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  1. #31
    SummaCumLaude ist offline "Professor" (750-1499 Beiträge)
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    Zitat Zitat von pax Beitrag anzeigen
    Das Verteilen von wenig Arbeit auf viel Menschen ist übrigens nicht nur das Gegenteil von Wirtschaftswachstum, sondern gerade das Grundübel deutscher Wirtschaftspolitik.
    Es führt offenbar nicht nur dazu, dass in Deutschland auf diese Weise die Produktivität immer weiter sinkt, sondern letztendlich zur Veramrung von weiten Teilen arbeitender Bevölkerung.
    Dieses Übel schien gerade überwunden zu sein und wird nun wieder aus dem Hut gezaubert.

    Gutes Geld für gute Arbeit, wer nicht gebraucht wird, soll auch nicht beschäftigt werden.
    Das nützt nämlich allen Teilen der Bevölkerung, auch jenen Teil der kurzfristig dadurch seinen Job verliert.
    Dann scheinen wir uns zumindest in einem Punkt einig: die Anwesenheit von Gewerkschaften tut der deutschen Wirtschaft keinen Gefallen. Den Arbeitgebern nicht aber insbesondere auch den Arbeitnehmern. Diese würden (wie Du schon sagst) am besten in einem selbstregulierten Markt zurecht kommen. Fakt ist allerdings, dass solch ein Markt auch flexible und dynamische Anpassung aller Seiten erfordert. Für Arbeitnehmer heisst das insbesondere Weiterbildung und Fleixibilität des Wohnorts sowie reduzierte Übergangsregelungen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Im Gegenzug müssten Gehälter steigen, um den Arbeitnehmern eine proaktive Rolle in der Vorsorge zu ermöglichen. Eigentlich eine schöne Idee, sie erfodert jedoch jede Menge Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative - aus der Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung hab ich so meine Zweifel ob das funktionieren kann...

    Was die "Verteilung von wenig Arbeit auf viele Menschen" anbelangt: Deutschland ist ein high tech Land. Der einzige (handelbare) Rohstoff, den Deutschland besitzt, ist Intelligenz und Kreativität, herausragend gutes Engineering und eine weltweit (mit) führende Forschungslandschaft. Entsprechend ist Produktion in Deutschland auch nur der letzte Schritt in einem Veredlungsprozess. Schmutzige und körperlich anstrengende Arbeit ist überwiegend nicht existent, wird aber auch nicht wirklich geschätzt, wenn sie in einem angemessenen (also international konkurrenzfähigen) Rahmen entschädigt wird (Beispiel Spargelstechen für Langzeitarbeitslose). Die Arbeitsverteilung in Deutschland ergibt sich daher überwiegend auf der Basis einer hohen Qualifikation, was natürlich das Land unattraktiv für unqualifizierte Arbeitskräfte macht (und was zu strukturellen Problemen in manchen Teilen des Landes führt). In wie fern Du das allerdings "Verteilung von Arbeit" nennst, ist mir schleierhaft, Arbeit wird schliesslich nicht wie Kekse oder Almosen verteilt, sondern entsteht als letztes Glied in einer Nachfrageketter nach bestimmten Produukten zu bestimmten Preisen.

  2. #32
    Paracelsus ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von SummaCumLaude Beitrag anzeigen
    Dann scheinen wir uns zumindest in einem Punkt einig: die Anwesenheit von Gewerkschaften tut der deutschen Wirtschaft keinen Gefallen. Den Arbeitgebern nicht aber insbesondere auch den Arbeitnehmern. Diese würden (wie Du schon sagst) am besten in einem selbstregulierten Markt zurecht kommen
    Was ein hanebüchener und ahistorischer Unfug! Bevor es Gewerkschaften gab, hatten die Arbeiter den Fabrikbesitzern nicht viel entgegenzusetzen und waren immer in der schwächeren Position. Die Existenz von Gewerkschaften ist ein absolut notwendiges Korrektiv zur im Vergleich übergroßen Macht der Unternehmensinhaber bzw. -lenker. Dass die Macht von Gewerkschaften auf die Rolle des maßvollen Korrektivs begrenzt bleiben muss, ist allerdings auch klar - die Zustände im England der 70er Jahre sind nicht hilfreich für die wirtschaftliche Entwicklung.

