass er zu dieser Familie gehörte, doch er kam mit verdeckter Identität an die Macht. Als seine Herkunft dann aber aufgedeckt wurde, bereitete die westliche Weltmacht den Präventivschlag vor. Sie begannen den Krieg der das gesamte Land und seine Ölressourcen unbrauchbar machte. Nun aber, als der Krieg vorbei war, als die 265 Millionen Menschen schon tot waren, die nicht hätten sterben müssen, kam man in dem Siegerland auf die Idee, alles wieder rückgängig zu machen. Sie schickten mich hierher, diese zeit so zu beeinflussen, dass ihr solche Tyrannen erst nicht an die Macht kommen lasst, und somit die Kriege nicht geführt werden müssen. Ich sollte das Land und das Öl retten und sowohl euren Nachfahren, als auch meinem Herkunftsland somit zwei Kriege ersparen. Doch was tut ihr? Ihr haltet mich für einen Schwerverbrecher und stellt mich vor Gericht, dass ich schon die Todesstrafe zu befürchten habe! Waren es nicht schon genug Tote? Soll ich auch noch als Folge dieses Krieges sterben? Waren 265 Millionen Menschen nicht schon genug?
Richter: Sie tun gar, als wären sie unser Prophet! Aber nur zu, wir können bei ihnen auch wie bei Hexen vorgehen! Erst gönnen wir ihnen noch eine letzte Rede, dann werden die Hexen verbrannt! Aber wir können sie auch erhängen!
(Richter zum Publikum im Gerichtssaal)
Lassen wir den Volkshetzer doch erzählen! Es soll sein letzter Wunsch sein! Das steht fest! Und dass er sterben wird, sagte ich ihm bereits auf dem Marktplatz
(Vorhang schließt sich)
Redner: Beginnen wir nun mit dem Erzählen eines grandiosen Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen. Alles Folgende soll nicht zeigen, was geschehen wird oder vielleicht geschehen könnte, sondern vielmehr eine Anregung sein, an dieses Drama anzuknüpfen und seine eigenen Gedanken über das Thema zu machen. Auch heute ist dies noch aktuell. Sie werden es vielleicht sehen, wenn sie die einen oder anderen Aspekte auf unser heutiges Leben und unsere heutige Welt übertragen. Darbeen wird sein bisheriges Leben nach seiner direkten Ankunft in dem Land schildern. Er startet mit den ersten Gedanken in einer für ihn neuen und doch studierten Welt.
zweite Szene, Bauernacker
Darbeen: Hier bin ich nun. Entfernt durch Raum und Zeit und nur auf mich allein gestellt. Vom Philosofieprofessor und Nobelpreisträger dank des Staates der mich aussandte zum Aufklärer und Revolutionär. Nur wo soll ich anfangen? Ich kann doch nicht einfach in das nächst beste Haus eingehen und das kundtun, wofür man mich schickte! Aber um etwas Wasser könnte ich schon bitten. So komme ich erst einmal in Kontakt mit meiner Zielgruppe, der gesamten Bevölkerung!
(Darbeen klopft an die Tür des Fachwerkhauses)
Priester: Guten Tag, der Herr. Wie kann ich ihnen dienlich sein?
Darbeen: Ich komme von weit außerhalb und habe nun eine lange Reise hinter mir. Es wäre überaus gütig, wenn ich etwas trinkbares bekommen könnte.
Priester: Ein Reisender! Sie sind herzlich willkommen sowohl in unserer Gegend, als auch in meinem Haus! Treten sie ein und fühlen sie sich wie zu Hause! Trinken sie Wein?
Darbeen: Gerne, danke.
Priester: Setzen wir uns doch. Was machen sie beruflich, oder verschlägt es sie privat hierher?
Darbeen: Ich komme aus einem fremden Land. Dort kennen mich auch sehr viele Menschen des guten Rufes wegen. Ich studierte die Philosofie und lehre diese an den Universitäten. Nun bin ich aber nicht beruflich unterwegs. Und welchen Beruf haben sie gelernt?
Priester: Ich war, bevor ich hierher zog, ein katholischer Priester. Dann aber entschied ich mich, meinen Beruf zu wechseln und in die islamische Religion zu gehen. Dies soll nicht heißen, ich halte von dieser mehr! Somit zog ich auch her.
Darbeen: Was hat sie veranlasst, die Lehre eines anderen Gottes zu verkünden?
Priester: Die Lehre der Menschen! Aber lassen sie uns doch
morgen gegen Mittag an meinem Amtsplatz darüber diskutieren! Dann möchte ich ihnen auch alles ausführlich erläutern. Werden sie erscheinen?
Darbeen: Mit größtem Vergnügen und größter Spannung!
Priester: Wohin gedenken sie nun zu gehen?
Darbeen: Gibt es in der Nähe ein Lokal mit Nächtigungsmöglichkeit?
Priester: Ein Lokal ist gleich drei Straßen weiter, aber sie können auch in meinem Gästezimmer die Nacht verbringen! Sehen sie dies als Willkommensgeschenk meinerseits im Namen unserer Stadt!
Darbeen. Vielen Dank, so verbringe ich die Nacht bei ihnen. Dann können wir auch schon heute abend diskutieren. Aber nun werde ich das Lokal aufsuchen. Also, bis heute abend!
Priester: Bis heute abend!Geändert von dennis-nowack (22-08-2004 um 16:55 Uhr)
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22-08-2004 16:45 #2
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22-08-2004 16:45 #3
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fünfte Szene, Haus des Priesters
Priester: Guten Abend! Hat man sie gut empfangen in dem Lokal?
Darbeen: Ich bin davon abgekommen, das Lokal zu besuchen. Mein Weg kreuzte sich mit unserem Bibliothekar. Wir haben den Nachmittag in der Bibliothek verbracht.
Priester: Ein zuvorkommender Herr! Ich kenne ihn persönlich. Er besucht regelmäßig den Gottesdienst. Hat er ihnen von mir erzählt?
Darbeen: Kein Wort. Sollte er etwa?
Priester: Ich fragte nur aus Interesse.
Darbeen: Sie wollten mir noch eine Antwort geben.
Priester: Ach so, weshalb ich die Religion wechselte. Setzen wir uns doch.
Darbeen: Gerne.
Priester: Einige Menschen meinen, ich stehe nicht zu meinen Glauben. Sie sind der Meinung, ich bin abtrünnig geworden. Wie sehen sie das?
Darbeen: Ich bilde mir erst meine Meinung, nachdem sie mir ihre Begründung gegeben habe.
Priester: Das klingt vernünftig. Ich drücke mich in einer kleinen Geschichte aus.
Es waren vier Herren. Jeder dieser Herren hatte eine andere Hautfarbe. Sie lebten zusammen, aber getrennt von dem Rest der Welt. Eines Tages kam die Frage auf, welche Hautfarbe der erste Mensch hatte. Es wurde diskutiert und debattiert. So vergingen Tage und sogar Wochen. Zwischenzeitlich gab es auch heftige Auseinandersetzungen unter den vier Herren, die sonst eigentlich friedlich zusammen lebte, bevor diese Frage auftauchte. Niemand konnte eigentlich verstehen, wieso deswegen soviel Ärger herrscht, doch ebenso fühlte sich jeder hier und da von dem Anderen angegriffen. Nach einem Monat kam dann die rettende Idee. Einer von ihnen sprach aus, dass es doch auch möglich wäre, dass gerade dieser erste Mensch alle Hautfarben in sich vereinte. Somit wäre es dann auch möglich, dass die Nachfahren immer einen Teil der Farbe vererbten und sich dadurch die anderen Hautfarben aus dieser bilden konnten. Da sie nun eine Antwort auf ihre Frage gefunden hatten, die alle einbezieht und bei welcher sich niemand unterdrückt oder angegriffen fühlen muss, war wieder ein friedliches Zusammenleben möglich.
Sie verstehen, was ich ihnen damit sagen möchte?
Darbeen: Natürlich. Nur wer hat sie gelehrt, so zu denken?
Priester: Ich selber habe mir Gedanken gemacht und mich geschult, auf eine andere Art und Weise zu denken, als es das Volk tut.
Darbeen: Das ist sehr fortschrittlich. Es gibt nicht viele in dieser Zeit, die so denken. Noch nimmt dem Volk die Herrschaft das Denken ab. Aber ich kann versichern, es wird eine andere und bessere Zeit folgen.
Priester: Davon kann man ausgehen. Sie scheinen auch nicht zu dem großen Volk zu gehören.
