Hm, es kommt denke ich mehr auf die Art des Stoffs an.Was muss man denn in einem Belletristik-Kurs lernen?
Ich kann auf jeden Fall mal eine versuchsweise Liste meiner Do's und Don't's aufstellen.
Don't:
- Markern. Es gibt Leute, die überfliegen einen Text, markern dabei die Oberüberschriften gelb, die Unterüberschriften grün und halbe Absätze orange und wundern sich dann, dass sie a) nichts gelernt haben (kein Wunder, man saugt das Wissen nicht durch den Stift, den Arm hinauf und hinein in den Kopf) und b) vor lauter Neonfarben ein Flimmern vor den Augen haben.
- Trennung von "Lesen" und "Lernen". Wenn ich weiß, dass ich mir einen Text aneignen soll, macht es keinen Sinn, ihn erstmal halbherzig zu überfliegen und sich das intensivere "Lernen" für später aufzuheben. Alles, was den Text interessant oder zumindest neu macht, ist dann weg und die Motivation auch.
Do:
- Anstreichen. In einer dezenten Farbe, z.B. mit Füller oder Kuli. Und zwar keine Überschriften und nichts, was eh schon fett gedruckt ist, sondern den wichtigsten Satz in jedem Absatz oder die wichtigsten zwei Wörter. Oder Fragezeichen an den Rand für nicht Verstandenes, Beispiele, die einem einfallen, was auch immer mit vorhandenem Wissen zu tun hat.
- Exzerpieren. Eine selten gelehrte Kunst. Man schreibt eine kurze Zusammenfassung des Textes. Ich persönlich bevorzuge Stichpunktform, ich weiß aber nicht, ob das dann streng genommen noch ein Exzerpt ist. Man kann ganz wichtige Stellen auch zitieren. Eignet sich, wenn man aus dem Gelesenen Arbeiten schreiben will. Das Entscheidende dabei ist, dass man gezwungen wird, den Stoff selber zu strukturieren und zu entscheiden, was nun in das Exzerpt hinein soll. Man muss also die Kernaussagen finden, und diese Arbeit bedeutet eine tiefere Verarbeitungsstufe als bloßes Lesen und damit auch besseres Behalten.
- Mind Maps malen. Nicht jedermanns Sache, aber ich hatte vor Prüfungen immer eine Wohnung, die mehr oder weniger mit Mind Maps tapeziert war, die wiederum auf meinen Exzerpten basierten. Vorteile: a) es sind dann schon zwei Verarbeitungsstufen, wenn man von Exzerpten arbeitet, b) jetzt kann man sich den "Lieblingsfeind" über die Spüle oder neben das Klo hängen und hat ihn immer wieder vor Augen - und jetzt kann man natürlich auch ganz Wichtiges doch knallrot anmalen, c) man kann beim Wiederholen durch die Wohnung wandern und muss nicht sitzen, d) Panikattacken vor Prüfungen (ich hab zu wenig gelernt!!!!) werden etwas besser, wenn man inmitten von selbstgeschriebenen Mind Maps steht, e) man kann auf den Mind Maps Querverbindungen zu anderen Texten herstellen und kann so Wissensgebiete zusammenfassen (im Studium hatten wir oft drei, vier Texte zu einem bestimmten Themengebiet).
Dieses Vorgehen ist für mich gut, weil nach dem Schreiben der Mind Maps das meiste Wissen schon im Kopf ist und man nicht mehr so viel auswendig lernen muss. Außerdem bin ich offenbar visuell genug veranlagt, dass ich mich freue, wenn ich am Ende eines Lerntages einen Fortschritt sehen kann (fertiges Mind Map oder Exzerpt). Es ist halt relativ aufwendig und braucht seine Zeit, aber ich habe den Eindruck, es lohnt sich letzten Endes.
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16-06-2010 21:41 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Was haltet ihr von Lernmethoden?
Hallo @all,
ich heiße Frank, bin zwar kein Student, habe aber eine wichtige Frage, über die mir Studenten wahrscheinlich am besten Auskunft geben könnten.
Privat beschäftige ich mich mit einem Schreibkurs (Belletristik) bei dem ich auch viel lesen und mir Wissen aneignen, d.h. lernen muss. Jetzt heißt es aber überall, dass man das "Lernen" erst lernen muss. Dazu muss man u.a. erst herausfinden, welcher Lerntyp man ist, sich Lernmethoden aneignen usw.
Erst mal: Was haltet ihr davon?
Ich habe mich schon über sogenannte Schnelllesetechniken und die Lerntypentheorie etwas informiert. Beide sind aber heftig umstritten, wissenschaftlich nicht fundiert und letztere scheint sogar unseriös zu sein.