    Hört mir bloß auf, irgendwas von "Markt" zu faseln. Das Thema "der Markt regelt alles, wenn man ihn nur lässt" ist durch und der Spruch ist ziemlich offensichtlich als Dummschätz entlarvt. Nichts regelt der Markt allein zum Besten, wenn es kein idealer Markt ist - den hat nur noch keiner gefunden...

    Zitat Zitat von SummaCumLaude Beitrag anzeigen
    Für Arbeitnehmer heisst das insbesondere Weiterbildung und Fleixibilität des Wohnorts sowie reduzierte Übergangsregelungen bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Im Gegenzug müssten Gehälter steigen, um den Arbeitnehmern eine proaktive Rolle in der Vorsorge zu ermöglichen.
    Konkret heisst das: ein kleiner Arbeiter oder Angestellter verdient eben nicht mehr 2000 EUR, sondern 3500-4000 EUR, um sich diese Flexibilität überhaupt leisten zu können, oder er bekommt nach dänischem Vorbild deutlich länger deutlich mehr Arbeitslosengeld, wenn er kurzfristig gekündigt wird.
    Wenn "Ghälter steigen" heisst "50 EUR mehr und dann sollen sie zufrieden sein", bist Du völlig auf dem Holzweg. Dat klappt nicht.

    Zitat Zitat von SummaCumLaude Beitrag anzeigen
    Entsprechend ist Produktion in Deutschland auch nur der letzte Schritt in einem Veredlungsprozess. Schmutzige und körperlich anstrengende Arbeit ist überwiegend nicht existent,
    ...was schlicht falsch ist. Du hast wohl noch nie am Hochofen oder am Fließband bei Opel oder VW gestanden...

    P.

  3. #33
    lausitzer ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Also, was ich heute morgen beim Zappen durchs Unterschichten-Frühstücksfernsehen wieder erschreckend fand, war doch die Tatsache, dass sich Arbeit offenbar immer weniger lohnt, wenn man auch ohne diese eine warme Unterkunft bezahlt kriegt und diese einem auf Wunsch auch noch komplett möbliert wird, wenn man nur einen Antrag ans Amt stellt.

    Wo bleibt da der Anreiz, diese schöne Gemütlichkeit zu verlassen?

    Manifestiert man nicht mit allzu üppiger Förderung den Ist-Zustand des Betroffenen?

  4. #34
    Paracelsus ist offline "Dekan" (1500-2999 Beiträge)
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    Zitat Zitat von lausitzer Beitrag anzeigen
    Wo bleibt da der Anreiz, diese schöne Gemütlichkeit zu verlassen?
    Die Selbstachtung? Wer die bzw. sich schon aufgegeben hat ist auch mit Mittelkürzungen nur schwer aufrüttelbar. Irgendwann kommen eben einige an den Punkt. Dass manche das System schamlos ausnutzen steht auf einem anderen Blatt, aber es gibt genügend Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten, die nur genutzt werden müssen (und bitte bei den Richtigen und nicht mit einer alleinerziehenden Mutter von 3 Kindern einen absurden Streit um 3,50 EUR monatlich anfangen, der am Ende 1000 EUR Gerichtskosten für nix verursacht!)

    Zitat Zitat von lausitzer Beitrag anzeigen
    Manifestiert man nicht mit allzu üppiger Förderung den Ist-Zustand des Betroffenen?
    Über die Frage, was "allzu üppig" bzw. "angemessen" ist, sind schon einige Regalmeter Literatur verfasst worden, ohne dass jemand für sich den Besitz der absoluten Wahrheit reklamieren könnte.

    P.

