Hallo Rudi,
deine Ideen und Gedanken sind interessant, ich muß dir aber sagen, daß es in den letzten Monaten zwei oder drei solcher Fortsetzungprojekte gab, die völlig regelfrei waren, die aber nach ein oder zwei Beiträgen (aus mir schleierhaften Gründen) eingeschlafen sind.
Auch ich bin für Regeln, die strikt eingehalten werden sollten, aber ich fürchte, viele sehen sich da in ihrer künstlerischen Freiheit eingeschränkt und machen dann auf beleidigte Leberwurst, weil ihre ach so geniale Gesellschaftskritik (z.B.) gelöscht wurde. So oder so ähnlich ist es immer.
Thema: Die gemeinsame Geschichte
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18-05-2005 13:19 #1
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Die gemeinsame Geschichte
Hallo,
ich frage mich, ob Interesse daran besteht, eine Geschichte gemeinsam zu schreiben? Jeder würde also einen Teil dazu beitragen und damit hoffentlich einen interessanten, facettenreichen, unterschiedliche Schreibstile in sich vereinenden Text aufbauen. Ich habe vor ein paar Jahren einmal einen Kriminalroman gelesen, der genau so geschrieben war. Die einzelnen Autoren haben gar nicht miteinander gesprochen, sondern nur die Geschichte fortgesetzt. Das Ergebnis war erstaunlich stimmig.
Mir ist klar, dass die Gefahr besteht, dass das Ganze zu einer "Unendlichen Geschichte" ohne erkennbaren roten Faden mutieren könnte und natürlich würde kaum einer hinter dem gesamten Text stehen können. Mancher würde sich ärgern, wenn der Text nicht die Fortsetzung bekommt, die man sich gerne gewünscht hätte, aber es könnte wohl auch interessante Wendungen geben.
Für den Fall, dass jemand an diesem Experiment interessiert ist, denke ich deshalb, dass gewisse Regeln eingehalten werden sollten, über die wir uns vorher einigen müssten. Ich nenne ein paar Beispiele, alles nur Vorschläge:
- Es wäre vielleicht hilfreich, von vorneherein zumindest ein Genre festzulegen oder sogar einen Titel, um eine "Lovestory-Kriegsberichts-philosophische Sozialkritik" zu vermeiden.
- Damit der Text nicht irrsinnig lang wird, sollte keiner mehr als eine bestimmte Anzahl Zeilen auf einmal schreiben (20?).
- Um zu vermeiden, dass nur einzelne Personen posten und das immer wieder, könnte man z.B. bestimmen, dass jeder nur einmal pro Woche posten darf.
- Um den Text nicht zu konfus werden zu lassen, wären weitere Regeln möglich, z.B. das jeder Abschnitt nur eine neue Person einbringen darf und/oder dass zumindest eine Person und mindestens ein Gegenstand/Thema aus den vorangehenden fünf Abschnitten aufgegriffen werden muss.
- Der Text sollte nicht im selben Thread kommentiert, interpretiert werden, um eine zusammenhängende Geschichte daraus zu machen. Es wäre natürlich möglich, einen zweiten Thread dazu anzulegen (das könnte auch bspw eben dieser hier bleiben), aber persönlich fände ich es sogar besser, dass jeder erst NACH dem Ende des gesamten Textes seinen/ihren und andere Abschnitte kommentieren darf, um allen genügend Gedankenfreiheit zu lassen.
- Schliesslich müsste man sich darauf einigen, wann die Geschichte "zu Ende" ist. Das ist schwierig, da wohl nicht alle das gleich sehen. Möglich wären eine von vorneherein festgelegte Anzahl Abschnitte, ein festgelegter Zeitpunkt o.ä.
Man könnte auch erst einmal mit einer kleinen Anzahl Abschnitte, z.B. 5, "testen" und dann noch einmal von vorne beginnen.
Das alles sind natürlich nur ganz subjektive Vorschläge und ich denke, ihr hättet weitere. Ich bin gespannt.
Geändert von Rudi Ratlos (18-05-2005 um 13:23 Uhr)
Wessen wir am meisten im Leben bedürfen ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.
(Ralph Waldo Emerson, 1803-1882)
Gehe nicht vor mir - vielleicht folge ich Dir nicht.
Geh nicht hinter mir - vielleicht kann ich Dich nicht führen.
Geh einfach neben mir - und sei mein Freund.
(Albert Camus, 1913-1960)
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19-05-2005 11:37 #2
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Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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29-05-2005 18:53 #3
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Tja, fast zwei Wochen ohne weitere Reaktion sprechen für sich. Aber eigentlich schade. Woran liegt's? Daran, dass alle hier Individualisten sind oder vielleicht nur so wenig kompromissbereit? So enttäuscht von allen bisherigen Versuchen oder gar so einfallslos?
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29-05-2005 19:20 #4Kumo GastPrinzipiell ist es bei so Kettengedichten/-geschichten wohl immer besser, einfach schon mal einen Anfang zu machen und auf Fortsetzung zu hoffen, anstatt nur theoretisch zu bleiben.
Zitat von Rudi Ratlos
Ansonsten gab es soche "Projekte" in den Jahren, die ich schon hier bin, immer mal wieder. Die Kettengedichte haben sich teilweise recht gut gehalten (z.B. dieses Kleinod der Forumsgeschichte), weil es sich wohl um weniger Text handelte, den man da pro "Zug" verfassen musste. Das Problem bei Prosatexten wird wohl sein, dass es einfach zu aufwendig/anstregend ist, einen Beitrag zu verfassen. Man muss mehr lesen und schreiben, und das ist den meisten letztendlich zu anstregend in einem Forum, wo man nur mal so vorbeiliest.
Daran ist wohl letztendlich auch das legendäre Göllenstein-Projekt krepiert. :
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30-05-2005 01:54 #5Der Vogone Gast"recht gut gehalten" - naja... Das letzte seiner Art war meines Wissens dieses hier, und das ist schon eine Weile her...
Zitat von Kuschelmonster

