Hallo ZoneV!
Deine Fragen sind zwar aller Ehren wert, zeigen aber auf, daß du eher an den Symptomen dokterst, als die Ursachen zu bekämpfen: Nämlich die totale Verweichlichung des Sports durch die sog. Wellness-Welle. Es ist im Prinzip nichts dagegen einzuwenden, an einem Tamburella-Kurs teilzunehmen, es muß ja nicht gleich alles im Hochleistungssport enden, aber wenn das offizielle Hochschulsportprogramm zu 80% aus diesem Wellnessquatsch besteht, dann gerät der Sport insgesamt ins Hintertreffen. Denn wer sein Fähnchen ständig ins kleinste Lüftchen dreht, verliert jedes Konzept und die Bodenhaftung zu dem, was den Sport ausmacht.
Den folgenden Beitrag habe ich bereits im Juni veröffentlicht - allerdings im Prosaforum von Unicum.
Der satirische Lesetipp: Der Sportreport des Kölner Hochschulsports im Sommersemester 2003
von Thomas Bernhard
Max Goldt hasst ihn, den Begriff „Realsatire“. Und er hat recht damit, er ist paradox und blöd. „Unfreiwillige Komik“ könnte man auch sagen. Ein Paradebeispiel für „Realsatire“ oder eben „unfreiwillige Komik“ ist das „Sportreport“ genannte Leibesübungs-Programm der Kölner Hochschulen.
Es bereitet jedes Semester ein neues, erheiterndes Lesevergnügen. Ausgestattet mit einem Titelbild, das aussieht wie Schießtraining für Schwangere, schlägt es viele ausgewiesene Satiremagazine um Längen. Klassische Sportarten sind in diesem Sportprogramm auf dem Rückzug - Fahren auf der Müngersdorfer Radbahn: Gestrichen. Bei der klassischen Universitätssporttart Rudern gibt es nur Anfängertraining. Man fragt sich, wo die ganzen Fortgeschrittenen bleiben oder was die Bemitleidenswerten tun sollen, die bereits in ihrer Jugend im Sportverein diesen wunderschönen Sport gelernt haben. Oder auf Wettkämpfe fahren wollen. In vielen Bereichen wird überhaupt kein Wettkampfsport betrieben. Wettkampf, igittigitt, da müsste man sich ja richtig reinhängen, gar schwitzen! Wir wollen doch nur dufte zusammen sein und was „für unsere Gesundheit tun“, am besten eine Sportart, die „mega Spaß“ macht und man „nette Leute kennenlernen“ kann. Klasse! Doch wohin?
Etwa die Hälfte des Kölner Sportangebotes besteht aus Sportarten, von der der Normalbürger noch nie was gehört hat - und das ist auch besser so: „Copoeria“ drink` ich auch gern, aber dann muß ich lesen, daß das kein Getränk ist, sondern „aus afro -brasiliansicher Kampfkunst unterdrückter afrikanischer Sklaven in Brasilien“ entstand. Dann doch lieber gleich zu „Afro-Dance“, denn „Ziel des afrikanischen Tanzes ist es, durch isoliertes Bewegen einzelner Körperteile den eigenen Körper kennenzulernen“. Hahahahaha!
Ob ich das „Sprechfunkzeugnis“ (tolle Sportart!) auch bei „HipHop/Funk Dance“ machen kann? Für HipHop bin ich wohl zu alt, da gehe ich doch lieber in „Fitness50plus“ und lasse meine Speckröllchen zusammen mit dem Pförtner und den Tanten aus der Telefonzentrale rotieren. Wie, „Speckröllchen“??? Ab zu „Bodyforming“(„Dieses Angebot bietet die Möglichkeit, den ungeliebten Problemzonen den Garaus zu machen“), nein besser gleich zu „Bodyshaping“! Unter „Fatburner“ (Motto: „Fang an, feel fun“) stelle ich mir allerdings was anderes vor als die angepriesenen „Low-Impact-Bewegungen“, nämlich wenn mir beim Grillen das gute Bauchfleisch zwischen den Grillrost fällt. „Jonglieren“, bei dem ich nie verstanden habe, wozu das gut sein soll, ist ebenso wie „Eskrima“(hä?) und „Tamburello“ (häääääää?) eine Sportart. Pah! Warmduscher! Da gehe ich doch lieber in „Ku Tae Ka-Do“, „Ninjutsu“; „Shintaido-Bojutsu“ oder „Vo-Dao-Viet-Nam“ (Amerikaner als Sparringspartner bevorzugt). Oder rein in „WenDo, Selbstverteidigung für Frauen“, wo so essentiellen Fragen beantwortet werden wie „Was ist eigentlich Belästigung und wie denken andere Frauen darüber?“. Ist ja hochinteressant!
