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  1. #1
    Kronhelm ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
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    1

    Studienwechsel - Von der Chemie zu Biochemie, Pharmazie, Biologie oder Medizin?

    Hallo!

    ich studiere derzeit Chemie (Bsc) an der Uni Regensburg. Zur Chemie im allgemeinen hat mich mein Interesse an der organischen Chemie, vor allem im Schnittstellenbereich zwischen Biologie und Medizin, gebracht.
    Die Entscheidung fiel auf das "normale" Chemiestudium, weil es einem - anders als etwa bei Fächern wie Biochemie oder Life Science (die im Bezug auf mein Interessenprofil wohl passender gewesen wären) - mit erfolgreich absolviertem Bachelor-Abluss mehr Möglichkeiten zur Spezialisierung bietet - im biochemisch/pharmazeutischen ebenso wie im technischen Bereich. So musste ich mich noch nicht gleich festlegen, welchen Weg ich später bestreiten möchte.

    Ich Verlauf des jetzt absolvierten 1. Fachsemesters ist mir aber relativ schnell klar geworden, dass ich mich für die Fächer Anorganische und Physikalische Chemie nur sehr wenig begeistern kann.
    Zudem wollte ich definitv mehr Bezug zu Biologie und Medizin haben (Auf dieses Gebiet wird auch in höheren Fachsemester nur geringfügig eingangen (1 VL Bioorganische Chemie und ein gering gewichtetes Wahlfach Biochemie).

    Ich bin mir jetzt darüber im Klaren, dass ich zum nächsten Wintersemester das Studienfach wechseln will, weiß allerdings nicht sicher, was die richtige Wahl für mich wäre.
    Zur Debatte stehen aktuell Biochemie, Pharmazie, Medizin und Biologie.

    Ich habe deshalb noch einmal viel recherchiert und mir intensiv Gedanken darüber gemacht, welche Themenbereiche mich (ganz unabhängig vom Fach) wirklich interessieren:

    1.) Wie funktioniert die Biologie auf organischer, zellulärer und molekularer Ebene? Welche Funktion haben die einzelnen Organe, wie erfüllen sie ihre Aufgaben im Hinblick auf zelluläre und molekulare Vorgänge? Welche Eigenschaften haben die Biomoleküle und wie reagieren sie? Wie bewirken sie biologische Phänomene wie Biomembranbildung, Stoffwechsel, Antikörperbildung, Zellteilung, Apoptose etc.?

    2.) Wie wirken Pharmaka und Gifte auf den Körper? In welche physiologischen Prozesse greifen sie wie ein? Welche Auswirkungen ergeben sich dadurch? Wie steht der Wirkmechanismus dieser Stoffe in Verbindung zu molekularer Struktur und Reaktionseigenschaften?

    3.) Wie unterscheiden sich physiologische Vorgänge im kranken Körper von denen im gesunden? Welche Unterschiede gibt es, und wodurch werden sie induziert? Im allgemeinen: Wie zeigen sich Krankheiten auf organischer, zellulärer und molekularer Ebene? Mit welchen Methoden und Pharmaka kann man diese Krankheiten kurieren?

    4.) Wie wirken pathogene Bakterien und Viren auf den Körper? Welche Schäden richten sie an? Durch welche zellulären und molekularen Effekte bewirken sie die krankhaften Symptome?

    5.) Welchen Einfluss hat die Ernährung auf den Körper? Wie lässt sich durch richtige Ernährung das Krankheitsrisiko minimieren?

    Damals hatte ich mich noch mehr oder weniger direkt zwischen Chemie, Biochemie (dafür hatte ich mich in Bayreuth beworben und wäre auch genommen worden), Biologie und Pharmazie entschieden. Über ein Studium der Medizin und den Arztberuf hatte ich zwar auch nachgedacht, mich aber nie enger damit befasst, da ich glaubte, dass mich vor allem die molekularen Grundlagen und die wissenschaftliche Forschungsarbeit interessieren würden.