War aber lustig: Arawn und ich hatten uns kurz zuvor telefonisch ins Benehmen gesetzt und eigentlich gedacht, wir könnten das Ding nur so für uns spinnen und auch gemeinsam nach Hause fahren - doch dann (a)raw[u]nte es plötzlich aus dem Hörer: "Du, wir haben ein Problem! - Ich: "Was'n?" - "Der Zar hat sich eingeschaltet!"
Und plötzlich mischte da noch so ein sturzbetrunkener Autokrat mit, der zwischendurch immer mal wieder auf den Thron mußte!

Ach, waren das Zeiten... *Seufzer*
Und heute-?: bin ich froh, wenn ich überhaupt noch ein paar hastig hingehudelte Mitteilungen auf kleinen, fleckigen Zetteln hinbekomme. Von Inspiration keine Spur mehr. *Großer Seufzer*
*RIESENSEUFZER* Ach ja, Göllenstein... *schluchz**WUFF!* Wohl eine meiner schärfsten Ideen, da plötzlich als Köter aufzutauchen, der thomasbernhardinisch spricht. Diese alten goldenen Zeiten kehren wohl nie wieder.
Zitat von Kuschelmonster

Ich liege inzwischen lieber stundenlang in der Sonne oder gucke Tierfilme, als daß ich etwas Sinnvolles schreibe. So geht man heutzutage mit seinen wenigen Talenten um.
@(Es-gibt-nur-ein-)Rudi Ratlos: Gräm' dich nicht! Einen Versuch war es wert. Vielleicht greifst du KuMos Vorschlag einfach mal auf und startest einen Versuchsballon, heißt: einen Initial-Beitrag. Ergehe dich nicht in Reglementierungen (das funktioniert sowieso nicht), rechne vor allem nicht damit, daß das Ding irgendwann ein Ende hat, sondern schreib' einfach mal wild drauflos. Du wirst sehen, es finden sich Leute, die mitziehen. Vielleicht sogar ich, obwohl ich nicht so der begnadete Erzähler bin - was allerdings in erster Linie daran liegt, daß es mir meist an Ideen fehlt, weniger an der Gabe, an ein bereits vorgegebenes Thema anzuknüpfen.
Es wird natürlich - auch das muß man sich klarmachen, und es war auch bei Göllenstein so - im Endeffekt darauf hinauslaufen, daß von anfangs möglicherweise recht vielen Autor(inn)en, je weiter es fortschreitet, nur noch eine kleine Handvoll übrigbleiben, die das Ding nach Hause bringen oder - wahrscheinlicher - in den Sand setzen (bzw. in Göllenstein war's bezeichnenderweise ein Friedhof).
Das liegt einfach daran, daß mit anwachsender Länge der Story (ich gebe zu, ich rede mich jetzt in einen gewissen Optimismus hinein) niemand 'Neues' mehr die Lust und die Zeit hat, sich in die Materie reinzulesen. Dafür ist das Internet (und mit ihm die Menschen, die es benutzen und bewandern) einfach zu schnell(l)ebig.
Aber warum es nicht probieren? Wie sagte ein guter Freund von mir einmal: "Ich bin schon an viel größeren Problemen gescheitert!"

Nicht heiß, aber immerhin 2 Grad unter Betriebstemperatur:
Vogo
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