Und wenn ich mich beim „Sepaktakraw“ (mit frischen Champignons und Kümmel, nein, „die schnellste Ballsportart der Welt“) vorausgabt habe, dann gehe ich noch ins „Mantrasingen“. Vielleicht haben die knorken Kommilitonen aus dem „Yoga Nidra Tanz“ Lust, sich zu diesen Klängen zu bewegen..
Und Freitag abend schließlich bin ich dann bereit für das Wochenende, bzw. „Ready for the weekend“: „Du bist total kaputt und hängst durch. ReadyfortheWeekend weckt mit soften Beat die Energie in dir!“). Danach kann man dann in Ruhe die Lektüre des „Sportreport“ genießen...
Thema: Hochschulsport - Wünsche?
Ergebnis 1 bis 5 von 6
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15-10-2003 12:04 #1
Hochschulsport - Wünsche?
Hi!
Da ich einen Sportkurs mitleite würde mich mal folgendes interessieren:
Wenn ihr neu in nem Kurs seit:
-Wollt Ihr, daß der Trainer auf euch zugeht und euch einbindet, oder wollt Ihr lieber erst mal kucken?
-Schreckt es euch ab, wenn schon scheinbar jeder außer euch alle anderen kennt? Oder freut euch so ein gutes Verhältniss?
-Speziell die Frauen: In "meinem" Kurs kommt man nicht ohne Körperkontakt aus. Würdet ihr da prinzipiell lieber mit Frauen zusammen üben? Würdet ihr den Wunsch auch äußern?
-Findet ihr es aufdringlich, wenn schon in den ersten Stunde eure Email / Telefonnummern gesammelt wird, für Rundmails wegen ausfällen etc.
Bin mal gespannt!
ZoneV
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05-11-2003 08:57 #2
"Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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- 4.692
Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
Dem Narren ein Denkmal.
Dem Reimliebhaber ein Gedicht.
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05-11-2003 09:49 #3
Hi Thomas,
also mit Verweichlichung hat "mein" Sport -es handelt sich um Akrobatik - nicht wirklich viel zu tun. Dort wird gestemmt, geschwitzt und sich richtig reingehängt (und nicht nur im übertragenen Sinn). Wer mehr Training will kann in den Verein gehen (Akrobatik wurde von Unisportlern dort eingeführt, bei entsprechendem Engagement und paar Leuten geht sowas).
Vom "Sportreport" kann ich auch aus anderen Gründen abraten: Die Termine stimmen sehr oft nicht! Die bessere Alternative ist direkt vom Unisport Köln.
Wenn Kurse nicht stattfinden kann das aus verschiedenen Gründen sein: Kein Trainer, keine Nachfrage (z.B: weil die Fortgeschrittenen eh lieber in einen Verein gehen), keine Halle oder so.
Wenn halt mehrere hundert Leute BOP machen wollen, aber keine 5 Rudern für Fortgeschrittene, warum sollte der Unisport kein BOP anbieten?
> ?Jonglieren?, bei dem ich nie verstanden habe, wozu das gut
> sein soll
Für was soll Sport Deiner Meinung nach gut sein? Wenn Sport Sinn machen soll, kann ich wohl noch Radfahren, Laufen und Rudern als Sport ansehen. Besser wäre aber sicher Kohle schaufeln oder Holz hacken.
Was macht für Dich Sport aus?
Das Sport kein Hochleistungssport sein muß ist Dir ja klar, sonst gäbe es für zumindest 75 Millionen Deutsche keinen Grund Sport zu machen, weil sie eh keine Chancen haben Weltmeister zu werden.