  5. #35
    Avatar von pax
    pax
    pax ist offline Moderator
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    Zitat Zitat von SummaCumLaude Beitrag anzeigen
    Dann scheinen wir uns zumindest in einem Punkt einig: die Anwesenheit von Gewerkschaften tut der deutschen Wirtschaft keinen Gefallen. Den Arbeitgebern nicht aber insbesondere auch den Arbeitnehmern. Diese würden (wie Du schon sagst) am besten in einem selbstregulierten Markt zurecht kommen.
    Ich weiß nicht wo du das bei mir heraus gelesen hast, aber dem ist nicht so.
    Gewerkschaften sind notwendige Bestandteile des Wirtschaftssystems. In Deutschland haben wir nur das Problem, dass die Gewerkschaften ihre Kompetenzen häufig und weit überschreiten. Das soll heißen, statt sich um die Arbeitsbedingungen und Bezüge der Arbeitnehmer zu kümmern, meinen sie häufig auch noch volkswirtschaftliche Ideologien durchdrücken zu müssen und sich in Sozialpolitik einzumischen.
    Es ist zwar historisch gesehen völlig korrekt, dass Gewerkschaften (besonders im Zusammenhang mit der SPD) Politik betrieben haben, in der heutigen Zeit hingegen halte ich die strikte Trennung von Tarifpolitik und Parteipolitik für sehr wichtig.
    Zitat Zitat von SummaCumLaude Beitrag anzeigen
    Fakt ist allerdings, dass solch ein Markt auch flexible und dynamische Anpassung aller Seiten erfordert.
    Diese Flexibilität hauptsächlich von den Arbeitnehmern zu verlangen ist eine sehr einseitige Sicht aus den 80ern.
    Langsam begreifen viele Unternehmen, dass es produktiver ist, wenn nicht die Arbeitnehmer den Unternehmensstandorten hinterher ziehen müssen, sondern wenn Unternehmen ihre Standorte dorthin bringen wo ihre Arbeiter wohnen.
    Ich sehe vor allem seit etwa 2000 die Ansätze positiv, dass Unternehmen immer mehr darauf achten z.B. ausgeglichene Altersstrukturen in ihrer Belegschaft zu fördern und Familienfreundlichkeit auch langsam aber sicher höhere Prioritäten bekommt.
    Zitat Zitat von SummaCumLaude Beitrag anzeigen
    Was die "Verteilung von wenig Arbeit auf viele Menschen" anbelangt: Deutschland ist ein high tech Land. Der einzige (handelbare) Rohstoff, den Deutschland besitzt, ist Intelligenz und Kreativität, herausragend gutes Engineering und eine weltweit (mit) führende Forschungslandschaft. Entsprechend ist Produktion in Deutschland auch nur der letzte Schritt in einem Veredlungsprozess.
    Tatsächlich ist Deutschland die einzige Wirtschaftsgroßmacht in der die Industrieproduktion immer noch bedeutender ist als der Dienstleistungssektor.
    In nicht wenigen anderen postindustriellen Ländern werden wir sogar um dieses als positiven Aspekt beneidet.

    Zitat Zitat von SummaCumLaude Beitrag anzeigen
    In wie fern Du das allerdings "Verteilung von Arbeit" nennst, ist mir schleierhaft, Arbeit wird schliesslich nicht wie Kekse oder Almosen verteilt, sondern entsteht als letztes Glied in einer Nachfrageketter nach bestimmten Produkten zu bestimmten Preisen.
    Mit Verteilung von Arbeit meine ich die Aufteilung der Arbeit durch Arbeitszeitverkürzungen (Kurzarbeit) auf mehrer Arbeitnehmer um Entlassungen zu vermeiden. Häufig geht das dann mit einem Lohnverzicht einher.
    Das künstliche Halten von Arbeitsplätzen, trotz Schrumpfens der Produktion im Unternehmen , ist immer gleichzusetzen mit Produktivitätsverlust.

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