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Thema: horizont

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  1. #1
    Gast

    horizont

    es bricht wieder an.
    die zeit der angst, der freude,
    der gewitter und wärme zugleich.

    zuerst wurde der baum entwurzelt,
    irgendwo wieder eingepflanzt.
    kurze zeit später riss ein sturm ihm einen grossen ast ab,
    blut strömte aus der wunde,

    im rauschen des windes konnte man sein weinen hören.

    ein adler liess sich auf dem baum nieder.
    er sang so schön,
    dass der baum ihn immer beherbergen wollte.
    aber eines abends hackte er auf den stamm des baumes ein,
    wieder strömte blut,
    die narben zeugen noch heute davon.

    nicht viel später setzte sich ein storch in die baumkrone.
    er rieb seinen kopf am stamm des baumes,
    pflegte wunden und narben.
    aber jedesmal, wenn er wegflog,
    riss er dem baum seine grünen blätter ab.

    als der baum fast kahl war kam er nicht mehr.
    der baum war ihm zu hässlich geworden.

    und jetzt, jetzt ist sie wieder da.
    diese zeit der angst, der freude
    der gewitter und wärme zugleich.

    der baum steht in voller blüte
    und die sonne bescheint ihn.

    aber hinten am horizont kreisen aasgeier
    in schwarzen gewitterwolken

  2. #2
    Der Vogone Gast

    Irgendwie düster

    Ich finde den Text faszinierend, stehe aber zugegebenermaßen ein wenig ratlos davor, weil mir die Botschaft nicht ganz klar ist. Vielleicht hab' ich aber auch nur 'n schlechten Tag heute (kein Wunder um die Uhrzeit). Und man muß ja schließlich nicht immer alles deuten wollen.
    Weißt du, daß mir beim Lesen der arme Baum richtig LEID getan hat? Verrückt, aber es ist so. Und wenn ein Gedicht schon Gefühle in mir auslöst, dann spricht das eindeutig für seine Qualität.
    Warum spielst du ihm denn so übel mit, dem guten Baum? Hat er das verdient? Komm, gib ihm 'ne Chance und schreib', daß es ihm wieder gut geht! Die Aasgeier sollen sich jemand anderen zum Ärgern suchen.

    Finde ich jedenfalls.

    Lob & Grüße!

  3. #3
    reinelisa ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
    Registriert seit
    23.08.2002
    Beiträge
    4

    Re: Irgendwie düster

    dankeschön!!!

    warum muss man immer alles mit dem verstand bgreifen??

    ich denke, wer fühlt, begreift mehr als der, der alles über den verstand löst...

    ...

  4. #4
    Traenenwind ist offline "Doktorand" (150-299 Beiträge)
    Registriert seit
    17.02.2002
    Beiträge
    188
    Lieber Vogoner,
    was behindert dein Textverständnis? Herzinterne Verkrustungen?

    Hier wird [m.E.] ein persönliches Schicksal geschildert, so schwierig ist es nicht... aber schön.


    Reinelisa: Kopf hoch - selbst wenn der gesamte Stamm gefällt wird, bleibt die Wurzel da... und wie oft habe ich schon einen Solchen Baumstumpf Triebe schlagen sehen?


    Liebe Grüße,

    S.
    Wenn ich dich jetzt bitten würde: Lass uns über schweigen sprechen
    Würdest du mich anlächeln und schweigen?

  5. #5
    Der Vogone Gast
    Original geschrieben von Traenenwind
    Lieber Vogoner,
    was behindert dein Textverständnis? Herzinterne Verkrustungen?
    Ach, weißt du, jeder hat doch so seine individuellen kleinen Sklerosen: der eine mehr celebral, der andere mehr kardial--
    Gut möglich, daß bei dem enormen Tempo, mit dem mein Geist zu unfaßbarer Größe angewachsen ist, das Gemüt nicht ganz hinterhergekommen ist, ja nicht mal mehr die Rücklichter hat sehen können...

    -- Aber jetzt mal im Ernst: Ist man denn gleich herzlos, wenn man herzige Texte nicht schnallt? Ich habe das Gedicht eben auf der Objekt- und nicht auf der Subjektstufe verstehen wollen, d.h. ich habe nur den Baum gesehen und vor lauter Bäumen den Wald bzw. die empirische Autorin nicht, die möglicherweise gemeint ist. Das mag für eine gewisse - hoffentlich nur episodische - Einäugigkeit sprechen; deswegen bei mir aber auch gleich noch auf die Sensibilität eines Kyklopen schließen zu wollen, geht [m.E.] erstens an der Wahrheit vorbei wie eine Hyperbel und zweitens ein bißchen weit. Das hab' ich nicht verdient.

    Außerdem: Wie könnte ich verkrustet sein, wenn das Poem, wie ich gesagt habe, Gefühle in mir auslöst? Sie bezogen sich halt leider Gottes - I'm so sorry - auf das geschilderte, lebendige Objekt, den Baum - und nicht auf Mlle. "reinelisa".

    Man wird ja wohl schließlich auch mal danebenhauen dürfen, gelle?

    Besserung gelobend:
    Der Vogone

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