Das frage ich mich auch immer. Ich denke, dass für viele die (historisch gewachsene) Weltsicht dahinter steht, dass Religion und Glauben automatisch ausserhalb der Realität und des wissenschaftlich Erklärbaren liegen müssen. Ich sehe das ganz und gar nicht so, in meinem Weltbild widersprechen sich Religion und Realität keinesfalls. Ich bin Wissenschaftler ung gläubiger Mensch gleichzeitig. Und ich bin damit keine Ausnahme.
Nehmen wir mal an, einem Menschen wurde ein unheilbarer Krebs diagnostiziert, doch ein paar Wochen später sind alle Tumoren zurückgebildet. Die Mediziner stehen vor einem Rätsel, müssen aber feststellen, dass der zuvor Kranke offenbar geheilt ist. Ich bin mir relativ sicher, dass es (auch mangels Beweisen) eine wissenschaftliche Erklärung für solche Ereignisse gibt. Man sagt zu Recht, dass ein starker Glaube/Wille Berge versetzen kann, das Immunsystem stärken kann. Und doch bleibt es für mich ein Wunder.
Thema: (un) erklärliche Wunder
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29-05-2007 12:41 #1
(un) erklärliche Wunder
Wir wissen mit der Zeit immer meh über unsere Umwelt.
Dinge passieren nicht mehr einfach so, es ist immer jemand verantwortlich oder zumindest ein gewisser Umstand in Verdacht warum etwas passiert.
Diese Verdächtigungen richten sich dabei immer weniger gegen Götter Geister und heilige sondern konzentrieren sich in der modernen Welt auf Situationsbeschreibungen die sich in kleinen Geschichten aus sich selbst heraus zu etwas größerem entwickeln.
Was solche Beschreibungen aber immer ausklammern ist das "Warum".
Man erklärt das "Wie" erzählt Geschichten die stimmig sind und irgendwie logisch auf eine feststehende Welt aus festen Zusammenhängen verweist.
So kann man genau erklären wie es sein konnte, dass eine Person doch noch kurz vorher aus dem Flugzeug, welches nur wenig später abstürzte ,aufgestiegen ist. Diese Person fragt sich aber auf ewig nach dem Warum.
Man kann auf Überbuchungen, alphabetische Reihenfolgen und Computerfehler verweisen , die alle gut und genau das "Wie" erklären und tolle Geschichten ergeben. Aber warum befriedigt das die Betroffenen nicht ?
Vor diesem Hintergrund stellt sich eine ganz andere Frage.
Warum müssen offizielle religiöse Wunder zwingend unerklärlich sein ?
Was ändert eine Erklärung , vielleicht sogar eine wissenschaftliche Erklärung, an einem Wunder ?
Ist das göttliche immer etwas außerhalb der Realität ? Wo doch die Realität durch den Schöpfungsakt selbst doch auch göttlich sein müsste ?
Würdet ihr zum Beispiel akzeptieren, dass eine Spontanheilung eine Wunderheilung ist, auch wenn man die exakten medizinischen Hintergründe aufklären könnte ?
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29-05-2007 13:44 #2Wessen wir am meisten im Leben bedürfen ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.
(Ralph Waldo Emerson, 1803-1882)
Gehe nicht vor mir - vielleicht folge ich Dir nicht.
Geh nicht hinter mir - vielleicht kann ich Dich nicht führen.
Geh einfach neben mir - und sei mein Freund.
(Albert Camus, 1913-1960)
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30-05-2007 07:19 #3
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Was erklärlich wird, wird menschlich. Was menschlich ist, ist verhandelbar. Deshalb legte die alte Theologie großen Wert darauf, daß Gott non factum ist.
Was passiert, wenn man Gott und sein Wort verhandelbar macht, kann man an der evangelischen Kirche sehen
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30-05-2007 09:22 #4
SD, das ist so nicht ganz richtig und ich kann es deshalb nicht so stehenlassen. Das, worauf "die alte Theologie" wert legte, waren Dogmen, also undiskutierbare Glaubensinhalte. Interessanterweise wurden diese aber zunächst einmal auf Synoden und Konzilen verhandelt oder einfach vom jeweiligen Papst in den Raum gestellt. Dadurch hielten dann Dinge wie das Fegefeuer Einzug in den Glaubenskatalog, von denen in der Bibel einfach rein gar nichts zu finden ist.
Gegen solche Dogmen wehrte sich seinerzeit die Reformation. Es ist eben gerade sehr zweifelhaft, wenn wenige über undiskutierbare Dogmen entscheiden. Die evangelische Kirche setzt dem heute deshalb entgegen, dass jeder Mensch mündig ist, aus der Bibel selbst zu lesen. Dass es dadurch zu vielfältigeren Ansichten und Diskussionen kommt, mag sein. Das aber ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern ein Zeichen für eine lebendige Glaubensgemeinschaft.
Um damit den Schwenk zum Thema zurück zu finden: Auch dass ein Wunder de facto unerklärlich sein muss, ist eine Behauptung, die sich in der Bibel selbst nicht finden lässt. Sie wurde vielmehr erst später von der katholischen Kirche aufgestellt, um ein Kriterium in der Hand zu haben, neue Wunder kirchlich abzusegnen.Wessen wir am meisten im Leben bedürfen ist jemand, der uns dazu bringt, das zu tun, wozu wir fähig sind.
(Ralph Waldo Emerson, 1803-1882)
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Geh einfach neben mir - und sei mein Freund.
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30-05-2007 18:50 #5
"Professor" (750-1499 Beiträge)
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Ich glaube, daß eine Religion nur überlebt, wenn sie einen unverhandelbaren Kern an Glaubensgrundsätzen hat. Luther hat diesen Kern von institutionellen Degenerationserscheinungen befreit, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hatten. Damit war aber nicht gemeint, daß jeder die Bibel nach seinem Gusto auslegen soll. Daß die heutige evangelische Kirche so verfährt, ist richtig, aber genau dieses führt zu ihrem Abbröckeln. Nehmen wir z.B. die Jungfrauengeburt: In der protestantischen Volkskirche meiner Großeltern stand die unbefleckte Empfängnis felsenfest wie ein Monolith. Man hat einfach daran geglaubt. Heute glaubt niemand mehr daran (was verstandesmäßig natürlich richtig ist), aber damit schwindet die Ehrfurcht vor dem Wort Gottes. Maria Empfängnis ist ja nicht irgendeine kirchliche Ablaßpraxis, sondern Kern der guten Nachricht. Luther hat diesen Kern wieder hervorgeholt, aber nicht, damit er in einem pluralen Diskurs zerpflückt wird. Sein Satz vom "allgemeinen Priestertum aller Gläubigen" sollte die Rechtfertigung des Menschen allein vor Gott untermauern (Rechtfertigungslehre), aber nicht die Heilige Schrift zum Steinbruch einer individuellen Theologie machen.
selberdenker (orgelspielender Nicht-Christ
)
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