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Thema: Neujahrsfund

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  1. #1
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Neujahrsfund

    Neujahrsfund

    Eine kurze Erzählung

    Von Beginn der Schlucht an fuhr ich langsam. Die vielen Jahre in meinem Beruf hatten mich gelehrt, daß es in dieser Gegend nur selten einen Anlass gab, mit Vollgas und Blaulicht zu fahren, auch wenn die Wirtin vom „Sonnencafé“ gemeldet hatte, es würde eine Leiche am See liegen.
    Es war nicht wirklich eine Schlucht. Ich empfand es nur immer so, wenn ich den Weg von St.Obertal nach Mariahilf fuhr. Mariahilf lag am äußersten Rand meines Zuständigkeitsbereiches, und ich war bisher nur selten dorthin gerufen worden. Die Straße von St.Obertal nach Mariahilf führte zwischen zwei langen Bergrücken hindurch. Nichts majestätisch-erhabenes. Die Gegend lag noch nicht im Hochgebirge. Die großen Skigebiete und Dreitausender begannen erst südlicher.
    Die Bauern in der Gegend hätten mich ausgelacht, wenn ich ihnen gesagt hätte, daß die Straße nach Mariahilf durch eine „Schlucht“ führen würde. Eine Schlucht, das war hier etwas anderes.
    Aber der Weg von St.Obertal wurde immer schmaler, je mehr man sich Mariahilf näherte. Die Berge traten zunehmend dichter heran. Kurz vor dem See beim standen sie so eng beieinander, daß nur noch Platz für die Straße und die Langlaufloipe war. Erst, wenn es fast zu eng zu werden drohte, wichen die Berge im letzten Moment zurück. Wenn man die Stelle passiert hatte, an der nur noch Loipe und Straße Platz hatten, weitete das Tal sich plötzlich und man konnte den kleinen See und dahinter die Häuser des Dorfes sehen.
    Das war am ersten Januar. Ich hatte um acht Uhr meinen Dienst begonnen und war noch dabei, meine Winterstiefel auszuziehen, als der Anruf kam. Fabian räumte Formulare in den Aktenschrank und ich war näher am Telefon. Die Kaffeemaschine blubberte, es roch noch nach den restlichen Weihnachtsplätzchen, die Grubers Frau für uns gebacken hatte, sie lagen auf einer bordeauxroten Servierte neben dem Telefon. Weil ich noch mit meinen Schnürsenkeln beschäftigt war, stellte ich auf Lautsprecher. Die Wirtin vom „Sonnencafé“ war dran. Das Café lag gleich oberhalb des kleinen Sees bei Mariahilf. Im Winter kamen nur wenig Leute dorthin. Insofern war der Anruf schon ungewöhnlich. Nur ab und zu kamen zu dieser Jahreszeit ein paar Skilangläufer oder Rentnerpärchen an den See. Im Sommer fuhren wir hin und wieder vorbei, um ein Auge auf den Badebetrieb zu haben.
    Sie kam gleich zu Sache, nachdem ich „Polizeirevier Nachtal, Mandel“ gesagt hatte. „Hier spricht Frau Wasenmeister. Herr Mandel, am See liegt ein Leiche.“ Sie formulierte das in einem gestochenen Hochdeutsch, wie es die Menschen oft tun, wenn sie bei uns anrufen. Sie sprach Wort für Wort deutlich aus und betonte sogar das „e“ am Ende von „Leiche“.
    Das klingt zwar mitunter etwas albern, vor allem wenn man weiß, wie die Leute sonst sprechen, aber das war mir allemal lieber, als wenn sie so verworrene Angaben machten, daß man kaum herausfinden konnte, um was es ging. So zum Beispiel, als Rottmanns Großmutter angerufen hatte und Rottmann hinfahren mußte, um dann dort herauszufinden, daß sie ihre Fernsehzeitung verlegt hatte.
