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  1. #1
    Unregistriert Gast

    Doktorarbeit in Schweden

    Hallo!
    Ich studiere Biologie und mache grad meine Diplomarbeit. Ich ziehe es in Erwägung nach der Diplomarbeit für die Doktorarbeit nach Schweden zu gehen. Ich arbeite grad im Bereich Immunologie/Zellbiologie. In Deutschland dauert die Doktorarbeit ca.3Jahre. Weiß jemand, wie das in Schweden ist: wie lange dauert das? Gibt es Besonderheiten? Ist die Doktorarbeit wie hier oder haben die generell ein anders (Studien-)System? Ich bin für jede Info dankbar, da ich gerade erst beginne Informationen zu sammeln.

  2. #2
    Telo-Märchen Gast
    Hallo,
    ich habe in Schweden meine Doktorarbeit geschrieben und bin damit im Nachhinein auch sehr glücklich. Ganz grundsätzlich (nicht nur in meinem Fall) kann man wohl sagen, dass eine Doktorarbeit in den skandinavischen Ländern etwas theorielastiger ist, sprich mehr Seminare und Kurse als Teil Deiner Arbeit als in Deutschland, bei mir war es die Entsprechung zu 20 Vollzeit-Arbeitswochen! Eine Biologie-Doktorarbeit nach schwedischen Maßstäben dauert auch in der Regel etwas länger, in der Regel 5 Jahre. Der Grund hierfür ist, dass - anders als vielerorts in Deutschland - es nahezu ein Muss ist, dass Du mehrere Artikel publizierst und zwar in guten Zeitschriften, das ist die Grundlage für Deine schriftliche Arbeit (eigentlich immer auf Englisch geschrieben, auch die von schwedischen Doktoranden!). Die Grunderfordernisse an die Artikelzahl sind von Institut zu Institut unterschiedlich, aber Dein Betreuer hat daher ein grundlegendes Interesse daran, Dir den Weg zu Artikeln zu ebnen (während es in Deutschland meiner Erfahrung nach oft eher so ist, dass man als Doktorand fast etwas ignoriert wird). Da aber auch in Schweden Artikel Zeit und Arbeit brauchen, geht es eben nicht in 3 Jahren. Nochmal zur schriftlichen Arbeit: Das ist eine zusammengeheftete Zusammenstellung Deiner veröffentlichten Artikel und unveröffentlichten Manuskripte (in meinem Institut in Schweden sollten es mindestens 2 Artikel plus 1 Manuskript als Mindestanforderung sein). Vor diese Artikel setzt Du dann noch eine ca. 30-50 seitige Zusammenfassung. Es ist also keine lange Monographie all Deiner Ergebnisse (ob gelungen oder nicht), wie das in Deutschland oft noch üblich ist.
    Weiterer Unterschied: Während man in Deutschland oft über jahreweise zusammengeflickte Verträge finanziert wird, ist es in Schweden ein echter Arbeitsvertrag über die gesamte vorgesehene Zeit Deiner Arbeit, Du bist also finanziell für ca. 5 Jahre abgesichert. Auch nicht zu unterschätzen: Da das Ganze eher als Arbeitsstelle als als universitärer Aushilfsjob gesehen wird, bekommst Du auch nicht zu knapp Sozialabgaben wie z.B. für die Rente, als Teil Deines Gehaltes.

    Ich denke, es kommt sehr darauf an, wie Deine (derzeitigen) Pläne für die Zeit nach der Doktorarbeit aussehen. Solltest Du danach in eine Firma wollen, ist es u.U. besser, eine schnellere Doktorarbeit in Deutschland zu machen, evtl sogar direkt in einer Firma. Wenn Du aber in Erwägung ziehst, in der Forschung zu bleiben, dann ist die beschriebene Form der Doktorarbeit ein klares Plus, denn Du sammelst in der Regel schon mal mehr gute Publikationen im Durchschnitt an als in Deutschland - klar, das kommt immer auf Deinen Professor und das Institut an, aber im Durchschnitt stimmt es! Außerdem ist Deine theoretische Grundlage entsprechend gut. Deine Englischkenntnisse verbessern sich nahezu automatisch, da die Skandinavier uns da einfach meilenweit überlegen sind. Schwedisch ist für Deutsche eine recht einfach zu erlernende Fremdsprache, sodass Du nach der Doktorarbeit in gleich zwei weiteren Sprachen fit sein wirst! Einziges Manko ist nur, dass man eben oft etwas später fertig wird. Manche Institute stellen auch vor der eigentlichen Anstellung erst mal Leute auf ein "Projekt" (ca. 6 Monate, im Grund eine Art Probezeit) ein, bevor sie Dich endgültig anstellen. - Eigentlich nicht schlecht, denn Du lernst dann auch Deine mögliche Arbeitsstelle kennen, bevor Du Dich entscheidest. Nur: es sind eben weitere 6 Monate.

