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Ergebnis 1 bis 5 von 5
  1. #1
    Gerry Gast

    die geschichte vom kleinen und

    dies ist mein erster beitrag im prosa-forum und dann die story nicht mal von mir selber. die geschichte hat mir ein kollege gegeben und ich fand es eine schöne, deprimierende und vielleicht auch aufmunternde geschichte.

    >>>Es war einmal ein langer, langer Satz, darin kamen schrecklich viele „unds“ vor, und weil der Satz so lang war, konnten die Wörter gar nicht richtig aufeinander aufpassen und so lief ein und aus dem Satz heraus und legte sich in die Sonne und ließ sich bescheinen. In dem Satz nämlich stand es zwischen lauter finsteren Worten, drum hatte es Sehnsucht nach der Sonne, aber als es so dalag, schlief es ein, und als es wieder aufwachte, war der Satz längst weitergegangen, und das arme kleine und stand mutterseelenallein in der Welt.
    Allein, das war noch schlimmer als zwischen Dunkel und Finsternis.
    Das kleine und begann zu weinen. „Was fang ich ganz allein auf der Welt an, ich kleines und!“, schluchzte es traurig.
    Da kam ein einsames großes H auf seinen zwei Beinen einhergestelzt.
    „Ich bin auch so allein wie du“, sagte das große H, „komm, gehn wir zusammen!“
    „Nein, ich will nicht“, sagte das kleine und, „da müssen ich ja immerzu bellen.“
    „Na dann eben nicht“, sagt das große H und wollte um die nächste Ecke biegen, aber die Ecke hielt es fest. „Bleib bei mir“, sagte die Ecke und das große H blieb.
    Das kleine und ruhte sich im Schatten der neu entstandenen Hecke aus. Ein Weilchen lag es besänftigt im Blätterrauschen, dann begannen wieder die Tränen zu rinnen.
    „Ich bin so schrecklich allein“, schluchzte es.
    Da kam ein großes M auf seinen Beinen dahergewackelt.
    „Ich bin auch allein wie du“, sagte das große M, „komm gehn wir zusammen!“
    „Ich will nicht“, sagte das kleine und, „da müsste ich ja immerzu quatschen.“
    „Na dann eben nicht“, sagte das M und wollte durch das Eck der Hecke, doch die verleibte es sich ein und da wurde das schönste Heckmeck draus. Da musst das kleine und lachen, und solange es lachte, war es auch fröhlich. Doch als es zu lachen aufhörte, war es wieder traurig und es mochte das Heckmeck gar nicht leiden.
    Es lief davon. „Ich bin so allein, so allein, so allein!“, schluchzte es den Weg entlang.
    Da kam ein klitzekleines r auf seinem Einbein dahergesprungen. „Ich bin auch so allein wie du, kleines und“, sagte das kleine r, „komm, gehn wir zusammen!“
    „Nein“, sagte das kleine und, da würde ich ja fortrollen, das passiert mir nicht.“
    „Na dann nicht“, sagte das kleine r und sprang auf seinem Einbein dem kleinen und den Weg voran.
    Da hielt es die nächste Ecke fest. „Bleib bei mir, kleines r, und stell dich an meine Spitze“, sagte die Ecke, „dann bist du nicht mehr allein und wirst auch groß und stattlich werden.
    „Das will ich!“, sagte das kleine r stolz, und da wurde es ein großes R und zog auf den zwei Füßen, die es nun hatte, mit der Ecke als Recke in die Welt, um Heldentaten zu vollbringen.
    Und das kleine und war noch immer allein.
    Es schluchzte und schluchzte.
    Wer kam da die Straße herunter? Links ein Mann, rechts eine Maus, die waren auf dem Weg zum nächsten Hafen.
    „Komm mit uns, kleines und“, piepste die Maus, „wir nehmen dich ja in unsre Mitte und fahren über den Ozean!“
    „Ich will nicht“, sagte das kleine und, „davon geht doch das arme Schiff mit uns unter.“
    „Dann eben nicht“ sagte der Mann und die beiden verschwanden.
    „Ich bin so allein“, heulte das kleine und.
    Und wer kam da die Straße herunter?
    Links der kleine Herr Kurz, rechts der kurze Herr Klein, die gingen in einen Möbelladen.
    „Komm mit uns, kleines und“, sagte der kleine Herr Kurz, „wir nehmen dich in unsre Mitte!“
    „Ich will nicht“ sagte das kleine und, „wenn wir dann wütend wären, würden wir die ganze Welt zusammenschlagen.“
    „Na dann eben nicht“, sagte der kurze Herr Klein und sie gingen weiter.
    Doch wer kam jetzt den Weg herunter? Links Frau Faul, rechts Herr Gefräßig. Frau Faul wollte den Mund aufmachen, das kleine und einzuladen, war aber viel zu faul dazu, und Herr Gefräßig machte den Mund nur auf, um das kleine und mit Vokal und Konsonanten zu verschlingen.
    „Nein mit euch beiden gehe ich nie!“, rief das kleine und und lief schnell davon.
    Frau Faul war viel zu faul, ihm nachzulaufen, und Herr Gefräßig war dazu viel zu dick. So konnte das kleine und dem Verderben entrinnen. „Ach, wer soll kommen, mir endlich zu helfen?“, schluchzte es.
    Da kam auch schon das Wer daher. „Du hast mich gerufen, also muss ich kommen“ sagte das Wer, „wir wollen miteinander gehen!“
    „O ja, liebes Wer!“, rief das kleine und, „aus uns beiden wird wirklich etwas Schönes!“ Und da schloss das große Wer und das kleine und in seine Arme und da wurde ein Wunder aus den beiden, und wenn zwei sich umarmen, die sich mögen, wird das immer wieder ein Wunder sein.
    Das ist die Geschichte vom kleinen und.<<<