    „Frau Wasenmeister“, fragte ich ebenso betont hochdeutsch zurück und unterbrach kurz meine Schnürsenkelbemühungen, „ist jemand verletzt oder brauchen Sie Hilfe?“ Die Wasenmeister schien kurz zu überlegen, dann sagte sie wieder genauso deutlich: „Nein. Ich war mit dem Hansi heute morgen schon draußen, da habe ich sie liegen sehen.“ Hansi war der Hund von Frau Wasenmeister. „Gut, Frau Wasenmeister“ sagte ich und versuchte einen entspannten Ton anzuschlagen, „ich komme so schnell wie möglich“. Sie legte auf und Fabian starrte mit dem Rücken zum Schrank und halboffenen Mund zu mir herüber. Wir beide kannten die Wasenmeister und wussten, daß sie keinen Unsinn erzählte. Nicht so wie der Bauer-Simon, der vor ein paar Jahren aufgeregt gemeldet hatte, auf seiner Weide lägen drei bis zur Unkenntlichkeit verkohlte Leichen. „Bis zur Unkenntlichkeit verbrannt!“ hatte er mir damals am Telefon ins Ohr geschrien. Ich habe es gleich dem Chef gesagt, ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Revierleiter, und wir sind sofort zum Hof vom Bauer-Simon gerast. Wir fanden ihn in der Koppel, völlig aufgelöst und den Tränen nahe, wie er vor den schwarzen Kadavern drei seiner Kühe kniete, die der Blitz in der Nacht erschlagen hatte. Ich fragte mich damals, wie er das meinte, dieses „bis zur Unkenntlichkeit verbrannt“ und warum er die toten Kühe als „Leichen“ bezeichnet hatte. Der Bauer-Simon war noch tagelang so fertig, daß ich mich nicht getraut habe zu fragen. Ob das wirklich so war, ob ihm wirklich soviel daran gelegen hatte, die drei Kühe einzeln zu identifizieren, um sie mit Namen benennen zu können oder ob er einfach nur in seiner Verzweiflung die dämliche Phrase von „bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen“ aus dem üblichen Journalistenjargon benutzt hatte.
    Fabian machte keine Anstalten, sich zu bewegen oder den Mund zu schließen, nachdem ich das Gespräch mit Frau Wasenmeister beendet hatte. Ich konnte förmlich seine Gedanken lesen. Eine Leiche! Hier bei uns! Vielleicht ein richtiger Mord, usw. usf.
    Sonst hatten wir nur selten Tote und dann waren es ganz offensichtlich Unfälle oder Freitode. Die Suizide sind meistens im Frühling oder Sommer. Man denkt, die Leute brächten sich im Winter um, wenn es grau und dunkel ist, aber so war es nicht. Die Leute hier begingen Selbstmord, wenn draußen das schönste Sommerwetter war, wenn es gesellschaftliche Pflicht zu sein schien, gute Laune zu haben. Vielleicht gab ihnen gerade das den Rest. Dann bekamen wir die Anrufe vom Förster, der wieder einen im Wald gefunden hatten, oder die Leute von der Bahnhofsleitung in Nachtal kamen von der anderen Straßenseite zu uns ins Büro gelaufen und schnorrten einen Kaffee. Nebenbei erzählten sie uns, daß sich wieder einer vor den Zug geworfen hatte. Wir zogen dann Zündhölzer, um den herauszudeuten, der die Reste einsammeln mußte. Wobei die, die der Förster oder seine Waldarbeiter fanden, oft ein Jahr oder älter waren und die gehörten dann streng genommen in die Statistik vom Vorjahr. Oder wir fanden sie, nachdem wir die Tür zu ihrer Wohnung aufgebrochen hatten, nachdem sie tage-, manchmal sogar wochenlang darin gelegen waren, ohne daß sie jemand vermisst hatte. Genausowenig, wie es stimmte, daß die meisten Selbstmorde im Winter begangen wurden, stimmte es, daß die Leute hier auf dem Land weniger einsam waren als in der Stadt. Der einzige Unterschied war der, daß jeder im Ort sofort wußte, wessen Selbstentleibung