    Durch mein Studium der Chemie und die Recherche und Reflexion der letzten Monate ist mir erst klar geworden, wie sehr sich die Medizin doch mit meinen tatsächlichen Interessen überschneidet.
    Ich weiß jetzt, dass mich der molekulare Bereich zwar tatsächlich sehr interessiert, sich aber vor allem in die Sparte "nicht nur, sondern unter Anderem" einordnen lässt.

    Forschungsarbeit in meinen oben genannten Interessengebieten würde mich durchaus faszinieren.
    Allerdings empfinde ich auch medizinische Beratung, Diagnostik und Labordiagnostik als sehr spannende Felder, in denen ich mich selbst verwirklichen könnte.
    Hier kann man Menschen durch sein Fachwissen direkt helfen, was, denke ich, eine sehr befriedigende Form der Arbeit darstellt.
    Diese Möglichkeit hätte ich im Falle eines Studiums der Biochemie oder Biologie nicht, und in der Pharmazie nur in eingeschränktem Maße (Arzneimitteltherapie). Mit Medizin wäre je nach Neigung beides möglich.

    Was mich daran zweifeln lässt, ob ein Medizinstudium das richtige für mich wäre, ist, dass ich mich für operative klinische Fächer wie etwa Chirurgie oder Orthopädie nicht wirklich begeistern kann. Und die machen ja einen nicht unerheblichen Anteil der klinischen Ausbildung aus. Was klar ist, schließlich sollte jeder Arzt, egal welcher Fachrichtung, grundsätzlich dazu im Stande sein, einen Knochenbruch grundlegend zu behandeln oder kleinere chriurgische Eingriffe durchzuführen.
    Ebenfalls frage ich mich, ob und wenn ja, inwieweit der klinische Teil des Studiums aus sturem Auswendiglernen von Symptomen und Maßnahmen besteht, oder ob man sich vieles durch Transfer und Verständnis der Grundlagen von Physiologie/Anatomie/Biochemie erschließen kann.

    Weil ich mir selbst einfach nicht schlüssig bin, möchte ich hiermit Leute, die mehr über die Thematik wissen als ich, fragen, was sie mir in anbetracht meiner Interessen im Bezug auf Studienwahl bzw. Studienwechsel raten würden.

    Danke!

    Kronhelm

  2. #2
    Paracelsus ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    06.01.2004
    Beiträge
    2.726
    Zitat Zitat von Kronhelm Beitrag anzeigen
    Zur Chemie im allgemeinen hat mich mein Interesse an der organischen Chemie, ... gebracht.
    ... dass ich mich für die Fächer Anorganische und Physikalische Chemie nur sehr wenig begeistern kann.
    Hmm, keine so gute Voraussetzung für Pharmazie. Da muss man im 1. und 2. Semester genau wie in der Chemie durch die qualitative und quantitative anorganische Analytik durch (das sind die "Hauptfächer"!), neben der Allgemeinen Anorganischen Chemie (Orbitaltheorien etc. pp.) und Fächern wie Physik/PC.

    Zitat Zitat von Kronhelm Beitrag anzeigen
    2.) Wie wirken Pharmaka und Gifte auf den Körper? In welche physiologischen Prozesse greifen sie wie ein? Welche Auswirkungen ergeben sich dadurch? Wie steht der Wirkmechanismus dieser Stoffe in Verbindung zu molekularer Struktur und Reaktionseigenschaften?
    Das wiederum lernt man in der Pharmazie, großenteils allerdings im Hauptstudium, in den Fächern Pharmakologie, Toxikologie und Arzneistoffchemie (also in der Richtung "welche funktionellen Strukturen gibt es und wie kann ich sie erzeugen?").

