Soweit ich das derzeit sehe, sieht es zumindest bei den ausgeschriebenen Stellen für Naturwissenschaftler mit Uni-Abschluss aller Coleur zur Zeit ohne Promotion wenig rosig aus. Was heißt. Es ist schon mal besser, wenn man die macht. Bei FH-Absolventen sieht das anders aus.
Ansonsten steht in erstaunlich vielen Stellenanzeigen, selbst für Promovierte, dass die ausgeschriebene grundsätzlich teilbar wäre.
Inwieweit das letztlich nur auf die Bezahlung zutrifft und also eine Art Lohndumping ist oder sich auch arbeitzeittechnisch-praktisch umsetzen lässt, kann ich nicht beurteilen. An meinen Institut sind es die TAs, die teilweise halbe und 2/3-Stellen haben, sowie eine(!) wissenschaftliche Mitarbeiterin mit einer Teilzeitstelle auf Grund von Kinderbetreuung. Für alle anderen gilt im Prinzip die 40-h-Woche (auch für die teilzeitbezahlten Doktoranden), was je nach Terminlage auch schon mal zu 50-Stunden-Einsätzen führen kann.
Von einem Forschungsinstitut der Helmholtz-Gemeinschaft weiß ich allerdings, dass es am Stammsitz auch einen Betriebskindergarten betreibt und offensiv damit in Stellenanzeigen um weibliche Mitarbeiter wirbt. Dort wo sich andernorts Forschungscluster aus mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen an einem Fleck gebildet haben, gibt es sowas vielleicht auch...
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26-05-2006 17:54 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Karriere und Kind(er) in der Biologie?
Hi,
ich würde gerne Biologin werden, doch mir spuken seit einiger Zeit die typischen Frauenprobleme im Kopf herum. Wenn ich nun mit dem Studium beginnen würde, wäre ich 22. Bis ich promiviert wäre, gingen gute zehn Jahre ins Land. Nun bin ich mir aber jetzt schon ziemlich sicher, dass ich einmal Familie haben möchte. Mit Mitte 30 Kinder zu bekommen wäre für mich ok, aber da wäre ich ja gerade mal promoviert und hätte kaum ein paar Jährchen gearbeitet?! Generell frage ich mich, ob es in der Forschung Halbtagsstellen gibt, ob man aussetzen kann, um Kinder zu bekommen, oder ob das als Frau nicht alles ziemlich aussichtslos ist...
Oder wenn ich nicht in die Forschung gehen würde: In welchen Bereichen besteht eine REALE Chance auf einen familienfreundlichen Halbtagsjob? Oder gibt es die in der Biologie nicht??
Und wenn ich NICHT promovieren würde, sprich mit dem Diplom auf den Arbeitsmarkt kommen. Würde ich dann nur eine TA-Stelle finden? Laut der "Zeit" streben nur etwas mehr als die Hälfte der Biologen die Promotion an, dagegen rund 90% der Chemiker! Wo bleiben also die Biologen alle??
Mich interessiert die Biologie wirklich, und ich habe mich auch schon sehr lange damit auseinandergesetzt. Sicher würde mich die intensive Beschäftigung mit relevanten Thematiken fesseln und ich könnte Tage und Nächte im Labor verbringen. ABER ich will eben auch mal Kinder haben, und die Familie sollte ebensowichtig sein...
Achja, noch die Bereiche, die mich besonders interessieren: am allermeisten die Biochemie, dann die Mikrobiologie und Molekularbiologie. Außerdem auch Pharmazeutische Biologie (aber ich denk mal, in der pharmazeutischen Industrie siehts mit Halbtagsstellen mau aus).
Bleibt einem als Frau mit diesen Interessen nur übrig, Pharmazie zu studieren und als Halbtagskraft in die Apotheke zu gehen?? Oder gleich eine Ausbildung zu machen. Was mich defintiv unterfordern würde
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26-05-2006 18:24 #2
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26-05-2006 21:08 #3
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1) Es geht auch schneller als in 10 Jahren. Du kannst versuchen direkt nach einem Bachelorabschluss zu promovieren (das ist mittlerweile in mehr und mehr Promotionsordnungen moeglich). Falls es mit einem Bachelor nicht klappt, besteht haeufig die Moeglichkeit nach einem Jahr Masterstudium in das Promotionsstudium zu wechseln. Noch einfacher wird es, wenn Du nach dem Bachelor in Deutschland das Studium in Grossbritannien fortsetzt (dort haben die meisten Doktoranden nur einen vorherigen Bachelorabschluss). Du waerst daher (bei zuegigem Studium) nach 6-8 Jahren promoviert.
