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  1. #1
    Martys Gast

    Mitten im Studium....aber: geeignet dafür??

    Hallo,

    Ich hätte gern einen Rat.

    Ich stecke gerade mitten in meinem Biologie-Studium (4. Semester). Das Studium habe ich begonnen, weil Bio in der Schule mein absolutes Lieblingsfach war und ich auch einfach keine andere Idee hatte.
    Es läuft auch jetzt nicht schlecht, nur bricht immer wieder meine Faulheit durch...ich lerne erst 3 Tage vor der Klausur , dann auch nur ca. 4 h am Tag und habe auch nicht die allerbeste Konzentration und schweife ab. Allerdings kann ich mit nicht übermässigem Lernaufwand die Klausuren einigermassen bestehen (Schnitt vielleicht 2,7). Die Vorlesungen finde ich meist recht interessant (z.B. Molekularbiologie oder Physiologie) , OC allerdings zum Ko**en und Bestimmungsübungen und Systematik genauso öde.

    Was soll diese Beschreibung? Nun ja, ich frage mich mittlerweile ernsthaft, ob ich mit diesen Eigenschaften später fähig sein werde, mich in der heutigen Arbeitswelt zurechtzufinden.....oder nicht lieber z.B. eine Ausbildung machen sollte. Auch oder erst recht im Gebiet der Forschung sollte man ja voll hinter der Materie, mit der man sich beschäftigt, stehen, um später nicht ausgesiebt zu werden. Es mag vielleicht viele Felder geben, in denen man als Diplom-Biologe tätig werden kann, aber ich denke, für jedes muss man einen TOP Einsatz bringen.

    Viele sagen sich ja z.B. "Medizin, das wäre zuviel Lernerei/schlechte Arbeitszeiten" oder "Lehrer, viel zu stressig" aber wenn ich mir so überlege, wie lange die Forscher abends wegsind und auch am Wochenende oft arbeiten, dann wird klar, daß auch hier ordentlich geklotzt werden muss und das Privatleben eben wohl in jedem akademischen Beruf leiden muss.....

    Was meint ihr, hat man auch, wenn man nicht totaler Bio-Freak ist, Aussichten auf einen passablen Job?

    Gruss, Martys

  2. #2
    Oakster Gast
    Hi Martys,

    tja, bei solchen Sachen ist guter Rat natürlich immer ein bisserl schwierig. Aber wenn ich deinen Text so lese, dann hab ich ehrlich gesagt nicht das Gefühl, dass bei dir akute Versagensgefahr bestehen sollte.

    Wenn Du Klausuren schaffst, ohne viel dafür zu lernen, dann ist das doch eigentlich erstmal ein gutes Zeichen. Und wenn Du selber findest, dass Du noch besser sein könntest, wenn Du mehr lernen würdest, dann würde ich diese Art der Faulheit als gar nicht so dramatisch bezeichnen. Wenn es bei uns Noten oder Punkte auf die Klausuren gegeben hätte (anstatt nur bestanden oder durchgefallen), dann hätte ich in vielen Klausuren ne 4 gehabt, trotz lernen und trotz der Tatsache, dass ich nicht glaube, auf den Kopf gefallen zu sein. Aber im Grundstudium hangelt man sich halt von Klausur zu Klausur, wohlwissend, dass vom Ergebnis nicht alles abhängt.
    Wenn die Klausuren bei euch bepunktet werden, dann liegt der Fall natürlich ein wenig anders, aber wie gesagt, hört sich in meinen Augen nicht dramatisch an.

