Kein schlechter Kolumentext, aber mir sind zwei Fehler aufgefallen:
1.In der Überschrift ist die Währungsumstellung ein Jahr her, im letzten Satz aber erst ein oder zwei Tage.
2. Zwischen dem Projektbeginn an einem Hollywoodfilm und dem Zeitpunkt, an dem er in Deutschland ins Kino kommt . liegen mindestens eineinhalb, meistens jedoch zwei bis drei Jahre - es mag schwer zu glauben sein, aber die seit dem nine-eleven vermehrt auftretenden amerikanischen "Kriegsfilme" haben ihre Ursache NICHT in besagtem Datum.
Ansonsten hat der Text stellenweise einen etwas jammerhaften Ton, dafür ist er an anderer Stelle sehr witzig, z.B.
"Wir werden auch im neuen Euroland Altglas nach Farben sortieren" und "Ich lerne, dass der MC-Donalds-Hamburger in Deutschland 1,15 Euro kostet, in Italien 1 Euro und in Paris nur 0,75 Euro. Aha, aber noch lange kein Grund, Franzose zu werden. "
Aber ist das Prosaforum der optimale Platz für diesen Text? Geht es dem Verfasser mehr um den Inhalt oder um die Form?
Thomas Bernhard
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15-01-2003 17:02 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Der Euro Kam Vor Einem Jahr - Gedanken
2. Januar 2002, ARD.
Euro hier, Euro da, Euro in aller Munde. Die ARD zeigt eine Reportage über die Reaktionen des Volkes. Als einleitenden Satz sagt der Moderator: „Seit 46 Stunden leben wir ja nun in einem neuen Land“. Entschuldigung, was? Muss ich mich ummelden? Eurostrasse 41? Ich glaube, ich gehe morgen mal zum Einwohnermeldeamt und frage nach. Vielleicht kann ich Geld (=Euro!) rausschlagen, indem ich das filme und dann an Sat.1 schicke oder so. „Die dümmsten Euro-Bürger der Welt“ als neue Erfolgsendung, am besten abends ab 20:00 Uhr, denn wer will denn schon die Tagesschau mit ihren ausgeleierten Moderatoren aus dem alten Deutschmark-land sehen?. Eine andere grandiose Wortschöpfung der Redaktion ist der „E-Day“. Wahnsinn. E-Day, Euro-Day. Laut Moderator haben sich die Frauen und Männer an Deutschlands Kassen gut geschlagen. Er sagt das, als hätten wir einen Krieg gewonnen.
Scheinbar glauben alle, dass durch den Euro alles besser wird. Einfach alles, ob es nun mit Euro zu tun hat, oder nicht. Meiner Ansicht nach drückt das eine sehr mitleiderregende Unzufriedenheit über den Status quo aus. Erinnern wir uns an den 11. September 2001 und den Anschlag auf das World-Trade Center. Der Beginn einer „Neuen Westlichen“ Welt, die Abkehr von der Spassgesellschaft und die Begründung eines neuen Zeitalters mit Besinnung auf die Nächstenliebe wurde propagiert. Und am Ende kommt eigentlich nur ein Boom von amerikanisch-nationalstolzen Kinofilmen und ein Krieg, bei dem die Amis ihre neusten Waffen testen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen können, bei raus. So wird es mit dem Euro auch sein; Wir werden auch im neuen Euroland unser Altglas nach Farben sortieren, Angela Merkel glaubt immer noch an ihre Lösung der K-Frage und Leverkusen wird auch dieses Jahr wieder nicht Deutscher Meister. Same procedure as every year.
Inzwischen läuft eine spritzige Reporterin vom MDR in einem Einkaufszentrum umher und sammelt Stimmen, wie man so schön sagt. Eine junge Fleischwarenfachverkäuferin (FwFv) mit sächsischem Akzent antwortet, dass sie noch nicht mit dem Euro zurechtkomme und die D-Mark ohnehin viel lieber habe. Die Reporterin beweist Einfühlungsvermögen wie ein Granitstein und fügt hinzu: „Na, auf die Deutschmark habt Ihr ja auch lange genug gewartet.“ Gleich fragt sie vielleicht noch, ob die FwFv schon mal eine Banane gegessen habe. Später spricht sie noch von der guten, alten „West-Mark“ und ich frage mich, ob die Frau die 90iger eingesperrt in irgendeinem Sanatorium mit gutmeindenen Menschen in weiss verbracht hat. Ich hoffe, es sehen keine Ausländer und möglichst wenig Menschen aus den neuen Bundesländern zu.