Darbeen: Ich lernte schon sehr früh, die Dinge auf andere Weise zu sehen.
Nur weshalb wechselten sie nun die Religion? Nach ihrer Geschichte zu urteilen, dürfte es doch keinen Unterschied machen, welcher Religion man angehört.
Priester: Aber nur vom Grundprinzip nicht. Außerdem wird jeder zu Gott finden, egal aus welcher Religion er stammt. Nur die Ansichten und Interpretationen hier auf der Erde hinsichtlich Gott und dem Himmel unterscheiden sich maßgeblich. Hätte ich die Wahl vor der Mahlzeit, würde ich ebenfalls von mehreren Speisen kosten, ehe ich mich entscheide. Doch nach der Mahlzeit werde ich, unabhängig von meiner Entscheidung, satt werden. Der Anlass ist der selbe, wie auch die Wirkung. Ich aber koste von mehreren Möglichkeiten, um während der Mahlzeit diejenige zu genießen, die mir am besten schmeckt.
Darbeen: Doch wer bescheiden ist, gibt sich mit derjenigen Variante zufrieden, die sich bereits auf seinen Platz befindet.
Priester: Nicht, wenn der Platz noch frei und unberührt ist.
Darbeen: Das ist ebenfalls eine Sache der Erziehung. Besser wäre es, dem Menschen ein Beispiel zu geben, eine Möglichkeit in die Hand zu geben, die sich nach der Entscheidung der Eltern als die wohl möglich beste etabliert. Somit wäre garantiert, dass das Kind keine Fehlentscheidung trifft.
Priester. Nur sind wir keine Kinder mehr!
Darbeen: Kinder sind Menschen, die noch keine oder kaum Erfahrung haben und ohne Hilfe nicht entscheiden können, was das beste für sie ist. Dafür genießen sie Erziehung und bekommen einiges vorgesetzt. Hat man ihnen nichts vorgesetzt, oder sie nicht davon überzeugen können, wurden sie schlecht oder gar nicht erzogen, womit sie sich in diesem Bereich nicht von einem Kind unterscheiden.
Priester: Doch der Mensch ändert im Schnitt alle sieben Jahre seinen Geschmack. Warum dann nicht auch seine Auffassungen?
Darbeen: Grundlegende Auffassungen und Meinungen gehören zu der Persönlichkeit eines Menschen. Wie kann ein Mensch Familienfeste verpönen, wenn er diese doch Jahrzehnte gepriesen hat? Er wird mit Sicherheit nicht seine Auffassung über Familienfeste ändern. Verstehen sie dies auch?
Priester: Ich kann ihnen soweit folgen. Kommen wir nun zu ihnen. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass ein intelligenter und anscheinend wohlhabender Mann wie sie in dieser Gegend den Urlaub verbringt.
Darbeen: Wir führten ein gutes Gespräch, sie haben etwas gelernt. Möchten sie nicht mehr lernen?
Priester: Sind sie in ihrer Freizeit demnach als Lehrer unterwegs?
Darbeen: Ich bin hier, den Menschen eines Besseren zu lehren. Ich denke, das dürfte sowohl unter uns bleiben, als auch erst einmal das Einzige sein, was sie erfahren.
Priester: Das reicht mir vorerst vollkommen. Natürlich wird es niemand durch meinen Mund erfahren. Da können sie sich sicher sein.
Darbeen: Ich gehe nun zu Bett, morgen steht ein langer Tag bevor.
Priester: Ich werde mich ihnen in wenigen Minuten anschließen. Ich verbleibe hier noch etwas, um über unser Gespräch nachzudenken.
Redner: Der Mensch fängt nicht leicht zu denken an; hat er aber begonnen, so hört er nicht mehr auf. Wer einmal gedacht hat, wird immer denken. Ist der verstand einmal im nachdenken geübt, so kann er nicht mehr untätig bleiben.5
Kommen wir nun zu dem nächsten Tag.
sechste Szene, später Morgen, der Weg zur Bibliothek
Darbeen: Guten Tag Cassara! Heute mit Begleitung?
Cassara: Guten Tag Darbeen! Das ist mein Vater. Sie haben sicherlich schon von ihm gehört.
Sador: Guten Tag, angenehm.
Darbeen: Guten Tag. Ich hörte sie werden heute abend die Ansprache halten?
Sador: Dies wird meine Aufgabe sein.
Darbeen: Danach sollen sie das Gelände verlassen, wurde mir gesagt.
Sador: Unser Herrscher wünscht dies so.
Darbeen: Damit sind sie einverstanden?
Sador: Nein, ganz und gar nicht. Gerade ich benötige die Volksnähe, um die Gunst auf meine Seite zu bringen. Doch ich habe Ehrgeiz und Durchhaltevermögen. Ich werde noch an die Macht kommen.
Darbeen: Das glaube ich ihnen aufs Wort. Doch weshalb lassen sie sich das gefallen?
Sador: Ich habe keine andere Wahl. Soll man mich gefangen nehmen, so dass ich überhaupt keine Möglichkeit habe, unseren Herrscher den Platz abzunehmen? Er weiß dies auch. Er wartet nur auf einen kleinen Fehler meinerseits, um mich gefangen zu nehmen. Denn dann bin ich ihm keine Bedrohung mehr.
Darbeen: Ich muss nun weiter meines Weges. Wir können gerne nach ihrer Ansprache etwas abseits fortfahren.
Sador: Aber gerne, ich werde auf sie warten. Wie Cassara mir sagte, wird sie heute an ihrer Seite sein.
Darbeen: Wir werden zusammen feiern.
Cassara: Ich freue mich schon darauf, sie näher kennenzulernen.
Darbeen: Also, bis dann!
Sador: Auf Wiedersehen!
Cassara: Bis nachher!
(die Wege trennen sich, wieder gehen zwei Passanten an Darbeen vorbei)
Passant1: Was soll ich tun?
Passant2: Bitte den Vater um ihre Hand.
Passant1: Der Arzt sagt, das nächste Jahr wird sie nicht überleben.
Passant2: Ich weiß. Dann schenke ihr wenigstens noch ein schönes Jahr. Somit kann sie dies noch in vollen Zügen genießen und wird von ihrem Schicksal abgelenkt.
Passant1: Da magst du Recht haben. Ich liebe sie. Ich werde ihren Vater ansprechen.
Darbeen (zu den Passanten): Nicht wer am ältesten wird, hat am längsten gelebt, sondern wer am stärksten erlebt hat. Mancher wird mit hundert Jahren begraben, der bei seiner Geburt gestorben war. Es wäre ein Gewinn gewesen, wenn er als Kind gestorben wäre, wenn er wenigsten bis dahin gelebt hätte.6
Passant1: Ich verstehe, was sie meinen. Ich werde ihr ein Jahr lang das beste Leben schenken, was je ein Mensch haben kann! Sie soll sich wohl fühlen. Sie soll nicht ständig daran denken, wann sie nun sterben muss.
Darbeen: Erst einmal soll sie leben!
Passant2: Somit steht schon fest, was du heute machen wirst.
Passant1: Und heute abend wird dies ausgiebig gefeiert! Den wirklich wichtigen Anlass haben wir nun, und ein Fest wird es auch geben!
Darbeen: Ich wünsche den Herren noch einen schönen Tag. Und grüßen sie die Dame von mir, wenn sie ihr davon erzählen!
Passant1: Das werde ich tun! Haben sie vielen Dank! Auf Wiedersehen!
Cassara: Stop! Darbeen! Warten sie auf mich!
Darbeen: Cassara! Nun alleine?
Cassara: Ich begleitete meinen Vater noch nach Hause. Wohin führt ihr Weg?
Darbeen: Meine liebe Cassara, ein du wäre auch vollkommen in Ordnung.
Cassara: Ich danke dir!
Darbeen: Ich bin auf den Weg in die Bibliothek. Du hast gerade nichts zu tun?
Cassara: Eigentlich schon. Doch ich sah dich in der Ferne. Da wollte ich dir einmal unter vier Augen ‘Hallo‘ sagen.
Darbeen: Das ist freundlich. Ich freue mich schon auf heute abend.
Cassara: Nicht nur du. Erst werden wir uns mit meinem Vater unterhalten. Dann sind wir ja schon etwas abseits und haben danach die Ruhe allein für uns.
Darbeen: Du weißt aber, dass ich dennoch bald von hier weg muss.
Cassara: Bald ist bald. Aber jetzt ist erst einmal jetzt.