    Um ehrlich zu sein, hab ich zwischen drittem und viertem Semester eine Phase gehabt, in der ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen, weil es mich nur noch angekotzt hat. Ständig Klausuren, viele chemische und physikalische Vorlesungen, kaum noch Biologie und ständig die Angst wegen EINER versiebten Klausur 2 Semester länger brauchen zu müssen.
    Aber da hieß es einfach durchhalten und die Sache hinter einen bringen. Und jetzt? Wenn ich damals aufgehört hätte, hätte ich mir das niemals verziehen. Mit dem Ende des Grundstudiums und dem Beginn des Hauptstudiums ändert sich auf einmal ALLES. Grund- und Hauptstudium sind überhaupt nicht miteinander zu vergleichen. Schon Anfang des sechsten Semsters konnte ich mir kaum noch vorstellen, dass ich mich noch vor gut einem halben Jahr durch eine Art des Studiums gequält hatte, die so fundamental unterschiedlich ist. Und dass dich nicht alle Fächer interessieren und begeistern, das ist der Normalfall. Wer kann schon ALLES toll finden? Es ist auch keine Schande, OC nicht zu mögen .

    Deshalb mein ganz persönlicher Rat: Mach erstmal das Vordiplom fertig und mindestens 1 Semester Hauptstudium. Hinschmeißen kannst Du dann immer noch. Auf das eine Semester kommt es dann echt nicht an. Wenn Du im Hauptstudium beginnst, Licht am Ende des Tunnels zu erblicken, dann ist das der richtige Weg. Wenn Du aber im Hauptstudium absehen kannst, dass Du nichts gebacken kriegen wirst, dann kannst Du ruhigeren Gewissens abbrechen, weil Du das Hauptstudium selbst erlebt haben wirst.

    Recht hast Du sicherlich in Bezug auf den Arbeitsaufwand als Biologe. Wenn die Gewerkschaften mal wieder streiken, weil sie es für menschenunwürdig halten, dass ein Mensch 36 Stunden in der Woche arbeiten soll, dann kann ich nur ganz müde grinsen. Genauso haben bei uns die Professoren gegrinst, als sie vom Land Hessen mitgeteilt bekamen, dass sie ab sofort 42 Stunden pro Woche arbeiten müssen. Als ob das eine Verlängerung der Arbeitszeit sei .

    Aber warum arbeiten wir auch mal lange am Tag? Zum einen, weil wir auch erst um 9 Uhr anfangen und nicht um 7.30 Uhr wie viele Stechuhr-Arbeiter (wenn ich den Ausdruck mal benutzen darf). Und zum anderen sind 1 bis 1.5 Stunden Mittagspause nicht unbedingt selten.
    Und ja, das Labor ist nur selten an einem Wochenende komplett leer. Irgendjemand ist immer mal da. Aber nicht, weil man das muss oder weil das jemand von einem verlangt. Sondern weil die Arbeit so spannend ist, dass man manchmal einfach nicht bis zum Montag warten will, um ein Ergebnis einzufahren.

    Dass das alles nicht mit Privatleben und Familie zu vereinbaren sei, ist eine Legende. In der Forschung entscheidet jeder weitestgehend selbst über seine Arbeitszeiten. Denn nur Du selbst weißt, wie Du deine Experimente planen musst. Dementsprechend entscheidest auch Du selbst, wie viel Zeit Du mit deinen Freunden/deiner Familie verbringst.

    Letzter Punkt eines erneut längeren Oakster-Textes: Ja, Du musst als Biologe was drauf haben und engagiert sein. Wenn Du während des Hauptstudiums ein Thema oder einen Themenbereich (die Betonung liegt auf EIN/EINEM. Von allem ein bisschen, aber von nichts besonders viel Ahnung zu haben, verdammt zur Arbeitslosigkeit. Verallgemeindernd gesagt) findest, der dich besonders interessiert und fasziniert, dann entwickelt sich solches Engagement ganz automatisch.

    Wenn Du das komplette Hauptstudium lustlos und ohne besonderes Interesse an irgendetwas durchschrubbst, nur um am Ende eine Diplomurkunde zu haben und ohne Idee, wie es weitergehen soll, dann ist das allerdings eher suboptimal.

    So, hoffe, das hilft dir irgendwie weiter

  3. #3
    Martys Gast
    Oakster, vielen Dank für deinen aufbauenden Post.
    Wie gesagt, der Kernpunkt ist eben, daß ich mir aufgrund der Faulheit nicht so recht zutraue, ein Forscher zu sein...