Oder bist Du der Meinung zum Sport gehört Wettkampf? Dann soll der Rest der keine Lust auf Höchstleistung hat sich gemütlich vorn Fernsehr schmeissen und Süßigkeiten futtern?
Also meine Quintessenz ist: Die Nachfrage regelt beim Unisport schonmal auch das Angebot. Und die Leute die eineeinhalb Stunden lang einer Trainerin seltsame Übungen nachmachen um ihr Fett zu verbrennen oder ihre Fitness (Wellness) zu erhöhen, haben meinen Respekt.
Was meinst Du mit "dann gerät der Sport insgesamt ins Hintertreffen"? Ich sehe den Hochschulsport eher als Sport für die Basis, nicht als Elite-Training. Wer wirklich gut ist, und mehr will, kann schaun ob er einen Sponsor findet - ich glaube der Unisport hat für solche Höhenflüge kein Geld.
Was macht für Dich "den Sport" aus? Darf Sport keinen Spaß machen? Darf man keine netten Leute treffen?
ZoneV
P.S.: Ich glaub im richtigen Sportheft was von der Radbahn gelesen zu haben.
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05-11-2003 22:02 #4
"Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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- 26.10.2003
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Re: Hochschulsport - Wünsche?
Da ich einen Sportkurs mitleite würde mich mal folgendes interessieren:
Wenn ihr neu in nem Kurs seit:
-Wollt Ihr, daß der Trainer auf euch zugeht und euch einbindet, oder wollt Ihr lieber erst mal kucken?
Klar, ganz oder gar nicht. ich persönlich wäre beleidigt, wenn der Trainer mich erst mal "nur" zugucken liesse.
-Schreckt es euch ab, wenn schon scheinbar jeder außer euch alle anderen kennt? Oder freut euch so ein gutes Verhältniss?
Ich würde mir von Anfang an ein möglichst gutes Bild vom Kurs machen wollen. Wenn es ein Kurs ist, in dem sich schon alle kennen und die Sache vielleicht insgesamt persönlicher gestaltet ist, ist das prima. Auch wenn es nicht so intim zugeht ist das OK, dann steht halt mehr der Fitnessaspekt im Vordergrund. Wichtig ist nur, dass man einen guten Eindruck bekommt, was für ein Ton herrscht und worauf man sich einlässt, finde ich. Und dass man als "Neuer" durchaus willkommen ist und nicht einen eingeschworenen Zirkel stört.
-Speziell die Frauen: In "meinem" Kurs kommt man nicht ohne Körperkontakt aus. Würdet ihr da prinzipiell lieber mit Frauen zusammen üben? Würdet ihr den Wunsch auch äußern?
Ich finde es gut, wenn Männer und Frauen zusammen trainieren. Wenn eine Frau Hemmungen vor körperlicher Nähe mit einem Mann beim Training hat, dann kann sie das glaube ich schon irgendwie signalisieren. Gerade bei Akrobatik sollte sie aber wissen, worauf sie sich einlässt, ansonsten sollte sie vielleicht doch etwas körperloseres machen oder zu den Cheerleadern gehen, die machen ja auch akrobatisches, sind aber meist rein weiblich.
-Findet ihr es aufdringlich, wenn schon in den ersten Stunde eure Email / Telefonnummern gesammelt wird, für Rundmails wegen ausfällen etc.
Nein, finde ich gut. Mache ich in meinen Kursen auch.
Bin mal gespannt!
ZoneV [/B][/QUOTE]
Hoffe, meine Antworten waren Dir hilfreich
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06-11-2003 08:36 #5
Re: Re: Hochschulsport - Wünsche?
Hi!
>Klar, ganz oder gar nicht. ich persönlich wäre beleidigt, wenn
>der Trainer mich erst mal "nur" zugucken liesse.
Naja, leider passiert 's oft, daß ein paar Leute kommen und nur kucken, nicht fragen ob sie mitmachen können. Manche reagieren bei der Frage ob sie nicht mitmachen wollen sogar etwas verschreckt.
Aber eventuell sollte ich zur Neu-Akrobaten-Gewinnung auf die Frage ob das hier BOP wäre immer mit "Ja klar!" antworten und sie nicht in die andere Halle schicken?
Danke für die Antwort!
ZoneV
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