Hmm, ich hab zwar schon mit einer Menge psychischen störungen im alltag zu tun gehabt, aber damit nicht.
Mein Tipp:
Geht an die Klinik in eurer Stadt und seht mal nach ob es da ein beratungsangebot gibt. Bei uns gibt es einen psycholgischen Dienst bei dem auch angehörige im weiteren Sinne sich austauschen können und auch lernen mit der Krankheit ihrer Freunde umzugehen. Das kann helfen.
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01-02-2005 21:40 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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wer kennt sich aus mit histrionischen pers.?
hi zusammen!
Meine Freundin und ich haben letzte Woche gerade so ziemlich beschissene Erfahrungen gemacht, indem wir beide unsere besten Freunde verloren haben, und nun stellte sich heraus, dass sie histrionische Persönlichkeiten sind, wie ich schon vermutet habe, aber sie haben es dann auch noch zugegeben.
hier nochmals für alle, die nicht wissen, was das ist, ne kurze Fachbeschreibung:
>>Eine Persönlichkeitsstörung, die durch oberflächliche und labile Affektivität, Dramatisierung, einen theatralischen, übertriebenen Ausdruck von Gefühlen, durch Suggestibilität, Egozentrik, Genußsucht und ein Mangel an Rücksicht- nahme gekennzeichnet ist. Typische Merkmale der histrionischen Persönlichkeitsstörung sind auch eine erhöhte Kränkbarkeit und ein dauerndes Verlangen nach Anerkennung, äußeren Reizen und Aufmerksamkeit.
Die histrionische ( von lat. histrio = Schauspieler ) Persönlichkeitsstörung wurde früher als hysterische Persönlichkeitsstörung (Hysterie) bezeichnet. Charakteristisch für das Verhalten Betroffener ist eine Überemotionalität, die von den Mitmenschen als unangebracht und übertrieben, mitunter sogar als theatralisch empfunden wird. Der Gefühlsstatus Betroffener erweist sich dabei als instabil und wechselhaft. Menschen mit histrionischer Persönlichkeitsstörung stehen gerne im Mittelpunkt und mühen sich übermäßig um die Anerkennung der Umwelt. Sie legen daher viel wert auf ihr Äußeres und wirken oftmals unangemessen sexuell aufreizend. Es besteht ein Hang zu Unechtheit und Koketterie. In engeren zwischenmenschlichen Beziehungen erweisen sich Betroffene als egozentrisch und mitunter auch manipulativ.
Wisst ihr, wie man mit solchen Menschen am besten umgeht, wenn sie ständig Intrigen starten und ihre Freunde manipulieren müssen, nur damit sie im Mittelpunkt stehen, und wenn das auf diese Art und Weise nicht klappt, auch mal ab und zu oscar-verdächtige Schauspieleinlagen mit plötzlichen Schluchzattacken, dramatischem Geflenne und dergleichen starten??
Wir wären sehr dankbar um eine Antwort, vor allem wäre es super, wenn jemand schon Erfahrungen mit Menschen, die an dieser Persönlichkeitsstörung leiden, gesammelt hat und uns vielleicht einige Tipps geben könnte weil unsere Beziehung unter Anderem auch schon ziemlich ins Wanken geriet wegen dieser Intrigen-Starterei...
Bitte, und evt. im Voraus schon mal ein ganz dickes Dankeschön.
Grüsse, sugarblue
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02-02-2005 12:34 #2Anglizismen sind Bullshit
Wenn man weiß wer der Böse ist hat der Tag Struktur(Volker Pispers)
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03-05-2006 15:07 #3
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Histrionische Erinnerungen
Hallo sugarblue,
Dein Beitrag ist zwar schon etwas länger her, aber ich schreibe trotzdem mal was dazu, weil es in mir ein paar Erinnerungen an eine "Freundschaft" hochruft, die vielleicht anderen in einer ähnlichen Situation etwas weiterhelfen, die Dinge klar zu sehen:
Es ist schon manchmal interessant, wie sich die Erfahrungen gleichen... Ich war bis vor ca. 2 Jahren auch mit einem Mädel befreundet, das genau die von Dir beschriebenen Charakterzüge aufwies. Allerdings hatte und habe ich nie das Gefühl, dass ihr Verhalten böswillig oder manipulativ gewesen wäre, es war einfach ihr Charakter. Sie war ebenfalls extrem instabil, morgens manchmal die Welt umarmend und abends schon in einer nach aussen gesehen tiefen Lebenskrise. Extrem egozentrisch und gleichzeitig ohne das notwendige Fingerspitzengefühl, wenn es um Gefühle anderer ging.
Das klingt nun alles etwas boshaft, deswegen will ich dem gegenüberstellen, dass sie in meinen Augen ein äusserst liebevoller, sozialer und interessanter Mensch war und ist. Sehr unterhaltsam schon allein durch ihre Gabe, in jeder Runde innerhalb von fünf Minuten im Mittelpunkt zu stehen.