gerade stattgefunden hatte. Es machte keine Mühe herauszufinden, ob er seinen Müll ordentlich in die Tonnen getan hatte, ob er eine Arbeit gehabt hatte oder jeden Tag ins Wirtshaus gegangen war. Die Leute waren oft nicht zu bremsen in ihrem Mitteilungsdrang. Ich gewöhnte mir an, in solchen Situationen demonstrativ meinen Notizblock wegzustecken. Vergeblich, meistens mußte ich das Gespräch abrupt beenden. Aber deswegen, weil die Nachbarn so hervorragend informiert waren, war der Tote nicht weniger einsam gewesen als einer, der in der Stadt gewohnt hatte. Die Leute bringen sich um wegen Geld, wegen der Trostlosigkeit ihres Berufes oder wegen der Liebe. Wegen etwas anderem habe ich noch keinen Suizid gesehen. Den Bruder vom Bauer-Simon haben wir vor anderthalb Jahren von einem Dachbalken seiner Garage geschnitten, weil ihm sogar die Koreanerin, die er sich aus dem Katalog bestellt hatte, weggelaufen ist. Letzten August hat der Pächter von der Sanatoriumscafeteria in St.Obertal einen zehn Seiten langen Abschiedsbrief geschrieben und eine Überdosis Schlaftabletten genommen. Die Tabletten hat er aus einem der Schwesternzimmer geklaut. Meistens waren es auch die Männer, die sich umbrachten. Die Frauen hier waren stärker, die hielten mehr aus. Die Wasenmeister, die betrieb das „Sonnencafé“ schon seit Jahren allein mit ihrer Tochter, die nun fast erwachsen war, nur im Sommer holte sie sich ein paar Saisonkräfte aus Ostdeutschland. An den Mann von der Wasenmeister konnte ich mich kaum noch erinnern, der ist gleich weg, kurz nachdem die Tochter geboren war.
    Ich machte mir einen kleinen Spaß daraus, bedächtig und schweigsam auf den Anruf zu reagieren, während Fabian nervös von einem Fuß auf den anderen trat und mich erwartungsvoll ansah. Ich goss mir erst einmal einen frischen Kaffee in einen Pappbecher. Fabian wäre natürlich gerne mitgekommen und am liebsten mit Blaulicht und Signalhorn nach Mariahilf gefahren. Außerdem hatten wir seit dem 27. Dezember einen neuen Dienstwagen, einen funkelnagelneuen Geländewagen mit Allradantrieb, Kuhgitter und 175 PS. Der stellvertretende Polizeipräsident war sogar da gewesen und hatte uns den Wagen übergeben, obwohl man ihm angesehen hatte, daß er zwischen den Feiertagen lieber zu Hause geblieben wäre, als so eine stumpfsinnige Zeremonie wegen eines Autos zu veranstalten. Der einzige, der begeistert war, ist Fabian gewesen. Der hatte auch sofort den Wagen auf den Stellplatz vorm Revier stellen wollen. Dabei hat er eine Delle in die Limousine vom stellvertretenden Polizeipräsidenten gemacht und der Rottmann hat kurz danach zum Fabian gesagt, jetzt bekäme unsere Dienststelle die nächsten 20 Jahre keinen neuen Dienstwagen mehr. Fabian hat ihn inzwischen natürlich schon probegefahren, aber ich hatte ihm verboten, mit dem Wagen zu rasen und das Horn einzuschalten, wenn es nicht wirklich einen Einsatz gäbe, der das erforderlich machte. Erwartungsgemäß gab es in diesen paar Tagen seitdem wir das neue Auto hatten, keinen entsprechenden Einsatz, aber ich bin sicher, Fabian hätte es für angemessen gehalten, mit Vollgas und Martinshorn zur Wasenmeister zu fahren. Wie eben so die jungen Polizisten sind, wenn sie frisch von der Ausbildung kamen und zuviel Autobahn-Action in drittklassigen RTL-Serien gesehen hatten. Aber er mußte Weihnachten und Sylvester kein Dienst machen, da waren der Gruber oder der Rottmann oder ich da und ihm war klar, daß er kaum noch mehr Gefälligkeiten fordern konnte. Ich machte mich also betont gemütlich auf den Weg und kommentierte mit keinem Wort den Anruf, sondern sagte nur „Jovovich“, obwohl ich ihn und auch sonst jeder Fabian nannte, „Jovovich“ sagte ich amtlich zu ihm, „Telefondienst. Und wenn Rottmann kommt, sagen sie ihm, daß seine Großmutter gestern vormittag dreimal angerufen hat, weil irgendwelche Lausbuben Sylvesterknaller in ihren Briefkasten geworfen haben.