    Sich zu annähernd 100% in der Materie auskennen, neue Ideen haben und eine ca. 60-Stunden-Woche.........aber wenn ich mir vorstelle, ich bin in 1-2 Gebieten richtig fit, die Vorstellung hat schon was
    Und jetzt z.B. Computerfachmann oder BTA zu werden, ist keine so attraktive Vorstellung.

    Kennst du dich in der Forschungslandschaft gut aus? Hast du schon viele Praktika an Forschungseinrichtungen gemacht?


    Gruss, Martys

  4. #4
    Paracelsus ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von Martys
    Oakster, vielen Dank für deinen aufbauenden Post.
    Wie gesagt, der Kernpunkt ist eben, daß ich mir aufgrund der Faulheit nicht so recht zutraue, ein Forscher zu sein...
    So wie ich das sehe liegt Deinen Sorgen folgender Fehlschluß zugrunde: Dipl.-Biologe = Forscher. In der Forschung arbeitet ja nur ein gewisser Teil! Biologen können auch in der Qualitätskontrolle von Arzneimittelherstellern (Mikrobiologie/Stabilität!), als Unternehmensberater und an noch vielen Stellen mehr arbeiten! Da ist dann kein Forschergeist, sondern ganz andere Qualitäten gefragt. Deswegen ist es sehr, sehr wichtig, während des Studiums mal 2-3 Praktika in ganz verschiedenen (auch industriellen) Bereichen zu machen, um sich überhaupt klar werden zu können, wo man hinsteuern möchte (nebenbei knüpft man wertvolle Kontakte, auch z.B. für eine Industrie-Promotion...).

    P.

  5. #5
    Martys Gast
    "Das Haupteinsatzfeld für Biologen blieb die Forschung. Solche Stellenangebote machten etwa zwei drittel der gesamtem Nachfrage nach Biologen aus. Von allen Naturwissenschaftler waren die Biologen in ihren Beschäftigungsmöglichkeiten am stärken auf die Forschung angewiesen. Oft handelte es sich um zeitlich befristete Projekte aus der angewandten Forschung mit Möglichkeit zur Promotion. Solche Angebote machten mehr als die Hälfte der gesamten Nachfrage nach Biologen aus. Häufig ging es um die Entwicklung von Lebensmitteln. Agrachemikalien, Pflanzenschutzmitteln, Arzneien und Diagnostika. Die Angebote aus der Grundlagenforschung bezogen sich meist auf Molekularbiologen und Biochemiker. In der klinischen Forschung wurden Biologen als field clinical monitor eingesetzt, um in Krankenhäusern Studien über Unbedenklichkeit neuer Arzneimittel oder Erweiterung von Indikationsgebieten durchzuführen."

    Quelle: www.biologe.de

    Allerdings öffnet sicherlich Eigeninitiative breitere Einsatzfelder. Man wird immer mit Chemikern, Pharmazeuten und Medizinern in Konkurrenz stehen, aber es gibt ja auch einige Felder, in denen sich eben Biologen am besten auskennen......
    Ich denke, wie es auf der Seite www.biologe.de auch geschrieben steht, daß viele Biologen in die Forschung wollen.
    Auch denke ich, dass es einfacher ist, sich durch die Doktorarbeit zu wurschteln und sich von Vertrag zu Vertrag zu hangeln als sich einen anderen Pfad zu schlagen (ich meine keinesfalls vom geistigen Anspruch, sondern von der Eigeninitiative her).

    Vielleicht ist es ja bei mir so ähnlich wie mit einem Medizinstudenten, der sich aufs Arztdasein festgenagelt sieht......

    Leichter wird man wohl einen festen Job als BTA oder so finden, aber ob das ausfüllt.......
    Ich denke, es ist schwerer, als Biologe eine Arbeit in der Heimatregion zu finden, als z.B. als Arzt.

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