Darbeen: Jetzt geht aber vorüber. Wenn dich das nicht stört.
Cassara. Stören schon, aber bis dahin bleibt uns noch ein wenig Zeit.
Darbeen: Meinetwegen, soll es so sein.
Cassara: Bis heute abend, Darbeen.
(Cassara küsst ihn auf die Wange)
Darbeen: Bis heute abend, meine Cassara.
Priester. Sie scheinen sich gut mit Cassara zu verstehen.
Darbeen: Sind sie mir gefolgt?
Priester: Ich bin selbst unterwegs. Ich habe vor die Bibliothek aufzusuchen.
Darbeen: Die Bibliothek!?!
Priester: Wollten sie auch dorthin?
Darbeen: Genau das habe ich vor.
Priester: Welch ein Zufall. Suchen sie bestimmte Lektüre?
Darbeen: Nein. Ich werde mit dem Bibliothekar reden.
Priester: Ach so.
Darbeen: Was suchen sie dort?
Priester: Neuerscheinungen. Es ist meine Freizeitbeschäftigung zu lesen. Ich hörte, es gibt dort ein neues Exemplar in mehrfacher Ausführung.
Darbeen: Um welches Buch handelt es sich?
Priester: Es nennt sich Gedankengut. Es handelt sich dabei nicht um einen Roman.
Darbeen: Das Buch kenne ich. Es ist sehr zu empfehlen. Ich habe es auch schon gelesen.
Priester: Sofern keines der Exemplare mehr verfügbar sein sollte, werde ich mich um einen Platz in der Vorlesung morgen abend kümmern. Man soll viel aus dem Buch lernen können.
Darbeen: Das ist wohl wahr.
Priester: Sind sie daher so gewandt?
Darbeen: Ich habe mich schon immer mit dem Thema des Buches befasst. Dies ist wohl der Grund.
Priester: Da wären wir schon. Gehen wir gemeinsam zurück?
Darbeen: Es spricht nichts dagegen, sofern sie auf mich warten.
Priester: Gerne.
siebte Szene, Bibliothek, Hinterzimmer
Darbeen: Guten Tag. Ich sehe es geht allmählich voran.
Bibliothekar: Wir haben eine sehr hohe Resonanz erfahren.
Darbeen: Sind noch Exemplare übrig?
Bibliothekar: Kein Einziges. Sogar die nächsten zwei Vorlesungen sind bis auf einige letzte Plätze ausgebucht.
Darbeen: Sehr schön. In dieser Stadt spricht sich anscheinend vieles sehr schnell herum.
Bibliothekar: Davon ist auszugehen. Dadurch lebt die Öffentlichkeit. Gerade auch auf Festen, wie das heutige, ist dies der Fall. Ich denke sogar, wir können die Vorlesung regelmäßig halten, und somit das gesamte Buch lesen.
Darbeen: Dies wäre auch eine gute Idee.
Bibliothekar: Sie könnten sich auch an unsere Universität wenden. Richten sie sich doch eine 14-tägige Unterrichtseinheit ein. Sofern sie nur aus vorgegebenen Büchern vorlesen, sei dies ohne weiters möglich. Lesen sie aus drei verschiedenen Büchern, legen sie aber den Hauptakzent auf ihr Buch. Dadurch hätten wir weitere Menschen eventuell auf unserer Seite.
Darbeen: Kennen sie jemanden, der dies für mich tun könnte? Ich habe viele andere Dinge zu tun. Wir müssen schließlich einen Großteil des Volkes auf unsere Seite bringen.
(der Priester tritt hinein)
Priester: Das könnte ich tun! Ich war gerade in der Nähe des Raumes, die Tür war nicht richtig verschlossen, so dass ich sie verstehen konnte.
Darbeen: Sie?
Bibliothekar: Das kann er doch machen!
Darbeen: Welch ein Zufall... meinetwegen können sie dies tun.
Priester: Danke sehr. Dürfte ich denn auch erfahren, weshalb sie so viele Menschen auf ihrer Seite brauchen?
Bibliothekar: Soll er das auch erfahren?
Darbeen: Er erfährt es wie alle anderen, nur etwas früher.
Priester: Sie sagten bereits, sie sind hier zu verkünden.
Darbeen: Das stimmt.
Priester: Wogegen richten sie sich? Oder wofür setzen sie sich ein?
Darbeen: Für die Menschen. Gegen die Monarchie.
Priester: Gegen die Monarchie!?!
Bibliothekar: Gegen die Monarchie. Sind sie nicht der Meinung, die Menschen müssen besser behandelt werden?
Priester: Wenn man mit früher vergleicht, werden die Menschen heutzutage sehr viel besser behandelt.
Bibliothekar: Dasselbe sollten aber die Menschen in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten auch sagen können. Daher müssen wir etwas tun. Die Menschen können alle noch viel besser behandelt werden.
Priester: Das möchten sie also dann mit Büchern durchsetzen, wenn ich das richtig verstanden habe. Bücher und Vorlesungen werden da doch lange noch nicht reichen.
Darbeen: Natürlich wird das nicht reichen. Doch für den Anfang reicht dies allemal. Hat man erst einmal den Anfang, kommt vieles auch automatisch ins Rollen. Das Volk spricht und munkelt. Das sollte man nicht unterschätzen oder gar außer Acht lassen.
Priester: Also setzen sie auf das Volk. Daher brauche sie auch viele Anhänger, solch ein gigantisches Vorhaben auch umzusetzen.
Bibliothekar: Genau. Wie gesagt, Resonanzen haben wir bereits.
Priester: Und nun sind wir schon drei Menschen, die sich darum bemühen. Nur eine Frage wäre da noch offen: Welches Land oder welcher Auftraggeber interessiert sich für die Freiheit oder für die Rechte anderer Menschen in fremden Ländern?
Darbeen: Darüber möchte ich nicht mit jedem sprechen.
Priester: Das heißt, unser Bibliothekar weiß bereits Bescheid. Oder ist es vielleicht die liebe Cassara?
Bibliothekar: Ich weiß Bescheid.
Priester: Mit welchem Recht darf er Bescheid wissen, im Gegensatz zu mir? Ich dächte wir setzen uns dafür ein, dass Menschen besser behandelt werden!
Darbeen: Also gut. Geschehen hier keine Änderungen, wird das Land in naher Zukunft untergehen. Mit all seinen Einwohnern und Eindringlingen. Niemand wird diesen Krieg überleben, der sich bin zu Letzt hier aufhalten wird. Spreche ich nun deutlich genug für sie?
Priester: Das sei mir deutlich genug. Um so wichtiger wird es, hier zu handeln.
Bibliothekar: So sehen wir das auch.
Priester: Dann lasset uns zur Tat schreiten! Ich werde mich sofort zu der Universität begeben, sobald ich von jemandem das besagte Buch bekommen habe. Ich werde die zwei Wochen für ab morgen ansetzen.
Bibliothekar: Das letzte Buch liegt auf meinem Schreibtisch einen Raum nebenan. Sie können es davon nehmen.
Priester: Das werde ich machen. Bis später!
Bibliothekar: Auf Wiedersehen.
Darbeen: Viel Erfolg!
(Der Priester verlässt den Raum)
Bibliothekar: Meinen sie, es war kein Fehler, ihn einzuweihen?
Darbeen: Ich denke nicht, auch wenn es mir von Zeit zu Zeit anders vorkam.
Bibliothekar: Er ist eben eine Art für sich. Solange er nicht schadet, kann er uns gerne unterstützen.
Darbeen: Das ist wahr. Wo waren wir stehengeblieben?
Bibliothekar: Wir müssen sehr viele Menschen auf dieses Thema aufmerksam werden lassen. Könnten wir nicht das Volksfest heute abend für uns nutzen?
Darbeen: Diesen Gedanken hatte ich auch schon. Die Frage ist nur, wie man so etwas umsetzen könnte.
Bibliothekar: Wie wäre es, wenn wir das Fest genießen und uns ab morgen wieder unserer Aufgabe widmen? Ich wüsste nämlich nicht, wie wir das Fest für uns nutzen könnten.
Darbeen: Ich werde mich nach seiner Ansprache mit Sador unterhalten. Damit hätten wir immerhin einen kleinen Nutzen.
Bibliothekar: Dies sei besser als gar kein Nutzen! Wie werden wir weiter vorgehen?
Darbeen: Lassen sie uns am Abend darüber beraten.
Bibliothekar: Wieder an diesen Ort? Hier kann uns niemand stören.
Darbeen: Meinetwegen können wir uns hier treffen.