“ Damit verabschiedete ich mich und ging nach draußen zu dem funkelnagelneuen Wagen und fuhr nach Mariahilf. Es fing an zu schneien. Als ich mich in das Auto setzte, knarzte der Sitz. Es roch noch sehr neu. Die Flocken fielen kerzengerade auf die Straße.
    Unterwegs schaltete ich den Allradantrieb ab. Ich fuhr immer noch bedächtig, obwohl mich Fabian nicht mehr sehen konnte. Die Straße war teils frei, teils mit festgefahrenem Schnee bedeckt. In den Fahrrillen dazwischen fuhr es sich wie auf Schienen. Ich hielt das Lenkrad nur locker zwischen den Fingern. Wenn die Straße eine leichte Kurve machte, rumpelte der Wagen sanft gegen die Seitenwände aus Schnee und Eis und rollte dann weiter in die Richtung, die der Weg nahm. Als ich am Ende der Schlucht angekommen war, hatte der Schneefall stark zugenommen.
    Die Wasseroberfläche des kleinen Sees war zugefroren und von einer dicken, weißen Schneeschicht bedeckt. Wäre da nicht ein Holzhaus gewesen, auf dem seit mindestens 70 Jahren in altmodischen Buchstaben „Badeanstalt“ geschrieben stand, dann hätte man jetzt, im tiefen Winter, unter dem vielen Schnee und Eis keinen See vermutet. Keinen See, um den sich im Sommer Massen leichtbekleideter Menschen versammelten. Kindergeschrei. Schattenlose Mittagshitze, aufblasbare Plastikdelfine, Kühltaschen. Das alles schien mir Lichtjahre entfernt, als ich den Wagen auf dem Parkplatz des Sonnencafé abstellte. Es war so still, daß ich die schweren Schneeflocken auf die Windschutzscheibe aufschlagen hören konnte. Erst wenn der Betrachter des Sees den Schriftzug auf dem Holzhaus gelesen hatte, dachte ich, konnte er im Winter den Platz mit anderen Augen sehen. Vielleicht bemerkte er dann, daß einige wenige Schilfrohre gerade noch so aus dem Schnee ragten und daß ein Weg leicht erhöht um den ganzen See herumlief und damit dessen Ausdehnung anzeigte.
    Als ich über den Parkplatz schritt, kam mir die Wasenmeister, in einen weiten Umhang gehüllt und mit verschränkten Armen, schon entgegen. Sie wünschte mir ein frohes neues Jahr und wies mit dem Finger zum See hinunter. Ich nickte und stapfte schweigsam hinter ihr her.
    Knapp oberhalb der Langlaufloipe, ganz in der Nähe des Eingangs zur Schlucht, stak ein alter Skistock im Schnee. So von der Art, die unten die Stockteller noch mit Lederriemen befestigt hatten. Vielleicht hatte der Wasenmeister ihr Mann einmal dieser Skistock gehört. Sie habe damit den Fundort markiert, als es anfing zu schneien, sagte sie. Eine Leiche sah ich nicht, aber die Wirtin zog den Stock aus dem Untergrund und blieb stehen. Ich starrte angestrengt auf die Stelle. Und tatsächlich, wenn ich genau hinsah, konnte ich das Relief eines Menschen erkennen, der sich unter dem frischgefallenen Schnee abzeichnete. Die Gestalt lag auf der Seite, Arme und Beine so angewinkelt, als wolle sie einen Läufer wie auf einer antiken griechischen Vase