2) Diejenigen meiner Kollegen die nach dem Diplom noch im Bereich Biologie arbeiten sind als TA's beschaeftigt. Diese Option gibt es auch nach dem Bachelor.
3) Staatliche Unis haben in der Tat ein Problem mit Kinderbetreuung etc. Allerdings habe ich von einem Max-Planck-Institut gehoert, dass eine eigene Kita hat. In der Industrie (zumindest bei Grossunternehmen) ist es sicherlich auch einfacher.
4) Falls Du langfristig in der akademischen Forschung bleiben willst sind 60h Wochen und unsichere Beschaeftigungssperspektiven die Regel. Daher haben mehr als 70% der Wissenschaftler (sowohl Frauen als auch Maenner) keinen Nachwuchs: http://www.zeit.de/2006/15/B-Akademiker.xml
5) Es gibt auch einen aktuellen Artikel in Science nextwave zu diesem Thema: http://sciencecareers.sciencemag.org..._to_do_with_it
Es gibt nach dem Biologie-Abschluss allerdings auch Jobs die sich sicherlich besser mit Familie vereinbaren lassen (Pharmareferenten, klinische Studien, Patentanwalt, etc.).
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27-05-2006 14:40 #4Der erfordert doch aber auch noch ein Aufbaustudium
Zitat von Marcus

Generell fragt man sich ja schon, warum so extrem viele Frauen was mit Biologie machen wollen... in den Studiengängen "Biotechnologie" und "Biologische Chemie" an meiner FH sind mal locker zu 80% Frauen, in Heidelberg an der Uni siehts auch nicht anders aus, und die Frauen die dort am Deutschen Krebsforschungszentrum oder am Institut für Pharmazie und Molekularbiologie arbeiten, wollen wir jetzt lieber nicht anfangen zu zählen, sonst kommen wir zu spät zum Abendessen...
Liebe Frauen, es gibt so viele Jobs, bei denen man leichter einen Arbeitsplatz findet und die wöchentliche Arbeitszeit weit entfernt ist von so Scherzen wie 60 h/Woche... ein Freund von mir arbeitet bei Bosch und hat dort einen 35-Stunden-Vertrag, kein Witz. (ich dachte auch, dass mittlerweile überall 40 Stunden üblich wären, aber bei manch großer Firma stellen sich ja die Gewerkschaften quer und dann geht da nix)
Allerdings muss man für solche Jobs halt auch mal gescheite Fächer studieren wie z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik oder Informatik - und nicht sinnlos überlaufene wie Biologie - dann klappt's auch mim Arbeitsplatz. Tschuldigung wenn das jetzt böse klang, war auch so gemeint
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27-05-2006 16:43 #5Es ist einfach weit verbreitetes Denken, dass Biologie frauenkompatibel ist. Da gibt es ja Tiere, Pflanzen, Blumen und man muss wenig bis gar keine Uni-Mathematik kennen. Höchstens vielleicht noch den Statistikschein irgendwie überleben. Für die meisten Frauen ist Biologie die einzige Naturwissenschaft, die sie machen wollen. Sobald es ingenieuriger oder theoretischer wird, sind die Frauen weit weg - wenn nicht im Studium, so doch spätestens als Doktoranden. Und wenn sie mal doch etwas schwierigeres studieren, dann meistens nicht die Hardcore-Version, sondern kombiniert mit irgendwas sozialem. Als müssten sie Vorurteile selbst beweisen, dass Frauen harte Naturwissenschaften meiden wie der Teufel das Weihwasser. Die Wahrscheinlichkeit ist m.E. groß, daß die Bio-Mädchen spätestens nach der Promotion schnell ein Kind haben wollen, und danach ist es dann eh meistens vorbei mit einer Karriere in der Biologie.
Zitat von Mister_Crac
Ciao,
Neroli
Life’s about film stars and less about mothers
It’s all about fast cars cussing each other
But it doesn’t matter cause I’m packing plastic
and that’s what makes my life so fucking fantastic
Lily Allen - The Fear
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