Bibliothekar: Direkt im Anschluss an dem Fest?
Darbeen: Wir sollten dort einen Treffpunkt vereinbaren.
Bibliothekar: An der Kirche.
Darbeen: Ich werde dort auf sie warten.
Bibliothekar: Bis dann!
Darbeen: Bis dann!
Redner: Somit wäre der Anfang geschafft. Ein großer Fels ist ins Rollen geraten. Unaufhaltsam wird er sich seinen Weg bahnen, bis ihn spätestens etwas sehr viel größeres aufhält, was die Kraft hat, den Felsen mit samt seiner Geschwindigkeit zu stoppen und ihn in Vergessenheit geraten zu lassen. Denn, was einmal beginnt zu rollen, das wird immer wieder beginnen zu rollen, da man nun weiß, wie man den Anfang bekommt. Nur ohne jeglichen Fels, kann demnach auch kein Fels rollen.Geändert von dennis-nowack (22-08-2004 um 16:56 Uhr)
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22-08-2004 16:47 #4
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achte Szene, Ankunft auf dem Festplatz
Person1: Ich sehe bereits Sador!
Person2: Dann kann das Fest jeden Augenblick beginnen!
Person3: Sofern Sador den Platz sofort verlässt......
Person2: Wieso soll das Fest nicht beginnen, wenn er dies nicht sofort tut?
Person3: Vor drei Jahren, als dies schon einmal geschah, hat Rahgon, unser Herrscher diesen Menschen einfach vor versammelter Menge köpfen lassen. Er sagte, er dulde es überhaupt nicht, wenn man sich seinen Anordnungen widersetzt. Eine Strafe hat jeder in diesem Fall verdient. DA er der Herrscher ist, hat er die Macht über die Höhe der Strafe zu entscheiden.
Person2: Ich denke, dann wir Sador den Platz sofort verlassen.
Person3: Davon sei auszugehen, wenn er von dem Vorfall gehört hat.
Person1: Mir ist nun nach feiern zumute, statt mir dramatische Schicksalsschläge anzuhören.
Person2: Er hat Recht. Wechseln wir das Thema.
Darbeen: Ich hörte soeben das Gespräch. Das Volk hat nichts dagegen gesagt, oder unternommen? Jeder Anwesende hat es geduldet, dass dieser Mensch hingerichtet wurde?
Person3: Das sei die Entscheidung des Herrschers. Wenn wir etwas gesagt hätten, hätte er uns auch hinrichten lassen.
Darbeen: Nur wofür? Dafür, dass man sich für andere Menschen einsetzt, oder dafür, dass man seine Meinung kund tut?
Person3: Für Hochverrat! In einem anderen Fall warnte Rahgon uns bereits vor, so dass wir seitdem wissen, wie er auf solche Handlungen reagiert. Dennoch würde ich niemanden kennen, der auf die Idee käme, überhaupt etwas dazu zu sagen. Ich selbst hätte mich nicht geäußert. Es war seine alleinige Entscheidung. Der Auslöser dafür war da Fehlverhalten des Gestraften. Und Fehlverhalten werden nun mal geahndet. Dagegen ist auch rein gar nichts auszusetzen. Das war schon immer so und das ist auch das Beste für das Volk.
Darbeen: Wenn ihr Kind ihnen nicht gehorcht, wie reagieren sie?
Person3: Ich werde eine Drohung aussprechen.
Darbeen: Das heißt, das Kind verhält sich ihnen gegenüber falsch und sie entscheiden, wie darauf reagiert wird.
Person3: Stimmt genau.
Darbeen: Wenn sie nun aber überfallen werden, dann ist das nichts anderes, als dass siech ein Mensch ihnen gegenüber falsch verhält. Möchten sie dann nicht zumindestens etwas Einfluss auf die Ausmaße der Strafe haben?
Person3: Dafür haben wir doch unseren Herrscher.
Darbeen: Doch hatten sie Einfluss darauf, welcher Mensch zu ihren Herrscher ernannt wird?
Person3: Diese Fähigkeiten sind angeboren. Da können wir nichts gegen tun.
Darbeen: Wurde dies untersucht?
Person3: Worauf möchten sie hinaus? Sie meinen, wir sollten uns selber unseren Herrscher aussuchen können, damit wir somit mehr Einfluss auf die Entscheidungen haben?
Darbeen: Indem sie sich für einen Herrscher entscheiden, entscheiden sie sich gleichzeitig für dessen Taten, Meinungen und Reaktionen. Somit haben sie den nötigen Einfluss.
Person3: Insofern hätten sie eigentlich Recht. Doch woher können wir uns sicher sein, dass wir uns für die richtige Person entscheiden. Für solch ein Amt ist nun mal nicht gerade jede Person geeignet.
Darbeen: Das wäre ein kleineres Problem. Wie können sie alle sich nun sicher sein, dass der jetzige Herrscher der richtige ist? Eben dieser ist es nicht. Oder sehen sie das anders? Meinen sie, es sei eine gerechte Strafe, dass der Redner hingerichtet wird, wenn er dem Herrscher nicht passt und gegen die Vorlage verstößt, den Platz sofort zu verlassen? Köpfen sie auch ihren Nachbarn, wenn dieser eine ihrer persönlichen und selbst aufgestellten Auflagen bricht? Doch sofern sie eben so reagieren würden, würde man sie vor Gericht stellen und ihnen wahrscheinlich auch die Todesstrafe geben. Doch mit welchem Recht, wenn sie auch nur eigene Auflagen aufgestellt haben, wie es der Herrscher getan hat, der wiederum nicht bestraft wurde? Finden sie das gerecht?
Person3: Das bedeutet, dass es falsch ist, dem Volk Dinge zu verbieten, die der Machthaber in Anspruch nimmt.
Person2: Um ihr Beispiel mit dem Kind aufzugreifen, hieße dies dann, dass wir dem Kind auch keine Handlungen vorleben, die wir ihnen verbieten.
Person1: Deshalb spricht man auch vom Vater Staat.
Darbeen: Genau, auch wenn dieser seine Rolle nicht korrekt ausführt und selbst im gewissen Sinne Erziehung nötig hat.
Person3: Das ist sehr interessant. Unser Staat muss erzogen werden. Wohnen sie in dieser Stadt?0
Darbeen: Nein, ich komme von außerhalb.
Person2: Ihre Position gefällt mir auch. Diese Variante eines Staates scheint auch einige Vorteile zu haben. Doch benötigt dies ein ausgefeiltes System. Existiert bereits so eins? Zum Beispiel in ihrem Land, oder auf dem Papier?
Darbeen: Ich kenne mehrere Systeme dieser Art. Ich kenne diese auch praxis-bezogen. Sie funktionieren auch soweit. Auch wenn sie einige Nachteile mit sich bringen. Die meisten von ihnen haben von Grund auf bei Weitem weniger Nachteile als das Staatssystem in diesem Land.
Person1: Doch wer wird sich die Mühe machen, einen gesamten Staat umzukrempeln. Außerdem wird dies viel zu problematisch. Das wird doch kein Herrscher mit sich machen lassen.
Darbeen: Wenn ihr schon davon spricht, diesen Staat zu ändern, dann kann ich euch sagen, dass dies ohne große Schwierigkeiten möglich sein kann.
Person3: Man benötigt Hilfsmittel. Alleine schafft man so etwas niemals.
Darbeen: Man benötigt sehr viele Menschen auf seiner Seite. Dann hat man schon gewonnen.
Person2: Wer sind sie?
Darbeen: Möchten sie alle etwas erreichen?
Person3: Sie haben also genau das vor, wovon wir hier sprachen?
Darbeen: Genau dafür benötige ich Anhänger.
Person1: Da zeihe ich mit!
Person3: Da es sinnvoll ist, kann ich nichts dagegen halten, was eine Enthaltung rechtfertigen würde.
Person2: Ihr wollt euch also nun gegen unsere Herrschaft auflehnen. Möchtet ihr alle erhängt werden?
Darbeen: Das wird nicht geschehen!
Person2: Sie sind kein Hellseher! Was gedenken sie zu tun? Was soll mit unseren Herrscher geschehen?
Darbeen: Darüber wird kurz über lang das Volk entscheiden.
Person3: Sofern unsere Anhänger eine absolute Mehrheit bilden, oder sich niemand gegen uns auflehnt.
Darbeen: Erst benötigen wir wie bereits gesagt Anhänger.
Person2: Alle guten Dinge sind immer drei.