Später gibt es eine TED-Frage zum Thema „Einkaufen mit dem Euro“. Habe ich Probleme mit dem Einkauf mit dem Euro oder nicht? Für 18 cent pro Anruf – da fängt das Problem ja schon an. Ich würde gerne anrufen und sagen, dass ich zwar mit dem Euro kein Problem habe, aber dafür umsomehr mit der Sendung.
Anschliessend sinniert ein Psychologe, ob man denn jetzt mehr ausgebe, weil die Zahlen kleiner seien. So von wegen, dass ja die Milch statt 2,-DM nur noch 1,- € kostet und damit ja viel billiger ist, oder was? Da kriege ich dann ja für 2,- gleich zwei Liter. Statt bei dem TED anzurufen, könnte ich mich auch im Namen dieses guten Mannes bei der Breisgaumilch melden und ihm einen Tankwagen von der guten heimischen Milch bestellen. Kurbelt die regionale Wirtschaft an und spart dem Psycho-heini eine Menge Geld. Und vielleicht fällt ihm ja nochwas ein, was man mit 15.000 Litern verschimmelter Milch machen kann.
Jedenfalls sind sich alle einig, dass der Euro toll ist, so von wegen einheitlicher Kapitalmarkt und so, ausserdem geht ja der relative Zinsvorteil verloren. Aha.
Ich lerne, dass der MC-Donalds-Hamburger (Im MDR-Jargon auch „Fleischbrötchen“ genannt) in Deutschland 1,15 Euro kostet, in Italien 1 Euro und in Paris nur 0,75 Euro.
Aha, aber noch lange kein Grund, Franzose zu werden.
Was ich zum Euro meine? Die Münzen gefallen mir gut, Scheine hatte ich noch keine.
Meinen ersten Euro bekam ich übrigens nicht in der Bank, sondern als Wechselgeld als ich gestern abend ein Schnitzel mit Pommes bezahlt habe – mit D-Mark natürlich.Never speak a word again
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17-01-2003 12:19 #2
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Altglas nach Farben sortieren
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18-01-2003 18:44 #3
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Re: Altglas nach Farben sortieren
1.In der Überschrift ist die Währungsumstellung ein Jahr her, im letzten Satz aber erst ein oder zwei Tage. Da hast Du Recht, ich habe mihc vertan.
Du schriebst: "2. Zwischen dem Projektbeginn an einem Hollywoodfilm und dem Zeitpunkt, an dem er in Deutschland ins Kino kommt . liegen mindestens eineinhalb, meistens jedoch zwei bis drei Jahre - es mag schwer zu glauben sein, aber die seit dem nine-eleven vermehrt auftretenden amerikanischen "Kriegsfilme" haben ihre Ursache NICHT in besagtem Datum."
So wie der gesamte Text ist natürlich auch diese Zeile nicht ganz ernst zu nehmen ALLERDINGS weise ich darauf hin, dass nach 9/11 einige Filme gestoppt wurden. Letztendlich liefen sie doch - hatten aber die Ursache nicht in 9/11 wie Du richtig anmerkst. Dabei waren "Sum of all fears" (deutschen Titel weiss ich nicht). Mit Ben Affleck und ne Bombe in Baltimore. Und beispielsweise "Black Hawk Down" (deutschen Titel weiss ich nicht).
Aber abgesehen von diesen Anmerkungen geht es ganz einfach darum, dass sich genau GAR nichts in Richtung menschliche Welt oder sowas geändert hat, sondern der Nationalismus der Amis stärker als je zuvor blüht. Habe das letzte 3/4 Jahr in der Staaten verbracht, glaub mir...
Aber ist das Prosaforum der optimale Platz für diesen Text? Geht es dem Verfasser mehr um den Inhalt oder um die Form?
Ich habe diesen Text wie auch meine anderen geposteten Texte vor einiger Zeit und für mich geschrieben. Zufällig stiess ich auf dieses Forum und wollte einfach mal sehen, was andere darüber denken. Darum auch Dir vielen Dank für die Kritik!!
Gruss,
Blackjack
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