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  1. #1
    Der Vogone Gast

    Wettbewerbs-Beiträge

    So, hier stellt ihr bitte eure fertig gebackenen Prosa-Pfannkuchen rein.

    -- Oh, ich vergaß noch zu erwähnen:
    Es darf auch pro Person mehr als eine Geschichte abgegeben werden!

    So, jetzt dürften alle Klarheiten beseitigt sein...

    Vogo

  2. #2
    Andy Gast

    Herbstträume

    Herbstträume

    Die Regenwolken hängen tief und bedecken den gesamten Himmel. Von Westen her klart es langsam auf und die Sonne kann noch ein letztes Mal für diesen Tag ihren warmen Blick auf das Land werfen. Die Schatten der Hecken tanzen über dieabgeernteten Felder und auf einigen bereiten Landwirte den Boden für das Wintergetreide vor. Es ist eine ländliche Idylle. Die große Stadt ist am Horizont hinter dem Hügel zu erahnen. Der Wald, der sich über den Berg zieht, erstreckt sich von links nach rechts, so weit der Blick reicht. Aber wie weit kann man schon sehen, wenn es diesig ist? Nebelschwaden hängen über den Baumwipfeln. Ein Flickenteppich aus roten, braunen, grünen und gelben Bäumen hat sich über den Wald gelegt. Am Waldrand treibt sich ein Rudel Rotwild rum und sucht nach Futter.

    Es ist einer jener magischen Momente, in denen die Zeit still steht und es ganz leise wird. Es ist ein warmer Abend an einem Herbstsonntag. Die Abendsonne steht tief am Horizont und wirft ihre wärmenden Strahlen durch den Wald. Wie lange schwarze Finger tasten sich die Schatten der Bäume über das braungüldene Laub des Vorjahres und über uns erstreckt sich ein farbenfrohes Meer aus grünen, roten und gelben Blättern.

    Gerade war ein Eichhörnchen von einem Ast der Buche dort drüben abgesprungen und verharrt nun auf halber Strecke zum nächsten Ast in der Luft. Seine kleinen Vorderpfötchen bereits dem nächsten Ast entgegengereckt, die Hinterpfoten noch weit nach hinten und mit seinem buschigen, rotbraunen Schwanz hält es die Balance. Ein Blatt hatte sich von seinem Zweig verabschiedet, für dieses Jahr. Nächstes Jahr wird ein anderes Blatt seinen Platz einnehmen. Nun fällt es Millimeter für Millimeter dem feuchten Waldboden entgegen. Wie ein langsames, träges Pendel bewegt es sich mal nach Links, mal nach Rechts. Die Zeit steht nicht still. Sie zieht sich nur wie ein altes, ausgelutschtes Kaugummi.

    Meine Hand berührt sachte ihr braunes Haar. Es fühlt sich warm und weich an. Der Duft ihrer Haare vermischt sich mit dem frischen Duft des Waldes im Herbst. Jenem Duft, wie er typisch ist, so kurz nach einem Herbstschauer. Ihre braunen Augen glänzen. Sie strahlen. Gerade hatte ich ihr die Frage gestellt und ich kann die Antwort in ihren Augen ablesen. Braucht es da noch einer Antwort? Wir kennen uns noch nicht lange. Aber es sind bewegte Zeiten, viele Dinge vergehen so schnell. Und ehe man sich versieht, ist eine gute Chance vertan. Schon morgen muss ich wieder zurück. Ob ich jemals wieder zurückkehren werde, um ihr in die braunen Augen blicken zu dürfen? Ist es klug, ihr diese Ungewissheit aufzubürden? Doch es ist egal. Ich bin jung, sie ist jung. Wir sind verliebt. Die Zukunft liegt in weiter Ferne, gewinnt erst durch unsere Liebe Gestalt und die Gegenwart ist alles andere als mit dem gesunden Menscheverstand zu erfassen. Unsere Liebe gibt uns Hoffnung und ein Ziel.