Person1: Was bedeutet, dass du dich uns ebenfalls anschließt?
Person2: Meinetwegen. Ihr benötigt Unterstützung.
Darbeen: Und das nicht zu wenig.
Person3: Doch ist nicht an allen Menschen dieser Stadt so einfach heranzukommen.
Person1: Wir dürfen demnach nicht jeden direkt darauf ansprechen.
Darbeen: Mit Geschichten kann man an die Leute herantreten. Ich habe bereits die passende Lektüre in die Bibliothek stellen lassen. Lesungen sowohl in der Bibliothek als auch in der Universität haben wir bereits sicher.
Person3: Wir werden uns etwas überlegen, wie man am besten an möglichst viele Menschen herantreten kann.
Darbeen: Vielen Dank!
Person1: Wir danken ihnen.
Person3: Sador tritt auf!
Sador (von der Bühne aus): Meine Damen und Herren, liebes Volk. Ich heiße sie herzlich willkommen auf dem diesjährigen Weinfest! Wie schon seit mehreren Jahrzehnten werden wir auch dieses Jahr von Musik unseres Chors begleitet. Traditionell werden wir unseren Wein zum Erproben für den halben Preis anbieten, solange der Festvorrat reicht. Dieses Jahr feiern wir unser 50. Weinfest. Es ist also diesmal etwas ganz besonderes. Genießen sie das Fest, die Gesellschaft und den Wein! Hiermit ist es eröffnet!
(Sador verlässt die Bühne)
Person1: Nun wird gefeiert! Wo kann man sie täglich antreffen?
Darbeen: Die besten Chancen haben sie in der Bibliothek. Sie können auch eine Nachricht bei dem Bibliothekar hinterlassen.
Person3: Bis morgen!
Sador: Guten Tag, die Herren!
Darbeen: Guten Tag Sador!
Sador: Entfernen wir uns ein wenig, Darbeen.
Darbeen: Wo ist Cassara?
Sador: Sie wartet bereits auf uns. Es liegt ihnen viel an meiner Tochter. Oder gehe ich falsch in dieser Annahme?
Darbeen: Sie haben eine hübsche und intelligente Tochter.
Cassara: Hallo ihr beiden!
Sador: Hallo meine Tochter!
Darbeen: Hallo Cassara, meine Liebe. Sador, sie sagten heute nachmittag, sie seien nicht mit der Handlungsweise Rahgons einverstanden.
Sador: Allerdings gibt es mehrere Menschen, die der selben Ansicht sind.
Darbeen: Das fiel mir auch schon auf. Ich traf vorhin drei Herren, die mir erzählten, was Rahgon mit dem vorherigen Redner tat, der nicht sofort den Festplatz verlassen hatte.
Sador: Mir wurde dies ebenfalls mitgeteilt. Rahgon duldet keine Personen in seinem Umkreis, die an Macht und Einfluss gewinnen könnten.
Darbeen: Er möchte der alleinige Herrscher sein.
Sador: Er braucht die Gewalt über ein ganzes Land. Zu meiner Zeit als Herrscher verteilte ich immerhin nicht sofort die Todesstrafe.
Darbeen: Ich möchte sie nicht beleidigen, doch jeder alleinige Herrscher ist kein guter Herrscher.
Sador: Ich möchte mir ihre Begründung anhören.
Darbeen: Niemand kann bestmöglich auf die Bedürfnisse so vieler Menschen eingehen.
Sador: Ein Herrscher ist dafür da, sich eigene Gedanken zu machen, was gut für das Volk ist.
Sador: Eben dies ist der Fehler. Das Volk wird nicht berücksichtigt.
Cassara: Vater, ich möchte dir nicht in den Rücken fallen, doch in dieser Hinsicht hat Darbeen vollkommen Recht. Ob es nun gut oder schlecht ist, auf seine Art ein Land zu führen, muss man ihm dennoch recht geben.
Sador: Nein! Das wäre ein großer Fehler! Jeder kann sich ausmalen, was aus einem Land geschieht, dass vom gesamten Volk geführt wird. Das Land benötigt immer einen Anführer, der nach seiner Meinung handeln kann und dem Volk sowohl Vorbild als auch Respektsperson ist.
Darbeen: Cassara, jeder hat eine andere Meinung. Wir werden die deines Vater nicht falsch reden. Er denkt so und für ihn ist dies richtig.
Sador: Was sind sie für ein Mensch! Wäre ich an der Macht,
Darbeen: dann würden sie mich nach ihrem Maße verurteilen, nur weil ich meine Meinung äußere!
Sador: Solche Meinungen sind schändlich für den Staat und das gesamte Land! Und das ist keine Meinung, sondern eine Tatsache! Ich gehe nach Hause. Die Gesellschaft eines solchen Menschen ist meiner nicht würdig.
Cassara: Vater!
Sador: Komm nicht zu spät nach Hause, Cassara. Ich möchte mit dir noch ein Wörtchen reden!
(Sador entfernt sich)
Cassara. Das ist mein Vater, so ist er immer.
Darbeen: Ich kann damit leben.
Cassara: Du für dich schon.
Darbeen: Aber du weniger, wenn ich das richtig sehe.
Cassara: Ich kann damit auch leben, da er mich anders behandelt. Ich bin sein einziges Kind. Meine Mutter starb bei der Geburt.
Darbeen. Das tut mir leid.
Cassara. Ist schon gut. Doch seit dem ist mein Vater anders. Das sagen mir immer wieder so viele Menschen die wir kennen. Freunde und Verwandte bringen dies zu Wort. Sprechen wir nicht weiter über meinen Vater. Mich hätte noch interessiert, was du hier genau machst.
Darbeen: Erzähle niemanden davon. Ich werde dir vertrauen. Sprich nicht einmal mit deinem Vater darüber. Gibst du mir dein Wort?
Cassara: Mein Wort und meine Hingabe.
(Cassara küsst ihn auf den Mund)
Darbeen: Meine Cassara.
Cassara: Doch fahren wir nun fort und widmen uns später uns beiden.
Darbeen: Also gut. Dein Wort habe ich nun.
Sieh dir das Volk an. Jeder gibt sich mit seinem Leben zufrieden.
Cassara. Das ist nicht immer falsch.
Darbeen: Doch leben ist nicht atmen, leben ist handeln.7
Cassara. Wie sollen sie deiner Meinung nach handeln?
Darbeen: Nun sieh dir unseren Staat an. Werden alle Menschen gerecht behandelt? Könnten nicht so viele ein besseres Leben führen, die dies auch verdient haben? Wie sollen sie leben, wenn sie täglich hoffen müssen, nicht zu verhungern zum Beispiel?
Cassara. Was hat dies nun mit dir zu tun?
Darbeen. Ich möchte dem ein Ende setzen. Ich werde versuchen, diesen Staat zu ändern.
Cassara. Wie möchtest du das anstellen?
Darbeen: Ich habe bereits einige Ideen und Anhänger.
Cassara: Das wird sich Rahgon nicht gefallen lassen. Du wirst dein Leben riskieren.
Darbeen: Wenn dies nun so sein muss, werde ich mein Leben riskieren. Aber ich werde niemals sterben.
Cassara. Das hoffe ich, bitte sei vorsichtig. Du kennst Rahgon kaum. Er kann noch viel schlimmer sein, als dass du es glaubst.
Darbeen: Ich werde von dem Schlimmsten ausgehen. So wäre ich darauf vorbereitet.
Cassara: Wer soll dann an die Macht kommen? Doch wohl nicht mein Vater, oder?
Darbeen: Nein. Dein Vater wird nicht an die Macht kommen. Doch besteht für ihn eine ebenso große Gefahr, wie für mich.
Cassara: Du meinst, Rahgon könnte ihn ermorden?
Darbeen: Wenn er ermordet wird, dann vom Volk.
Cassara: Sag nicht so etwas. Ich höre das nicht gerne. Aber wieso sollte das Volk so etwas tun?
Darbeen: Die einzige Möglichkeit, Rahgon die Macht abzunehmen sei die, den Großteil des Volkes davon zu überzeugen, dass es schlecht ist, einen alleinigen Herrscher zu haben.
Cassara. Mein Vater ist, oder war, auch solch ein Herrscher. Somit richtest du das Volk auch gegen meinen Vater ab.
Darbeen: Ich wünschte, er wäre nicht dein Vater. Für den Fall, dass ihm etwas zustoßen würde, kann ich nur sagen, dass ich dich keineswegs verletzen möchte. Das Volk handelt, ich lehre nur.
