Am besten fragst Du Martin Krengel, der weiß alles.![]()
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22-12-2006 10:13 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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- 7
Wie Studium meistern? (Zeitaufwand, Depression)
Hallo Leute,
ich schaffe es einfach nicht, mein Studium auch nur ansatzweise zu meistern. Aufgrund familiärer Probleme habe ich es in den ersten Semestern nicht geschafft, am Ball zu bleiben. Ich habe mir eine Wohnung in der Uni-Stadt gemietet, um endlich wieder Anschluss zu finden - sowohl am Lehrstoff als auch zu Kommilitonen. Bisher leider wenig erfolgreich. Der negative Stress, den ich mir selbst in meinem Kopf gemacht habe, düstere Zukunftsgedanken, Einsamkeit und absolute Ratlosigkeit haben mich schließlich in eine Depression getrieben. Diese wurde therapiert und sollte jetzt eigentlich überwunden sein. Ein toller Nebenjob hat mir dabei geholfen, da ich hierbei Erfolgserlebnisse und eine zeitlich geregelte Tätigkeit habe.
Dennoch weiß ich nicht, wie ich mein "Leben" organisieren kann/soll/muss, um das Studium zu meistern. Wieviel Zeitaufwand ist denn wirklich nötig (Dipl. Wirtschaftsingenieurwesen an einer technischen Uni)? Man liest immer "Vollzeitstudium" erfordert auch "Vollzeiteinsatz" - also 40 Wochenstunden. Manche Quellen meinen, es sei deutlich mehr. Aber wie verhält es sich nun wirklich? Muss man wirklich netto 8 Stunden pro Tag lernen, oder zählen dazu auch Vorlesungen, die teilweise langweilig sind und wenig Inhalt vermitteln, Fahrtzeit, Pausen an der Uni? Oder ist das Quatsch und man muss sich garnicht so abrackern?
Empfiehlt es sich überhaupt, Vorlesungen zu besuchen, wenn man der Meinung ist, zuhause in ruhiger Umgebung wesentlich konzentrierter lernen zu können? Mir geht es jedenfalls so. Ich habe immer das Gefühl, ich müsste zuhause bleiben, um den Stoff aufzuholen, und nicht die wenige Zeit in langweiligen Vorlesungen zu verschwenden. Aber dadurch fühle ich mich auch sehr einsam, was nicht gerade motivierend ist.
Dazu kommt, dass ich mehr oder weniger eine Fernbeziehung führe und mich meine Freundin (nahezu mein einziger stetiger sozialer Kontakt) wenigstens am Wochenende für sich haben will. Kann man es sich erlauben, als Student mit Nebenjob am Wochenende nichts zu lernen?
Ich weiß echt nicht mehr weiter bzw. habe keine Ahnung, wie ich mein Studium bzgl. Zeitaufwand/Zeitmanagement meistern könnte. Deshalb wäre es nett, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen mitteilen würdet. Wie meistert Ihr Euer Studium, wie teilt Ihr Euch die Zeit ein, mit wieviel Zeitaufwand habt Ihr gute Erfahrungen gemacht? Und für weitere Ratschläge, wie ich mein verkorkstes Studentenleben in den Griff bekomme, wäre ich Euch auch sehr dankbar!
Gruß
Walli
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22-12-2006 10:28 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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- 3.691
-
22-12-2006 10:53 #3
Hallo,
du scheinst dir dein Leben selbst sehr schwer zu machen, und das was du so schreibst klingt, als hättest du noch nicht viel studiert. Ich würde dir empfehlen, nochmal alles auf null zu stellen - einen Neuanfang machen. Sieh dich als Ersti, triff dich mit den Erstis, geh in die Einführungsveranstaltungen für Erstis. Allerdings kann dir niemand abnehmen, selbst Kontakt aufzunehmen. Im Studium zählt, wie gut man in Lerngruppen integriert ist. Du musst Leute finden, mit denen du zusammen lernen kannst, das führt auch recht automatisch zu besserer Disziplin. Bei dir scheint es besonders an der Kontaktfähigkeit zu hapern, daran solltest du dringend arbeiten. Deshalb rate ich dir auch dringend davon ab, alleine aus Büchern zu lernen, statt in Vorlesungen zu gehen. Das klappt bei manchen, aber bei dir dürfte es gleich wieder in die totale Vereinsamung führen. Stell dir doch mal vor, deine Beziehung zerbräche (was immer mal passieren kann): Du wärst mutterseelenallein! Dagegen musst du was tun. Die anderen Fragen (Arbeitsaufwand etc.) klären sich bei Kontakt mit anderen Studierenden von selbst.