Das Problem an unserer Freundschaft war, so wie ich es heute sehe, ein zweiseitiges: Ich habe viel zu selten "nein" gesagt und war nahezu immer für sie da. Auch weil sie mir durch ihr Verhalten sehr offensichtlich Hilfsbedürftigkeit signalisiert hat. Ich dachte zu dieser Zeit einfach, in einer Freundschaft wolle ich alles geben. Heute sehe ich das etwas anders, mehr dazu weiter unten. - Und so habe ich mich mit der Zeit selbst aufgerieben mit der Forderung an mich selbst, ihr beizustehen in allen kleinen Lebensproblemen (die für sie immer einem Weltuntergang glichen). Mein Fehler, würde ich heute sagen. Ihrer war allerdings, dass sie nicht fähig war, Gereiztheit und Entnervtheit meinerseits als direkte Folge ihres Verhaltens zu sehen, sondern mir umgekehrt Empfindlichkeit und Übersensibilität unterstellt hat. Was das Problematische in unserer Beziehung für mich nur noch verstärkt hat: Da ich ja nicht fähig war, ihr klarzumachen was ich in unserem alltäglichen Miteinander nicht mochte und gleichzeitig immer wieder signalisiert bekam, es sei mein Fehler, hat "es" (nicht nur sie, sondern auch ich selbst) mich immer tiefer hinuntergezogen stimmungsmässig. Schliesslich wurde ich in der Tat überempfindlich, wenn es um Bemerkungen und Formulierungen ihrerseits ging, weil sie für mich stets die problematischen Facetten unserer Beziehung wiederspiegelten.
Der Tropfen, der das Fass für mich zum Überlaufen brachte, war die Erfahrung, dass es mir selbst einmal sehr schlecht ging und sie mein Problem einfach als nichtig und nebensächlich abgetan hat und mich damit allein stehenliess. Denn wenn ich in einer Freundschaft einem anderen etwas gebe, dann will ich auch umgekehrt diese Nähe spüren dürfen, wenn ich sie brauche. Aber da kam nichts, ausser Anschuldigungen bis hin zu "Du willst doch nur, dass es Dir schlecht geht!"
In dem Moment, in dem ich unsere "Freundschaft" als ein sehr einseitiges Verhältnis erkannt hatte, war mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Ein erneuter Versuch meinerseits, meine Gefühle und Verletztheit ihr gegenüber zu formulieren (Ehrlichkeit ist mir in allen Lebenslagen sehr wichtig, auch wenn es mal unangenehm ist), scheiterte wiederum an ihrem Unwillen Fehler bei sich selbst zu suchen. Als ich also in dieser Situation in eine gefühlsmässige Sackgasse geraten war, habe ich unsere "Freundschaft" von einem auf den anderen Tag beendet und zwar in einer dermassen radikalen Art und Weise, dass ich kein Wort mehr mit ihr wechselte. (Dazu muss man sagen, dass wir weiterhin eine Küche im selben Stockwerk eines Wohnheims teilten und uns täglich begegneten.) Sicher nicht die feine englische Art und sicher etwas, das umgekehrt sie zutiefst verletzt hat, aber ich sehe auch heute im Rückblick für mich keine andere Wahl. Monate später habe ich noch ein letztes Mal versucht, die Vergangenheit gemeinsam mit ihr aufzuarbeiten. Ich habe in einer ruhigen Minute versucht, sachlich und ohne zu verletzen meine Haltung und meine Gefühle wiederzugeben, was wiederum in wortreichen Diffamierungen und Anschuldigungen ihrerseits resultierte. Ich solle mich bei ihr entschuldigen für den Kontaktabbruch. Das tat ich auch, versuchte ihr wiederum klarzumachen, welche Gründe ich dafür hatte. Und wieder war ich es in ihren Augen, der überempfindlich reagiert hatte. Das war für mich das endgültige Fazit unter einer langen traurigen Geschichte: Ein Mensch, den ich grundsätzlich mochte und zu schätzen wusste, stellte sich als jemand heraus, der mir selbst schadete und mir ein schlechtes Gefühl gab.
Seitdem habe ich den Kontakt zu ihr wiederum abgebrochen, trotz zahlreicher zuckersüsser Mails o.ä. ihrerseits. Ich sehe weiterhin keine Lösung des Problems. Aber ich habe etwas daraus gelernt: Ich habe mir vorgenommen, nie wieder mit jemand eine Freundschaft zu beginnen, der nicht ein Grundmass an Kompromissbereitschaft und emotionaler Intelligenz mit sich bringt. Und ich will mich nie wieder von einem sogenannten Freund oder einer Freundin in eine Situation bringen lassen, in der es mir am laufenden Band schlecht geht. Das ist nämlich der Anteil an der Problematik dieser Beziehung, den ich eindeutig selbst mitzuverschulden habe.
So, mein Beitrag ist wie immer mal wieder länger geworden als zunächst vermutet, aber vielleicht gibt er ja anderen einen Einblick in die Situation und verhindert, dass ihm oder ihr einmal Ähnliches passiert. Dies kann man m.E. verhindern, indem man Personen mit dem oben geschilderten Persönlichkeitsbild schnell erkennt und gleichzeitig, indem man seiner eigenen Aufopferungsbereitschaft deutliche Grenzen setzt, wo sie einem selbst zu schaden drohen.
Liebe Grüsse,
RudiGeändert von Rudi Ratlos (03-05-2006 um 15:09 Uhr)
Wessen wir am meisten im Leben bedürfen ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.
(Ralph Waldo Emerson, 1803-1882)
Gehe nicht vor mir - vielleicht folge ich Dir nicht.
Geh nicht hinter mir - vielleicht kann ich Dich nicht führen.
Geh einfach neben mir - und sei mein Freund.
(Albert Camus, 1913-1960)


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