Cassara: Niemand wird von mir etwas erfahren.
Darbeen: Danke.
Cassara: Danach wirst du uns wieder verlassen?
Darbeen: Davon ist auszugehen.
Cassara: Nimm mich bitte mit dir mit!
Darbeen: Aber Cassara, das ist schier unmöglich!
Cassara: Weshalb? Ich bin schon oft verreist, auch in ferne Länder. Lange Reisen machen mir nichts aus. Genauso wenig wie neue Länder oder Sprachen!
Darbeen: Es wäre dann aber alles für dich neu. Es würde auch vielleicht viel durcheinander bringen. Es reicht schon, dass ich hier auftauchen musste.
Cassara: Wurdest du etwa gezwungen, deine Aufgabe zu erfüllen?
Darbeen: Ich wurde geschickt, da es niemanden gab, der qualifizierter wäre, als ich es bin.
Cassara: Wer hat dich geschickt?
Darbeen: Davon kann ich dir nicht erzählen. Du würdest es als Ausrede meinerseits werten.
Cassara. Wenn du schon so sprichst, dann antworte mir auch bitte, denn nun kann ich sicherer sein, dass es die Wahrheit sein wird.
Darbeen: Würde ich dich mitnehmen, müsstest du in einer Zeit leben, in welcher du schon seit Jahrhunderten als tot geltest.
Cassara: Du kannst doch nicht aus unserer Zukunft kommen. Nein, das glaube ich dir nicht.
Darbeen: Ich habe zwei Kinder. Hier ist ein Bild von ihnen.
(Darben zieht ein Foto hervor)
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22-08-2004 16:49 #5
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Bist du ernsthaft der Meinung, dies stammt von einem Maler?
Cassara: Das ist mir nicht geheuer. Was tust du dann hier?
Darbeen: Dieses Land ändern und dadurch verhindern, dass der Nachfahre eines hier anwesenden Herrschers an die Macht kommt. Schaffe ich dies nicht, wird das gesamte Land in einem Krieg untergehen. Mehrere hundert Millionen Menschen werden dann sterben. All eure Nachfahren werden diesen Krieg nicht überleben. Es geschah schon, doch ich bin hier, dies rückgängig zu machen.
Cassara: Das darf nicht wahr sein. Ich stehe an deiner Seite. Lass mich dir helfen, das Schicksal zu bekämpfen!
Darbeen: Wir werden es schaffen, da bin ich mir sicher.
Cassara: Wer ist denn der besagte Vorfahre?
Darbeen: Cassara, wenn ich jetzt keine Antwort geben würde, wüsstest du doch schon Bescheid. Ich sagte, ich möchte dich nicht verletzen.
Cassara: Nein, Herr, sag mir, dass das nicht wahr ist! Bewahre mich vor der Trauer!
Du weißt doch jetzt schon, dass er nach der Erfüllung deiner Aufgabe nicht mehr unter uns sein wird, oder?
Darbeen: Cassara, es gibt nur diese eine Möglichkeit. Ohne Vorfahre keine weiteren Nachfahren. Um dich mache ich mir weniger Sorgen, da du auf die andere Seite des Stammbaumes zugeordnet wurdest. Doch dein Vater wird andernfalls bald wieder Vater. Dies muss verhindert werden, ehe es zu spät ist.
Cassara: Warum geschieht mir das?....
Darbeen: Cassara, entweder über 260 Millionen Menschen, oder nur ein Mensch, dein Vater.
(Cassara fällt Darbeen weinend in die Arme)
Darbeen: Bitte versteh das. Ich liebe dich und ich hätte nie gedacht, dass du zu dieser Familie gehörst. Wenn du wirklich möchtest, dann werde ich dich einfach mitnehmen und wir zwei beginnen dort ein neues Leben. Nur wir zwei und meine beiden Kinder. Dann sei mir egal, was man mir sagen wird, oder welche Konsequenzen mir gegeben werden. Ich habe genug Geld, das gesamte Leben nicht mehr arbeiten zu müssen. In ein paar Wochen ist alles vorbei. Warte dieses Jahr ab. Neujahr werden wir glücklich bei mir daheim vor dem Kamin sitzen und diese Zeit hier komplett hinter uns lassen.
Cassara: Ich verstehe das. Ich denke gerade nicht nur an meinen Vater, sondern auch an die vielen Familien, die auseinandergerissen werden, oder die Männer anderer Länder, die im Krieg sterben und Trauernde Frauen und besonders Kinder hinerlassen.
Darbeen: Du denkst richtig. Tröste dich damit. Sobald wir zurück sind, werden wir, du, dein Vater und ich als große Helden gefeiert, die ein ganzes Land vor dem sicheren Tod bewahrt haben. So wird man dich und auch deinen Vater niemals vergessen. Ihr beiden und ich, wir alle werden in die Geschichte eingehen.
Cassara: Wieviel Zeit wird mein Vater noch haben?
Darbeen: In vier Wochen müssen wir fort von hier sein. Die Technik zwingt uns dazu. Das Gerät, das für unsere Heimkehr sorgen wird, ist nur darauf angelegt, vier Wochen funktionsfähig zu sein.
Cassara: Können wir diese Zeit nicht einfach überspringen?
Darbeen: Das wird nicht nur für dich eine schreckliche Zeit, auch ich muss doch um mein eigenes Leben bangen. Die nächsten vier Wochen werden für uns beide sehr schwer.
Cassara: Das Wort ‘Alptraum‘ trifft das besser, sofern man dabei von gut reden kann.
Darbeen: Cassara, wie schon erwähnt, dein Vater darf nichts davon wissen. Es bleibt doch dabei, oder?
Cassara: Darbeen, ich würde es mir auch nicht wünschen, wenn andere Menschen mein Schicksal kennen, das selbst ich nicht zu kennen vermag. Doch ein Wort sei ein Wort. Ich gab dir mein Wort. Darauf soll Verlass sein. Ich verstehe dich ja auch.
Darbeen: Ich dich doch auch. Bis vorhin warst du glücklich. Dann erzählte ich dir von deiner Zukunft, von der du nichts wusstest und du brachst in Tränen aus. Dein Vater ist ebenfalls sein eigener Mensch, doch er erfährt sein eigenes Schicksal als letzter. Aber somit kann er bis dahin glücklicher leben, als wenn er es jetzt schon wüsste. Sein Schicksal steht auch bereits fest, doch er ist immer noch glücklich, da er selbst davon nichts weiß. Sein Unglück ist Tatsache, doch empfindet er es nicht, weil es ihm niemand erzählt. Somit ist sein derzeitiges Glück bloße Einbildung. Genauso wie Gesundheit, Fröhlichkeit, Wohlbefinden und Seelenfrieden nur zu seiner Einbildung gehören. So kann es jedem Menschen ergehen. Wir leben nicht mehr da, wo wir sind; wir leben nur, wo wir nicht sind. Hat es dann noch einen Sinn, den Tod zu fürchten, wenn uns bleibt, worin wir leben?8
Cassara: Da magst du Recht haben. Dennoch verbinden wir Tod mit Schmerz und Leid.
Darbeen: Aber genau dadurch empfinden wir eben so. Wäre unsere Verbindung zum Tod eine andere, ich sage mal eine positivere, da wir den Tod ausschließlich mit Sehnsucht und Vorfreude auf ein Wiedersehen verbinden, wäre er sehr viel harmloser. Doch wurden wir anders erzogen.
Cassara: Religion kann auch nur Einbildung sein!
Darbeen: Cassara, wieso sagst du so etwas?
Cassara: Welcher Gott lässt es zu, dass ein junges Mädchen die Tage abzählen kann, bis ihr Vater sterben muss?
Darbeen: Unser Gott lässt dies zu. Sieh dein Leben doch als Prüfung. Der nächsten Test ist dir nun bekannt.
Cassara: Wieder muss ich dir recht geben. Bist du mir böse, wenn ich den Rest des Abends mit meinem Vater verbringe?
Darbeen: Aber nein! Das kann ich doch vollkommen verstehen. Werden wir uns morgen sehen?
Cassara: Natürlich. Treffen wir uns morgen früh in der Bibliothek!
Darbeen: Gerne. Gute Nacht, Cassara!
Cassara: Schlaf gut!
(ein Abschiedskuss folgt; Darbeen begibt sich in Richtung Kirche)
Bibliothekar: Sind sie auch schon früher als verabredet hier.
Darbeen: Erstens habe ich keine Zeit zum feiern, zweitens wäre mir auch nicht dazu zumute.
