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  1. #1
    Avatar von S. Anders
    S. Anders ist offline "Habilitand" (500-749 Beiträge)
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    Plattenkritiken


    HALLO AUDIOPHILISTER!

    Dieser fixierte Thread soll Euch die Möglichkeit geben, Neuerscheinungen oder Lieblingsplatten vorzustellen. Ob Ihr Euch dabei kurzfassen wollt oder episch breit, ob Ihr vor dem Kauf einer Scheibe warnen oder eine Reissue von Chuck Berry's gesammelten Werken unbedingt an die Herzen aller Unicate legen wollt: Eure Sache!.

    Nur zwei Regeln:

    Schreibt in die Betreff-Zeile Gruppe/Künstler und Werk,
    sowie zum Abschluss Eures Beitrags eine der folgenden Kurzbewertungen:
    (1) für "mies!"
    (2) für "na ja!"
    (3) für "okay!"
    (4) für "prima!"
    (5) für "hervorragend!"
    (6) für "absolutes Meisterwerk!"
    Gruß,
    Sam
    Geändert von S. Anders (26-01-2005 um 10:58 Uhr) Grund: Rauten in Zahlenwertungen verändert, das mühsame Nachzählen entfällt; erlaube mir, auch Eure Beiträge dementspr. zu vereinheitlichen (s.u.)
    Gruß, Sam
    s. anders ist stolzer moderator des bücherforums
    und wird eingekleidet von seiner mama

    als orion "zett" green und timotheus roth
    kämpft er tapfer in den logorrhien wars

  2. #2
    Avatar von staralfur
    staralfur ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
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    kingston wall: II

    na dann will ich mal den anfang machen mit einer ziemlich unbekannten und in dem sinne auch verkannten finnischen band: kingston wall
    Der sänger und begnadete gitarrist hat sich leider anno 93 von einem kirchturm gestürtzt, und keinen hat´s interessiert...
    Dafür lebt seine Musik weiter, und die kann sich sehen und hören lassen:


    I must have heard a zillion variations on the telltale middle eastern E-F-E progression that anchors all ten glorious minutes of "You", but its a testament to the unbelievable tightness of Kingston Wall that this ensemble left me with the kind of head rush like I had never even heard of a guitar before. If that's not it, then its gotta be the headbanging Donna Summer cover "I Feel Love". This dementia is courtesy of guitfiddle svengali Petri Walli, here anchored by unbelievably tight bass & kit work work by Jukka Jylli and by Sami Kuoppamäki respectively, and peppered with tasty, David Sanborn-like soprano sax by Sakkari Kukko (on "Shine On Me"). The songs themselves are otherworldy acid-drenched jam guitar workouts, tempered with ringing acousticy Zeppelin drama and doe-eyed innocent hippie lyrics - but is played with such incredible energy that it comes off as much tighter and less meandering than it ever should. Indulge a bit of disingenuous praise and meaningless platitudes for just a second - but coming from someone who's played for close to 15 years, and tasted every rock shred variation there is, I have to say the late guitarist/violinist/vocalist Petri Walli is flat out one of the best rock guitarists I have EVER heard. He simply flays listeners alive with orgasmic, every-note-counts solos, unbelievably liquid chord progressions and ridiculously well-constructed, near-perfect song vehicles for his godlike ability. Walli's reedy voice and epic psych tendencies definitely reminds me of Steve Hillage, but he's much closer to a Robin Trower in execution. This band is quite influential on many of their hard rock/metal Scandinavian contemporaries. (If anything's a testament to this band's power, almost singlehandedly turning the warlike, Odin-worshipping Nordic doom grunters Amorphis into incense-burning hippies through pure jam power should provide assurance to even the most foolhardy skeptic.) Any fan of psychadelic rock like Ozric Tentacles, Porcupine Tree, or more venerable 70's institutions like Cream has GOT to have at this in their collection. Heck, buy a few more copies for your groove-starved musician friends and spread the love. It's a damn shame Walli wasnt able to find the strength to combat his inner demons, but at least we have this note-perfect masterpiece to admire after that cold hard fact - seeds of shred for future cosmic farmers to plant and flower for a hungry new generation starving for a little bit of inspiral sunshine.