    Das Eichhörnchen hat nun den Ast erreicht und fängt mühelos den Sprung ab. Es wendet sich langsam uns zu und ich schaue in zwei kleine, schwarze Knopfaugen. Keine Scheu, keine Angst vor dem Morgen ist darin zu sehen.

    Ihre Lippen formen ein Lächeln. Meine Hand gleitet langsam über die weiche Haut ihres Halses und kommt auf ihrer linken Schuler zur Ruhe. Mit ihren Lippen formt sie das eine Wort, auf das ich so inständig gehofft hatte. Wie durch Watte, aus weiter Ferne, aus einer anderen Welt, dringt es zu meinem Ohr und mein Herz vollführt Luftsprünge. Sie lächelt mich an und wir sind die glücklichsten Menschen auf diesem Planeten. Ich greife nach ihren warmen Händen und unsere Lippen nähern sich zu einem sanften Kuss als ich meine Augen schließe.

    Ich öffne meine Augen und schaue durch das Fenster nach draußen in den Garten. Über der Hecke steigt gerade die Morgensonne auf und hat ihre Mühe, den Morgennebel zu vertreiben. Am Fenster ist das leise Prasseln eines Herbstregens zu hören. Von unserem Walnussbaum, den wir nach der Geburt unseres ersten Kindes gepflanzt hatten, löst sich ein Blatt, fällt zu Boden und gesellt sich zu den anderen.

    Ich schaue meiner Frau in die Augen und sie sind leer. Nichts ist mehr von ihrer Lebensfreude zu sehen. Sie sind kalt und leblos. Genauso wie ihre Hand, die noch immer in den meinen ruht. Ich löse eine Hand aus der Umklammerung und streiche durch ihr graues Haar. Langsam fahre ich mit ihr über ihre Augenlider und schließe die Augen. Tränen suchen sich einsam ihren Weg durch mein Gesicht. Ein 49 Jahre altes Versprechen ist eingelöst. Es ist still. Nur der Regen trommelt leise sein Lied.
    Geändert von Andy (19-09-2003 um 16:30 Uhr)

  3. #3
    Der Vogone Gast

    Re: Wettbewerbs-Beiträge

    @Andy: Danke für den Grundstein!
    Original geschrieben von Uns Selbst
    Kritisiert wird hier nicht!
    Dies ist eine reine Annahme-Stelle!
    Vergeßt es!

    Ist ja Blödsinn (und inzwischen gelöscht). Einzig wir Mods werden versuchen, uns einigermaßen mit Bewertungen zurückzuhalten, um nicht vorschnell durchscheinen zu lassen, wen wir favorisieren und wem wir eher wenig Chancen einräumen. Denn im Zweifelsfall spielen wir ja Zünglein an der Waage.

    Alle anderen aber sollen ruhig ihren Senf dazugeben. Es macht ja auch nichts, wenn man weiß, wem was gefällt oder nicht und wo man selber mit seiner Story steht. So hat jemand, den schon vor der Abstimmung das unangenehme Gefühl beschleicht, bei der Kritik mehrheitlich durchgefallen zu sein, sogar noch die Möglichkeit, mit einer zweiten Geschichte nachzulegen.

    Euer Vogo

  4. #4
    maybelline Gast

    Wie ich es hasse!