Bibliothekar: Ich sah sie mit Cassara. Ist was geschehen?
Darbeen: Ich habe sie über das Schicksal ihres Vaters aufgeklärt.
Bibliothekar: Wie hat sie reagiert? Wird sie es ihrem Vater erzählen?
Darbeen. Sie brach in Tränen aus. Dennoch wird sie vor ihrem Vater darüber schweigen. Ich versprach ihr, sie nach der Erfüllung unserer Aufgabe mitzunehmen.
Bibliothekar: Ist da so einfach möglich?
Darbeen: Es wurde mir verboten. Doch die gewichtigsten Konsequenzen, die ich bekommen könnte, wären das Berufsverbot. Das macht mir aber nichts aus. Somit sind die Historiker, die Urteile fällen am schlimmsten. Tatsachen, nichts als Tatsachen Ich selbst bin hier vor Ort und urteile. Nur so lernt man die Menschen kennen. Wird man dauernd durch das Urteil des Historikers gelenkt, tut man nichts, als mit den Augen eines anderen zu sehen. Und wenn einem dieses Auge einmal fehlt so sieht man gar nichts mehr.9 Jeder denkt nur an den Tod des historischen Herrschers und an die Menschen in der Gegenwart. Niemand denkt an die Menschen hier in dieser Zeit. Ich bekomme es leiblich mit. Ich sehe schon jetzt den Schmerz Cassandras. Dieser wird nicht der einzige bleiben. Ich gehe davon aus, dass bei einer solchen Aktion viele Menschen sterben werden. Dies geschah schon immer so. Nur diesmal lese ich es nicht nach, sondern ich erlebe es mit. Ich führe es sogar an! Ich bin der direkte Auslöser!
Bibliothekar: Sie haben keine andere Wahl. Entweder sie handeln so, oder sie sind der indirekte Auslöser für den endgültigen Tod eines ganzen Landes. Dabei werden dies auch wir sein, die sterben, wenn man sagt, dass wir in unseren Nachfahren gewissermaßen weiterleben.
Darbeen: Ich bin mir im klaren über die Situation und dass mir nichts anderes übrig bleibt. Doch dieser Druck ist enorm. Die Zeit und die gesamte Welt sitzen mir im Nacken. Die Welt sogar gleich zwei mal. Einmal hier und einmal in meiner Gegenwart. Dennoch muss ich standhalten. Ich brauche nur daran zu denken, dass in vier Wochen alles vorbei sein wird.
Bibliothekar: In vier Wochen?
Darbeen: Spätestens. Genauer gesagt, innerhalb dieser Zeit werden wir unser Ziel erreichen.
Bibliothekar: Sofern wir dies erreichen.
Darbeen: Davon ist auszugehen, da ein Scheitern unverzeihlich wäre.
Bibliothekar: Wie geht es sonst bei ihnen voran?
Darbeen: Ich spreche zu dem Volk.
Bibliothekar: Sie sprechen Personen an, die sie nicht kennen?
Darbeen: Auf der Straße unterhalte ich mich mit ihnen. Vorhin auf diesem Fest habe ich mich auch mit drei Personen unterhalten. Diese werden uns ab sofort unterstützen. Ich sagte, sie können mich in der Bibliothek auffinden, oder dort eine Nachricht hinterlassen. Cassara wird morgen auch in die Bibliothek kommen.
Bibliothekar: Somit wäre dies unser gemeinsamer Treffpunkt.
Darbeen: Haben sie bereits mit dem Priester gesprochen?
Bibliothekar: Nein. Aber ich denke, seine Vorlesungen werden ebenso erfolgreich verlaufen.
Darbeen: Ich hoffe es. Denn das, was mir ernsthaft Sorgen macht, ist unsere verbleibende Zeit. Unsere vier Wochen sind bereits angebrochen.
Bibliothekar: Doch wir haben schon etwas erreicht.
Darbeen: Das schon. Aber ich habe diese Zeitepoche studiert. Jedes einzelne Land benötigte weit über unsere verfügbaren vier Wochen, um solch einen Prozess zum Laufen zu bringen. Nur habe ich auch etwas positives zu berichten.
Bibliothekar: Nun bin ich mal gespannt.
Darbeen: Jedes Volk, das seinen Staat ändern wollte, hat dies auch vollbracht.
Bibliothekar: Wir sind aber kein ganzes Volk. Und wenn sie schon aus einer anderen Zeit herkommen, diese Änderung hervorzurufen, dann bedeutet das für mich, dass wir es nicht schaffen wollten, oder geschafft haben.
Darbeen: Ich würde eher sagen, es kam nie jemand auf die Idee. Weshalb, das kann niemand sagen. Aber genau dafür bin ich da; ich liefere euch die Idee auf ein Silbertablett.
Bibliothekar: Mit samt Anregungen, Taten und einer Führerschaft.
Darbeen: Dafür wurde ich auch vorbereitet.
Bibliothekar: Nur, wie bereitet man sich auf so etwas vor?
Darbeen: Bücher und Berichte habe ich tagelang studieren müssen. Das Geschick muss ich selbst mitbringen.
Bibliothekar: Das haben sie auch! Ich denke, das hat man an ihnen ebenfalls geschätzt. Darum wurden gerade sie geschickt. Es gäbe sicherlich viele andere Menschen, die auch gebildet sind und sich mit unserer Zeit beschäftigen.
Darbeen: Da denke ich aber anders. Ich bin einer der Bekanntesten meiner Art. Darum hat man mich angesprochen. Nur Titel und Bekanntheitsgrad haben mir diese Aufgabe beschafft. Niemand hat mich auch nur gefragt, ob ich geschickt oder einfallsreich bin; geschweige denn, ob ich eine Führungsposition während einer Revolution einnehmen kann. Das war jedem egal. Hauptsächlich meine gesammelten Titel haben zu der Wahl verleitet.
Bibliothekar: Haben die Menschen etwa nichts dazugelernt? Ist es nicht gerade das, was wir hier ändern möchten? Wir müssen auf Titel achten. Wir gehen anders um mit dem Herrscher, dem Adel, den Kaufleuten, genau wie sie anders mit dem kleinen Volk umgehen. Gerade das soll doch geändert werden.
Darbeen: Und dennoch entschied man sich für mich, weil man auf meine Titel achtete. Als Mensch war ich bei der Entscheidung vollkommen egal. Im Grunde wählte man für diese Expansion das Wissen meiner Lehrer, Professoren, Eltern, Bekannten und Bücher. Denn nur dadurch habe ich meine Titel und Preise verdient. Nicht durch meine persönlichen Fähigkeiten oder meine Menschlichkeit. Meinem Wissen habe ich dies zu verdanken.
Bibliothekar: Da mögen sie Recht haben. Nun sind sie aber hier und machen ihre Aufgabe bisher mit Bravour.
Darbeen: Eben dies ist auch notwendig. Nun, wie gehen wir weiter vor? Wie wäre es, wenn wir eine Volksversammlung einberufen?
Bibliothekar: Das wäre eine sehr gute Idee. Doch wie gedenken sie dies anzustellen? Nur unsere Ranghöchsten Personen des Staates, nämlich Rahgon und seine Familie sind befugt, eine Volksversammlung einzuberufen.
Darbeen: Dann werde ich einen Zettel mit dem ausdrücklichen Wunsch dazu auf dem Arbeitsplatz Rahgons hinterlassen müssen. Im Namen eines seiner Familienmitglieder versteht sich natürlich.
Bibliothekar: Dann müssten sie ungesehen in den Palast gelangen.
Darbeen: Nachts wäre eine gute Möglichkeit.
Bibliothekar: Sofern uns nichts anderes übrig bleibt, eine besonders große Masse mit diesem Thema vertraut zu machen und diese auch zu überzeugen, dann werde ich ihnen natürlich tatkräftig zur Seite stehen und sie in den Palast begleiten.
Darbeen: Lassen sie uns noch einmal darüber schlafen und morgen in der Bibliothek mit unseren Anhängern über diesen Vorschlag beraten.
Bibliothekar: Ich werde mich nun wieder auf das Fest begeben und ein wenig mit meiner Frau feiern.
Darbeen: Ein schönes Fest wünsche ich ihnen!
Bibliothekar: Ihnen eine angenehme Nacht!
neunte Szene, Abend, Haus des Priesters
Darbeen: Guten Abend!
Priester: Darbeen, was führt sie schon so früh hierher?