darstellen. Ich ging in die Hocke und wischte vorsichtig den Körper und zuletzt den Kopf frei. Was ich zu sehen bekam, war ein junges Mädchen, vielleicht so alt wie die Tochter von der Wasenmeister, nur sah die ganz anders aus. Die Tochter der Wasenmeister war rothaarig, wenigstens zur Zeit, und die Leiche hatte lange blonde Haare, die unter einer blauen Strickmütze hervorkamen. Sie hatte die übliche Teenager-Kleidung an, die Mädchen in diesem Alter trugen. Mir wurde klar, daß die Wasenmeister, als sie vorhin im Polizeiposten anrief, mit „ ...da habe ich sie liegen sehen“ nicht sie, die Leiche, sondern sie, das Mädchen gemeint haben mußte. Das Gesicht war graublau angelaufen und die Augen starr geweitet. Ich zog einen meiner Handschuhe aus und griff an ihre Wange. Die Wasenmeister, die bis dahin keine Gefühlsregung gezeigt hatte, zuckte etwas zusammen. Ich untersuchte, ob ich noch einen Rest Wärme im Körper der Tote ertasten konnte. Aber da war nichts mehr. Nach meiner Erfahrung war das Mädchen schon mindestens acht Stunden tot. Es war jetzt durch den Schneefall und die dicken Wolken so dunkel geworden, daß die Laternen angingen, die an der Straße am See standen. Ich stand auf und zog meinen Handschuh wieder an. Das Mädchen lag da und wurde durch die dicht und stetig fallenden Flocken wieder zugedeckt und unseren Blicken entzogen. Die Wasenmeister und ich standen kurze Zeit schweigend davor, bis das Mädchen nicht mehr zu sehen war und das Licht der Straßenlaternen leuchtete gelb auf uns und den Schnee herab.
    Ich nahm das Polizeiband aus meiner Jackentasche und sperrte den Fundort weiträumig ab. Der Wasenmeister sagte ich, daß sie nichts verändern sollte und dann rief ich die Bereitschaft der Kripo an. Die Leiche zu bewachen war überflüssig. Die Wasenmeister würde sicher nichts tun und am Neujahrsmorgen war hier niemand unterwegs und selbst wenn, würde man nur ein Band sehen, das ein Fleckchen Schnee umspannte.
    Ich fuhr nicht denselben Weg in Richtung St. Obertal zurück, sondern über Auregg direkt zur Bundesstraße hinunter und von dort aus nach Nachtal. Ich hielt an dem Tankstellen-Supermarkt und kaufte ein paar Birnen. Im Winter haben sie nie vernünftige Sorten da, dachte ich. Zehn Sorten Äpfel, aber meistens höchstens zwei Birnenarten und eine davon war immer Abate Fetel und die konnte ich nicht leiden. Und so war es auch. Zwei Kisten Abate, von denen die Hälfte bald überfällig war und ein paar Conference. Ich packte fünf Conference ein und an der Kasse legte ich noch eine Kinderschokolade für Fabian dazu. Die Kassiererin lächelte mich an und wünschte mir ein frohes neues Jahr. Ich war der einzige Kunde im Laden. Der Geschäftsführer kam hinzu und hielt ein Schwätzchen mit mir. Von der Toten am kleinen See erzählte ich nichts.
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
    Dem Narren ein Denkmal.
    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    jodoca ist offline Moderator
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    JA. nimm noch den letzten satz raus, der ist ist kitschig und dann feil hier und da noch ein bißchen, aber die ist gut. die ist richtig, richtig gut. die bordauxrote seviette halte ich für übertrieben, rot reicht, wenn plätzchen drauf liegen hat niemand ein knallrot im kopf, sondern alle so ein besinnliches weihnachtsrot. aber ansonsten, klasse. weiter so, da wird was.