    Bewertung: (5) hervorragend
    Geändert von S. Anders (05-12-2004 um 17:07 Uhr)
    Lachen sie doch, es gibt keinen Grund sich zu sorgen, alles ist lächerlich. Nehmen sie den Tod schweigend zur Kenntnis und das Leben nicht ernst. Nichts lohnt sich. Alles ist wertlos. Tanzen sie im Regen und werfen sie Blumen in den Himmel!

  3. #3
    Avatar von staralfur
    staralfur ist offline "Absolvent" (80-149 Beiträge)
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    sigur rós - ()

    und gleich noch eine von sigur rós, diesmal auf deutsch und... äh... von mir geschrieben...


    Man wurde schon ab und an seltsam beäugt wenn man, nach dem Namen des letzten Albums der 4 Isländer befragt, ein sorgsam konzentriertes aber doch leicht mühsames "agaetis byrjun" hervorwürgte und sich dabei bemühte wenigstens ein bisschen isländisch zu klingen, oder zumindest so, wie man sich isländisch eben vorstellt. Dem Herrn sei dank gibt es diesmal weder einen isländischen Albumtitel noch für den Durchschnitts-Nicht-Isländer kryptische Songtexte sondern ein Album in "hopelandish". Aha. Würde man jetzt nach dem Album gefragt braucht man einfach nur beide Hände nebeneinander halten und ein bisschen einkrümmen in dem Versuch sie ein wenig hoffnungsvoll aussehen zu lassen.
    Dabei geht es darum gar nicht. Nicht um den fehlenden Albumtitel, nich den überfahrenen Igel auf dem Cover, nicht um das Gesicht desjenigen der erwartungsvoll das Booklet durchblättert um von jeder weiteren leeren Seite ein neues Runzeln auf die Stirn geschrieben zu bekommen.
    "( )" ist der Protest gegen neoindustrielle Joghurtbecher deren Äußerlichkeiten man sich eine halbe Stunde widmen kann ohne zu ermüden; womit aber letztendlich nur vertröstet werden soll dass der Pegelstand des eigentlichen Gutes bei etwa 60% liegt. Jon Thor Birgisson, Georg Holm, Kjartan Sveinsson und Orri Pall Dyrason haben es genau andersherum gemacht - mit einem Inspirationsstaubsauger haben sie jegliche Energie der Umwelt abgesaugt und direkt in den Mikrokosmos der CD verbannt. Das was wir in den Händen halten und "( )" heißt dient also lediglich dazu dass uns der Joghurt nicht direkt in die Hände geschüttet wird bevor wir zum Löffel greifen können. Umso mehr können wir uns jetzt die 8 unbetitelten Songs schmecken lassen.
    "( )" ist homogener als sein Vorgänger, ausgeglichener und doch abwechslungsreich, wobei auf harte Konturen verzichtet wurde und jeder Wechsel langsam aber bestimmt angedeutet wird. In der Mitte der CD gibt es eine langatmige Pause welche wohl eine verspätete Gunstbezeugung an die Zeiten der Kassetten darstellt und die nicht ohne Grund dort zu finden ist, da das Album für viele deutlich zweigeteilt ist. Manche übertreffen sich gegenseitig mit Lobpreisungen über die ersten 4 Stücke um im gleichen Atemzug darauf hinzuweisen dass das Album nicht hätte länger brauchen zu sein da man den Rest getrost dem Montag-Morgen-Müllman in die Hände drücken könnte. Andere wiederum sprechen vom schwachen Start und der Wiedergutmachung durch die 2. Hälfte und am Ende weiß niemand so richtig was denn jetzt gut und was schlecht ist. Schlecht ist erstmal definitiv gar nichts - nur durch einige Songgiganten deren Spitzen durch die Athmosphäre brechen und in den Weltraum blinzeln wirken andere dann eher nur noch mittelmäßig. Sind sie aber nicht. Minimalistisch ja, mittelmäßig nein.
    Die Stärke der Isländer besteht darin trotz eben jenem Minimalismus eine Athmosphäre zu schaffen die so unglaublich dicht und intensiv wirkt als würde man jeden Moment in ihr ertrinken. Aber anstatt panisch zu strampeln und nach Luft zu ringen will man nur noch tiefer eintauchen; man spürt, dass, nachdem man die Augen geschlossen hat, nicht nur Dunkelheit sondern ein sanftes Schimmern wartet, nicht Leere sondern Hoffnung.
    Die Schönheit dieser von Sigur Rós geschaffenen Aquarien wirkt so zerbrechlich wie der Nachhall einer angeschlagenen Saite und sie müsste eigentlich jederzeit bangen durch eine Vorschlaghammerstimme zerschmettert zu werden. Zum Glück gibt es keinen Gesang auf dieser CD; die einzigen Instrumente sind Bass, Schlagzeug, Keyboard und natürlich eine zum Streichinstrument umfunktionierte E-Gitarre plus Birgissons Stimmbänder. Dieser erfindet nämlich nicht nur die Gitarre neu sondern auch den Gesang der bei ihm so sehr mit der Musik harmonisiert und in ihr untertaucht dass er vielmehr als Instrument betrachtet werden muss.
    Die stärksten Tracks von "( )" sind definitiv untitled 4 und 8 wobei letzterer in einem derartig intensiven Schlagzeuggewitter mündet dass man meinen möchte jemand habe ein Elektrogerät in Sigur Rós' Unterwasserwelt fallen lassen.