Darbeen: Nachdem ich Cassara erzählte, dass ihr Vater das Erreichen unseres Zieles nicht miterleben kann, war mir nicht mehr nach feiern zumute.
Priester: Das ist verständlich.
Darbeen: Was haben sie in der Universität erreichen können?
Priester: Ich hielt die erste Vorlesung.
Darbeen: Wie waren die Reaktionen?
Priester: In der Voranmeldung für die nächste Lesung haben sich in Laufe des Tages 218 Studenten eingetragen. Mir wurde gesagt, dass in keiner anderen Lesung solch eine hohe Zahl jemals erreicht wurde.
Darbeen: Das ist sehr positiv. Das erfreut mich zu hören.
Priester: haben sie sich schon über den weiteren Verlauf Gedanken gemacht?
Darbeen: Ich denke, wir werden eine Volksversammlung einberufen lassen.
Priester: Sie können doch nicht Rahgon ansprechen.
Darbeen: Wir können aber einen Zettel hinterlassen.
Priester: Sofern sie bis in sein Arbeitszimmer vordrängen können.
Darbeen: Die Unterstützung des Bibliothekars haben wir bereits. Werden sie auch mitziehen?
Priester: Darüber müsste ich nachdenken.
Darbeen: Sie können sich auch etwas Besseres einfallen lassen, so dass wir nicht in den Palast eindringen brauchen.
Priester: Eine Volksversammlung ist dennoch die beste Idee.
Darbeen. So haben wir die Möglichkeit zu dem gesamten Volk sprechen zu können.
Priester: Dafür benötigen wir eine gut vorbereitete Rede.
Darbeen: Darum werde ich mich kümmern.
Priester: Für welchen Tag werden sie diese ansetzen?
Darbeen: Ich denke, der Sonntag wäre am geeignetsten.
Priester: Es würde sich anbieten, diese direkt im Anschluss an meinen Gottesdienst zu veranstalten. Die Menschen sind zu der Zeit sowieso außer Haus.
Darbeen: Dann müssten wir morgen abend in den Palast einbrechen.
Priester: Kennen sie sich dort aus?
Darbeen. Ich war nie in diesem Palast. Wissen sie, wohin ich dort müsste?
Priester: Nein. Ich wüsste, wie wir die meisten Menschen aus dem Palast ablenken könnten.
Darbeen: Was werden sie vorhaben?
Priester: Ich kann morgen früh einen Sondergottesdienst ankündigen. Ich werde mir einfach einen Grund einfallen lassen. Meine Gottesdienste für die Belegschaft des Palastes waren schon immer gut besucht.
Darbeen. Das wäre geradezu perfekt!
Priester: Ich werde dann gleich einen kleinen Gottesdienst vorbereiten. Was meinen sie, wieviel zeit sie benötigen werden?
Darbeen: geben sie mir eine Stunde. Das dürfte reichen, um sicher herein und wieder hinaus zu gelangen.
Priester: Passen sie aber auf die Wachleute auf, die werden natürlich nicht zum Gottesdienst erscheinen.
Darbeen: Ich bin zwar nicht in solchen Aktionen geübt, doch ich werde mein Bestes geben.
Priester: Gott möge mit ihnen sein.
Darbeen. Vielen Dank für ihren Segen. Ich denke, den können wir gebrauchen.
Priester: Wären doch alle Menschen so wie sie, dann hätten wir überhaupt keine Probleme in unserem Land.
Darbeen: Alle Menschen haben etwas gemeinsam. Denn in der natürlichen Ordnung sind alle Menschen gleich. Ihre gemeinsame Berufung ist. Mensch zu sein.10
Priester: das möchten wir ihm lehren. Denn nun ist er nur ein Sklave, wenn ich sie richtig verstanden habe.
Darbeen: Der Gesellschaftsmensch wird als Sklave geboren und lebt und stirbt als Sklave. Bei seiner Geburt näht man ihn in einen Wickel, bei seinem Tod nagelt man ihn in einen Sarg. Solange er Mensch ist, ist er durch unsere Einrichtungen gebunden. 11 Doch innerhalb dieser Rahmenbedingungen ist es natürlich möglich, an die Freiheit zu gelangen. Denn Bindungen hat ein Mensch immer, auch wenn der Gesellschaftsmensch die meisten Bindungen eingeht. Doch dieses Volk sieht weder seine Bindungen, noch seine Möglichkeiten, frei sein zu können.
Priester: Das wird nicht mehr lange der Fall sein. Wir werden dem Volk das Auge öffnen, wie sie mein Auge und das derer denen sie nahe stehen geöffnet haben.
Darbeen: Ab morgen werden wir weitere Unterstützung erhalten. Ich traf auf dem Fest auf drei Männer, die sich ziemlich schnell von meiner Position überzeugen ließen.
Priester: Vielleicht können sie uns morgen auch eine Hilfe sein.
Darbeen: Es wäre von Vorteil, wenn sie genau wüssten, wo sich das Arbeitszimmer Rahgons befindet. Das wäre nämlich derzeitig das einzige, was mir Kopfzerbrechen bereitet.
Priester: Wenn schon so viele Menschen auf unserer Seite sind, dann auch das Glück. Warten sie es nur ab!
Darbeen. Darf ich sie etwas persönliches fragen?
Priester. Nur zu.
Darbeen: Verbietet es ihnen ihr Beruf, oder eine ihrer Religionen, den Bund der Ehe nicht schließen zu dürfen?
Priester: Nein. Ich war bereits verheiratet.
Darbeen: Was geschah mit ihrer Frau?
Priester: Es war ein Unfall. Sie fiel durch meine Unvorsichtigkeit und ihren Leichtsinn die Klippen hinunter.
Darbeen. Das tut mir leid.
Priester: Das hätten sie ja nicht wissen können. Danach stellte man mich vor Gericht.
Darbeen. Wer hat dies veranlasst?
Priester. Ihre Eltern haben mich angeklagt. Meine Strafe war eine sehr hohe Geldsumme, die ich an die Eltern zu zahlen hatte.
Darbeen. Konnten sie das Geld aufbringen?
Priester: Überhaupt nicht. Ich konnte nur einen Bruchteil anzahlen. Den Hauptanteil musste ich mir leihen. Manchmal glaube ich, ich schaffe es nie, aus den Schulden heraus zu kommen.
Darbeen: Dann gehört ihnen das Haus ihres Berufes wegen?
Priester: Ja. Für das Haus brauchte ich gar nichts zu zahlen und die Miete entfällt ebenso.
Darbeen: Die Strafe hat ihnen Rahgon auferlegt?
Priester: Sein jüngster Sohn tat mir das an. Daher kann ich ihre Haltung auch nur begrüßen. Mir persönlich liegt was daran, sehen zu dürfen, wie Rahgon mit samt seiner schändlichen Familie untergehen wird.
Darbeen: Ich werde noch ein wenig vor die Tür gehen, um mir die Füße auszutreten. Kommen sie mit hinaus?
Priester: Ich verbleibe hier und werde mich gleich zu Bett begeben.
Darbeen: Ich werde dennoch spazieren gehen.
(Darbeen verlässt das Haus, eine Wache kommt ihm entgegen)
Darbeen: Guten Abend!
Wache: Seien sie gegrüßt!
Darbeen: Was verschlägt sie hierher? Sind sie auf dem Heimweg?
Wache: Ich hatte meinen Dienst am Palast und nun werde ich ein wenig feiern gehen. Ich müsste jeden Moment abgelöst werden.
Darbeen. Jeden Moment erst?
Wache: Mein Kollege verspätet sich ziemlich oft. Eigentlich so gut wie jeden Tag. Das dürfte ich eigentlich gar nicht so sagen, aber er regt mich so damit auf! Manchmal glaube ich, er nimmt seinen Job gar nicht ernst!
Darbeen: Davon kenne ich auch genug. Lassen sie ihn nur. Sollte irgend etwas passieren, dann wird er schon sehen, was er davon hat. An ihrer Stelle würde ich weiterhin jeden Tag pünktlich aufhören. Ist er doch selber schuld, wenn er sich verspätet.
Wache: Manchmal wünsche ich ihm sogar, dass wegen seiner Abwesenheit etwas geschieht. Vielleicht ändert er sich dann endlich mal.
Darbeen. Ich möchte sie nicht weiter aufhalten. War nett, sich mit ihnen zu unterhalten. Feiern sie noch schön!
Wache: Danke, das werde ich jetzt auch! Auf Wiedersehen!
(etwas später wird Darbeen von einem mit einem Messer bewaffneten Mann angegriffen)
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