Siehe u.a.:
Lerntypen-Theorie - ein populärer Irrtum, der sich hartnäckig hält
http://www.ifdn.tu-bs.de/didaktikbio..._Lerntypen.pdf
Was mich vor allem an diesen sogenannten Methoden stört ist, dass es eigentlich ein Allheilmittel sein müsste und es demnach keine Studienabbrecher geben dürfte, weil ja jeder mit solchen Methoden quasi fast alles lernen könnte. Selbst Studenten, die ich bereits gefragt habe, geben mir da widersprüchliche Angaben. Die einen wiederholen die Plattitüde "Man muss das Lernen lernen" und die anderen sagen z.B. es käme vor allem auf das Interesse für das Fach an. Dass das Interesse wichtig ist, stimmt ja, aber z.B. in der Schule muss man sich auch mit Fächern auseinander setzen, die man nicht mag. Also kann das auch nicht ganz stimmen.
Also:
- Was haltet ihr von Lernmethoden?
- Benutzt ihr überhaupt welche?
- Wurden sie euch überhaupt beigebracht?
- Kennt ihr welche, die ihr mir weiterempfehlen würdet?
Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir eure ehrliche Meinungen und Erfahrungen dazu schreibt.
Mit freundlichen Grüßen
Frank
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16-06-2010 23:37 #2
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Rainald Goetz
Gedanken sind frei. Worte nicht ganz so.
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17-06-2010 15:31 #3
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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Fakten, Daten oder Methoden
Ich kann mir auch nicht so recht vorstellen, was man bei einem Belletristik- Kurs lernen muss; ich bin Inschinör.
Ich kann Dir aber zusammenfassen, was Neurowissenschaftler über die Funktionsweise menschlicher Gehirne herausgefunden haben.
Am besten kann sich das Gehirn Eindrücke merken, die es über mehrere verschiedene Wege der Reizübertragung erreicht haben. Für das Lernen eines Textes heißt das, dass man ihn sich nicht nur leise durchliest, sondern die Worte laut ausspricht, bzw. sich den Text vorlesen läßt. Eine Zusammenfassung davon zu schreiben ist gleichsam eine Erweiterung dieses Prinzips.
Zu früheren Zeiten hat man den Lateinschülern die Vokabeln bzw. die Deklination buchstäblich mit dem Rohrstock eingebläut, und noch heute lernen die Kinder in Koran- bzw. Talmutschulen den Koran bzw. das Alte Testament auswendig, indem sie ihn laut rezitieren und sich dabei rhythmisch bewegen. (daher das Sprichwort: "da geht es zu wie in der Judenschule.")
Zusammenhanglose Daten merkt man sich am besten mit Eselsbrücken: "333 Issos Keilerei" bezieht sich also auf die Schlacht bei Issos im Jahr 333 v. Chr. in der das griechische Heer unter Alexander dem Großen das des Perserkönigs Dareios III. besiegte.
Aber auch, um möglichen Verwechslungen vorzubeugen sind Eselsbrücken nützlich. Beispiel: "rot weiß rot - Malocherboot" bezieht sich auf die Lichterführung von Schiffen auf See und bezeichnet ein Fahrzeug, das aufgrund seines Einsatzes nicht wie vorgesehen manövrieren kann. (im Gegensatz zu einem manövrierbehinderten bzw. -unfähigen Fahrzeug, das dies aufgrund besonderer Umstände nicht kann)
Das Gehirn hat mehrere Stufen des Gedächtnisses: ein Ultrakurzzeit-, ein Kurzzeit- und ein Langzeitgedächtnis. Im erstgenannten werden alle Sinneseindrücke für sehr kurze Zeit für die Bearbeitung festgehalten um, nachdem sie in relevant oder irrelevant getrennt wurden, entweder sofort vergessen oder ins Kurzzeitgedächtnis übergeben. Bei flüchtigem Durchlesen bzw. wenn man müde, abgelenkt oder unkonzentriert ist, das kann man sich denken, verwirft das Gehirn fast alles als irrelevant, während Autisten das gar nicht können. Jederzeit auf das Gespeicherte zugreifen kann man aber nur, wenn die Information vom Kurz- ins Langzeitgedächtnis übertragen wurde. Das geschieht in der Regel nur, wenn man sich mit der gleichen Materie einige Stunden später erneut beschäftigt. Darin liegt der Wert des Hausaufgaben- Machens und der (mehrfachen) Wiederholung.Tja, Proton müsste man sein; man würde die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf, und hätte eine nahezu unbegrenzte Lebenszeit.
(Silvia Arroyo Camejo)


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