Hallo elkeregine,
meiner Meinung nach solltest du das Praktikum nicht machen. Dafür möchte ich zwei Gründe anführen:
1.) Du hast bald dein Studium beendet. Nach dem Studium sollte man keine Praktika machen, sondern entweder einen richtigen Job antreten oder (speziell für Medienberufe interessant) ein Volontariat anschließen. Auch ein Aufbaustudium kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein.
2.) So wie du die Firma beschreibst, ist da etwas oberfaul. Wenn dort neben dem Geschäftsführer nur Praktikanten und Diplomanden arbeiten, dann ist der Chef entweder unfähig, Aufträge heranzuziehen, von denen er seine Mitarbeiter anständig bezahlen kann oder er steckt den Gewinn in die eigene Tasche und zahlt bewusst nur Hungerlöhne. Dass er nicht einmal Sozialabgaben für dich zahlen will, ist jedenfalls ein starkes Stück. Dass er im Bewerbungsgespräch unzulässige Fragen stellt, unterstreicht auch nicht gerade seine Seriosität. Erster Eindruck: Das gibt Ärger.
Auch frage ich mich, was du in einer Firma lernen willst, in der drei Viertel der Beschäftigten selber noch in der Ausbildung sind? Und eine Festanstellung steht ja offensichtlich nicht im Raum - denn man will oder kann sich dort ja keine anständig bezahlten Angestellten leisten. Also taugt dieses Praktikum nicht einmal dazu, bei einem potenziellen Arbeitgeber einen Fuß in die Tür zu bekommen.
Mein Fazit: Lass die Finger weg. Wenn du dort für anständige Arbeit nur 400 Euro verdienst, wovon du ja ohnehin nicht leben kannst, dann kannst du dich auch gleich in deinem Metier selbständig machen. Das wird wenigstens von der Agentur für Arbeit gefördert und dabei lernst du mindestens genau so viel wie in der oben beschriebenen Firma. Und im Lebenslauf macht sich ein Praktikum nach dem Studium bei einer kleinen Ausbeuter-Klitsche nicht gut.
Gruß,
Karendric
Thema: Praktikum - ja oder nein?
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Ergebnis 1 bis 5 von 13
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26-06-2006 13:35 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Praktikum - ja oder nein?
Hallo zusammen,
bin gerade etwas in der Zwickmühle. In ca. einem Monat werde ich mein Studium (Anglistik & Politikwissenschaft, Magister) beenden und bin schon fleißig am Bewerbungen schreiben. Ich hätte eine Zusage für ein Praktikum, bin aber sehr unschlüssig ob ich's machen soll oder nicht. Was meint ihr denn, bringt ein Praktikum nach Ende des Studiums noch was? Oder ist die Gefahr zu groß, in diese Schiene "Von-einem-Praktikum-zum-nächsten" abzurutschen? Wäre ein Volontariat oder eine Trainee-Stelle vielleicht sinnvoller?
Das Praktikum ist im Bereich PR/Marketing bei einer Agentur, die sich im Bereich Weiterbildung auf Sprachen spezialisiert hat. Beworben hab ich mich für das Praktikum in erster Linie wegen der Beschreibung der Aufgaben, die mir sehr interessant schienen. Die Firma besteht - wie ich am Telefon erfahren habe - aus Geschäftsführer, einer Praktikantin, einem Diplomanden und im Zweifelsfalle mir, ist also seeehr klein.
Nach dem telefonischen Bewerbungsgespräch (Samstag Nachmittag um 16.30h, kurz vor dem Deutschland-Spiel!) war das zwar immer noch der Fall, allerdings hatte ich das Gefühl dass es der Firma eigentlich nur darum geht eine billige Arbeitskraft einzustellen, die für wenig Geld das gleiche macht wie jemand, der fest eingestellt ist. Ich würde €400,- für das Praktikum bekommen, was sicher nicht schlecht ist, aber eben für die anfallende Arbeit doch eher dürftig, vor allem auch in Anbetracht dessen dass ich ja mit dem Studium fertig bin.