    Bewertung: (6)
    Geändert von S. Anders (05-12-2004 um 17:08 Uhr) Grund: s.o.
    Lachen sie doch, es gibt keinen Grund sich zu sorgen, alles ist lächerlich. Nehmen sie den Tod schweigend zur Kenntnis und das Leben nicht ernst. Nichts lohnt sich. Alles ist wertlos. Tanzen sie im Regen und werfen sie Blumen in den Himmel!

  4. #4
    Avatar von staralfur
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    a silver mount zion - born into troubles as the sparks fly upwards

    alle guten dinge sind ja bekanntlich 3


    Als Kammermusik wurde es mal bezeichnet - Dimensionsmusik würde ich sagen. Wenn man diese Musik hört steht man augenblicklich auf weiter Flur mit apocalyptisch-feuerrotem Himmel, zerstörten Landschaften, weit und breit nichts Lebendiges. Trostlos? Sicher. Deprimierend? Klar doch. Abstoßend? Keineswegs.

    Fast müsste man den 3 entlaufenen GodspeedYouBlackEmperor!-Mitgliedern und ihren Gastmusikern mangelnden Ideenreichtum vorwerfen, bestehen doch die meisten Songs aus sich ständig wiederholenden 3-Tonfolgen. Immer und immer wieder. Mal mit 3 Sekunden Abstand dazwischen, andernorts nur mit 2. Mal mit Streichern, mal mit Piano. Mal von oben nach unten, mal andersherum, teilweise sogar chaotischst durcheinander gewürfelt (man bedenke die immense Vielfalt der Kombinationen aus 3 Tönen). Nach dem ersten Durchgang des etwas verzögerten Dreiklangs kann man den Rest des Liedes simultan hervorsagen, selbst wenn man sich nebenbei gerade mit einem C64 ins Pentagon hackt.
    Und doch... irgendwie wird es nicht langweilig. Ganz im Gegenteil; würde, nachdem die ersten beiden Noten verklungen sind, nur noch Stille herrschen oder gar ein unverschämter 4. Ton dazwischenqueruleren - es wäre schrecklichst! Wie von Zauberleim gebannt sitzt man ehrfürchtig im Schallwellenbereich des CD-Spielers und hofft inständig, ja man bangt geradezu um den letzten, die schlichte Schönheit vollendenden Ton. Efrim, Sophie, Thierry und ihre Gelegenheitsmusiker verstehen es auf geradezu hypnotische Weise den Zuhörer mit einem einzigen Kuss der Minimalkunst ihrer Streicher, des Pianos und diversen individuellen Instrumenten in einen Zementfrosch zu verwandeln der zum Innehalten und Lauschen verdammt ist. Außerdem drängeln sich zahlreiche kleine Anekdoten zwischen die kleinen Kompositionen - vom elektronisch würgenden Kranich über ein Pamphlet gegen die Einsamkeit bishin zum in türkischer Manier jodelnden Kind.
    Die glänzendsten Seiten dieses Musikdiamanten stellen die Titel Nr. 4 ("take these hands and throw them into the river") und 5 ("could´ve moved mountains") dar. Aus welcher dunklen Ecke die Hände geworfen wurden wissen wohl selbst die Herren und Damen von ASMZ nicht; auf jeden Fall gleicht der Aufprall im Fluss einer mit Schreien gefüllten Splitterbombe unter welcher die zärtliche Apathie des Albums vorrübergehend zerfetzt wird - wo zuvor die Stille meist ohrenbetäubend war ist es jetzt eine kreischend verzerrte Stimme die einem die Nackenhaare nicht nur aufrichtet sonder sie auch gleich abbricht, stilvoll begleitet von Sägen anstatt Bögen schwingenden Streichern. Doch irgendwann endet auch dieses Monstrum in wehmütiger Stille aus der ganz ganz sacht das nächste Lied hervorschaut, als hätte es sich bis dahin vor seinem Vorgänger versteckt. Verständlich wäre es; eine Kreatur so zaghaft und verletzlich wie diese gibt es kein zweites mal; man muss schon für ein paar Minuten die Luft anhalten um nicht ihre ersten Töne ausversehen zu verschlucken, bevor die Komposition nach einer Weile von anmutigen Streichern davongetragen wird, irgendwohin wo auf ewig die Sonne scheint.
    Dorthin gehört auch die komplette Scheibe dieses Seitenprojekts ASMZ das den Hauptspross Godspeed eigentlich schon in die zweite Reihe drängt.


