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  1. #1
    lespaul ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
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    Frage Warum klappt's mit dem Volo nicht?

    Hallo zusammen,

    ich weiß, es gibt hier schon einige Threads, die zumindest in Teilen auf meine gleich angesprochene Problematik (z.B. Anzahl Bewerbungen) eingehen. Trotzdem erscheint es mir sinnvoller, meinen Fall hier einmal in Gänze zu schildern - in der Hoffnung, dass der ein oder andere von Euch vielleicht einen hilfreichen Kommentar dazu abgibt.

    Es geht darum, dass ich seit einem halben Jahr auf Jobsuche bin und es bislang nur Absagen hagelt. Ich bewerbe mich vor allem auf Einstiegspositionen und Volos im Bereich Journalismus und PR, aber leider werde ich nicht einmal eingeladen. Das ist für mich eine neue Erfahrung, weil ich bislang mit Bewerbungen immer Erfolg hatte.

    Zu mir: Ich bin vor ein paar Wochen 31 Jahre alt geworden. Dass mein Lebenslauf ein paar Haken schlägt, ist damit eigentlich schon klar. Ich habe zunächst ein Fachabitur gemacht, danach eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau in der Zentrale eines großen deutschen Reisekonzerns. Ich habe während der Lehre gemerkt, dass ich lieber kreativ tätig sein möchte. Ein Studium sollte her. Als mir dann vom Arbeitsamt geraten wurde, das "normale" Abi nachzuholen, habe ich das gemacht und mit 1,2 abgeschlossen. In dieser Zeit wurde mir bewusst, dass ich beruflich schreiben will. Viel geschrieben hatte ich schon immer und mir wurde auch von allen Seiten bestätigt, dass ich das gut kann, aber ich musste wohl Anfang 20 werden, um zu begreifen, dass ich Talent habe und so formte sich schließlich mein Berufswunsch.

    Nach Abschluss des Abiturs habe ich also gleich die Überbrückungszeit zum Studium genutzt und ein mehrere Monate dauerndes Praktikum bei einer regionalen Tageszeitung gemacht. Die waren von mir so begeistert, dass ich weit über 100 Artikel in der Zeit geschrieben habe und auch die großen Samstagsmagazin-Reportagen machen durfte, die bei den Lesern gut ankamen. Es war eine gute, wenn auch anstrengende Zeit und ich habe gemerkt, dass ich später lieber in Richtung Magazin gehen möchte. Der Chefredakteur hat mir da gute Chancen eingeräumt. Ich war wohl die beste Praktikantin, die sie je hatten.

    Damals konnte ich mir gut vorstellen, später in Richtung People- oder Kulturmagazin zu gehen, also habe ich einfach mal ein paar Chefredakteure diverser großer Magazine kontaktiert und die gefragt, was man dafür wohl idealerweise studieren könnte. Aufgrund der Antworten und unter Berücksichtigung meiner Interessen habe ich mich schließlich dafür entschieden, Angewandte Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Sprache & Kommunikation, Musik und Medien & Öffentlichkeitsarbeit zu studieren. Nebenfächer waren u.a. auch BWL. Ein breit angelegtes Studium also, dass ich im November letzten Jahres mit 1,8 abgeschlossen habe.

    An der Uni habe ich mich sehr für das dortige Hochschulmagazin (das 2008 unter die zehn besten in Deutschland gewählt wurde) engagiert, habe jahrelang dafür geschrieben, ein Jahr lang die Redaktionsleitung übernommen und somit Ahnung davon, was außer "schönen Texten" noch alles relevant ist für die Magazinproduktion. Außerdem habe ich ein fünfmonatiges Praktikum in einer Full-Service-Agentur im Bereich Text und Konzeption gemacht und ein gutes Zeugnis dafür erhalten (ich habe dort realisiert, dass mir das journalistische eben doch mehr liegt, aber ich wollte es wenigstens einmal ausprobiert haben). Darüber hinaus habe ich für die Lokalausgabe einer großen deutschen Tageszeitung einige Kolumnen geschrieben. Ferner habe ich Erfahrungen mit CMS und Web-Auszeichnungssprachen sowie Grafikanwendungen wie InDesign und Photoshop - mir kann also niemand vorwerfen, ich hätte keinerlei Ahnung vom Geschäft ...

    Von dem damaligen Ziel, bei einem People-Magazin zu arbeiten, habe ich mich während des Studiums schnell entfernt (auch weil ich in Sachen Entertainmentbranche einige "ernüchternde" Erfahrungen gemacht habe). Inzwischen wäre es für mich das Größte, für ein Tier- bzw. Hundemagazin zu schreiben (ich habe z.B. meine Abschlussarbeit über Hundezeitschriften geschrieben). Aber auch Themen wie Computer(spiele), Unterhaltungselektronik usw. wären interessant. Aber das sind wahrscheinlich nur Träume. Hauptsache, Schreiben ...

