Mit erst viertem Semester Informatik und schon 25 Jahren hat es dann aber woanders gehangen, wenn Du nicht bei der Bundeswehr warst. Du hast also im Rahmen Deiner Identitätskrise auch schon andere Wege mehr oder weniger erfolgreich zwischen Abitur und Studium beschritten.
Ich würde doch glatt empfehlen, das Studium fertig zu machen und dann noch mal bei der Bundeswehr zu gucken, ob die nicht einen fertigen Informatiker gebrauchen könnten?
Irgendeinen Grund werden die gehabt haben, Dich vorher auszumustern. (Oder warst Du gar nicht ausgemustert, sondern hast verweigert und Zivildienst gemacht? Dann ist auch die Altersfrage von oben wieder geklärt).
Nur ist es inbesondere in der heutigen Zeit, wo die sogenannte Wehrgerechtigkeit ein großes Thema ist und nur Bruchteile eines Jahrgangs eingezogen werden, wo großzügig mit Untauglichkeitsbescheinigungen umgangen wird, wo selbst nicht mehr alle früher fähigen Tauglichkeitsklassen eingezogen werden, doch schwieriger da rein zu kommen.
Wie erklärst Du den Leuten glaubhaft, daß Du damals verweigert hast und nun aber unbedingt und wirklich hin willst, dafür sogar Dein ziviles Leben ganz über den Haufen wirfst?
Meinst Du die haben übermotivierte, kampfgeile Studienabbrecher gern dabei?
Die werden sie wohl schon zurechtstutzen. Ist es das, was Du willst?
Zudem wirkt sich die Wehrdienstzeit nicht unbedingt positiv auf Deine Studienleistungen aus, wenn Du später wieder einsteigst wirst Du vieles noch mal wiederholen müssen und Dein Studium zieht sich in die Länge. Es kann auch sein, daß die Hochschulen in der Zwischenzeit die Studiengänge umstellen und Du dann ganz in der Luft hängst mit einem ab-/unterbrochenen Diplomstudiengang. Falls Du jetzt schon auf Bachelor/Master studierst, rate ich in jedem Fall, den ersten Studienabschnitt noch zu vollenden. Dann kannst Du ja mal schauen, ob die öffentliche Hand, die diese Ausbildungsform propagiert bereit ist, Dich mit einem solchen Abschluß einzustellen.
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08-05-2005 05:07 #1Markus 25 Gast
War nicht Bundeswehr - hab ich was versäumt?
Hallo! Sorry wird jetzt ein bißchen länger...
Studiere jetzt im 4. Semester Informatik.
Aber irgendwie hat mich in letzter Zeit ne "Identitätskrise" bzw. ein Minderwertigkeitskomplex heimgesucht.
Ein paar meiner Freunde sind ja zur Bundeswehr einberufen worden.
Die haben die Zeit auch hinter sich gebracht, einer war sogar Auslandseinsatz etc.
Damals hat mich das nicht interessiert und war froh, nicht einberufen worden zu sein.
Doch jetzt vermiss ich irgendwie nen Lebensabschnitt... weiß auch nicht warum das so ist...
Wollt echt mal gern mit Waffen umgehen lernen, Kondition pushen, trainieren etc.
Das geht mir soo ab ich weiß auch nicht warum ??? So weit, dass ich sogar mein Studium abbrechen möchte, mich der Bundeswehr stellen und am liebsten auch nen Auslandseinsatz absolvieren möchte. Für immer möcht ich nicht bei der Bundeswehr bleiben.
Meine Freunde meinen oft: "Ach was, du kannst da gar nicht mitreden, du warst ja nicht mal im Bund, geschweige denn Auslandseinsatz" etc.. dann kommen solche Kommentare in der Art...
Fühl mich irgendwie total hilflos, nicht wie ein richtiger "Mann", möchte mich einfach beweisen, dann könnt ich ruhigen Gewissens wieder weitermachen und hätte wahrscheinlich VIEL mehr Selbstbewusstsein!!!
Was meint ihr??? Hilfe!!!
Euer Markus
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08-05-2005 06:38 #2
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08-05-2005 07:01 #3Markus 25 Gast
Hallo Klausi
Eigentlich fang ich jetzt dann an zu arbeiten. Hab ein Jobangebot bekommen.