    Bewertung: (6)
    Geändert von S. Anders (05-12-2004 um 17:11 Uhr) Grund: s.o.
    Lachen sie doch, es gibt keinen Grund sich zu sorgen, alles ist lächerlich. Nehmen sie den Tod schweigend zur Kenntnis und das Leben nicht ernst. Nichts lohnt sich. Alles ist wertlos. Tanzen sie im Regen und werfen sie Blumen in den Himmel!

  5. #5
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    @ Sigur Rós

    Zitat Zitat von staralfur
    und gleich noch eine von sigur rós, diesmal auf deutsch und... äh... von mir geschrieben...

    Man wurde schon ab und an seltsam beäugt wenn man, nach dem Namen des letzten Albums der 4 Isländer befragt, ein sorgsam konzentriertes aber doch leicht mühsames "agaetis byrjun" hervorwürgte und sich dabei bemühte wenigstens ein bisschen isländisch zu klingen, oder zumindest so, wie man sich isländisch eben vorstellt. Dem Herrn sei dank gibt es diesmal weder einen isländischen Albumtitel noch für den Durchschnitts-Nicht-Isländer kryptische Songtexte sondern ein Album in "hopelandish". Aha. Würde man jetzt nach dem Album gefragt braucht man einfach nur beide Hände nebeneinander halten und ein bisschen einkrümmen in dem Versuch sie ein wenig hoffnungsvoll aussehen zu lassen. (...)

    Bewertung: (6)

    Stimme Deiner Bewertung dieses großen Albums (bis auf einen Stern) zu, auch wenn ich bekennen muss, dass es den "Aha-Effekt" (keine Anspielung auf ein nordisches Flat-Pop-Trio! Bitte nicht!!!), der sich noch bei "agaetis byrjun" einstellte, nicht reproduzieren konnte. Es ist zweifellos vertrackter, widerspenstiger, weniger eingängig - was nicht notwendigerweise Zeichen mangelnder Qualität ist; trotzdem würde ich ebensowenig behaupten wollen, dass "Fortentwicklung" des musikalischen Ausdrucks immer gleichzusetzen sei mit einem Zugewinn an Qualität und Tiefe. Ich glaube die Isländer pilgern auf einem sehr schmalen Grat. Rechts der Abgrund eines unhörbaren Minimalismus'. Links das Flachland ewiger Selbstkopie. Bin sehr auf das nächste Album gespannt.

    Für mich:

    (6) - Agaetis Byrjun
    (5) - ( )
    Geändert von S. Anders (05-12-2004 um 17:11 Uhr) Grund: s.o.
    Gruß, Sam
    s. anders ist stolzer moderator des bücherforums
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