    Zitat Zitat von Kronhelm Beitrag anzeigen
    3.) Wie unterscheiden sich physiologische Vorgänge im kranken Körper von denen im gesunden? ...
    Ist auch Bestandteil der Pharmakologie und vorher der Anatomie und Pathophysiologie (Anatomie ist aber ein "theoretisches" Fach, nicht wie in der Medizin mit Präpkurs an der Leiche).

    Zitat Zitat von Kronhelm Beitrag anzeigen
    Über ein Studium der Medizin und den Arztberuf hatte ich zwar auch nachgedacht, mich aber nie enger damit befasst, da ich glaubte, dass mich vor allem die molekularen Grundlagen und die wissenschaftliche Forschungsarbeit interessieren würden.
    Wie wäre es mit Humanbiologie? Das wird gern auch als "theoretische Medizin" bezeichnet und beschäftigt sich intensiv mit den physiologischen und pathophysiologischen Vorgängen im Organismus.

    Zitat Zitat von Kronhelm Beitrag anzeigen
    Ebenfalls frage ich mich, ob und wenn ja, inwieweit der klinische Teil des Studiums aus sturem Auswendiglernen von Symptomen und Maßnahmen besteht,...
    Um sehr viel stumpfe Paukerei kommt man in der Medizin nicht herum...

    Du musst Dich mit einem Gedanken vertraut machen: in jedem Studium geht es am Anfang, also die ersten paar Semester, zunächst mal um mühsame Grundlagen. Das macht ziemlich oft schlichtweg keinen Spaß, ist aber essentiell, um dann in höheren Semestern auch tatsächlich komplexeren Stoff erschließen zu können. Dabei ist es völlig egal, ob Du Chemie, Biochemie, Pharmazie, Medizin oder Maschinenbau wählst. Mit den neuen Studienstrukturen ist es ja jetzt oft etwas anders, aber auf dem "klassichen" Weg mit Zwischenprüfung hat der Weg bis zur Zwischenprüfung nirgendwo was mit Wissenschaft und Forschung zu tun, und danach auch nur sehr begrenzt. Forschung ist was für die Zeit nach dem Studienabschluß, wenn man ein bisschen Ahnung von einem Fachgebiet hat.

    P.

  3. #3
    isabella3 ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
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    5

    lösungsmöglichkeit für das problem

    hallo kronhelm,
    folgender vorschlag:
    probiers doch mal mit molekularer medizin! da geht es sehr viel um biochemie (ja offensichtlich eines deiner favourites ), evtl. auch bakterien, viren, pathogenität und zellbiologie. operative fächer gibt es dort nicht, und es kommt vielfach darauf an, komplexe vorgänge z.b. beim stoffwechsel zu verstehen. die berufsaussichten dürften damit auch besser sein als mit humanbiologie, und ich denke, hier bekommst du die meisten deiner interessen unter einen hut. später könntest du z.b. in der forschungsabteilung einer pharmafirma arbeiten. studieren kann man das z.b. in berlin, freiburg, göttingen, tübingen und ulm soweit ich weiß - ansonsten mal auf Untitled nachschauen. hoffe dir damit geholfen zu haben!
    gruß isa

  4. #4
    isabella3 ist offline "Abiturient" (0-19 Beiträge)
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    5

    wichtiger hinweis

    hallo du,
    ein wichtiger hinweis allerdings noch: bei molekularer medizin ist der nc oft sehr hoch - weil es das eben nicht an so vielen unis gibt und weil absolventen recht geragt sind. zur not also einen plan b (z.b. biochemiestudium) zu haben ist sicher nicht verkehrt!
    lg isa

  5. #5
    lausitzer ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    18.06.2006
    Beiträge
    3.691
    Zitat Zitat von isabella3 Beitrag anzeigen
    hallo kronhelm,
    folgender vorschlag:
    probiers doch mal mit molekularer medizin!
    Ich sage es ja nur ungern, aber wir haben April 2011 und der ursprüngliche Fragesteller hat sicher nicht mehr als zwei Jahre ungeduldig auf diese Antwort gewartet.

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