    So, ich kürze das Ganze jetzt ab: Ich bewerbe mich wie gesagt seit einem halben Jahr (genau genommen sogar schon während meines Studiums, da aber weniger intensiv) auf redaktionelle und PR-Stellen im Einstiegsbereich (thematisch völlig unterschliedliche). Ich will hier gar nicht weiter darauf eingehen, wie unverschämt manche Unternehmen mit Bewerbern umgehen, aber ich habe bislang nur Absagen bekommen. Meine Unterlagen sind einwandfrei (habe sie auch von anderen "Rechtschreib-Profis" Korrektur lesen lassen), meine Anschreiben sind meiner Ansicht nach auch ok (auch hier habe ich positives Feedback von neutralen Personen bekommen). Arbeitsproben liegen genügend vor, ich hänge aber immer nur ein, zwei an, alles andere wäre zuviel. Jedoch komme ich nicht mal in die engere Wahl, sondern werde immer gleich aussortiert.

    Langsam bin ich wirklich am verzweifeln - zumal einem ja auch kein Personaler auf Rückfrage mal die "wahren" Gründe sagt. Fragen wie "Bin ich zu alt?", "Wirkt mein Lebenslauf nicht stringent genug?", "Habe ich zu wenig Erfahrung?" usw. geistern durch meinen Kopf. Auch die Tatsache, dass jetzt schon einen großes Loch in meinem Lebenslauf klafft, macht mich zunehmend nervöser. Aber irgendwie sehe ich es nicht ein, jetzt noch x unbezahlte Praktika zu machen. Es heißt ja immer so schön, man solle sich nicht unter Wert verkaufen und eigentlich sehe ich es auch so. Ich bin qualifiziert für ein Volontariat! Aber irgend etwas läuft gewaltig schief. Vielleicht bin ich ja völlig verblendet und sehe die "Lösung" nicht. Deswegen wäre es toll, wenn sich hier der ein oder andere finden würde, der vielleicht eine Idee hat, woran es liegen könnte. Oder liegt es schlicht und einfach daran, dass sich viel zu viele bewerben?!

    Ich freue mich auf Antworten. Vielen lieben Dank im Voraus - allein schon fürs Lesen dieses viel zu langen Posts.

    Grüße
    Karo

  2. #2
    Astir01 ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    25.07.2003
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    5.278

    Die Länge Deines Beitrages

    ist schon in Ordnung. Er ist gut zu lesen und zeigt ganz eindeutig, dass Du gut schreiben kannst. Du bringst die Sache auf den Punkt, machst nicht zu viel Worte und auch die rheinische Verlaufsform findet bestimmt im Laufe der nächsten 10 Jahre als korrekte Ausdrucksweise Eingang in die deutsche Grammatik.

    Die Frage ist also nicht, ob DU gut genug bist für eine anständig bezahlte Vollzeitstelle bei einem Medienunternehmen. Die Frage ist, ob es nicht noch genug andere gibt, die die gleiche Arbeit für weniger Geld zu machen bereit sind.

    Im Bereich der Medien herrschen Sitten und Gebräuche, die den direkten Vergleich mit dem "Alten Rom" nicht zu scheuen brauchen, und die sich ein Unternehmen der Metall- oder Elektroindustrie mit Inschinören nie und nimmer erlauben könnte. Das liegt daran, dass jeder, der glaubt "ein Studium müsse her", dabei aber ohne Plan und Talent zu Werke geht, entweder Germanistik (Deutsch lesen und schreiben kann ja fast jeder irgendwie) oder "was mit Medien" studiert.

    Das Mittelmaß, das dabei herauskommt und den (begrenzten) Arbeitsmarkt überschwemmt, ist dann der Feind des Guten.
    Wer dann nicht noch auf Lehramt umsatteln kann, (weil er z.B. neben einem Magister in Germanistik noch Scheine in Latein und Kunstgeschichte hat bzw. zur Not sogar Musik unterrichten könnte) tritt sich auf dem Arbeitsamt gegenseitig die Füße platt.
    Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
    (Silvia Arroyo Camejo)

  3. #3
    Nine154 ist offline "Student" (20-79 Beiträge)
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    20

    Zwinker

    Hallo,

    als erstes möchte ich dir raten von dem Gedanken wegzukommen, dass du zu alt bist. 31Jahr ist noch kein Alter und dein Lebenslauf ist auch immer gut begründet und lässt daraus schließen, dass du dir mit deiner Berufswahl sicher bist und das du schon einiges im Leben errreicht hast.