    Und wieder ist es soweit, im Moment hasse ich es. Warum muss man eigentlich aufstehen müssen, morgens, wenn der größte Wunsch es ist, einfach liegenbleiben zu dürfen. Aber nein, der Wecker springt schon zum zweiten Mal an, dabei hatte ich mich doch gerade erst noch einmal umgedreht und in meine Decke gekuschelt, mich verkrochen. Oh, wie ich es hasse! Und draussen ist es auch schon wieder dunkler geworden, als es gestern noch war, oder den Tag vor gestern, oder den davor. Auch das hasse ich. Der Sommer ist wohl endgültig vorbei. Ja, ich weiss, eigentlich, aber wirklich auch nur eigentlich, hätte ich es schon lange merken müssen. Das schöne Sommerwetter hat sich verabschiedet, die Temperaturen sind in den Keller gerutscht, es war grau und regnerisch und ich musste sogar schon wieder meine JACKE rauskramen - unglaublich, aber leider war es so. Dabei haben wir doch erst, erst, oh... schon September. Aber September, das ist doch eigentlich auch noch Sommer, oder etwa nicht? So ein bisschen zumindest? Ach, verflucht! Ich will nicht, dass jetzt schon Herbst ist! Diese verdammte dunkle Jahreszeit rückt immer näher und irgendwann kommen wieder die Tage, wo es beim Aufstehen genauso düster draussen ist wie beim Nachhausekommen. Die Sonne ist dann nur noch ein Gerücht, was man manchmal vielleicht eventuell von der Arbeit aus zu Gesicht bekommt. Aber auch nur, wenn man Glück hat! Ahhhhhhh! Das ist doch nicht gerecht, verdammt nochmal! Ich will Sommer haben und der soll gefälligst auch bleiben und nicht immer dann verschwinden, wenn man sich gerade an das schöne Wetter gewöhnt hat und dann Platz machen für dieses... dieses... dieses, für diese Katastrophe namens Herbst. Ja, ist doch wahr, das kann man doch nicht mehr als schön bezeichnen. Es sei denn natürlich, man heisst Isabella und ist meine Kollegin. Nein, nein, nein. Ich kanns nicht mehr hören! "Schau doch mal, Sabine, wie schöööööön sich die Blätter verfärben!" und "Sabine, ist dieser Herbststurm nicht herrrrrrlich?" und dann auch noch das "Juuuuuuuuuchuuuuhuuu, ein HerbstGEWITTER! Komm, lass uns raus!". Nein, nein, nein, nein, nein! Herbst ist nicht schön, da kann Isabella mir erzählen, was sie will. Ja, sieht sie denn nicht, dass alles grau und nass und kalt und einfach nur noch scheisse draussen ist?! Das ist doch kein Wetter zum Wohlfühlen. Und ihre Fröhlichkeit über diesen ganzen Mist, DIE regt mich natürlich noch mehr auf. Ist doch auch kein Wunder, oder? OH VERFLUCHT! Jetzt sei doch endlich still! Ja, mein gehasster Wecker, ich weiss, dass es Zeit zum Aufstehen wird, aber ich WILL doch nicht! Jajajaja, ich steh ja schon auf. Boah, der Tag fängt mal wieder gaaaaaaaanz toll an, aber wie sollte es auch anders sein - wir haben ja jetzt Herbst! Ich hasse, dieses Wort, ich hasse diese Jahreszeit, ich hasse dieses Wetter, ich hasse es, zur Arbeit zu müssen, ich hasse Isabella, ich hasse mich, ich hasse, hasse, HASSE! BOAH!

  5. #5
    binneuhier ist offline "Student" (20-79 Beiträge)
    Registriert seit
    12.09.2003
    Beiträge
    29

    Re: Wie ich es hasse!

    Original geschrieben von maybelline
    Ja, sieht sie denn nicht, dass alles grau und nass und kalt und einfach nur noch scheisse draussen ist?!
    Ja, siehst Du denn nicht, daß diese Formulierung einen Stilbruch zum Rest des Textes darstellt?

    Dieses "Ich hab Null Bock, ist doch eh alles nur noch Scheiße" passt überhaupt nicht zum Rest Deines Textes.

    Du magst etwas verfluchen, Du magst auch etwas sehr hassen, ja sogar so sehr, daß sich dieses Wort bis zum Finale immer mehr häuft, aber etwas "einfach nur Scheiße finden"?

    Bist Du da draußen gerade in einem Hundehaufen getreten, der sich im bunten Herbstlaub versteckte?

    Diese Formulierung wird allzu oft gebraucht, wenn einem die guten Argumente ausgehen und man trotzdem überzeugen will, ach was sag ich, wenn man Recht haben und das letzte Wort haben will. Das gelingt aber zumeist nicht.

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