Zitat von Klausi
Weiß aber nicht ob dass das Richtige für mich ist.
Hab nachn Abi einen Fachlehrgang gemacht (Programmierung, Design, Wirtschaftsinformatik etc.; dauerte 2 Jahre.. drum hats so lang gedauert)
Will halt schauen ob ich ein ganzer Kerl bin, mein Selbstbewusstsein aufbauen, Erfahrungen sammeln, mich selbst beweisen.....
Das bräucht ich dringend...
War kurz dabei in der Bundeswehr, hab aber abrüsten müssen wg. Probleme (Brille etc.)
Würd gern wieder einen Neustart anfangen...
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08-05-2005 10:58 #4Ne Wumme in der Hand macht dich zum Mann? Ach du Schande, aus welchem Jahrhundert hast du denn dein Männerbild bezogen?
Zitat von Markus 25
Peng peng
Neroli
Life’s about film stars and less about mothers
It’s all about fast cars cussing each other
But it doesn’t matter cause I’m packing plastic
and that’s what makes my life so fucking fantastic
Lily Allen - The Fear
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08-05-2005 11:27 #5
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Schon zu meiner Zeit wurden viele meiner Klassenkameraden als untauglich ausgemustert, die sich im Schulsport immer als Kanonen hervorgetan hatten, während ich mit der Aussicht eingezogen wurde, eine Verlängerung des Wehrdienstes von 15 auf 18 Monate erleiden zu müssen, weil anders die damalige Friedensstärke von 495.000 Mann (Mädelz gab´s nur bei den Sanis und im Musikkorps) nicht mehr aufrecht zu erhalten gewesen wäre.
Dann wurde der Kalte Krieg für beendet erklärt, der Eiserne Vorhang fiel und das Feindbild kam abhanden.
Zuvor waren wir jedoch 12 Monate lang angeschnauzt, gedrillt, getriezt und gefickt worden, denn nur solcherart abgehärtet glaubte man, der zahlenmäßigen Übermacht der feindlichen Armeen Widerstand leisten zu können, bis richtige Soldaten in die Kämpfe eingreifen würden oder Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kämen. (damals wog ich nur 78 kg; 30 weniger als jetzt) Wir waren Kanonenfutter und wurden als solches behandelt. (über die Berichte der "Folter"- Vorgänge in deutschen Kasernen kann ich nur müde lächeln) Die Furcht motivierte uns, und unsere körperliche Verfassung hätte es uns im Notfall erlaubt, einfach davon zu laufen. Als 19- Jähriger stellt man keine Fragen, da macht man einfach, was man gesagt bekommt. Das war noch richtiger Kriegsdienst, und hart war er vor allem wegen der psychischen Belastung. Aber wir gehörten noch zu einer Generation, die nicht mit dem Gameboy groß geworden war, sondern auf dem Bolzplatz.
Heute mag das anders sein. Die Russen von heute sind Handelspartner und Verbündete im Kampf gegen den Terrorismus. Der Hindukusch ist weit weg, und die paar Soldaten, die dort hingeschickt werden, müssen völlig andere Dinge können und wissen als wir damals. (bei der Flak lernten wir u.A. ein NATO- Kampfflugzeug am Treibwerksgeräusch zu identifizieren) Einen Kufflunken, der am Kasernentor aufgetaucht wäre und irgendwas von Allah skandiert hätte, wäre von unseren Argumentationsverstärkern in ein Kugellager umgewandelt worden. Heute müssen unsere Jungs mit denen zusammen Patroullie gehen und ihnen LKW- Fahren beibringen.
Wer sich also heute nicht gerade bei einer KRK- Einheit verkoffert, wird den Wehrdienst wohl bestenfalls als Ausflug in ein Wunderland erleben, wo Verschwendung, Dummheit und Unterordnung zum Funktionsprinzip erhoben sind, und der, kaum dass er begonnen hat, schon wieder vorbei ist.
Mein Bruder war nach seinem Studium bei der Inst; er hat vor allem unter den HONK´s, der ineffektiven Organisation und der vergammelten Ausrüstung gelitten.
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