Ciao,
Neroli
Life’s about film stars and less about mothers
It’s all about fast cars cussing each other
But it doesn’t matter cause I’m packing plastic
and that’s what makes my life so fucking fantastic
Lily Allen - The Fear
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22-12-2006 23:15 #4
"Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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- 2.726
Schau, wie bei so vielem im Leben gibt es auch hier keine klare Antwort "das ist so". Entscheidend ist immer das Ergebnis: man hat genug gelernt, wenn man die Leistungsüberprüfungen zur eigenen Zufriedenheit hinter sich gebracht hat. Hier fangen die Probleme schon an: der eine lernt 6 Wochen 10 Stunden am Tag und der andere setzt sich 4 Tage vorher hin, lernt das Entscheidende und hat den gleichen Erfolg. Der eine ist mit "Vier gewinnt" (=gerade so bestanden) zufrieden, der andere geht sich aus Frust betrinken, wenn es was Schlechteres als 1,0 geworden ist. Sicher ist, dass Wirtschaftsingenieurwesen nicht gerade zu den wenig arbeitsintensiven Fächern zählt - "Vollzeit" heisst allerdings gerade an der Uni nicht unbedingt nur 40 Stunden/Woche, das können auch 60 sein, oder eben auch mal nur 30, je nach eigenem Ehrgeiz und vor allem (und das ist das Wichtigste!) der individuellen Lerneffizienz! Jeder muss da seinen ganz eigenen Weg finden.
Zitat von Walli
Vorlesungen sind insofern wichtig, weil man a) dort seine Kommilitonen trifft, kennenlernen kann und z.B. sich Lerngruppen bilden können und b) Professoren trotz schlechter Didaktik oder trockenem Stoff in den Vorlesungen öfter schon mal direkt oder indirekt klarmachen, worauf sie in den Prüfungen Wert legen. Die Gewichtung in der Vorlesung ist dabei das Entscheidende. Ich erlebe es als Assistent immer wieder, das Studenten nicht in die Vorlesung meines Chefs gehen, vorrangig aus den Büchern lernen und dann bei der Examensvorbereitung völlig verloren vor dem Stoff stehen und wenn sie dann zur Konsultation kommen Fragen zu Detailthemen stellen, die faktisch nie im Examen geprüft werden - sie verzetteln sich einfach im Stoff. Gingen sie in die Vorlesung wüssten sie, was er gerne mag (und dann auch öfter mal fragt).
Zitat von Walli
Vorlesungen dienen also in erster Linie dazu, einen an den Stoff heranzuführen. Jede Vorlesung (also nicht zwingend jede einzelne Stunde, aber wochenweise ist es schon empfehlenswert) sollte man "nachbereiten", also dann im stillen Kämmerlein oder der Lerngruppe reflektieren und vertiefen. Vorlesungen ersetzen in den allerwenigsten Fällen eigenes Erarbeiten!
Mein ganz dringender Rat: bau Dir ein Netz an sozialen Kontakten unter Deinen Fach-Kommilitonen, aber auch mit ein paar Leuten außerhalb (Unisport, Verein, etc.) auf, sonst gehst Du irgendwann psychisch völlig vor die Hunde - spätestens, wenn die Beziehung vielleicht mal in die Brüche gehen sollte.
Zitat von Walli
Vielleicht nur begrenzt hilfreiche Antwort: Kommt darauf an (z.B. wieviel Du in der Woche geschafft hast). Entscheidend ist immer: reicht die Lernmenge, um die geforderten Leistungen zu bringen? Das ist das einzige relevante Kriterium zur Beurteilung, ob es genug ist oder nicht.
Zitat von Walli
Dann empfehle ich Dir, umgehend mal die Studienberatung aufzusuchen - u.a. für solche Probleme sind die da, und Du kannst ganz sicher sein, dass sie diese Probleme nicht von Dir zum ersten Mal hören. Vor Dir waren schon ein paar andere mit denselben Problemen da...
Zitat von Walli

P.
-
02-01-2007 16:02 #5
"Doktorand" (150-299 Beiträge)
- Registriert seit
- 12.06.2005
- Beiträge
- 234
Ich rate dir, es einfach mal auszuprobieren, nach deinem Gefühl zu gehen.
Was das Lernen anbelangt, wirst du relativ schnell Rückmeldung bekommen, ob dein Lernverhalten in Ordnung war oder nicht: Klausur bestanden, nicht bestanden, Erwartungen erfüllt oder nicht? Probier es einfach aus. Triff dich mit deiner Freundin, geh deinem Nebenjob nach, mach was für die Uni. Die Zeit wird zeigen, wie das alles hinhaut und wo vielleicht noch Optimierungsbedarf besteht. Wieviel man lernt, wann man lernt, wie leicht man lernt - das ist eine sehr individuelle Sache, insofern ist es schwer, da Tipps zu geben, abgesehen vielleicht von ein paar ganz globalen Hinweisen, die aber für dich auch nicht notwendigerweise zutreffen müssen. Vielleicht bringt dir eine Lerngruppe was, vielleicht auch nicht, vielleicht merkst du, dass du die Zeit allein effektiver nutzen kannst (wie du es ja selbst schon andeutest).
Und was das Soziale angeht: Horch doch einfach mal in dich rein, mit was für Leuten du überhaupt Umgang haben möchtest und wie du dir deine Freizeit vorstellst. Davon ausgehend kannst du dir dann überlegen, welche Maßnahmen notwendig sind, um den Status Quo zu ändern. Gibt es z.B. eine Sportart, die du aufgegeben hast, aber gerne wieder ausüben würdest? Es gibt im Grunde genommen tausend Möglichkeiten. Du musst dir nur darüber klar werden, was du für dich möchtest.
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