    mariahilf, mariahilf, der ort kommt mir bekannt vor, aber wahrscheinlich heißen alle dörfer in der schweiz so.
    Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.

  3. #3
    jodoca ist offline Moderator
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    und von wegen kurz, das ding hat so übern daumen gepeilt 9-10 normseiten, ich würde um genauer zu sein schreiben: eine kürzere erzählung.
    Ein Gedicht, was es sonst auch immer noch sein mag, ist zuerst ein Text.

  4. #4
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Zunächst einmal: Man hat mich bereits per PN darauf hingewiesen, daß Servierte nicht korrekt ist (sondern Serviette).

    Was sind denn Normseiten? Ich drucke immer 12pt mit eineinhalbfachen Zeilenabstand Flattersatz aus und da sind es ein wenig mehr als fünf Seiten. Eine Kurzgeschichte wollte ich es nicht nennen, das ist es nicht und für eine "normale" Erzählung finde ich sie zu kurz, deshalb "Eine kurze Erzählung". Naja. Aber diese Bezeichnungen haben sowieso keine allzu konkreten Definitionen, soviel ich weiß.

    Der letzte Satz ist kitschig? O-oh. Das würde ich wirklich vermeiden wollen...

    Mariahilf: Die Ortsnamen sind zwar erfunden, aber ein Mariahilf gibt es bestimmt irgendwo. Die Orte haben übrigens reale Vorbilder, aber die sind nicht in der Schweiz, sondern im Salzburger Land...

    Um erfolgreich daran zu feilen, muß ich Neujahrsfund aber erst einmal wieder eine Weile liegen lassen.
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
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  5. #5
    jodoca ist offline Moderator
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    also für leute, die es schon immer mal interessierte, weil man das ständig bei ausschreibungen liest.

    eine normseite:

    30 zeilen
    60 zeichen pro zeile (inklusive leerzeichen)
    1,5 facher zeilenabstand
    flattersatz (also linker rand gerade, rechter unregelmäßig)
    keine trennstriche!!
    meist in times new roman oder arial, 12 Punkt, gefordert, selten new courir

    da das mit den 60 zeichen meist nicht so hinhaut, werden es oft weniger, mehr dürfen es aber nicht sein, ok es wird niemand jede einzelne zeile nachzählen, aber ein geübtes auge sieht, ob die menge der zeichen hinhaut oder nicht.
    man muss einfach ein bißchen rumprobieren mit den seiteneinstellungen. das ist so das übliche, was bei irgendwelchen einsendungen gefordert ist und was zu einer vergleichbarkeit der textlängen nötig ist.
    müller hat das anno dunnemals sogar mal als maß für erzählte zeit genommen, ich weiß zwar jetzt nicht, ob er auf eine solche einteilung referierte, aber er nahm normseiten als grundmaß, was addiert zur sprechgeschwindigkeit denke ich wirklich eine sinnvolle sache ist.

    lass neujahrsfund bloß nicht hier im forum verschlunzen, nimms raus und lass es liegen. wenn dir dran gelegen ist, ich hab sie mir gestern mal ausgedruckt und würde sie dir mal kritisch anstreichen und zusenden, wenn du mir deine adresse per pn verrätst.

    wegen schweiz, liegt wohl daran, dass ich mir gestern deine zusendung nochmal zu gemüte führte und diesmal nicht nur den eigentlichen text, sondern auch den auf der rückseite und da kam mir so die ein oder andere idee. Danke, danke, danke * nochmals!

    jodo
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