Beim Telefon-Interview bin ich auch gefragt worden ob es möglich sei dass ich für die Zeit des Praktikum noch an der Uni eingeschrieben bleibe, weil man ja sonst für mich Sozialversicherung u. dergleichen zahlen müsste. Was soll ich denn davon halten?
Auch ansonsten kamen ein paar Fragen, die ich im Nachhinein vielleicht nicht mehr beantworten würde, weil's den Arbeitgeber eigentlich gar nix angeht. Alles in allem weiß ich einfach nicht, was ich von der Firma halten soll. Kurz zu meinem Hintergrund: ich habe in den Ferien regelmäßig gejobbt - selbe Firma, großer Konzern, am Schluss auch immer in der gleichen Abteilung -, war ein halbes Jahr lang Werkstudentin - wieder die selbe Firma, anderer Standort, aber auch im Vertrieb -, hab nach einem Schulpraktikum als freie Mitarbeiterin bei der Jugendseite einer Zeitung gearbeitet, war Mitarbeiterin bei einer Verbandszeitschrift (ehrenamtlich) und mache seit Jahren die Pressearbeit für einen Verein. Ein bisschen Erfahrung hab ich also. Der Bereich PR/Marketing ist zwar besagtes Praktikum, ich bin aber offen für alles, wo ich eine Chance sehe einen Job zu bekommen, der vielleicht auch noch ein kleines bisschen Spaß macht und bei dem man nicht umsonst arbeitet.
Okay, das sind jetzt viele Fragen auf einmal, ich hoffe dass ihr mir vielleicht ein bisschen weiterhelfen könnt. Danke schon mal!
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26-06-2006 14:02 #2
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26-06-2006 14:39 #3
"Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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Ein Freund von mir hat bei einer solchen Agentur auch ein "Praktikum" nach seinem Magisterabschluß gemacht - der klassische Geisteswissenschaftler-Strohhalm war das. Er verstand sich mit seiner Chefin zwar ganz gut, aber sie hatte einfach nicht den Mumm, die Vergrößerung der Agentur zu wagen (wobei sie in der Branche mit ihm einen guten Fang gemacht hätte). Da hat es ihm dann irgendwann nach 8 Monaten "freier Mitarbeit" endgültig gereicht. Sowas würde Dir vermutlich auch blühen, weil da einfach keine Perspektive zu erkennen ist. Mach es, wenn Du andernsfalls dumm rumsitzen würdest, aber sieh zu, dass Du was Besseres findest (und ein Volontariat oder gar eine Traineestelle wären *definitiv* was Besseres!).
Zitat von elkeregine
Er will Sozialabgaben sparen, ganz einfach. Allerdings würde er damit auch eine klare Verpflichtung eingehen: Studenten, die Praktika absolvieren müssen ausgebildet werden und dürfen nur "nebenherlaufen", nicht als Ersatz für volle Arbeitskräfte eingeplant werden und schon gar nicht dauerhaft für "niedere" Arbeiten herangezogen werden (das sind dann nämlich keine Praktikanten mehr, sondern Hilfskräfte!). Das ist ber der Personalkonstellation aber gar nicht möglich, oder der Mann arbeitet 20 Stunden am Tag. Also: er will die Sozialversicherung hinterziehen.
Zitat von elkeregine
P.
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26-06-2006 14:43 #4Ich wüsste nicht, dass das irgendwo kodifiziert und damit einklagbar wäre. Zu begrüßen wäre das natürlich. Hast du da Quellen?
Zitat von Paracelsus
Gruß,
Karendric
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26-06-2006 16:02 #5
"Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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Gab es da nicht kürzlich ein arbeitsrechtliches Urteil dazu? Mir schwebt sowas im Hinterkopf herum, dass das vor nicht allzu langer Zeit mal von einer maßgebenden Instanz so definiert wurde. Ich mag mich auch täuschen, dass es eben nur als "Soll"-Erwartung formuliert wurde, aber ich versuche mal, eine passende Quelle (sofern vorhanden) zu finden.
Zitat von Karendric
Dass es anzustreben ist, ist ja sicher unstrittig, oder?
P.Geändert von Paracelsus (26-06-2006 um 23:17 Uhr)
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