    Im Gegenteil: Ich kenne sogar Firmen denen sind 23 und 24 Jährige einfach noch zu jung.

    Auch dass du nicht gut genug bist, kannst du mit Gelassenheit abhaken.

    Es wird die Masse an Bewerbern sein. Meine Freundin ist eine sehr selbstständige taffe Persönlichkeit, die bei Bewrbungsgesprächen im Kaufland für eine Aushilfsjob abgelehnt wurde. Wenn wir hinterher darüber geredet haben, hatte ich meist den Eindruck, sie hat mit Ihrer Erfahrung und Persönlichkeit die Personaler fast erschlagen. Könnte es bei dir vielleicht auch an einer Überqualifikation liegen?

  4. #4
    lespaul ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
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    2
    Zunächst einmal Euch beiden vielen Dank für die netten Worte.

    Vor allem dem Beitrag von Astir01 stimme ich zu. Dem ist wohl leider so. Allerdings müsste man ja meinen, dass die Unternehmen dazu in der Lage sein sollten, das Mittelmaß vom Guten trennen zu können. Und vielleicht ist dann die Erklärung: Ich bin womöglich einfach Mittelmaß - zumindest suggeriert es meine Bewerbung. Keine Ahnung. Ich habe sie jetzt noch einmal "aufgepeppt" (furchtbares Wort), Textbausteine (ja, nicht jedes Anschreiben ist komplett neu, aber dennoch "unique content") umgebaut und noch ein wenig dynamischer formuliert. Ob es hilft, wird man abwarten müssen.

    Auch habe ich Hinweise darauf gefunden, dass es wohl üblich ist, dass man viele Arbeitsproben mitschickt - wenngleich das technisch eine Herausforderung ist, will man unter 3 MB bleiben. Früher dachte ich, man solle nur einige wenige Beispiele mitschicken, die besonders gut zum jeweiligen Unternehmen passen, weil sonst alles viel zu viel wird. Nun habe ich eine ordentliche Bandbreite dazugepackt. Auch hier muss man sehen, ob das des Rätsels Lösung ist. Arbeitsproben habe ich jedenfalls genug, ich habe allein aus meiner Tageszeitungszeit über 100 Artikel hier rumliegen. Aber wer weiß - vielleicht zählen auch nur aktuelle Textproben. Dann bin ich aufgrund des letzten Jahres, das ich mit Magisterarbeit und Prüfungen verbracht habe, klar im Nachteil.

    Ihr seht also, dass ich versuche, konkret bei mir selbst anzusetzen, während es vor allem Astir01 ja eher global angeht. Das liegt vermutlich daran, dass ich mich mit der "Wahrheit", was die Branche angeht, noch nicht abfinden will - was nicht heißt, dass ich sie nicht schon längst erkannt habe. Aber wenn man selbst etwas ändern kann, dann hat man eben eher das Gefühl, sich doch noch eine Chance erarbeiten zu können. Journalismus hat in den meisten Fällen immer noch etwas mit einem gewissen Idealismus zu tun (sonst würde man ja wie erwähnt Ingenieur werden), den will ich mir noch nicht nehmen lassen, auch wenn ich ehrlich zugeben muss, dass ich inzwischen schon sehr desillusioniert und frustriert bin.

    In diesen Augenblicken tut natürlich eine Aussage wie
    Zitat Zitat von Nine154 Beitrag anzeigen
    Könnte es bei dir vielleicht auch an einer Überqualifikation liegen?
    sehr gut, wenngleich sie mir natürlich in diesem Fall nicht weiterhelfen würde, wäre sie denn tatsächlich wahr. Ich glaube eigentlich nicht, dass ich überqualifiziert bin. Denn bevor ich mich auf Volontär- und Traineestellen beworben habe, habe ich es ja mit einem Direkteinstieg versucht und ebenfalls nur Absagen erhalten. Danach bin ich quasi ein Level nach unten gegangen. Aber auch das hat bislang nichts geholfen. Ich sehe es durchaus so, dass ich auch einen Redakteursjob ohne Volo übernehmen könnte, aber das Volo ist ja in den letzten Jahren zur Voraussetzung geworden, weswegen man gleich aussortiert wird, wenn man es nicht vorweisen kann ...

    Hmm ... mehr fällt mir dazu momentan nicht ein. Habe ja auch schon genug gesagt. Noch zwei Sätze zur sog. Rheinischen Verlaufsform: Ich weiß, dass das kein gutes Deutsch ist. Aber ich denke, in Foren kann man sie durchaus mal verwenden, da gibt es wohl wesentlich schlimmere Beiträge.

    Liebe Grüße
    GibsonLG

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