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08-01-2013 13:11 #1
"Abiturient" (0-19 Beiträge)
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Sackgasse Forschung, Zweitstudium?
Liebes Unicum Forum,
ich stecke grade in einer tiefen Sackgasse und bin für jeden Rat dankbar. Ich habe ein sehr wissenschaftliches Studium hinter mir und ebenfalls einen sehr wissenschaftsorientierten Master im Ausland gemacht (alles ratzfatz in Regelstudienzeit und mit Bestnote -.-, was eine Zeitverschwendung). Ich bin dann auch konsequent meiner Lebensplanung gefolgt und habe mit meiner Doktorarbeit angefangen, seit etwa einem halben Jahr. Eigentlich habe ich immer gedacht, dass die Wissenschaft mein großer Traum war und ich zeitlebens in der Forschung arbeite.
Tja, und jetzt wumms, hat es mich voll erwischt und ich bin von einem auf den anderen Tag kaputt gegangen, wie man so schön sagen kann. Seit 2-3 Monaten funktioniere ich quasi nicht mehr, laufe nur noch auf 10% Leistung und fühle mich so beschissen wie noch nie. Ich habe angefangen sehr stark an meiner Lebensplanung zu zweifeln, bzw. ich halte alles was ich mache (und bisher gemacht habe) für lächerlich und habe völlig das Interesse an der Wissenschaft verloren. Ich besuche Vorlesungen und das einzige was ich dabei denke ist, "Was ein theoretischer Blödsinn, ist das langweilig, ich will das gar nicht". Ich hatte gehofft, dass dies nur eine Phase ist, doch es ist keine Besserung in Sicht und ich hatte schon Tage, an denen ich nicht mal mehr aufstehen konnte. Es ist total die Luft raus. Ich kann mir auch nicht mehr vorstellen in der Wissenschaft zu bleiben, das halte ich einfach nicht aus, vor allem, da ich nur theoretischen Blödsinn gelernt habe und absolut keine praktische Anwendung kenne. Mein Arbeitsalltag ist also 8-10h pro Tag vor dem Bildschirm sitzen, Paper lesen und Simulationen programmieren. Ich beneide jeden mit einer praktischen, bzw. sinnvollen Tätigkeit. Letztens war der Handwerker bei uns im Haus und ich habe mir nichts sehnlicher gewünscht als mit ihm zu tauschen, bloß irgendwas machen was jemand anderem tatsächlich etwas bringt. Nur nicht weiter am PC sitzen, mathematischen Beliebigkeiten anderer Forscher lesen, und dann selber irgendwelchen Unsinn ausrechnen.
Nun, weiß ich selber nicht mehr wirklich, was ich tun soll, und bräuchte euren Rat. Ich gehe schon regelmäßig zur psychologischen Beratung der Universität, und überlege ob ich eine ambulante oder stationäre Therapie machen kann. Nur die weitere Lebensplanung ist irgendwie nicht vorhanden, ich lebe zur Zeit von einem Tag in den anderen (was ich früher absolut nie gemacht habe) und hangel mich von Feierabend zu Feierabend und Wochenende zu Wochenende und dazwischen im Büro verplemper ich meine Zeit und arbeite total halbherzig (dieses Posting ist vrmtl. eine der produktiveren Sachen, die ich zur Zeit zu Stande bringe). Ich komme mir hier vor wie ein Betrüger, da alle anderen immer so motiviert an ihren Projekten arbeiten.
Eine skizzenhafte Lebensplanung, die ich bisher zu Stande bekommen habe, ist folgende:
A) Widerwillig den Doktor zu Ende bringen und dann nix wie raus aus der Uni (das sind wohl noch 3 Jahre,
). Das Problem ist, dass mein Arbeitsbereich jetzt auch nicht das einfachste ist. Da es so theorielastig ist, kann ich auch nicht mal so mit halber Backe im Labor arbeiten, sondern muss voll konzentriert sein und blöde, schwere Mathepaper lesen, was im Moment eine Katastrophe ist, da ich unter krassen Konzentrationsstörungen leide.
B) Abbrechen
Tja und was dann? Ich habe nie was praktisches in der Uni gelernt. Meine Tendenz hier ginge zu Zweitstudium, am liebsten Medizin oder Psychologie. Der Witz ist, vor allem Psychologie habe ich früher etwas belächelt, da ich Vorlesungen und Methodik oft als vage und unpräzise wahrgenommen habe. Jetzt muss ich aber feststellen, dass die menschliche Psyche und der Körper ein ziemlich zerbrechliches und komplexes Gefüge darstellen (zumindest augenscheinlich bei mir), und ich mit Mathe, Formeln und PC da absolut keinen Zugang habe. Meine mir bekannten Mittel sind eigentlich völlig unsinnig um damit mir oder jemand anderem als Mensch zu begegnen.
B1) Psychologie, das Klischee, dass Leute mit einem Knacks Psychologie studieren wollen um sich selber besser zu verstehen, würde ich dann voll erfüllen. Aber seit der Psychologischen Beratung der Uni habe ich ein totalen Respekt vor diesem Berufsstand und dem Studium, und ich ärgere mich so, dass ich diesen Wissenschaftsunsinn studiert habe und nicht direkt Psychologie.
B2) Medizin, würde mich auch sehr reizen, alleine wegen der praktischen Anwendung von "Wissen", und das andere Menschen direkt davon profitieren.
Leider ist ein Zweitstudium in Deutschland schwer zu verwirklichen, da ja nur 3% der Plätze für Zweitstudenten da sind und man über ein Punktesystem bewertet wird, und meine Ziele auch nicht die unbeliebtesten Fächer sind. Ich habe ein ausgezeichnetes Erststudium hingelegt, was evtl. helfen kann (nur meine Abiturnote ist jetzt nicht Spitzenklasse mit 1.5, wobei spielt die eigentlich noch eine Rolle?).
Hat jemand Erfahrungen mit einem Zweitstudium, oder schon mal eine ähnliche Lebenserfahrung gemacht? Würde mir sehr helfen.
Vielen, vielen Dank, alleine schon für das Lesen dieses Textes, das Schreiben hat mich schon Überwindung gekostet und hat evtl. auch schon geholfen
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