    ich fand die geschichte schön, das ich sie her posten musste.

  2. #2
    Akiva ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    09.11.2002
    Beiträge
    1.085
    Was ist eigentlichmit den vielen anderen 'und' passiert? Sind sie mit den bösen Wörtern und(t)ergegangen? Oder haben sie ihr blaues W-und-er erlebt?

    Die Idee der Erzählung ist ok. Aber die Aneinanderreihung der (durchaus witzigen Beispiele) ist ein bisschen trocken, sehr vorhersehbar und dadurch langweilig geraten. Dass zum Schluss das 'Wunder' übrig bleibt, ist immerhin erfreulich.

    Das Ganze hätte man fetziger aufbauen müssen und nicht als verkleidetes Märchen (es war einmal...).

  3. #3
    Gerry Gast
    wie gesagt, die geschichte ist nicht von mir.

    also die "verbesserungsvorschläge" an den verfasser!

  4. #4
    jodoca ist offline Moderator
    Registriert seit
    01.01.2003
    Beiträge
    3.140
    wenn der herr fühmann nicht schon tot wäre, dann würde ich ihm ja glatt sagen, dass es an dieser geschichte nichts zu verbessern gibt. ich finde den aufbau gerade gut, ohne schnickschnack, ich habe diese geschichte schon als kind geliebt.

    Franz Fühmann (1922 - 1984) , bemerkenswerter, wie schon erwähnt inzwischen nicht mehr lebendiger autor, den experimentellen dichtern und den linguisten unter uns sei "Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel" empfohlen, aber auch ansonsten sehr lesenswert !!!

    @gerry, der ist leider noch keine 70 jahre tot, hoffentlich gibt das keinen ärger, wenn du die hier postest.
    Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.

  5. #5
    Akiva ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
    Registriert seit
    09.11.2002
    Beiträge
    1.085
    Zitat Zitat von jodoca
    wenn der herr fühmann nicht schon tot wäre, dann würde ich ihm ja glatt sagen, dass es an dieser geschichte nichts zu verbessern gibt. ich finde den aufbau gerade gut, ohne schnickschnack, ich habe diese geschichte schon als kind geliebt.

    Franz Fühmann (1922 - 1984) , bemerkenswerter, wie schon erwähnt inzwischen nicht mehr lebendiger autor, den experimentellen dichtern und den linguisten unter uns sei "Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel" empfohlen, aber auch ansonsten sehr lesenswert !!!

    @jodo: Das Buch steht wahrhaftig in meinem Bücherschrank, aber diese Geschichte hat mich offenbar auch früher schon nicht erreicht. Schade, nun ist es zu spät, um den Verfasser zu fragen, was mit den anderen 'und' passiert ist ... )
    Geändert von Akiva (08-10-2004 um 14:47 Uhr)

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