    Als erstes solltest Du Dich nach möglichen Doktorarbeitsstellen in Schweden umsehen. Das geht gut über Deinen jetzigen Betreuer, bei Konferenzen, auf denen Du Deine Ergebnisse präsentierst und andere Forscher kennenlernst oder auch per Internet-Recherche. - Es ist übrigens auch möglich, ein Doktoranden-Stipendium (in Deutschland) zu beantragen. Wenn das gelingt, hast Du Dein eigenes Geld in der Hand, was Dich Deinem Chef gegenüber unabhängiger macht. Du hast dann aber nur 3 Jahre Finanzierung und solltest bereits vorher mit Deinem zukünftigen Boss klären und schriftlich festhalten, ob er Dich danach aus eigener Tasche weiterbezahlen wird.

    Hier nur noch einmal die Feststellung: Die Sache mit der Zeit für Deine Doktorarbeit ist SEHR variabel, in beiden Ländern. Auch in Deutschland gibt es haufenweise Leute, die manchmal bis zu 8 Jahren brauchen und am Ende nicht einmal einen Artikel haben. Warum? Nicht weil sie schlechte Wissenschaftler sind, sondern weil die Betreuung in Deutschland (nicht aufgrund bösartiger Professoren, sondern wegen chronischer Unterbesetzung in den Lehrstellen und daraus folgendem schlechtem Betreuungsschlüssel!) oft unter aller Sau ist. Du kannst natürlich Glück haben und Deine Arbeit in Deutschland in drei Jahren, mit vielen Artikeln, runterreißen. - Ich denke aber, das ist eher die Ausnahme.
    In Schweden ist meines Erachtens nach die Betreuung während der Arbeit besser, 1) weil Deine Betreuer ebenso wie Du daran interessiert ist, dass Du die "Artikel-Soll-Leistung" in Deiner Zeit erfüllst. 2) weil es noch mehr akademischen Mittelbau gibt als in Deutschland, der den Professoren die Arbeit bei der Lehre abnimmt und deshalb jeder einzelne Gruppenleiter mehr Zeit für die Forschung übrig hat. 3) weil die staatliche Forschungsfinanzierung sehr gut ist, je nach AG sehr viel besser als in Deutschland. Dann kommt es letztlich sehr darauf an, wie sehr Du Dich in Deine Arbeit reinkniest, es ist u.U. theoretisch möglich, dass Du die Arbeit abschließt, schon bevor Deine regulären 5 Jahre rum sind.

    So, genug fürs Erste. Ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig helfen. Wie gesagt, ich würde Dir sehr zu der Durchführung Deiner Idee raten!

  3. #3
    Unregistriert Gast
    Vielen Dank für deine Antwort! Du hast mir schon mal ein ganzens Stück weitergeholfen! Ich habe da trotzdem noch einige Fragen, bei denen du (oder andere Mitleser) mir sicher weiterhelfen kannst.
    5 Jahre Doktorarbeit sind natürlich eine lange Zeit, gerade als Frau, wenn man irgendwann mal auch Familie haben möchte. Du hast recht, dass aus 3Jahre Doktorarbeit in Deutschland auch schnell mal mehr werden können. Für mich ist die Doktorarbeit in Schweden trotz der längeren Zeit sehr interessant, die Vorteile ünerwiegen momentan. Du hast geschrieben, dass man fest angestellt ist. In welchem Rahmen bewegt sich denn die Bezahlung? Wenn man hier Glück hat ergattert man eine Stelle mit BAT1/2 (ca.1000E). Eine weitere Frage: Muss ich vorher einen Sprachtest machen?
    Noch eine persönliche Frage: Wo warst du denn in Schweden und in welchem bereich hast du gearbeitet?
    Vielen Dank schon mal im vorraus!

  4. #4
    Klausi ist offline Registrierter Benutzer
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    11.12.2003
    Beiträge
    2.761
    Ihr tragt dazu bei, daß sich der Gedanke, im September den Schwedisch-VHS-Kurs anzufangen, immer weiter bei mir verfestigt.

    Wenn ich es dann noch schaffe, mein Französisch wieder aufzumöbeln, wäre ich viersprachig.

    Aber die Promotion werde ich doch hier noch fertig machen, wenn alles gut geht.

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